Die Bachgaubahn: Stille Halte zwischen Aschaffenburg und Höchst
Die Nebenbahn durch den Bachgau war 30 Kilometer lang und verband Bayern mit Hessen. 1974 fuhr der letzte Personenzug, heute sind viele Spuren verschwunden und einzelne Brücken geblieben.


Strecke: Aschaffenburg Süd–Höchst (Odenwald), 30 Kilometer. Status: Der Personenverkehr endete 1974, bis Nilkheim dient das Gleis weiter dem Hafen. Heute: Teile der Trasse sind Rad- und Fußweg.
Die Bachgaubahn verband Aschaffenburg mit Höchst im Odenwald.
Die Nebenbahn lief durch Bayern und Hessen und wurde nach der Landschaft Bachgau benannt.
Der letzte Personenzug fuhr am 25. Mai 1974.
Dieser Beitrag geht die bayerischen Halte Nilkheim, Großostheim, Pflaumheim und Mömlingen der Reihe nach durch.
Zum Schluss folgt ein Blick auf den hessischen Teil bis Höchst.
Nilkheim ist dabei nicht ganz tot, denn das Gleis dient bis dort weiter dem Hafen.
Von Pflaumheim-Wenigumstadt gibt es ein altes Bild, die übrigen Fotos zeigen den heutigen Zustand.
Entstehung: Eine Bahn für den Bachgau
Die Stadt Obernburg wollte die Strecke über ihr Stadtgebiet führen lassen.
Der Versuch scheiterte.
Die 30 Kilometer lange Strecke entstand aufgrund eines bayerischen Lokalbahngesetzes vom 12. Juli 1906.
Dazu kam ein Staatsvertrag zwischen dem Königreich Bayern und dem Großherzogtum Hessen vom 12. April 1905.
Gebaut wurde die Bahn über Großostheim und Mömlingen.
Bauherrin und Betreiberin waren die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen.
Am 1. Mai 1911 ging der erste Abschnitt zwischen Aschaffenburg Süd und Großostheim in Betrieb.
Die restliche Strecke nach Höchst folgte 19 Monate später, am 1. Dezember 1912.
So sah es vorher aus: Der Betrieb der Bachgaubahn
Die Strecke begann im Bahnhof Aschaffenburg Süd.
Dort zweigte sie von der Bahnstrecke Aschaffenburg–Miltenberg ab.
Sie führte über die Nilkheimer Mainbrücke, die 274 Meter lang ist.
Ab 1921 führten die Personenzüge nur noch die 4. Klasse.
In den 1930er Jahren wurde von Großostheim aus ein Versorgungsgleis zum Fliegerhorst im heutigen Ortsteil Ringheim verlegt.
Der Fliegerhorst wurde 1937 fertiggestellt.
Das Gleis wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zurückgebaut.
Aschaffenburg-Nilkheim: Der Bahnhof am Hafen
Nilkheim lag bei Kilometer 3,83.
Bei Kilometer 3,666 zweigt die Strecke nach Aschaffenburg Hafen ab.
Die Eisenbahnbrücke über den Main stammt von 1910 und gehörte ursprünglich nur zur Bachgaubahn.
Mit dem Bau des Staatshafens Aschaffenburg zwischen 1914 und 1921 wurde sie zudem Teil der Hafenbahn.
Das ehemalige hölzerne Empfangsgebäude des Bahnhofs nutzt heute ein Angelverein.
Unter der Laderampe liegt ein denkmalgeschützter ehemaliger Schartenstand der Wetterau-Main-Tauber-Stellung.
Der Güterverkehr zwischen Nilkheim und Großostheim wurde am 28. September 1991 eingestellt.
Der verbliebene Abschnitt mit dem Anschluss an den Hafen wurde betrieblich in ein Bahnhofsgleis umgewandelt.
Am 11. Januar 2012 genehmigte das Eisenbahn-Bundesamt die Stilllegung der Strecke Aschaffenburg Süd–Nilkheim zum 1. Februar 2012.
Die Strecke wird jedoch als Serviceeinrichtung von der Bayernhafen GmbH & Co. KG weiterbetrieben.
Im Juni 2012 übernahm die Bayernhafen-Gruppe die Teilstrecke von der DB.
Die Strecke durchquert den Park Schönbusch und endet bei Kilometer 5,500 an einem privaten Gleisanschluss.


Großostheim: Brücke im Rathauspark
Der Bahnhof Großostheim lag bei Kilometer 8,60.
An der Babenhäuser Straße steht noch ein Teil der Güterhalle.
Die Bahntrasse ist bis dorthin weitgehend von den Gebäuden des Gewerbegebiets Stockstädter Weg bebaut.
Die Eisenbahnbrücke über den Welzbach bei Kilometer 9,0 ist mit Schotterbett und Gleis in die Freiflächengestaltung des Großostheimer Rathauses einbezogen.
Der schienengleiche Bahnübergang über die Kreisstraße AB 16 besteht nicht mehr.
Ein erhaltener Teil des Bahndamms verläuft als Grünanlage bis zur Staatsstraße 3115.
Seit 2008 gibt es in Großostheim und Aschaffenburg Bestrebungen, die Bachgaubahn bis Großostheim zu reaktivieren.
2011 wurde dafür eine Initiative ins Leben gerufen.
Im Auftrag des Marktes Großostheim und der Stadtwerke Aschaffenburg wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt.


Pflaumheim: Zwei Halte und die Lohrmannsbrücke
In Pflaumheim gab es zwei Halte.
Pflaumheim Ort lag bei Kilometer 10,60, Pflaumheim-Wenigumstadt bei Kilometer 11,70.
In den Ortslagen von Großostheim und Pflaumheim ist der Trassenverlauf kaum noch nachvollziehbar.
Die Eisenbahnbrücke über die Mömlinger Straße in Pflaumheim wurde abgebrochen.
Bei Kilometer 12,7 überführt eine Sandsteinbrücke den Rahsicholgraben bei Wenigumstadt.
Sie besteht aus einem großen und zwei kleinen Bögen und heißt Lohrmannsbrücke.
Talseits stecken noch Profilstähle im Schotterbett.
Sie tragen das Walzzeichen MI der Maximilianshütte Rosenberg.
Die Feldwegüberführung bei Kilometer 13,4, die sogenannte Hohe Brücke, wurde verfüllt.
Der Feldweg verläuft dort heute auf einem Damm.


Mömlingen: Zwei Halte vor der Landesgrenze
In Mömlingen lagen der Haltepunkt Mömlingen Ort bei Kilometer 16,80 und der Bahnhof Mömlingen bei Kilometer 17,90.
Danach folgte die Landesgrenze zwischen Bayern und Hessen.
Im Außenbereich zwischen Pflaumheim und Mömlingen ist die Trasse wegen des noch vorhandenen Schotters gut begehbar.
Seit 1997 ist sie als Geschützter Landschaftsbestandteil naturschutzrechtlich gesichert.
In der Ortslage Mömlingen verlaufen auf Teilen der alten Trasse die Großostheimer Straße und ein Fuß- und Radweg.
Seit der Stilllegung sind Höchst im Odenwald und Obernburg-Elsenfeld die nächstgelegenen Bahnhöfe.


Der hessische Teil: Hainstadt, Neustadt, Sandbach und Höchst
Hinter der Landesgrenze folgten Hainstadt bei Kilometer 21,10, Neustadt bei Kilometer 24,56 und Sandbach bei Kilometer 26,60.
Auf dem Bahnhofsgelände in Neustadt wurden Wohnhäuser und ein Supermarkt errichtet.
Zwischen Neustadt und Sandbach liegen teilweise noch alte Gleise.
Dort führt auf dem Bahndamm ein Fahrradweg, der über eine ehemalige Bahnbrücke auch die Mümling überquert.
Auf dem Bahnhofsgelände in Sandbach steht heute eine Werkhalle der Firma Pirelli.
Auf der früheren Bahntrasse verläuft eine Verbindungsstraße zwischen zwei Reifenwerken.
Das Bahnhofsgebäude in Sandbach wird privat genutzt.
Anfang 2008 wurden die Gleise zwischen Sandbach und Höchst komplett entfernt.
Der markanteste Kunstbau ist das Viadukt, das den Ort Höchst überspannt.
Der ehemalige Lokschuppen im Bahnhof Höchst ist heute ein Wohnhaus.

Niedergang: Das Ende ab 1974
1973 genehmigte das Bundesverkehrsministerium im Rahmen der Einsparungsmaßnahmen der Deutschen Bundesbahn die Stilllegung der Bachgaubahn.
Am 25. Mai 1974 verkehrten zum letzten Mal Personenzüge.
Der Gesamtverkehr zwischen Großostheim und Neustadt wurde eingestellt.
In den folgenden Wochen und Monaten baute man die Gleise auf diesem Abschnitt ab.
Der fünf Kilometer lange Teil zwischen Neustadt und Höchst wurde der Bundesbahndirektion Frankfurt unterstellt.
Der Güterverkehr zwischen Neustadt und Sandbach endete am 1. Januar 1995.
Zwischen Sandbach und Höchst endete er am 31. Dezember 1998.
Stilllegung und Streckenrückbau erfolgten 1999.
Die Geschichte in Daten
12. April 1905: Staatsvertrag zwischen Bayern und Hessen.
12. Juli 1906: Bayerisches Lokalbahngesetz.
1. Mai 1911: Eröffnung Aschaffenburg Süd–Großostheim.
1. Dezember 1912: Eröffnung des restlichen Abschnitts nach Höchst.
1921: Die Personenzüge führen nur noch die 4. Klasse.
1937: Fertigstellung des Fliegerhorsts mit Versorgungsgleis ab Großostheim.
1973: Genehmigung der Stilllegung.
25. Mai 1974: Letzter Personenzug.
28. September 1991: Ende des Güterverkehrs zwischen Nilkheim und Großostheim.
1. Januar 1995: Ende des Güterverkehrs zwischen Neustadt und Sandbach.
31. Dezember 1998: Ende des Güterverkehrs zwischen Sandbach und Höchst.
1999: Stilllegung und Streckenrückbau im hessischen Teil.
11. Januar 2012: Genehmigung der Stilllegung Aschaffenburg Süd–Nilkheim zum 1. Februar 2012.
Juni 2012: Die Bayernhafen-Gruppe übernimmt die Teilstrecke bis Nilkheim.
Häufige Fragen
Wann fuhr der letzte Personenzug?
Ist die Bachgaubahn ganz stillgelegt?
Was ist vom Bahnhof Großostheim geblieben?
Wird die Strecke reaktiviert?
Wie lang war die Strecke?
Die Bachgaubahn hat als Strecke nach Höchst kaum Gleise hinterlassen.
Geblieben sind vor allem Brücken, ein Viadukt und der Hafenanschluss.
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