Die Strassenbahn Lugano: Drehstrom-Tram am Luganersee, 1959 eingestellt
Die Strassenbahn Lugano fuhr von 1896 bis 1959 und wurde zunächst mit Drehstrom betrieben. Das Netz wuchs auf vier Linien und wurde ab 1954 durch den Trolleybus ersetzt.

Lage: Lugano, Kanton Tessin. Status: Stillgelegt, ab 1954 schrittweise durch den Trolleybus ersetzt. Heute: Erhaltene Anlagen der Strecken sind nicht belegt, ein neues städtisches Schienennetz ist in Planung.
Die Strassenbahn Lugano war von 1896 bis 1959 in Betrieb.
Sie wurde zunächst mit Drehstrom betrieben.
Seit 1959 fährt sie nicht mehr, sie ist stillgelegt.
Der Strassenbahnabschnitt der Lugano-Cadro-Dino-Bahn gehörte zu einer eigenen Gesellschaft und steht im Beitrag über die stillen Bahnen nach Tesserete und Dino.
Freie Fotos gibt es aus der Betriebszeit, nicht aber von erhaltenen Anlagen der Strecken.
Der Versuchsbetrieb und die Eröffnung 1896
Vor und nach 1900 herrschte ein unerbittlicher Streit um das am besten geeignete Bahnstromsystem.
Brown, Boveri & Cie. favorisierte das Drehstromsystem und lieferte die elektrotechnische Ausrüstung für die Strassenbahn Lugano.
Von Dezember 1895 bis zur Betriebseröffnung führte das Unternehmen auf einem rund 2,5 Kilometer langen Teilstück Versuchsfahrten mit 350 Volt und 40 Hertz Drehstrom durch.
Dabei störte die Bahn eine Telefonleitung, die auf über einem Kilometer parallel zur Strecke verlief, bis zur Eröffnung wurde das auf ein erträgliches Mass verringert.
Die 1894 gegründete private Aktiengesellschaft Società Luganese dei Tramways Elettrici nahm am 1. Juni 1896 den regulären Betrieb mit 400 Volt und 40 Hertz Drehstrom auf.
Die Energie kam aus einem Wasserkraftwerk in Maroggia, das auch die Stadt Lugano und die San-Salvatore-Bahn mit Strom versorgte.
Dank des Drehstroms konnte auf ein mit Personal besetztes Unterwerk verzichtet werden.
Eine Transformatorenstation senkte die Spannung der Übertragungsleitung von 5000 Volt auf die Fahrleitungsspannung von 400 Volt.
Die Fahrleitung war zweipolig, an den Ausweich- und Abzweigungsstellen verzweigte sie sich in vier Drähte.
Fahrleitungsweichen gab es nicht, deshalb hielten die Triebwagen an, und das Personal legte die beiden Trolleystromabnehmer von Hand um.
So sah es vorher aus: vier Linien ab Piazza Giardino
Bei der Eröffnung führten drei Linien von der Piazza Giardino im Stadtzentrum aus los.
Sie führten nach Cassarate, dem Luganersee entlang nach Paradiso und nach Molino Nuovo.
Ein Jahr nach der Betriebseröffnung änderte die Gesellschaft ihren Namen in Tramvie Elettriche Luganesi.
Wegen guter Verkehrsergebnisse wurde das Netz nach und nach erweitert.

Linie 1 führte von der Piazza Giardino nach Paradiso, mit einer Abzweigung zur Talstation der San-Salvatore-Bahn.
Linie 2 führte von der Piazza Giardino nach Cassarate.
Linie 3 führte von der Piazza Giardino nach Molino Nuovo.
1905 wurde diese Linie von Molino Nuovo zum Friedhof verlängert.
Linie 4 führte seit 1910 von der Piazza Giardino zum Bahnhof Lugano.
1927 wurde sie bis Besso verlängert, damit erreichte das Netz seine grösste Ausdehnung.

Bei grösster Ausdehnung bestand das Netz aus vier Linien mit einer Gesamtlänge von 7,484 Kilometern.
Es war eingleisig und meterspurig.
Der minimale Kurvenradius betrug zunächst nur 15 Meter, die maximale Steigung 60 Promille.
Nach der Übernahme durch die Stadt wurde der minimale Kurvenradius auf 20 Meter vergrössert.
Die neue Linie zum Bahnhof enthielt aber Steigungen bis zu 93 Promille.

Von Drehstrom auf Gleichstrom
Das Drehstromsystem konnte seine Vorteile beim Strassenbahnbetrieb mit kurzen Strecken und häufigen Zwischenhalten nicht ausspielen.
1910 wurde es durch 1000 Volt Gleichspannung mit einpoliger Fahrleitung ersetzt.
Das Tram hatte nun dieselbe Spannung wie die verbundenen Überlandbahnen Lugano-Cadro-Dino, Lugano-Tesserete und Lugano-Ponte-Tresa.
Die Umstellung machte neues Rollmaterial nötig.
Die Umelektrifizierung und die Netzerweiterung führten zu Zinslasten und einem sprunghaften Anstieg der Betriebskosten.
Mit dem Kriegsausbruch 1914 wurde die finanzielle Lage prekär, der Betrieb war defizitär.
Am 1. Juli 1918 ging die Gesellschaft durch Verkauf in den städtischen Betrieb Tramvie Comunali di Lugano über, die Stadt Lugano glich die Defizite aus.
Die Fahrzeuge
Bei der Eröffnung bestand der Fahrzeugpark aus vier 24-plätzigen Triebwagen Ce 1/2, von denen einer als Reserve diente.
Den elektrischen Teil lieferte Brown, Boveri & Cie., den mechanischen Teil Herbrand.
Jeder Wagen hatte einen einzigen Drehstrommotor mit 20 PS, die Fahrgeschwindigkeit betrug 15 Kilometer pro Stunde.
Bei zu hoher Geschwindigkeit ging der Fahrmotor selbständig in den Rekuperationsbremsbetrieb über.
1900 und 1907 wurde je ein Triebwagen nachbeschafft.
Mit der Umstellung auf Gleichstrom wurden die Triebwagen aus dem Verkehr gezogen.
Wagen 2 kam 1913 zur Lugano-Cadro-Dino-Bahn, die ihn für Gleichstrom umbaute und als Ce 2/2 5 einsetzte, 1951 wurde er ausrangiert.

Die vier Triebwagen Ce 1/2 wurden durch zwölf neue Triebwagen Ce 2/2 ersetzt.
Den elektrischen Teil lieferte Alioth in Münchenstein, den mechanischen Teil die Wagonsfabrik Schlieren.
Die Wagen 1 bis 3 hatten eine etwas grössere Leistung und fuhren auf der Steilstrecke der Linie 4 zum Bahnhof.
Nach der Abschaffung der dritten Wagenklasse hiessen sie Be 2/2.
Das Ende: der Trolleybus löst die Tram ab
Ab 1954 wurde das Strassenbahnnetz schrittweise verkürzt und durch den Trolleybus ersetzt.
Die für Trolleybusse ungewöhnliche Fahrleitungsspannung von 1000 Volt wurde von der Strassenbahn übernommen, was die Umstellung erleichterte.
1959 wurde der Trambetrieb ganz eingestellt, um Raum für den motorisierten Strassenverkehr zu schaffen.
So sieht es jetzt aus
Nach der Auflösung des Strassenbahnbetriebs wurde Wagen 3 an die Lugano-Ponte-Tresa-Bahn verkauft, die ihn bis 1970 als Dienstfahrzeug einsetzte.
Wagen 4 übernahm die Lugano-Cadro-Dino-Bahn, die ihn auf ihrem Strassenbahnteilstück vom Zentrum nach La Santa einsetzte.
Die Lugano-Cadro-Dino-Bahn betrieb diesen zwei Kilometer langen Abschnitt seit 1911 als Strassenbahn, 1964 wurde der Trambetrieb dort durch eine Buslinie ersetzt.
Für ein neues städtisches Schienennetz in Lugano wurden im April 2017 240 Millionen Franken an Bundesgeldern zugesichert.

Vorher und nachher: die Piazza Giardino
Die Piazza Giardino war der gemeinsame Ausgangspunkt der vier Linien.
Das Foto von etwa 1910 im Abschnitt über die Linien zeigt dort ein Tram.
Ein freies Foto desselben Ortes aus neuerer Zeit liegt nicht vor.
1894: Gründung der Società Luganese dei Tramways Elettrici.
Dezember 1895: Versuchsfahrten mit Drehstrom auf einem rund 2,5 Kilometer langen Teilstück.
1. Juni 1896: Beginn des regulären Betriebs mit drei Linien und 400 Volt Drehstrom.
1900: Ein Triebwagen wird nachbeschafft.
1905: Linie 3 wird von Molino Nuovo zum Friedhof verlängert.
1907: Ein weiterer Triebwagen wird nachbeschafft.
1910: Umstellung auf 1000 Volt Gleichstrom, vierte Linie zum Bahnhof.
1913: Wagen 2 geht an die Lugano-Cadro-Dino-Bahn.
1. Juli 1918: Die Gesellschaft geht in den städtischen Betrieb über.
1927: Verlängerung der Linie 4 bis Besso, grösste Ausdehnung des Netzes.
1954: Beginn der schrittweisen Verkürzung des Netzes zugunsten des Trolleybus.
1959: Einstellung des Trambetriebs.
1964: Auch der Trambetrieb der Lugano-Cadro-Dino-Bahn endet.
Wann fuhr die Strassenbahn Lugano?
Womit fuhr die Strassenbahn Lugano?
Welche Linien gab es?
Warum wurde die Strassenbahn eingestellt?
Wie lang war das Netz?
Was geschah mit den Fahrzeugen?
Wikipedia: Strassenbahn Lugano · Wikipedia (englisch): Trams in Lugano · Wikimedia Commons: Drehstromtram Lugano.jpg · Wikimedia Commons: TEL Piazza Giardino.jpg
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