Der Bahnhof Düppel: Die Station an der Mauer, die 1980 verstummte

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Der Bahnhof Düppel: Die Station an der Mauer, die 1980 verstummte

Düppel war ein Haltepunkt der Stammbahn mitten im Grenzgebiet. Seit 1980 fährt hier nichts mehr, doch die Bahn plant ein Comeback.

VORHER · 1962

Ein Halbzug der Baureihe ET 165 im Bahnhof Düppel.

Ein Halbzug der Baureihe ET 165 im Bahnhof Düppel. Foto: Sigurd Hilkenbach, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2006

Die Bahnsteige der Station Düppel im Mai 2006, aus anderer Blickrichtung.

Die Bahnsteige der Station Düppel im Mai 2006, aus anderer Blickrichtung. Foto: Christian Liebscher ( Platte ), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1939
Eröffnung des Haltepunkts
1961
Mauerbau kappt den Zugang
1980
Schließung nach dem Reichsbahn-Streik
2023
Vorplanung für die Stammbahn

Lage: Ortslage Düppel in Berlin-Nikolassee, direkt an der Grenze zu Kleinmachnow in Brandenburg. Status: Seit 1980 ohne Zugverkehr, die Anlagen verfallen und sind teils abgetragen. Heute: Reste im Wald, das Gelände ist nicht als Ausflugsziel hergerichtet. Für die Stammbahn läuft eine Vorplanung.

Düppel gehört zu den Berliner Bahnhöfen, die durch die Geschichte buchstäblich in die Wildnis gerückt wurden.

Der Haltepunkt der Stammbahn eröffnete erst 1939 und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zur Endstation einer abgeschnittenen Strecke.

Der Mauerbau machte ihn 1961 für fast alle Fahrgäste unerreichbar, und 1980 schloss die Reichsbahn ihn endgültig.

Seitdem verfällt die Station am Rand der Stadt, und Teile davon wurden bereits abgetragen.

Aus der Zeit vor 1945 gibt es auf Wikimedia Commons nur ein einziges brauchbares Foto, ein Panorama von etwa 1940.

Dieser Beitrag ist deshalb auf wenige historische Aufnahmen und mehrere neuere Bilder angewiesen.

Eine Station, auf die man hundert Jahre wartete

Die Stammbahn zwischen Berlin und Potsdam wurde 1838 eröffnet und ist damit die erste preußische Eisenbahnstrecke.

Auf dem Abschnitt zwischen Zehlendorf und Neubabelsberg, dem heutigen Bahnhof Potsdam Griebnitzsee, gab es über 100 Jahre lang keine Zwischenstation.

Bis in die 1920er Jahre war das Gebiet um den späteren Haltepunkt kaum bebaut.

Um 1930 erreichte die Kleinmachnower Siedlung Eigenherd von Süden her die Bahntrasse.

Schon Ende der 1920er Jahre kam deshalb die Forderung auf, eine S-Bahn-Strecke von Zehlendorf zum Spandauer Weg zu bauen.

1934 meldete die Reichsbahndirektion Berlin eine eingleisige Strecke mit Dringlichkeitsstufe I an, Kosten 1,7 Millionen Reichsmark.

Es blieb bei der Anmeldung.

Weil die Besiedlung weiterging, richtete die Reichsbahn stattdessen in Höhe der Blockstelle 19 einen Haltepunkt ein.

Er liegt zweieinhalb Kilometer südwestlich von Zehlendorf.

Die Betriebsstelle wurde am 15. Juli 1939 eröffnet.

Damit die durchfahrenden Züge nicht langsamer werden mussten, bekam die Station zwei Seitenbahnsteige.

Ursprünglich sollte sie Kleinmachnow heißen, doch weil sie auf Berliner Gebiet lag, wählte man den Namen des Gutshofs Düppel.

Der Bahnhof Düppel von Süden, um 1940: links die Straßenquerung Benschallee, rechts der Haltepunkt. Das Panorama ist aus zwei Teilbildern zusammengesetzt, der einfahrende Zug erscheint deshalb doppelt.
Der Bahnhof Düppel von Süden, um 1940: links die Straßenquerung Benschallee, rechts der Haltepunkt. Das Panorama ist aus zwei Teilbildern zusammengesetzt, der einfahrende Zug erscheint deshalb doppelt. Foto: Unknown author Unknown author, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

So sah es vorher aus: Vorortzüge nach Werder

Bis 1945 hielten in Düppel die sogenannten Werderzüge.

Das waren dampfbespannte Vorortzüge zwischen dem Potsdamer Bahnhof in Berlin und Werder an der Havel über Potsdam.

Sie hielten auch in Zehlendorf und boten dort Anschluss an die Wannseebahn.

Die Reichsbahn hatte im Rahmen der Germania-Planungen sogar vor, die Stammbahn auf sechs Gleise auszubauen und die Vorortgleise für die S-Bahn zu elektrifizieren.

Dazu kam es nicht.

Zwischen den Fronten

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges sprengte man die Teltowkanalbrücke bei Kohlhasenbrück.

Damit war die Strecke zwischen Düppel-Kleinmachnow und Griebnitzsee unterbrochen.

Der Abschnitt querte mehrfach die Berliner Stadtgrenze und trennte ab 1945 den Amerikanischen Sektor von der Sowjetischen Besatzungszone.

Deshalb blieb eine Wiederinbetriebnahme aus.

Das südliche Streckengleis zwischen Griebnitzsee und Zehlendorf wurde laut Wikipedia als Reparationsleistung an die Sowjetunion abgebaut, der südliche Bahnsteig in Düppel ging außer Betrieb.

Die Deutsche Reichsbahn richtete am 1. Dezember 1945 auf den knapp zweieinhalb Kilometern zwischen Zehlendorf und Düppel einen Pendelverkehr mit Dampfzügen ein.

Am 1. Juni 1948 wurde die Strecke in das Netz der elektrischen S-Bahn einbezogen.

Der Pendelzug fuhr zunächst halbstündlich, ab Ende 1948 im 20-Minuten-Takt.

Ab dem 15. Dezember 1951 hieß der Haltepunkt Düppel-Kleinmachnow.

Nahe dem Bahnsteig gab es einen Straßenübergang nach Kleinmachnow, den West-Berliner seit dem 1. Juni 1952 nicht mehr benutzen durften.

Mauer an der Stammbahn-Trasse in Kleinmachnow, links die Kfz-Sperre, 1990.
Mauer an der Stammbahn-Trasse in Kleinmachnow, links die Kfz-Sperre, 1990. Foto: Andreas Lippold, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Mauerbau und das Ende

Der Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 traf Düppel hart.

Der Haltepunkt lag in den Westsektoren, war aber von Kleinmachnow aus nicht mehr zu erreichen.

Das Fahrgastaufkommen ging rapide zurück.

Der Name Düppel-Kleinmachnow blieb zunächst bestehen.

Anfang 1962 überstrichen Unbekannte den zweiten Namensteil auf dem Stationsschild, und in den Kursbüchern stand seit Herbst 1963 nur noch Düppel.

Trotzdem stellte die Reichsbahndirektion im April 1971 ein neues Schild mit dem gültigen Namen auf.

Die offizielle Umbenennung in Düppel folgte am 15. Mai 1973.

Bedient wurde bis 1961 überwiegend mit einem Halbzug der Baureihe ET 169.

Danach übernahm ein Zug der Baureihe 165, ab 1970 Baureihe 275, die Fahrten.

Im September 1980 wurde die Station im Rahmen des Streiks der Reichsbahner geschlossen.

Sie ging nie wieder in Betrieb.

Mauerreste an der Stammbahn-Trasse in Kleinmachnow, 1990.
Mauerreste an der Stammbahn-Trasse in Kleinmachnow, 1990. Foto: Andreas Lippold, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Ein letztes Mal fuhr 1988 noch einmal ein Zug.

Zum 150. Jahrestag der ersten preußischen Eisenbahnstrecke pendelte vom 23. bis 25. September 1988 ein historischer Zug der Berliner Eisenbahnfreunde zwischen Zehlendorf und Düppel.

Das Verbindungsgleis zur Wannseebahn war kurz nach der Stilllegung abgebaut worden.

Deshalb mussten die Fahrzeuge über die Straße auf die Strecke gebracht werden.

Reste der Grenzanlagen entlang der Stammbahn-Trasse, Blick nach Westen, 1990.
Reste der Grenzanlagen entlang der Stammbahn-Trasse, Blick nach Westen, 1990. Foto: Andreas Lippold, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Seit der Schließung verfällt die Station.

Sie wurde bereits teilweise abgetragen und aus dem Stadtentwicklungsplan als Bahnhof gestrichen.

Ganz vergessen ist sie nicht, denn 2017, mehr als 35 Jahre nach der Schließung, führte DB Netz sie noch immer als Berlin-Düppel im Betriebsstellenverzeichnis.

Der Vorplatz liegt an der Berlepschstraße, wo die Neuruppiner Straße und die Berlepschstraße zusammentreffen.

Dort stehen heute ein Straßenbrunnen und ein Pflastermosaik vor den Resten der Bahnhofsanlage.

Der Wald am früheren Bahnhof Düppel, April 2020.
Der Wald am früheren Bahnhof Düppel, April 2020. Foto: Boonekamp (d.i. Günter Haase), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Zugewachsenes Gelände nahe der Berlepschstraße, April 2020.
Zugewachsenes Gelände nahe der Berlepschstraße, April 2020. Foto: Boonekamp (d.i. Günter Haase), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Waldboden am früheren Bahnhof, April 2020.
Waldboden am früheren Bahnhof, April 2020. Foto: Boonekamp (d.i. Günter Haase), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Bäume am früheren Bahnhof, April 2020.
Bäume am früheren Bahnhof, April 2020. Foto: Boonekamp (d.i. Günter Haase), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ein weiterer Blick in das Waldstück, April 2020.
Ein weiterer Blick in das Waldstück, April 2020. Foto: Boonekamp (d.i. Günter Haase), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Blick vom Wald zur Straße am ehemaligen Bahnhofsvorplatz, April 2020.
Blick vom Wald zur Straße am ehemaligen Bahnhofsvorplatz, April 2020. Foto: Boonekamp (d.i. Günter Haase), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Gelände ist nicht als Besucherort hergerichtet.

Die Reste liegen auf Bahngrund und sind überwuchert, abseits der Wege ist das Betreten nicht erlaubt.

Wer sich für die Station interessiert, schaut am besten vom Vorplatz an der Berlepschstraße aus.

Kommt die Stammbahn zurück?

Seit der Schließung wurde die Reaktivierung immer wieder diskutiert.

2006 und 2008 gab es konkrete Initiativen für eine Regionalzugverbindung nach Griebnitzsee über den Europarc Dreilinden.

2023 gaben die Deutsche Bahn und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg gemeinsam mit den beteiligten Ländern bekannt, mit Vorplanungen für die Potsdamer Stammbahn als Regionalzugstrecke zu beginnen.

Nach Berichten von September 2026 läuft die Vorplanung für eine rund 21 Kilometer lange, zweigleisige und elektrifizierte Strecke.

Untersucht werden Stationen in Dreilinden, Düppel-Kleinmachnow, Zehlendorf, Rathaus Steglitz und Schöneberg.

Am Bahnhof Düppel-Kleinmachnow an der Landesgrenze arbeiten Bahn, Verkehrsverbund und Technische Universität Berlin an einem Real-Labor mit dem Namen Team NextStation.

Die Baufinanzierung ist noch offen, Berlin und Brandenburg brauchen dafür die Unterstützung des Bundes.

Die Berichte nennen unterschiedliche Zeitpläne, ein verbindlicher Termin für den Betrieb steht nicht fest.

Die Geschichte in Daten

1838: Die Stammbahn Berlin–Potsdam wird eröffnet.

1939: Der Haltepunkt Düppel wird am 15. Juli eröffnet.

1945: Die Teltowkanalbrücke wird gesprengt, ein Pendelverkehr Zehlendorf–Düppel beginnt am 1. Dezember.

1948: Die Strecke wird am 1. Juni in das S-Bahn-Netz einbezogen.

1951: Der Haltepunkt heißt ab dem 15. Dezember Düppel-Kleinmachnow.

1961: Der Mauerbau am 13. August lässt das Fahrgastaufkommen einbrechen.

1973: Die offizielle Umbenennung in Düppel am 15. Mai.

1980: Schließung im September im Rahmen des Reichsbahn-Streiks.

1988: Ein historischer Zug fährt zum 150-jährigen Jubiläum zwischen Zehlendorf und Düppel.

2023: Bahn und VBB geben Vorplanungen für die Stammbahn bekannt.

Häufige Fragen

Wann wurde der Bahnhof Düppel eröffnet?
Der Haltepunkt ging am 15. Juli 1939 in Betrieb.
Wann schloss er?
Im September 1980, im Rahmen des Streiks der Reichsbahner. Er wurde danach nicht wieder eröffnet.
Warum lag er direkt an der Grenze?
Die Station liegt am Berliner Stadtrand zur Gemeinde Kleinmachnow. Nach 1945 war das die Grenze zwischen Amerikanischem Sektor und Sowjetischer Besatzungszone, später zwischen West-Berlin und der DDR.
Gibt es noch Gleise oder Bahnsteige?
Es gibt noch Reste der Anlage, doch sie sind überwachsen und wurden teilweise abgetragen.
Kann man die Station besuchen?
Das Gelände gehört zur Bahn und ist kein Ausflugsziel. Vom Vorplatz an der Berlepschstraße aus lässt sich ein Eindruck gewinnen.
Fährt hier irgendwann wieder ein Zug?
Die Bahn plant die Potsdamer Stammbahn mit einem Halt Düppel-Kleinmachnow. Das Projekt steht in der Vorplanung, Termine und Finanzierung sind noch offen.

Düppel ist ein Bahnhof, der nie zur Ruhe kam.

Er entstand spät, verlor seine Strecke durch Krieg und Mauer und wartet bis heute darauf, dass die Stammbahn zurückkehrt.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnhof Düppel · Wikipedia: Stammbahn · Entwicklungsstadt.de: Von Griebnitzsee bis Ostkreuz, so wird die Potsdamer Stammbahn geplant · Entwicklungsstadt.de: Düppel-Kleinmachnow wird zum Real-Labor

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →