Die Enztalbahn Pronsfeld–Neuerburg: Fünf stille Halte am Radweg durch die Eifel

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Enztalbahn Pronsfeld–Neuerburg: Fünf stille Halte am Radweg durch die Eifel

Die Enztalbahn führte von Pronsfeld über Arzfeld nach Neuerburg, 1969 endete der Personenverkehr, 1989 der Güterverkehr. Heute läuft ein Radweg auf der Trasse, und in Arzfeld steht ein Bahnhof von 1907.

Das frühere Bahnhofsgebäude von Arzfeld, 2013.
Das frühere Bahnhofsgebäude von Arzfeld, 2013. Foto: Les Meloures, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1907
Eröffnung am 6. Juli
1949
Wiederaufnahme nach dem Krieg (nach einer Angabe)
1969
Personenverkehr eingestellt
1989
Güterverkehr eingestellt

Lage: Südeifel, von Pronsfeld an der Westeifelbahn über Arzfeld nach Neuerburg, 25,4 Kilometer. Status: Stillgelegt, die Gleise sind abgebaut. Heute: Die Trasse ist ein Bahntrassenradweg und Teil des Enztal-Radwegs.

Die Enztalbahn Pronsfeld–Neuerburg war eine Nebenbahn in der Eifel, die vom Bahnhof Pronsfeld an der Westeifelbahn über Arzfeld nach Neuerburg führte.

Sie war 25,4 Kilometer lang, wurde am 6. Juli 1907 eröffnet und verlor am 1. Juni 1969 den Personenverkehr.

Am 18. Mai 1989 endete der Güterverkehr, die Gleise nach Neuerburg wurden 1991 abgebaut.

Dieser Beitrag geht die fünf Halte Euscheid, Üttfeld, Arzfeld, Neurath und Neuerburg der Reihe nach durch.

Alte freie Fotos aus der Betriebszeit liegen nicht vor, die Bilder zeigen die Strecke seit 2007.

Entstehung: Eine Bahn für die Südwesteifel

Ende des 19. Jahrhunderts forderten Petitionen aus Prüm, dem Kreis Bitburg und der Stadt Neuerburg weitere Eisenbahnstrecken in der Südwesteifel.

Sie blieben zunächst erfolglos, auch wegen der ungelösten Finanzierung der Grunderwerbskosten.

Im Mai 1902 stimmte der preußische Landtag einem Gesetzentwurf zu, nach dem der Bau der Strecken Pronsfeld–Neuerburg und Pronsfeld–Waxweiler 1903 beginnen konnte.

Der Bau war wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung der Region, wurde aber auch aus militärstrategischen Gründen genehmigt, mit Blick auf den Schlieffen-Plan.

Beide Strecken wurden am 6. Juli 1907 feierlich eröffnet.

Kaiser Wilhelm II. und ersatzweise Kronprinz Wilhelm waren eingeladen, folgten der Einladung aber nicht.

Im Sommer 1907 betrug die Fahrzeit von Neuerburg nach Pronsfeld 1 Stunde 10 Minuten.

Eine Verlängerung der Strecke über Sinspelt und Rittersdorf nach Bitburg war geplant.

Pronsfeld wurde mit der Eröffnung beider Strecken vom Durchgangsbahnhof zum Trennungsbahnhof.

So sah es vorher aus: Die Strecke

Die Strecke stieg von Pronsfeld auf 370 Metern über Normalnull mit zahlreichen Kurven bis Arzfeld auf 510 Meter an.

Dafür waren mehrere Kunstbauten nötig, darunter das Bierbachtal-Viadukt, ein Viadukt bei Strickscheid über die K 118 und eine Brücke bei Lünebach.

Ab Arzfeld verlief die Bahn entlang der Enz talwärts, durchquerte den Weidendell-Tunnel mit 125 Metern und den Neuerburger Tunnel mit rund 117 Metern Länge und endete in Neuerburg auf 340 Metern Höhe.

Die Halte lagen, vom Streckenanfang gezählt, bei Kilometer 5,4 in Euscheid, 8,3 in Üttfeld, 14,1 in Arzfeld, 17,4 in Neurath, 21,4 in Zweifelscheid und 25,4 in Neuerburg.

Euscheid und Neurath waren Haltepunkte, Üttfeld, Arzfeld, Zweifelscheid und Neuerburg Bahnhöfe.

Euscheid: Der Haltepunkt am Viadukt

Mit der Eröffnung der Strecke erhielt Euscheid 1907 einen Haltepunkt.

Er lag bei Kilometer 5,4 der Strecke.

Der Euscheider Viadukt überquert die Straße nach Euscheid und gehört zu den großen Bauwerken der Strecke.

Er und das Viadukt bei Pronsfeld mussten nach dem Zweiten Weltkrieg neu gebaut werden, weil sie erheblich beschädigt waren.

Weitere Angaben zum Haltepunkt selbst sind nicht belegt.

Der Euscheider Viadukt, 2013.
Der Euscheider Viadukt, 2013. Foto: Les Meloures, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Euscheider Viadukt von oben gesehen, 2013.
Der Euscheider Viadukt von oben gesehen, 2013. Foto: Les Meloures, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Üttfeld: Ein Weiler wächst um den Bahnhof

Der Bahnhof Üttfeld liegt bei Kilometer 8,3 der Strecke, rund 2,6 Kilometer südöstlich des Hauptortes Üttfeld auf einer Hochebene.

Um den Bahnhof aus dem Jahr 1909 entstand ein eigener Weiler.

Nach dem Anschluss an das Schienennetz im Jahr 1907 siedelten sich einige Handwerksbetriebe und ein Sägewerk am Bahnhof an.

So entstand der Ortsteil Bahnhof Üttfeld, der heute hauptsächlich industriell geprägt ist.

Der Bahnverkehr endete 1969 für Personen und 1989 für Güter.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude ist erhalten, auf dem Bahnhofsgelände befindet sich heute ein Raiffeisen-Warenzentrum.

Der Bahntrassenradweg führt durch den Weiler, an der Stelle des Bahnhofs stehen eine Schutzhütte, eine Sitzgruppe und ein Bahnhofsschild.

Der Bahnhof von Üttfeld, 2007.
Der Bahnhof von Üttfeld, 2007. Foto: Walter Koch, CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das frühere Bahnhofsgebäude Üttfeld, 2013.
Das frühere Bahnhofsgebäude Üttfeld, 2013. Foto: Les Meloures, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahntrassenradweg am ehemaligen Bahnhof Üttfeld mit Schutzhütte, Sitzgruppe und Bahnhofsschild, 2020.
Der Bahntrassenradweg am ehemaligen Bahnhof Üttfeld mit Schutzhütte, Sitzgruppe und Bahnhofsschild, 2020. Foto: Güwy, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Arzfeld: Der Bahnhof, der fast vollständig blieb

Der Bahnhof Arzfeld lag bei Kilometer 14,1 und war der höchste Punkt der Strecke auf 510 Metern.

Der Bahnhof von 1907 steht unter Denkmalschutz, die Denkmalzone liegt an der Adresse Zum Bahnhof 2.

Zur Anlage gehören neben dem Empfangsgebäude ein Haus für Bahnbedienstete und ein hölzerner Güterschuppen.

Die stillgelegte Station gilt als in seltener Vollständigkeit erhalten.

Ab Arzfeld verläuft die Trasse durch das Enztal talwärts, aus dem leichten Anstieg wird ein leichtes Gefälle.

Der Abschnitt Zweifelscheid–Arzfeld des Radwegs wurde 2005 eröffnet.

Neurath: Ein Haltepunkt im Enztal

Der Haltepunkt Neurath lag bei Kilometer 17,4 zwischen Arzfeld und Zweifelscheid.

Bei Neurath führt eine Brücke der Strecke über die Kreisstraße 142.

Weitere Angaben zum Haltepunkt sind nicht belegt.

Die Brücke über die K 142 bei Neurath, 2013.
Die Brücke über die K 142 bei Neurath, 2013. Foto: Les Meloures, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Neuerburg: Ein Kopfbahnhof vor dem Ort

Neuerburg bildete bei Kilometer 25,4 den Endpunkt der Strecke als Kopfbahnhof.

Wegen des Geländes wurde der Bahnhof weit außerhalb der Stadt an der neuen Poststraße gebaut.

Die Bahn kam 1907 an und förderte den Tourismus.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs diente Neuerburg als Truppensammelpunkt in Richtung Luxemburg und Frankreich.

Nach dem Ende des Betriebs 1989 blieb als einziges Bauwerk der Bahn der Tunnel unter dem Heizenberg erhalten.

Der Abschnitt Neuerburg–Zweifelscheid des Radwegs wurde 2002 eröffnet.

Tunnel an der Strecke Pronsfeld–Neuerburg bei Neuerburg.
Tunnel an der Strecke Pronsfeld–Neuerburg bei Neuerburg. Foto: Les Meloures, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Nordportal des Neuerburger Tunnels mit dem Bahntrassenradweg, 2020.
Das Nordportal des Neuerburger Tunnels mit dem Bahntrassenradweg, 2020. Foto: Güwy, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang: Vom Krieg zum Radweg

Zum Winterfahrplan 1922/23 führten alle Züge nur noch die 3. und 4. Wagenklasse.

Beim Bau des Westwalls ab 1937 diente die Strecke der Organisation Todt und dem Reichsarbeitsdienst für Materialtransporte.

Im Zweiten Weltkrieg wurden Strecke und Viadukte erheblich beschädigt.

Zur Wiederaufnahme des Verkehrs gehen die Angaben auseinander, sie nennen den 17. Oktober 1949, 1950 und 1952.

Am 1. Juni 1969 wurde der Personenverkehr eingestellt, am 18. Mai 1989 der Güterverkehr.

Die Strecke nach Neuerburg hatte als einzige der drei von Pronsfeld ausgehenden Strecken bis zuletzt noch nennenswerten Güterverkehr.

1991 wurden die Gleise nach Neuerburg abgebaut.

So sieht es jetzt aus

Die ehemalige Bahntrasse wurde zum Bahntrassenradweg ausgebaut und ist Teil des Enztal-Radwegs.

Der Abschnitt Neuerburg–Zweifelscheid wurde 2002 eröffnet, der Abschnitt Zweifelscheid–Arzfeld 2005.

Die restliche Strecke bis Lünebach wurde bis 2007 ausgebaut und dort an den Bahntrassenradweg Pronsfeld–Waxweiler angebunden.

Seit Herbst 2011 ist der Radweg durchgehend asphaltiert.

Der Radweg nutzt zwischen Pronsfeld und Neuerburg auf 25 Kilometern die Bahntrasse.

Zwischen Zweifelscheid und Neuerburg führt er durch zwei beleuchtete Tunnel, den Weidendell-Tunnel und den Neuerburger Tunnel.

Am Bahnhof Pronsfeld, an dem die Strecke abzweigte, erinnert seit 2006 eine aufgestellte Rangierlok der Bauart Köf II an die frühere Bedeutung.

Der Radweg auf der früheren Stichstrecke Pronsfeld–Neuerburg, 2007.
Der Radweg auf der früheren Stichstrecke Pronsfeld–Neuerburg, 2007. Foto: Walter Koch at German Wikipedia, CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Geschichte in Daten

1902: Der preußische Landtag stimmt im Mai dem Gesetzentwurf für den Bau zu.

1903: Der Bau beginnt.

1907: Die Strecke wird am 6. Juli feierlich eröffnet.

1937: Beim Westwallbau wird die Strecke für Materialtransporte genutzt.

1969: Am 1. Juni wird der Personenverkehr eingestellt.

1989: Am 18. Mai wird der Güterverkehr eingestellt.

1991: Die Gleise nach Neuerburg werden abgebaut.

2002: Der Radweg zwischen Neuerburg und Zweifelscheid wird eröffnet.

2005: Der Radweg zwischen Zweifelscheid und Arzfeld wird eröffnet.

2011: Der Radweg ist seit Herbst durchgehend asphaltiert.

Häufige Fragen

Wie lang war die Enztalbahn?
Die Strecke von Pronsfeld nach Neuerburg war 25,4 Kilometer lang.
Wann endete der Personenverkehr?
Am 1. Juni 1969.
Wann endete der Güterverkehr?
Am 18. Mai 1989.
Was ist aus der Trasse geworden?
Sie wurde zum Bahntrassenradweg ausgebaut und ist Teil des Enztal-Radwegs.
Gibt es noch einen Bahnhof aus der Zeit?
Der Bahnhof Arzfeld von 1907 steht unter Denkmalschutz, auch in Üttfeld ist das Bahnhofsgebäude erhalten.
Sind Tunnel erhalten?
Ja, der Weidendell-Tunnel mit 125 Metern und der Neuerburger Tunnel mit rund 117 Metern liegen am Radweg.

Die Enztalbahn ist heute eine Radstrecke: Wo früher Züge nach Neuerburg fuhren, rollen Fahrräder durch Tunnel und über Viadukte.

Arzfeld erinnert mit einem fast vollständigen Bahnhof an die Zeit, in der die Eifel hier ans Netz kam.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Pronsfeld–Neuerburg · Wikipedia: Enztal-Radweg (Eifel) · Wikipedia: Bahnhof Üttfeld · Wikipedia: Euscheid · Wikipedia: Neuerburg · Wikipedia: Bahnhof Pronsfeld · Pronsfeld: Eisenbahngeschichte · Kulturdatenbank Rheinland-Pfalz: Ehemaliger Bahnhof der Enztalbahn · Komoot: Alter Bahnhof Arzfeld

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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