Lugano: Die stillen Bahnen nach Tesserete und Dino

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Lugano: Die stillen Bahnen nach Tesserete und Dino

Zwei meterspurige Bahnen führten von Lugano in die Hügel, die eine nach Tesserete, die andere über Cadro nach Dino. Beide wurden von Bussen abgelöst, und mit ihnen verschwanden ihre Halte.

VORHER · 1960

Das Stationsgebäude von Tesserete, Bahnseite.

Das Stationsgebäude von Tesserete, Bahnseite. Foto: Hans-Rudolf Berner, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2007

Die frühere Bahnseite des Stationsgebäudes.

Die frühere Bahnseite des Stationsgebäudes. Foto: Hans-Rudolf Berner, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1909
Lugano–Tesserete eröffnet
1911
Lugano–Cadro–Dino eröffnet
1967
Lugano–Tesserete eingestellt
1970
Lugano–Cadro–Dino eingestellt

Lage: Lugano und die Hügel im Nordosten, Tessin. Status: Beide Bahnen sind seit 1967 beziehungsweise 1970 ohne Betrieb, Busse haben sie ersetzt. Heute: Der nördliche Tunnel der Dino-Bahn ist als Teil eines Fussweges begehbar.

Von Lugano aus führten einst drei meterspurige Bahnen ins Umland: nach Ponte Tresa, nach Tesserete und nach Dino.

Nur die Bahn nach Ponte Tresa besteht noch.

Die beiden anderen, die Lugano-Tesserete-Bahn und die Lugano-Cadro-Dino-Bahn, wurden 1967 beziehungsweise 1970 eingestellt und durch Busse ersetzt.

Dieser Beitrag nennt die Halte beider Bahnen und was zu ihnen belegt ist.

Es gibt keine freien Fotos der einzelnen Halte, die Bilder zeigen Fahrzeuge, das Stationsgebäude von Tesserete und die letzte Fahrt der Dino-Bahn.

Am Ende steht ein Hinweis auf zwei stille Halte an der Gotthardbahn.

Lugano–Tesserete: Eine Bahn für Pendler und Touristen

Die Gesellschaft für die Lugano-Tesserete-Bahn wurde am 17. September 1905 in Tesserete gegründet.

Grundlage war eine Bundeskonzession von 1897.

1908 änderte sich der Firmenname von Tramvia zu Ferrovia, weil die Trasse in vielen Abschnitten unabhängig von der Kantonsstrasse verlief.

Die Bahn wurde am 25. Juli 1909 eröffnet, sie war von Beginn an elektrifiziert.

Von Anfang an gab es starken Pendler- und Touristenverkehr.

Die Strecke war rund 8 Kilometer lang, hatte höchstens 65 Promille Steigung und einen kleinsten Kurvenradius von 35 Metern.

Die ersten 660 Meter lagen im Strassenraum, bis Canobbio verlief die Bahn neben der Kantonsstrasse, danach auf eigenem Bahnkörper.

Ein Motorwagen der Lugano-Tesserete-Bahn mit Laternendach, Ansicht aus der Anfangszeit.
Ein Motorwagen der Lugano-Tesserete-Bahn mit Laternendach, Ansicht aus der Anfangszeit. Foto: unknown – repro by commons.limousin, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Ausgangspunkt war ein eigenes Stationsgebäude am Rande des Bahnhofplatzes von Lugano.

Weil die Lugano-Ponte-Tresa-Bahn dieselbe Spurweite hatte, tauschte man regelmässig Güter- und Personenwagen aus.

1911 gelang es nicht, eine gemeinsame Betriebsführung mit der Ponte-Tresa-Bahn zu vereinbaren, immerhin wurde ein Gleisanschluss zwischen den beiden Bahnhöfen in Lugano für Güterwagen gebaut.

Der Triebwagen ABFe 4/4 2 der Lugano-Tesserete-Bahn auf dem Bahnhofplatz in Lugano, 1963.
Der Triebwagen ABFe 4/4 2 der Lugano-Tesserete-Bahn auf dem Bahnhofplatz in Lugano, 1963. Foto: André Renault, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Die Halte: Massagno und Sassa

Der erste Halt Massagno lag bei Kilometer 0,4 auf 343 Metern Höhe.

Sassa folgte bei Kilometer 0,8 auf 349 Metern.

Zwischen Lugano und Massagno gab es zusätzlich den Gleisanschluss zur Bahn nach Ponte Tresa.

Zu den Gebäuden beider Halte ist nichts belegt.

Die Halte: Ricordone, Belvedere di Porza und der Tunnel

Ricordone lag bei Kilometer 1,8 auf 360 Metern, Belvedere di Porza bei 2,1 auf 387 Metern.

Zwischen den beiden Halten durchfuhr die Bahn die Galleria di Belvedere di Porza, einen Tunnel von 70 Metern Länge.

Zum heutigen Zustand des Tunnels ist nichts belegt.

Die Halte: Vira, Trevano und Canobbio

Vira lag bei Kilometer 2,9 und Trevano bei 3,1 auf 409 Metern Höhe.

Canobbio bei Kilometer 3,8 und 421 Metern war der Punkt, ab dem die Bahn auf eigenem Bahnkörper verlief.

Zu den einzelnen Gebäuden ist nichts belegt.

Die Halte: Sureggio, Lugaggia und Tesserete

Sureggio lag bei Kilometer 5,5 auf 464 Metern, Lugaggia bei 7,0 auf 498 Metern.

Der Endpunkt Tesserete lag bei Kilometer 7,8 auf 516 Metern.

Das Stationsgebäude von Tesserete zeigen Bilder von 1960, aus der Betriebszeit, und von 2007, nach dem Ende der Bahn.

Der Triebwagen ABFe 4/4 2 kurz vor dem Endpunkt Tesserete, 1967.
Der Triebwagen ABFe 4/4 2 kurz vor dem Endpunkt Tesserete, 1967. Foto: André Renault, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Das Ende der Lugano-Tesserete-Bahn

Nach 1945 setzte die Konkurrenz des Autos der Bahn zu.

Diskutiert wurden ein Ersatz durch Oberleitungsbus oder Autobus und eine Zusammenlegung mit der Lugano-Cadro-Dino-Bahn.

Im Mai 1967 wurde der Betrieb eingestellt, die Fahrzeuge wurden um 1969 meist abgebrochen.

Ein Triebwagen ging als Ersatzteilspender an die Centovallibahn, zwei Güterwagen übernahm die Ponte-Tresa-Bahn.

1969 übernahm die Lugano-Tesserete-Bahn die Lugano-Cadro-Dino-Bahn, 1970 wurde sie offiziell aufgehoben, 1971 hiess die Firma Autolinee Regionali Luganesi.

Lugano–Cadro–Dino: Zwei Bahnen in einer

Die Gesellschaft der Lugano-Cadro-Dino-Bahn wurde am 29. Dezember 1908 gegründet.

Der städtische Abschnitt in Lugano ging am 2. Januar 1911 in Betrieb, der Abschnitt bis Dino am 27. Juni 1911.

Die Strecke entstand, nachdem die Tesserete-Bahn den Westhang des Cassarate-Tals erschlossen hatte, die Orte am Osthang wollten ebenfalls eine Verbindung nach Lugano.

Sie war 7,8 Kilometer lang, hatte höchstens 40 Promille Steigung und überwand 210 Höhenmeter.

Auf der Strecke lagen zwei Tunnel von 96 und 65 Metern Länge und vier Brücken, die zehn Meter lange Steinbrücke ausgenommen aus Stahl.

Die ersten zwei Kilometer lagen im Strassenraum und wurden tramähnlich betrieben.

Postkarte mit dem Triebwagen CFe 2/2 Nr. 1 der Lugano-Cadro-Dino-Bahn.
Postkarte mit dem Triebwagen CFe 2/2 Nr. 1 der Lugano-Cadro-Dino-Bahn. Foto: Unknown author Unknown author, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Die Halte in Lugano: Von Piazza Manzoni bis La Santa

Die Bahn begann am Seeufer gegenüber dem zentralen Landesteg an der Piazza Manzoni auf 272 Metern.

Die Piazza Indipendenza folgte bei Kilometer 0,5, danach Corso Elvezia, Ospedale und Ponte Madonnetta, zu denen keine Kilometerangaben vorliegen.

Bei Kilometer 1,6 lag das Depot La Santa, bei 2,0 der Halt La Santa auf 286 Metern.

Ab dem Depot begann der eigentliche Bahnabschnitt.

Am 27. September 1967 wurde der Endpunkt in Lugano an die Piazza Indipendenza verlegt und der Bahnhof am Seeufer mit Anschluss an die Schifffahrt aufgegeben.

Ein Wagen der Lugano-Cadro-Dino-Bahn in La Santa, 1967.
Ein Wagen der Lugano-Cadro-Dino-Bahn in La Santa, 1967. Foto: Hans-Peter Bärtschi, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Halte: Scarpino, Viganello und Pregassona

Scarpino lag in Viganello bei Kilometer 2,3 auf 303 Metern, Viganello bei 2,9 auf 322 Metern.

Viarnetto in Pregassona folgte bei 3,3 auf 348 Metern, Pregassona bei 3,9 auf 351 Metern.

Hinter La Santa stieg die Strecke mit zwei engen Kehren an und folgte dann in Hanglage in geringem Abstand der Kantonsstrasse.

Zu den Gebäuden ist nichts belegt.

Die Halte: Ventuno, Soragno und Davesco

Ventuno lag bei Kilometer 4,6 auf 374 Metern, Soragno bei 5,2 auf 394 Metern.

Davesco folgte bei 5,8 auf 412 Metern.

Auch hier sind keine Angaben zu Gebäuden belegt.

Die Halte: Cadro und Dino-Sonvico

Cadro lag bei Kilometer 7,1 auf 456 Metern, der Endpunkt Dino-Sonvico bei 7,8 auf 482 Metern.

Die Haltestelle Cadro dürfte die einzige Haltestelle der Schweiz sein, die im Namen einer Bahngesellschaft vorkommt.

Ein Zug der Lugano-Cadro-Dino-Bahn am Tag der letzten Fahrten, 30. Mai 1970.
Ein Zug der Lugano-Cadro-Dino-Bahn am Tag der letzten Fahrten, 30. Mai 1970. Foto: Alain Gavillet ("trams aux fils."), CC BY 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Ende der Dino-Bahn

In den 1960er Jahren verschärften sich die Probleme, weil der Autoverkehr zunahm und die Züge auf der Strasse nur schwer fahren konnten.

Der Trambetrieb in Lugano wurde Mitte der 1960er Jahre eingestellt, die Quellen nennen 1964 beziehungsweise den 1. Januar 1965.

Die Fahrgastzahlen sanken von 1.064.807 im Jahr 1964 auf 475.164 im Jahr 1965.

Am 7. Juni 1969 übernahm die Lugano-Tesserete-Bahn die Dino-Bahn und beschloss die Stilllegung mit Busersatz.

Die letzten Zugfahrten fanden am 30. Mai 1970 statt, danach übernahmen die Busse der Autolinee Regionali Luganesi.

Ein Zug der Lugano-Cadro-Dino-Bahn am 30. Mai 1970.
Ein Zug der Lugano-Cadro-Dino-Bahn am 30. Mai 1970. Foto: Alain Gavillet ("trams aux fils."), CC BY 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ein Zug der Lugano-Cadro-Dino-Bahn am Depot.
Ein Zug der Lugano-Cadro-Dino-Bahn am Depot. Foto: Alain Gavillet ("trams aux fils."), CC BY 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Der nördliche Tunnel der Dino-Bahn ist als Teil eines Fussweges begehbar.

Der südliche Tunnel ist am Nordportal zubetoniert und der anschliessende Einschnitt verfüllt, auf dieser Fläche liegt ein Parkplatz an der Via G. Guioni.

Die Stadt nutzt den südlichen Tunnel als Materiallager.

Der Triebwagen Be 4/4 9 ging 1973 an die Montreux-Berner Oberland-Bahn, wo er als Be 4/4 1001 in Betrieb kam.

Ein Sommerwagen der Dino-Bahn ist bei der Museumsbahn Blonay–Chamby erhalten.

Der Triebwagen Be 4/4 1001 der Montreux-Berner Oberland-Bahn, früher Be 4/4 9 der Lugano-Cadro-Dino-Bahn, 2011.
Der Triebwagen Be 4/4 1001 der Montreux-Berner Oberland-Bahn, früher Be 4/4 9 der Lugano-Cadro-Dino-Bahn, 2011. Foto: NAC, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ein Sommerwagen der Lugano-Cadro-Dino-Bahn bei der Museumsbahn Blonay–Chamby.
Ein Sommerwagen der Lugano-Cadro-Dino-Bahn bei der Museumsbahn Blonay–Chamby. Foto: BCFeh, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Pollegio und Rodi-Fiesso: Zwei Halte der Gotthardbahn

Die Gotthard-Bergstrecke ist in Betrieb, nur zwei ihrer Halte sind ohne Reiseverkehr.

Pollegio wurde am 1. März 1920 eröffnet und 1994 geschlossen, im Juli 2013 wurden die Gleise für den Gotthard-Basistunnel um einige hundert Meter nach Süden verlegt, das Stationsgebäude wurde danach abgerissen.

Rodi-Fiesso wurde als Dorf erst im späten 19. Jahrhundert mit dem Bau der Gotthardbahn zum Dorf, zuvor waren dort Sumpf und Viehställe.

Beide Halte und der Bahnhof Giornico sind in einem eigenen Beitrag beschrieben: Der Bahnhof Giornico und die Geisterbahnhöfe am Gotthard.

Die Geschichte in Daten

1905: Die Gesellschaft der Lugano-Tesserete-Bahn wird gegründet.

1909: Die Lugano-Tesserete-Bahn wird am 25. Juli eröffnet.

1911: Die Lugano-Cadro-Dino-Bahn geht am 2. Januar und am 27. Juni in Betrieb.

1965: Der Trambetrieb in Lugano endet, die Fahrgastzahlen halbieren sich.

1967: Die Lugano-Tesserete-Bahn wird eingestellt.

1969: Die Tesserete-Bahn übernimmt die Dino-Bahn.

1970: Die letzten Züge fahren am 30. Mai nach Dino.

1973: Der Triebwagen Be 4/4 9 geht an die Montreux-Berner Oberland-Bahn.

Häufige Fragen

Gibt es die Bahnen nach Tesserete und Dino noch?
Nein, die Lugano-Tesserete-Bahn wurde 1967 eingestellt, die Lugano-Cadro-Dino-Bahn 1970, beide sind durch Busse ersetzt.
Welche Bahn von Lugano aus besteht noch?
Die Lugano-Ponte-Tresa-Bahn.
Wie lang waren die Strecken?
Die Tesserete-Bahn rund 8 Kilometer, die Dino-Bahn 7,8 Kilometer.
Kann man den Tunnel der Dino-Bahn begehen?
Der nördliche Tunnel ist als Teil eines Fussweges begehbar, der südliche ist zubetoniert.
Wann fuhr die Dino-Bahn zuletzt?
Die letzten Zugfahrten fanden am 30. Mai 1970 statt.

Von den beiden Bahnen sind ein Tunnelweg und ein paar Wagen geblieben.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Lugano-Tesserete-Bahn · Wikipedia: Lugano-Cadro-Dino-Bahn · Wikipedia (italienisch): Ferrovia Lugano-Tesserete · Wikipedia (italienisch): Ferrovia Lugano-Cadro-Dino · Wikipedia: Bahnhof Pollegio · Wikipedia: Bahnhof Giornico · Wikipedia (englisch): Rodi (Prato Leventina)

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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