Die Erlauftalbahn: Der abgetragene Abschnitt zwischen Scheibbs und Kienberg-Gaming

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Erlauftalbahn: Der abgetragene Abschnitt zwischen Scheibbs und Kienberg-Gaming

Die Erlauftalbahn führt von Pöchlarn nach Scheibbs, ihr Ende bis Kienberg-Gaming ist seit 2010 ohne Personenverkehr und die normalspurigen Gleise sind abgetragen. Dort beginnt die Museumsbahn der Ybbstalbahn.

VORHER · 2009

Der Bahnhof Neubruck 2009.

Der Bahnhof Neubruck 2009. Foto: Priwo, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
NACHHER · 2017

Der Bahnhof Neubruck 2017.

Der Bahnhof Neubruck 2017. Foto: GT1976, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1877
Eröffnung der Erlauftalbahn
1898
Ybbstalbahn bis Kienberg-Gaming
2010
Personenverkehr endet
2015
Verkauf an den Verein ÖGLB

Strecke: Pöchlarn über Scheibbs bis Kienberg-Gaming, ursprünglich 37,8 Kilometer. Status: Pöchlarn–Scheibbs in Betrieb, Scheibbs–Kienberg-Gaming seit Dezember 2010 ohne Personenverkehr, Gleise abgetragen. Heute: Der Bahnhof Kienberg-Gaming gehört dem Verein ÖGLB und ist Ausgangspunkt der Museumsbahn.

Die Erlauftalbahn verband Pöchlarn an der Westbahn über Wieselburg und Scheibbs mit Kienberg-Gaming.

Zwischen Pöchlarn und Scheibbs ist sie in Betrieb.

Zwischen Scheibbs und Kienberg-Gaming wurde im Dezember 2010 der Personenverkehr zugunsten einer Busverbindung eingestellt.

Die normalspurigen Gleise dieses Abschnitts wurden abgetragen, der Bahnhof Kienberg-Gaming gehört seit 2015 dem Verein ÖGLB, der dort die Bergstrecke der Ybbstalbahn als Museumsbahn betreibt.

Dieser Beitrag erzählt den Abschnitt Scheibbs–Kienberg-Gaming und die Geschichte der ganzen Bahn.

Entstehung: Eine Bahn für die Eisenwurzen

Der Bau einer Linie durch das Erlauftal war hauptsächlich durch die dort hoch entwickelte Kleineisenindustrie bedingt.

Schon das ursprüngliche Trassenprojekt der Kaiserin-Elisabeth-Westbahn sah eine Verbindung von St. Pölten, Schauboden im Erlauftal und Amstetten vor.

Als die Westbahn über Melk geführt wurde, wollten die Hammerherren wenigstens den Anschluss der Eisenwurzen an die Westbahn und damit an die Donau erreichen.

Großes Verdienst erwarben sich Andreas Töpper, der Erfinder der Blechwalze, sein Nachfolger Adolf Horst in Neubruck, Josef Reiser in Kienberg, Anton Fanta in Neustift und Ignaz Höfinger aus Scheibbs.

Am 3. November 1874 wurde die Konzession erteilt und am 6. März 1875 verlautbart.

Am 19. Oktober 1876 konstituierten sich die k. k. priv. niederösterreichischen Südwestbahnen.

Der Bahnhof Scheibbs im Jahr 1901.
Der Bahnhof Scheibbs im Jahr 1901. Foto: Ledermann, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Den Bau übernahmen Franz Kraus, Johann Prokop und Georg Schlechter, er wurde 1877 unter Oberingenieur Büchler als Bauleiter vollendet.

Die technisch-polizeiliche Probefahrt wurde 1877 für beendet erklärt, die Eröffnung für den folgenden Tag, den 22. Oktober, bewilligt.

Die Eröffnungsfeier fand im Rahmen eines Festes unter der Leitung von Ignaz Höfinger in Scheibbs statt.

Die Aktiengesellschaft sah sich unlösbaren Finanzierungsproblemen gegenüber, der Staat übernahm die Restfinanzierung und 1878 die gesamte Bahnanlage als k. k. niederösterreichische Staatsbahnen.

Am 28. Juni 1878 beschloss die Generalversammlung die Liquidation der Gesellschaft.

So sah es vorher aus: Industrie und Ausflugsverkehr

Das Kursbuch des Jahres 1878 wies nur ein gemischtes Zugpaar pro Tag auf, der Verkehr entwickelte sich aber wegen der Eisenindustrie zufriedenstellend.

Die Eisenwerke im Erlauftal konnten im Wettbewerb größerer Produktionsbereiche bestehen, die Bahn erschloss außerdem das Gebiet für den aufkeimenden Fremdenverkehr, insbesondere ins Ybbstal und in Richtung des Ötschers.

Die Eisenindustrie konnte sich unter der Einwirkung der Erfindung des Bessemerstahls in ihrer ursprünglichen Gestalt nicht halten.

Zunächst setzten die k.k. Staatsbahnen die von den Südwestbahnen übernommenen Lokomotiven der Reihen 85, 90, 91 und 92 ein, später kamen Lokalbahnlokomotiven der Reihe 178.

1898 wurde die schmalspurige Ybbstalbahn als Verlängerung in Richtung Ybbstal eröffnet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fuhren bis 1966 Lokomotiven der Reihe 770 auf der Strecke, dazu Maschinen der Reihe 93.

Um 1970 erfolgte die Verdieselung mit Triebwagen der Reihen 5046 und 5146 sowie Loks der Reihe 2143, seit den 1990er Jahren fahren ausschließlich Triebwagen der Reihe 5047.

Der Zug 6921 von Kienberg-Gaming nach Pöchlarn am 10. Februar 1992.
Der Zug 6921 von Kienberg-Gaming nach Pöchlarn am 10. Februar 1992. Foto: Phil Richards from London, UK, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Zeitweise war eine dritte Schiene zwischen Kienberg und Wieselburg geplant, mit der die Netze der Mariazellerbahn und der Ybbstalbahn hätten verknüpft werden können.

Der Bahnhof Scheibbs mit dem Dieseltriebwagen 5047 006 am 12. Juni 2011.
Der Bahnhof Scheibbs mit dem Dieseltriebwagen 5047 006 am 12. Juni 2011. Foto: Herbert Ortner, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Streckenverlauf bis Kienberg-Gaming

Die Bahn verließ den Bahnhof Pöchlarn und bog bei Brunn an der Erlauf südwärts ins Erlauftal ein.

Hinter Scheibbs, das auf 331 Metern liegt, führte sie am westlichen Hangfuß der Talschaft bis zum Bahnhof Kienberg-Gaming auf 391 Metern.

Dort nimmt die Ybbstalbahn ihren Ausgang.

Der Abschnitt Scheibbs–Kienberg-Gaming ist inzwischen abgetragen, sein Verlauf aber noch gut erkennbar.

Das Ende des Abschnitts 2010 und der Verkauf 2015

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2010 stellten die ÖBB den Schienenpersonennahverkehr zwischen Scheibbs und Kienberg-Gaming zugunsten einer Busverbindung ein.

Seit dem 12. Dezember 2010 ist Scheibbs der Endpunkt der Erlauftalbahn.

Die zur Ybbstalbahn gehörende Museumsbahn verlor damit ihren Bahnanschluss.

2015 verkaufte die ÖBB die Strecke zwischen Scheibbs und Kienberg-Gaming einschließlich des Bahnhofsareals in Kienberg-Gaming an den Verein ÖGLB.

Die normalspurigen Gleisanlagen wurden daraufhin abgetragen, um den Ankauf des Bahnhofs Kienberg-Gaming zu refinanzieren.

Es besteht die Möglichkeit, auf der erhaltenen Trasse eine Verlängerung der Schmalspurbahn nach Scheibbs zu realisieren.

Kienberg-Gaming: Übergang zur Ybbstalbahn

Der Bahnhof Kienberg-Gaming war der Endpunkt der normalspurigen Erlauftalbahn und der Endpunkt der von Waidhofen aus kilometrierten Stammstrecke der Ybbstalbahn.

Ein Übergang verband beide Bahnen.

Heute ist der Bahnhof der Ausgangspunkt der Museumsbahn auf der Bergstrecke nach Lunz am See.

In Kienberg-Gaming befinden sich die betrieblichen Einrichtungen der Museumsbahn mit Lokschuppen und Werkstätte, einer Drehscheibe und einer neu errichteten Wagen-Abstellhalle.

Die Bergstrecke ist 17,5 Kilometer lang und wurde 1898 eröffnet, die Fortsetzung über den Pfaffenschlag wurde im Mai 1988 eingestellt und wird seit 1990 als Museumsbahn betrieben.

Mehr dazu steht im Beitrag Die Ybbstalbahn.

Der Bahnhof Kienberg-Gaming 2009.
Der Bahnhof Kienberg-Gaming 2009. Foto: Priwo, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Der Bahnhof Kienberg-Gaming 2009, ein weiterer Blick.
Der Bahnhof Kienberg-Gaming 2009, ein weiterer Blick. Foto: Priwo, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Die Einfahrt in den Bahnhof Kienberg-Gaming am 16. September 2011.
Die Einfahrt in den Bahnhof Kienberg-Gaming am 16. September 2011. Foto: wdwd, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahnhof Kienberg-Gaming 2017.
Der Bahnhof Kienberg-Gaming 2017. Foto: GT1976, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die ehemaligen Halte zwischen Scheibbs und Kienberg-Gaming

Nach Scheibbs bei Kilometer 26,865 folgen in der Streckentabelle ausschließlich ehemalige Halte.

Neustift liegt bei Kilometer 28,758.

Neubruck bei Kilometer 30,661 war ein Bahnhof, Fürteben bei Kilometer 31,697 und Peutenburg bei Kilometer 33,960 waren Haltestellen.

Bei Kilometer 36,358 zweigte der Gleisanschluss der Firma Worthington ab, der Endpunkt Kienberg-Gaming liegt bei Kilometer 37,495.

In Neustift entstand im 17. und 18. Jahrhundert durch die Errichtung von Hammerwerken die Werksiedlung Neustift im Erlauftal.

1843 wurde dort unter Franz Freiherr von Wertheim eine Werkzeugproduktion begonnen.

Der Halt Neustift 2009.
Der Halt Neustift 2009. Foto: Priwo, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Der Halt Neustift 2009, ein weiterer Blick.
Der Halt Neustift 2009, ein weiterer Blick. Foto: Priwo, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Neubruck liegt an der Mündung der Jessnitz in die Erlauf.

Das Schloss Neubruck war einst der Verwaltungssitz der Töpperwerke.

Der Halt Peutenburg 2009.
Der Halt Peutenburg 2009. Foto: Priwo, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Die Erlauftalbahn heute

Die Reststrecke zwischen Pöchlarn und Scheibbs sollte bis 2028 elektrifiziert werden, wurde aber auf 2033 verschoben.

Einzelne Bahnhöfe wurden inzwischen modernisiert und mit barrierefrei zugänglichen Bahnsteigen ausgestattet.

In Wieselburg zweigt eine Bahnstrecke nach Gresten ab, ursprünglich ein Abschnitt der schmalspurigen Lokalbahn Ober-Grafendorf–Gresten, die 1998 auf Normalspur umgebaut wurde und nur im Güterverkehr bedient wird.

Vorher und nachher: Neubruck

Neubruck lag bei Kilometer 30,661 der Erlauftalbahn und war ein Bahnhof.

Die Fotos von 2009 und 2017 zeigen dasselbe Gebäude.

Die Geschichte in Daten

3. November 1874: Die Konzession für die Bahn wird erteilt.

19. Oktober 1876: Die niederösterreichischen Südwestbahnen konstituieren sich.

1877: Die Erlauftalbahn wird eröffnet.

1878: Der Staat übernimmt die gesamte Bahnanlage.

1898: Die schmalspurige Ybbstalbahn wird bis Kienberg-Gaming eröffnet.

Um 1970: Die Verdieselung der Strecke.

Mai 1988: Die Bergstrecke der Ybbstalbahn von Lunz am See nach Kienberg-Gaming wird eingestellt.

1990: Der Museumsbetrieb auf der Bergstrecke beginnt.

1998: Die Strecke nach Gresten wird auf Normalspur umgespurt.

12. Dezember 2010: Scheibbs wird Endpunkt, zwischen Scheibbs und Kienberg-Gaming fährt ein Bus.

2015: Die ÖBB verkaufen den Abschnitt Scheibbs–Kienberg-Gaming an den Verein ÖGLB.

Häufige Fragen

Fährt auf der Erlauftalbahn noch ein Zug?
Zwischen Pöchlarn und Scheibbs fahren Züge der ÖBB. Zwischen Scheibbs und Kienberg-Gaming gibt es seit Dezember 2010 keinen Personenverkehr.
Sind die Gleise zwischen Scheibbs und Kienberg-Gaming noch da?
Die normalspurigen Gleisanlagen wurden abgetragen, um den Ankauf des Bahnhofs Kienberg-Gaming zu refinanzieren.
Wem gehört der Bahnhof Kienberg-Gaming?
Die ÖBB verkauften 2015 die Strecke zwischen Scheibbs und Kienberg-Gaming samt Bahnhofsareal an den Verein ÖGLB.
Wann wurde die Erlauftalbahn eröffnet?
Die Eröffnung wurde für 1877 bewilligt.
Kann die Museumsbahn nach Scheibbs verlängert werden?
Es besteht die Möglichkeit, auf der erhaltenen Trasse eine Verlängerung der Schmalspurbahn nach Scheibbs zu realisieren.

Die Erlauftalbahn endet seit 2010 für Reisende in Scheibbs, ihre Trasse bis Kienberg-Gaming ist erhalten und führt zum Bahnhof der Museumsbahn.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Pöchlarn–Kienberg-Gaming · Wikipedia: Ybbstalbahn · Wikipedia: Neubruck · Wikipedia: Neustift (Gemeinde Scheibbs)

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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