Aufgelassene S-Bahn-Halte in Berlin: Großgörschenstraße, Ebersstraße und Zehlendorf Süd

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Aufgelassene S-Bahn-Halte in Berlin: Großgörschenstraße, Ebersstraße und Zehlendorf Süd

Berlin hat Halte, die verschwanden und deren Namen weiterleben. Drei alte Stationen, zwei Nachbarn mit eigenem Beitrag und eine Namensfalle: was stillgelegt ist und was heute wieder fährt.

Der stillgelegte Haltepunkt Zehlendorf Süd im Mai 1988.
Der stillgelegte Haltepunkt Zehlendorf Süd im Mai 1988. Foto: Roehrensee, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1891
Alter Bahnhof Großgörschenstraße eröffnet
1933
Ringbahnhof Ebersstraße aufgegeben
1972
Zehlendorf Süd eröffnet
1980
Zehlendorf Süd und Düppel geschlossen

Lage: Berlin, Ortsteile Schöneberg, Zehlendorf und Siemensstadt. Status: Der alte Bahnhof Großgörschenstraße und der Ringbahnhof Ebersstraße wurden abgelöst, Zehlendorf Süd und Düppel liegen an der Stammbahn, deren Verkehr 1980 endete. Heute: Die Nachfolger Yorckstraße (Großgörschenstraße) und Schöneberg sind in Betrieb, ebenso Sundgauer Straße.

Berlin hat einige S-Bahn-Halte verloren, und bei manchen lebt der Name an einer anderen Stelle weiter.

Das macht eine saubere Trennung nötig: Welche Station ist stillgelegt, und was fährt heute noch?

Dieser Beitrag behandelt Orte, die nicht mehr bedient werden, nämlich den alten Bahnhof Großgörschenstraße, den Ringbahnhof Ebersstraße und den Haltepunkt Zehlendorf Süd.

Düppel und die drei Stationen der Siemensbahn werden nur kurz genannt, weil es dafür eigene Beiträge gibt.

In Betrieb sind dagegen die Nachfolger: der S-Bahnhof Yorckstraße (Großgörschenstraße), der Turmbahnhof Schöneberg und der Haltepunkt Sundgauer Straße, die von der Linie S1 beziehungsweise der Ringbahn bedient werden.

Freie Fotos von den Stationen aus der Betriebszeit sind selten, deshalb zeigt der Beitrag Aufnahmen von 1987 bis 2011.

Der alte Bahnhof Großgörschenstraße

Der Bahnhof Großgörschenstraße wurde am 1. Oktober 1891 an der Neuen Wannseebahn eröffnet, einer eigenen Vorortbahn neben den Gleisen der Bahnstrecke Berlin–Magdeburg.

Deren 1838 eröffnetes Teilstück zwischen Berlin und Potsdam war die erste Bahnstrecke Preußens und wird Stammbahn genannt.

An den Gleisen der Südringspitzkehre lag schon seit 1881 der Bahnhof Schöneberg, später Kolonnenstraße genannt.

Dort war nach dem Bau der Vorortgleise kein Platz für einen Vorortbahnsteig, deshalb entstand der Bahnhof Großgörschenstraße weiter nördlich.

Zwischen beiden Bahnhöfen gab es einen Verbindungsgang, den sogenannten Hammelweg.

Bereits 1883 war östlich des Bahnhofs ein Bahnsteig für hohe Herrschaften in Betrieb gegangen, die Hofstation, die bis 1911 bestand und unter anderem Kaiser und Kronprinz bei Militärparaden auf dem Tempelhofer Feld diente.

Im Zuge der Großen Elektrisierung wurde 1933 die gesamte Wannseebahn elektrisch betrieben.

Mit dem Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn endete die Geschichte des alten Bahnhofs.

Der südliche Abschnitt wurde im Herbst 1939 eröffnet, dafür wurden die Fern- und S-Bahn-Gleise der Stammbahn vertauscht.

Der alte Bahnhof Großgörschenstraße wurde geschlossen, und am 9. Oktober 1939 ging ein neuer, zunächst als Provisorium gedachter Bahnhof weiter nordöstlich in Betrieb.

Er behielt den alten Namen, bekam wegen der Kriegszeit aber nur eine einfache Überdachung auf Holzpfosten und ist bis heute in Betrieb.

Der S-Bahnhof Großgörschenstraße im Mai 1987, der Bahnhof von 1939 und nicht der alte von 1891.
Der S-Bahnhof Großgörschenstraße im Mai 1987, der Bahnhof von 1939 und nicht der alte von 1891. Foto: Lothar Weber, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Nach dem Reichsbahnerstreik 1980 wurde der Bahnhof geschlossen, am 1. Februar 1985 nahm die S-Bahn den Personenverkehr wieder auf.

Am 31. Mai 1992 wurde er in Yorckstraße (Großgörschenstraße) umbenannt, um den Umstieg zum U-Bahnhof Yorckstraße zu zeigen.

Ob vom alten Bahnhof von 1891 etwas erhalten ist, ist nicht belegt.

Der Ringbahnhof Ebersstraße

Mit der zunehmenden Bebauung von Schöneberg wurde ein Halt an der Ringbahn nötig.

Am 1. Mai 1897 ging die Station Ebersstraße westlich des Schnittpunkts mit der Wannseebahn in Betrieb.

Eine Umsteigemöglichkeit zur nahen Wannseebahn gab es dort nicht, und das war der Grund für den Umbau: Die Wannseebahn war die einzige Vorortstrecke ohne Verbindung zur Ringbahn.

Bei der Elektrifizierung der Wannseebahn 1932 bis 1933 wurde der Bahnsteig von Ebersstraße abgerissen, nur das verklinkerte Empfangsgebäude und der Treppenaufgang blieben.

Genau im Schnittpunkt von Ringbahn und Wannseebahn entstand ein Turmbahnhof, der am 1. März 1933 als Schöneberg eröffnet wurde.

Der Ringbahnhof Ebersstraße wurde zugleich aufgegeben.

Das Zugangsgebäude an der Ebersstraße, aufgenommen im Oktober 2011.
Das Zugangsgebäude an der Ebersstraße, aufgenommen im Oktober 2011. Foto: Dirk Ingo Franke, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Empfangsgebäude markiert seitdem den Westausgang des Bahnhofs Schöneberg.

Das Zugangsbauwerk von der Ebersstraße zum Ringbahnsteig stammt von einem Vorgängerbau aus den Jahren 1897 bis 1898 und steht unter Denkmalschutz.

Auch ein Bahnbeamtenwohnhaus am Werdauer Weg 2, das zum ersten Schöneberger Bahnhof aus den 1870er Jahren gehörte, steht auf der Denkmalliste.

Der Bahnhof Schöneberg selbst ist in Betrieb und wird von der Wannseebahn und der Ringbahn befahren, nur der alte Bahnsteig der Ebersstraße ist verschwunden.

Das Zugangsgebäude von der Ebersstraße aus einem anderen Blickwinkel, Oktober 2011.
Das Zugangsgebäude von der Ebersstraße aus einem anderen Blickwinkel, Oktober 2011. Foto: Dirk Ingo Franke, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Zehlendorf Süd: ein Haltepunkt mit kurzem Leben

Der Haltepunkt Zehlendorf Süd lag an der Stammbahn zwischen den Bahnhöfen Zehlendorf und Düppel an der Clauertstraße, in der Ortslage Düppel im Ortsteil Zehlendorf.

Dort war 1953 eine Justizvollzugsanstalt entstanden, deren Gefangene in den folgenden Jahren Landwirtschaft betrieben.

Ende 1970 oder Anfang 1971 begann die Deutsche Reichsbahn, wohl auch auf Bitten des Anstaltsleiters, mit dem Bau eines Haltepunkts.

Außerdem wollte sie ein neues Baugebiet für die S-Bahn erschließen.

Anfang 1971 gab es Streit mit der amerikanischen Kommandantur.

Die Reichsbahn hatte die Bauarbeiten nach DDR-Recht vorbereitet, die Westalliierten bestanden aber auf einer Planfeststellung nach dem Reichsbahngesetz von 1939.

Eine Senatsdienststelle übernahm die Ausarbeitung des Verfahrens, im September 1972 konnten die Bauarbeiten fortgesetzt werden.

Am 20. Dezember 1972 wurde der Haltepunkt eröffnet.

Auf der rund 2,2 Kilometer langen Strecke gab es keine weitere Zwischenstation.

Der Seitenbahnsteig war nur etwa 70 bis 80 Meter lang und deshalb nur für Halbzüge geeignet.

Zehlendorf Süd war der erste Bahnhofsneubau der Reichsbahn in West-Berlin seit 1946 und der einzige S-Bahnhof, den sie dort in Eigenregie errichtete.

Der stillgelegte Haltepunkt Zehlendorf Süd im Mai 1988, eine weitere Aufnahme.
Der stillgelegte Haltepunkt Zehlendorf Süd im Mai 1988, eine weitere Aufnahme. Foto: Roehrensee, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Im September 1980 wurde der Zugverkehr zwischen Zehlendorf und Düppel im Zusammenhang mit dem Reichsbahnerstreik dauerhaft eingestellt, und die Stationen Zehlendorf Süd und Düppel wurden geschlossen.

Als letzter Tag wird der 18. September 1980 genannt.

Ein formelles Stilllegungsverfahren gab es nicht, und noch mehr als 40 Jahre nach der Schließung wird Zehlendorf Süd im Betriebsstellenverzeichnis von DB Netz geführt.

Nach einer Beschreibung der Berliner Forsten zeigen rostige alte Schilder noch den Namen der Station.

Ein rostiges Stationsschild von Zehlendorf Süd, aufgenommen 2006.
Ein rostiges Stationsschild von Zehlendorf Süd, aufgenommen 2006. Foto: Christian Liebscher ( Platte ), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Düppel: die Endstation an der Mauer

Düppel wurde im September 1980 zusammen mit Zehlendorf Süd geschlossen.

Eine Stahlstütze am Gleisende markiert nach der Beschreibung der Berliner Forsten den früheren Endpunkt an der Grenze, dahinter verlief die Mauer.

Über den Bahnhof gibt es einen eigenen Beitrag: Der Bahnhof Düppel.

Die Siemensbahn: Wernerwerk, Siemensstadt und Gartenfeld

Die Siemensbahn ist eine Hochbahnstrecke der Berliner S-Bahn von Jungfernheide nach Gartenfeld, die Siemens zwischen 1927 und 1929 in Eigenregie baute.

Der Verkehr begann am 18. Dezember 1929 und wurde nach dem Reichsbahnerstreik im September 1980 eingestellt.

Die Stationen Wernerwerk und Siemensstadt liegen im Ortsteil Siemensstadt, Gartenfeld ist der Endbahnhof mit Reiterstellwerk und sechsgleisiger Abstellanlage.

Die Reaktivierung ist für Herbst 2029 geplant.

Ausführlich beschrieben ist die Strecke im Beitrag Die Siemensbahn in Berlin.

Der S-Bahnhof Wernerwerk im April 1987.
Der S-Bahnhof Wernerwerk im April 1987. Foto: Roehrensee, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der stillgelegte Bahnhof Siemensstadt, aufgenommen 2007.
Der stillgelegte Bahnhof Siemensstadt, aufgenommen 2007. Foto: Matthias Manske, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Der stillgelegte S-Bahnhof Gartenfeld, aufgenommen 2007.
Der stillgelegte S-Bahnhof Gartenfeld, aufgenommen 2007. Foto: Matthias Manske, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Sundgauer Straße: aktiv, aber 1980 bis 1985 geschlossen

Die Station Sundgauer Straße an der Wannseebahn gehört nicht in diesen Beitrag, sie ist heute in Betrieb.

Sie wurde am 1. Juli 1934 eröffnet und im September 1980 mit der Wannseebahn geschlossen.

Nach der Übernahme der Betriebsrechte durch die BVG am 9. Januar 1984 wurden Strecke und Stationen saniert, die Arbeiten waren zum 1. Februar 1985 abgeschlossen.

Heute wird sie von der Linie S1 bedient, und der S-Bahnhof ist als Baudenkmal eingetragen.

So sieht es jetzt aus

Die Station Großgörschenstraße von 1939 bedient heute als Yorckstraße (Großgörschenstraße) die S1.

Vom Ringbahnhof Ebersstraße steht das Empfangsgebäude als denkmalgeschützter Zugang zum Bahnhof Schöneberg.

Zehlendorf Süd und Düppel sind seit 1980 geschlossen, und an der Stammbahn zwischen Zehlendorf und Düppel wächst Vegetation zwischen den Schwellen.

Die Bahnanlagen sind nicht für Besucher gedacht.

1891: Der Bahnhof Großgörschenstraße wird am 1. Oktober an der Neuen Wannseebahn eröffnet.

1897: Der Ringbahnhof Ebersstraße geht am 1. Mai in Betrieb.

1933: Der Turmbahnhof Schöneberg wird am 1. März eröffnet, der Ringbahnhof Ebersstraße wird aufgegeben.

1939: Der alte Bahnhof Großgörschenstraße wird geschlossen, am 9. Oktober beginnt der Betrieb im neuen Bahnhof.

1972: Der Haltepunkt Zehlendorf Süd wird am 20. Dezember eröffnet.

1980: Nach dem Reichsbahnerstreik werden Zehlendorf Süd, Düppel und die Siemensbahn geschlossen.

1985: Die S-Bahn nimmt am 1. Februar den Betrieb auf der Wannseebahn wieder auf.

1992: Der Bahnhof Großgörschenstraße wird am 31. Mai in Yorckstraße (Großgörschenstraße) umbenannt.

Ist die Station Großgörschenstraße stillgelegt?
Der alte Bahnhof von 1891 wurde 1939 geschlossen, sein Nachfolger gleichen Namens ist als Yorckstraße (Großgörschenstraße) in Betrieb.
Was ist vom Ringbahnhof Ebersstraße erhalten?
Das verklinkerte Empfangsgebäude mit dem Treppenaufgang, das heute den Westausgang des Bahnhofs Schöneberg bildet und unter Denkmalschutz steht.
Wann schloss Zehlendorf Süd?
Im September 1980 mit dem Reichsbahnerstreik, nur wenige Jahre nach der Eröffnung am 20. Dezember 1972.
Ist die Sundgauer Straße stillgelegt?
Nein, der Haltepunkt wird von der Linie S1 bedient. Er war nur von 1980 bis 1985 geschlossen.
Wird die Siemensbahn wieder gebaut?
Die Reaktivierung der Siemensbahn ist für Herbst 2029 geplant.

Berlin zeigt, wie sich Namen und Bahnhöfe auseinanderentwickeln können.

Manche Halte wurden verlegt, andere 1980 geschlossen.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnhof Berlin Yorckstraße · Wikipedia: Bahnhof Berlin-Schöneberg · Wikipedia: Wannseebahn · Wikipedia: Südringspitzkehre · Wikipedia: Bahnhof Zehlendorf Süd · Wikipedia: Bahnhof Berlin Sundgauer Straße · Wikipedia: Siemensbahn · Berliner Forsten: Entlang der Stammbahn

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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