Die Steigerwaldbahn: stille Halte zwischen Kitzingen und Schweinfurt
1893 und 1903 eröffnet, 1981 und 1987 ohne Reisezüge, seit 2016 stillgelegt. Die Steigerwaldbahn zwischen Kitzingen und Schweinfurt hatte 17 Halte, und ihre Gleise sind zum Teil noch da.

Lage: Unterfranken, von Kitzingen über Wiesentheid und Gerolzhofen nach Schweinfurt. Status: Stillgelegte Nebenbahn, bis auf den Abschnitt in Kitzingen nicht entwidmet. Heute: Abbau des Abschnitts Kitzingen-Etwashausen bis Kilometer 5,37 seit Januar 2020, Gleise an anderen Stellen auf Fotos erhalten.
Die Steigerwaldbahn ist eine Nebenbahn in Unterfranken, die von Kitzingen über Wiesentheid und Gerolzhofen nach Schweinfurt führte.
Ihren Namen erhielt sie durch den Verlauf ihres südlichen Bereichs durch das Steigerwaldvorland.
Die Strecke hatte 17 Halte, alle sind heute ohne Reisezüge.
Der Personenverkehr wurde 1981 und 1987 auf Busse umgestellt, 2016 wurde die Strecke stillgelegt.
Von der Betriebszeit sind kaum freie Fotos veröffentlicht, die meisten Bilder stammen aus den Jahren ab 2005.
Wie die Steigerwaldbahn entstand
Der erste Abschnitt von Kitzingen bis Gerolzhofen entstand 1893.
Der zweite Abschnitt bis zum Schweinfurter Hauptbahnhof wurde am 23. November 1903 eröffnet.
Damit war die Nebenbahn eine der längeren Nebenstrecken in Deutschland.
Neben den Bahnhöfen gab es mehrere Haltepunkte, darunter Kleinlangheim, Geesdorf, Järkendorf, Frankenwinheim und Alitzheim.
Hinzu kamen die Halte Kitzingen-Reubelshof und Rüdenhausen-Feuerbach sowie der Bahnhof Stadelschwarzach.
Der Zweite Weltkrieg und der Brückenverlust
In der Nacht vom 4. auf den 5. April 1945 sprengten Truppen der Wehrmacht die Eisenbahnbrücke über den Main in Kitzingen.
Am 11. April 1945 wurde auch die Gerolzhöfer Brücke über den Main in Schweinfurt gesprengt.
Bis zum Bau einer Behelfsbrücke in Schweinfurt 1946 war nur ein Inselbetrieb zwischen dem Bahnhof Schweinfurt Sennfeld und Etwashausen möglich.
Erst 1984 wurde die Behelfsbrücke durch ein Brückenfeld der demontierten Mainbrücke Wertheim ersetzt.
Die Mainbrücke in Kitzingen wurde nie wieder aufgebaut, obwohl sich die Städte Kitzingen und Gerolzhofen jahrelang darum bemühten.
Kitzingen-Etwashausen: die Endstation vor der gesprengten Brücke
Etwashausen erhielt bis 1892 einen eigenen Bahnhof.
Er wurde zum Ausgangspunkt des sogenannten Steigerwaldexpress.
Nach der Sprengung der Mainbrücke 1945 war er bis 2014 die Endstation der Strecke.
Der Bahnhof liegt bei Kilometer 2,39.
Zum 10. Juli 2014 wurde der erste Abschnitt der Strecke von Etwashausen bis zur Kitzinger Stadtgrenze bei Kilometer 5,37 stillgelegt.
Seit Januar 2020 läuft der Abbau dieses Abschnitts.

Großlangheim: Sperrung wegen vermuteter Altlasten
Großlangheim bekam mit der 1893 fertiggestellten Strecke einen Halt bei Kilometer 7,58.
Im März 2007 wurde der Abschnitt zwischen Großlangheim und Kitzingen-Etwashausen wegen vermuteter Altlasten aus dem Zweiten Weltkrieg für den Zugverkehr gesperrt.
Im Mai 2009 wurde das Befahrungsverbot für diesen Abschnitt aufgehoben.
Wiesentheid: ein Bahnhof und ein Autobahnbaubahnhof
Wiesentheid wurde 1893 mit einem Bahnhof ausgestattet, der bei Kilometer 15,75 lag.
Für den Bau der Bundesautobahn 3 wurde südlich des Bahnhofs 1961 ein Deckenbaubahnhof errichtet.
Er diente vor allem in den Jahren 1963 und 1964 der Anfuhr von Kies, Sand, Splitt, Bitumen und Kraftstoffen.
Die Baustoffe kamen in Ganzzügen an, wurden vor Ort in großen Mischanlagen vorbereitet und dann zur Baustelle gebracht.
Nach der Fertigstellung der Autobahn wurden die Anlagen zurückgebaut.
Als die Stadt Wiesentheid nach der Sperrung von 2007 kein Interesse mehr an Sonderfahrten hatte, fehlte dem Förderverein ein großer Zuschussgeber.
Prichsenstadt: ein Stellwerk für die Autobahnzüge
Für die Züge zum Deckenbaubahnhof wurde die Strecke verstärkt.
In Prichsenstadt entstand dazu ein Drucktastenstellwerk.
Der Bahnhof Prichsenstadt lag bei Kilometer 19,8.
Die Strecke berührte die Gemeindeteile Järkendorf, Stadelschwarzach und Prichsenstadt.
Sie wird nicht mehr genutzt, und der Güterverkehr ist seit 2006 eingestellt.

Lülsfeld: ein Halt bei Kilometer 26
Lülsfeld wurde mit der 1893 fertiggestellten Strecke an das bayerische Eisenbahnnetz angeschlossen.
Der Halt lag bei Kilometer 26,08.
Weitere Angaben zu diesem Halt sind nicht belegt.
Gerolzhofen: das Ende der ersten Bauetappe
Gerolzhofen wurde 1893 mit einem Bahnhof ausgestattet, der bei Kilometer 30,04 lag.
Von hier wurde die Nebenbahn 1903 bis zum Schweinfurter Hauptbahnhof verlängert.
Seit den 1980er Jahren wurde der Verkehr auf der Strecke reduziert.
1981 fuhren zwischen Gerolzhofen und Kitzingen nur noch Busse, am 29. Mai 1987 endete auch der Personenverkehr nach Schweinfurt.
Der Güterverkehr wurde Mitte 2006 aufgegeben.
Die Stadt Gerolzhofen nahm ihren Antrag auf Entwidmung im Januar 2019 zurück, um das Ergebnis einer Potenzialanalyse abzuwarten.

Sulzheim: Gipshügel und Unkenbach
Sulzheim erhielt einen Halt bei Kilometer 36,3, und auch der Ortsteil Alitzheim bekam einen Haltepunkt.


Grettstadt: ein eigener Bahnhof
Grettstadt erhielt einen eigenen Bahnhof an der Strecke, bei Kilometer 39,86.
Die nächstgelegenen Bahnstationen sind heute der Schweinfurter Hauptbahnhof und der Haltepunkt Schonungen.

Gochsheim: Holz bis 2007
Am 23. November 1903 wurde die Strecke von Schweinfurt über Gochsheim nach Gerolzhofen eröffnet.
Das Bahnhofsgebäude in Gochsheim wurde Ende der 1970er Jahre abgerissen.
Der Abschnitt zwischen dem Schweinfurter Hauptbahnhof und Gochsheim wurde noch von DB Netz betrieben, weil es dort Güterverkehrskunden mit Holzverladung gab.
Zum 9. Dezember 2007 stellte DB Schenker die Bedienung der Ladestelle Gochsheim dauerhaft ein.
Im März 2010 wurde die Strecke ab Gochsheim bis zum Streckenende wegen Oberbaumängeln gesperrt.
Die Jahre der Stilllegung
Am 31. Mai 1981 wurde der Personenverkehr zwischen Kitzingen und Gerolzhofen auf Regionalbusse umgestellt.
Am 29. Mai 1987 folgte der Abschnitt von Gerolzhofen nach Schweinfurt.
Planmäßigen Güterverkehr gab es noch bis zum 31. Dezember 2001.
Die Bayerische Regionaleisenbahn übernahm die Strecke von Etwashausen bis Gochsheim im Mai 2005 von der Deutschen Bahn.
Am 19. November 2007 wurde der Förderverein Steigerwald-Express gegründet.
2008 beförderte der Verein an vier Fahrtagen etwa 1.300 Fahrgäste mit Sonderzügen.
Anfang Januar 2016 wurde die Strecke von Schweinfurt bis Kitzingen-Etwashausen vom bayerischen Innenministerium stillgelegt.
Am 12. Mai 2016 genehmigte die Regierung von Mittelfranken die Entwidmung des drei Kilometer langen Abschnitts im Kitzinger Stadtgebiet.
Ende Juli 2019 wurde die übrige Strecke an eine Firma in Bad Mergentheim verkauft, die sich mit dem Abbau von Gleisanlagen beschäftigt.
Da der Verkauf ohne vorherige Entwidmung geschah, kam es zu heftigen Protesten von Befürwortern einer Reaktivierung.

So sieht es jetzt aus
Bis auf den Abschnitt in Kitzingen wurde die Strecke bisher nicht entwidmet.
Eine Wiederinbetriebnahme wäre deshalb ohne Planfeststellungsverfahren möglich, und für höhengleiche Bahnübergänge besteht Bestandsschutz.
Am 5. März 2021 veröffentlichte die Bayerische Eisenbahngesellschaft eine Potenzialanalyse für die Strecke.
Sie ermittelte für die Gesamtstrecke eine mögliche Nachfrage von 563 Personenkilometern pro Kilometer Strecke.
Der in Bayern gültige Schwellenwert für eine Reaktivierung liegt bei 1.000, deshalb wird eine Wiederinbetriebnahme zurzeit nicht weiterverfolgt.
Der Kreistag des Landkreises Schweinfurt gab seine Bemühungen am 4. November 2021 auf.
Das Gutachten wurde kritisiert, andere Gutachter kamen unter Einbeziehung weiterer Verkehrsarten auf eine annähernd doppelt so hohe Nachfrage.

Vorher und nachher: Etwashausen
Bis 1945 führte die Strecke von Etwashausen über die Mainbrücke zum Bahnhof Kitzingen.
Seit der Sprengung der Brücke endete die Strecke in Etwashausen, und das blieb so bis 2014.
Der erste Abschnitt ab Etwashausen ist seit Januar 2020 im Abbau.
Die Geschichte in Daten
1893: Der Abschnitt Kitzingen–Gerolzhofen ist fertiggestellt.
23. November 1903: Der Abschnitt bis zum Schweinfurter Hauptbahnhof wird eröffnet.
4./5. April 1945: Die Eisenbahnbrücke über den Main in Kitzingen wird gesprengt.
11. April 1945: Die Gerolzhöfer Brücke über den Main in Schweinfurt wird gesprengt.
1946: Eine Behelfsbrücke in Schweinfurt entsteht.
1961: Südlich von Wiesentheid wird ein Deckenbaubahnhof für den Autobahnbau errichtet.
31. Mai 1981: Der Personenverkehr zwischen Kitzingen und Gerolzhofen wird auf Busse umgestellt.
1984: Die Behelfsbrücke wird durch ein Brückenfeld der Mainbrücke Wertheim ersetzt.
29. Mai 1987: Der Personenverkehr zwischen Gerolzhofen und Schweinfurt endet.
31. Dezember 2001: Der planmäßige Güterverkehr endet.
Mai 2005: Die Bayerische Regionaleisenbahn übernimmt die Strecke.
9. Dezember 2007: Die Ladestelle Gochsheim wird nicht mehr bedient.
10. Juli 2014: Der Abschnitt Kitzingen-Etwashausen bis zur Stadtgrenze wird stillgelegt.
Januar 2016: Das Innenministerium legt die Strecke Schweinfurt–Kitzingen-Etwashausen still.
12. Mai 2016: Der Abschnitt im Kitzinger Stadtgebiet wird entwidmet.
Januar 2020: Der Abbau ab Kitzingen-Etwashausen beginnt.
5. März 2021: Die Bayerische Eisenbahngesellschaft veröffentlicht die Potenzialanalyse.
Häufige Fragen
Wann wurde die Steigerwaldbahn eröffnet?
Wann fuhr der letzte Personenzug?
Warum endet die Strecke in Etwashausen?
Ist die Steigerwaldbahn entwidmet?
Wird die Strecke reaktiviert?
Die Steigerwaldbahn zeigt, wie eine Strecke Schritt für Schritt verschwindet: erst die Reisezüge, dann die Güter und zuletzt die Gleise.
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