Das Bahnbetriebswerk Berlin-Schöneweide: vom Güterzug-Bw zum Dampflok-Museum

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Das Bahnbetriebswerk Berlin-Schöneweide: vom Güterzug-Bw zum Dampflok-Museum

Das Bahnbetriebswerk Schöneweide war von 1906 bis 1998 in Betrieb. Heute nutzt der Verein Dampflokfreunde Berlin den Ringlokschuppen als Museum, zwei Gebäude des Geländes stehen ungenutzt.

VORHER · 2007

Der Wasserturm des Bahnbetriebswerks.

Der Wasserturm des Bahnbetriebswerks. Foto: Axel Mauruszat, CC BY 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2023

Derselbe Wasserturm.

Derselbe Wasserturm. Foto: Oberlausitzerin64, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1906
Inbetriebnahme
1982
Letzter planmäßiger Dampfzug
1998
Ende des Betriebswerks
2018
Technikdenkmal von nationaler Bedeutung

Lage: Niederschöneweide, Bezirk Treptow-Köpenick. Status: Als Betriebswerk der Bahn stillgelegt, der Ringlokschuppen ist Museumsteil des Vereins Dampflokfreunde Berlin. Heute: Das Übernachtungsgebäude und das Dienstgebäude gelten als ungenutzt.

Das Bahnbetriebswerk Schöneweide im Berliner Ortsteil Niederschöneweide diente von 1906 bis 1998 der Fahrzeugunterhaltung.

Als Betriebswerk der Bahn ist es stillgelegt.

Ein Teil der Anlage ist heute ein Museum: Der Verein Dampflokfreunde Berlin nutzt den Ringlokschuppen und betreibt das Gelände.

Dieser Museumsteil ist nicht verlassen und gilt in diesem Beitrag nicht als Lost Place.

Als ungenutzt gelten zwei denkmalgeschützte Gebäude, das Übernachtungsgebäude und das Dienstgebäude.

Freie Fotos aus der Betriebszeit liegen nicht vor, die Bilder zeigen das Gelände seit 2007.

Vorgeschichte: der Verschiebebahnhof Schöneweide

1866 wurde die Bahnstrecke Berlin–Cottbus eröffnet.

Zwei Jahre später entstand auf dem Gelände des heutigen Bahnhofs Schöneweide der Haltepunkt Neuer Krug.

Zwischen 1886 und 1888 wurde östlich davon ein Verschiebebahnhof angelegt.

Durch die Industrialisierung verfünffachte sich der Verkehr auf der Görlitzer Bahn bis 1904.

Der Verschiebebahnhof musste deshalb erweitert und weitgehend umgebaut werden.

Der Bau des Betriebswerks 1906

Der zunehmende Bahnverkehr machte ein Bahnbetriebswerk erforderlich.

Zugleich wurde die Strecke vom Görlitzer Bahnhof bis Grünau durch einen aufgeschütteten Damm in Hochlage gebracht und so kreuzungsfrei zum Straßenverkehr geführt.

Dafür wurde der Aushub vom Bau des Teltowkanals und des Britzer Zweigkanals verwendet.

Das Bahnbetriebswerk ging 1906 zusammen mit der neuen Bahnsteiganlage in Betrieb.

Ursprünglich bestand es aus einer Drehscheibe mit zwölfständigem Ringlokschuppen, einem Wasserturm, einem Bekohlungskran und zwei Verwaltungsgebäuden.

Lokomotiven vor dem Lokschuppen des Bahnbetriebswerks (2008).
Lokomotiven vor dem Lokschuppen des Bahnbetriebswerks (2008). Foto: Schlesinger, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Später ließ die Deutsche Reichsbahn die Anlage ausbauen, damit neben den Länderbahnlokomotiven auch neuere und längere Einheitslokomotiven eingesetzt werden konnten.

Dabei wurde eine 23 Meter lange Drehscheibe eingebaut.

Der Lokschuppen wurde auf 20 Stände erweitert, die vorhandenen Stände wurden verlängert.

Um 1930 kamen ein vierständiger Rechteckschuppen zur Waggonausbesserung, Werkstätten und ein weiteres Verwaltungsgebäude hinzu.

Ein zweiter Ringlokschuppen war geplant und wurde nicht gebaut.

Der Ringlokschuppen mit Drehscheibe (2022).
Der Ringlokschuppen mit Drehscheibe (2022). Foto: Lukas Beck, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sah es vorher aus: Güterzuglokomotiven für Berlin

Die Erstausstattung bestand aus preußischen Lokomotiven.

Für den Güterzugdienst waren es die Baureihen G 7 (BR 55) und G 10 (BR 57), für den Verschiebedienst die T 3 (BR 89) und für die Vorortlinien die T 11 (BR 74).

In den 1920er Jahren lösten die Baureihen 56 und 58 diese Fahrzeuge ab.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Verschiebebahnhof Schöneweide bombardiert.

Die Schäden am Betriebswerk hielten sich in Grenzen, kurz nach Kriegsende konnte der Personen- und Güterverkehr wieder aufgenommen werden.

Auch nach dem Mauerbau 1961 hatten der Verschiebebahnhof und das Betriebswerk einen großen Anteil am Gütertransport nach West-Berlin.

In den 1960er Jahren wurde das Betriebswerk mit 53 Maschinen der Baureihen 52 und 52.80 zu Berlins wichtigstem Güterzug-Bahnbetriebswerk.

Am 1. Januar 1975 zählte der Bestand noch 37 Lokomotiven der Baureihe 52.

Den letzten planmäßigen Dampfzug fuhr im September 1982 die Lok 52 1360.

Seitdem waren für den Zugdienst Diesellokomotiven der Baureihen 118, 132 und 120 im Einsatz.

Die Dampflokomotiven des Betriebswerks dienten nur noch als Heizlokomotiven oder als Dieselersatz im Güterverkehr.

Die betriebsfähige Museumslok 52 6666 war seit 1982 hier beheimatet.

Die Drehscheibe vor dem Ringlokschuppen (2022).
Die Drehscheibe vor dem Ringlokschuppen (2022). Foto: Lukas Beck, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Ende des Betriebswerks

1984 wurde das Betriebswerk für die Unterbringung elektrischer Lokomotiven umgerüstet.

Mit der Elektrifizierung der Görlitzer Bahn im selben Jahr wurden die ersten Elektrolokomotiven der Baureihen 211 und 242 stationiert.

Im Frühjahr 1992 zog die Reichsbahn einen Großteil der noch vorhandenen Loks der Baureihe 52.80 in Schöneweide zusammen.

Bei einem Eisenbahnfest im Betriebswerk wurde ein Großteil davon an Eisenbahnvereine verkauft.

Am 29. Mai 1994 wurden die letzten drei Heizloks der Baureihe 52.80 abgestellt.

Ab 1994 gliederte die Deutsche Bahn AG den Betriebsdienst schrittweise aus dem Betriebswerk aus.

Mit der Schließung des Verschiebebahnhofs 1998 kam das Ende für das Betriebswerk.

Die Dampflokomotive 74 1230 im Bahnbetriebswerk (2010).
Die Dampflokomotive 74 1230 im Bahnbetriebswerk (2010). Foto: Wassen, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Museumsteil: die Dampflokfreunde Berlin

Die Dampflokfreunde Berlin wurden 1991 gegründet und sind im ehemaligen Betriebswerk ansässig.

Den Ringlokschuppen nutzt der Verein seit Mitte der 1990er Jahre.

Er hat die Reichsbahn-Dampflokomotive 52 8177-9 wieder betriebsfähig gemacht, die unter dem Namen Berlin macht Dampf auf Sonderfahrten im Nordosten Deutschlands unterwegs ist.

Seit 2004 richtet der Verein jährlich das Eisenbahnfest im ehemaligen Betriebswerk aus.

Im Frühjahr 2006 kam der Verein Traditionszug Berlin mit seinem Wagenpark als zweiter Nutzer hinzu.

Der 100. Geburtstag des Betriebswerks wurde am 30. September 2006 mit einem Eisenbahnfest gefeiert, an dem mehr als 5.000 Dampflokfreunde teilnahmen.

Große Veranstaltungen haben bis zu 12.000 Besucher an einem Wochenende angezogen.

Die Lokomotiven DR 18 201 und DR 52 8177 im Bahnbetriebswerk (2011).
Die Lokomotiven DR 18 201 und DR 52 8177 im Bahnbetriebswerk (2011). Foto: Bergfalke2, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die baulichen Anlagen stehen unter Denkmalschutz.

Seit 2018 gilt die Anlage als Technikdenkmal von nationaler Bedeutung.

Der Verein ist Eigentümer und Projektträger.

Er will die Anlage erhalten und die nicht betrieblich genutzten Bereiche dauerhaft für die Öffentlichkeit öffnen.

Für die Jahre 2020 bis 2025 war ein Projekt mit Gesamtkosten von 8 Millionen Euro vorgesehen, davon 5,28 Millionen Euro vom Bund und 2,72 Millionen Euro vom Land Berlin.

Zur Anlage gehören ein Ringlokschuppen, ein Wasserturm, ein Verwaltungsgebäude, ein Dienstgebäude, ein Übernachtungsgebäude und ein Gleisfeld von etwa 700 Metern Länge.

Die Besandungsanlage im Depot Berlin-Schöneweide (2019).
Die Besandungsanlage im Depot Berlin-Schöneweide (2019). Foto: Rainerhaufe, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus: die ungenutzten Gebäude

Zwei denkmalgeschützte Gebäude gelten als ungenutzt: das Übernachtungsgebäude und das Dienstgebäude.

Sie sollen saniert und umgebaut werden.

Das frühere Sanitätsgebäude, das nicht denkmalgeschützt ist, soll ebenfalls umgebaut werden.

Die Außenflächen sollen neu gestaltet werden, rund 6.800 Quadratmeter sind für öffentliche Veranstaltungen vorgesehen.

Das Übernachtungsgebäude für Lokführer und Zugbegleiter (2025).
Das Übernachtungsgebäude für Lokführer und Zugbegleiter (2025). Foto: Bildarbeiter, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Dienstgebäude des Bahnbetriebswerks (2025).
Das Dienstgebäude des Bahnbetriebswerks (2025). Foto: Bildarbeiter, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Vorbau mit Hauptportal am Wasserturm (2025).
Der Vorbau mit Hauptportal am Wasserturm (2025). Foto: Bildarbeiter, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Vorher und nachher: der Wasserturm 2007 und 2023

Die beiden Aufnahmen am Anfang des Beitrags zeigen den Wasserturm des Bahnbetriebswerks 2007 und 2023.

Der Turm gehörte schon zur ursprünglichen Ausstattung des Betriebswerks.

Er wurde saniert und gehört heute dem Verein Dampflokfreunde Berlin.

Das Gelände des Bahnbetriebswerks mit dem Wasserturm (Januar 2026).
Das Gelände des Bahnbetriebswerks mit dem Wasserturm (Januar 2026). Foto: Nylki, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Seit 2021 liegt der S-Bahnhof Johannisthal südwestlich des Geländes.

1866: Eröffnung der Bahnstrecke Berlin–Cottbus.

1868: Haltepunkt Neuer Krug auf dem Gelände des heutigen Bahnhofs Schöneweide.

1886 bis 1888: Bau des Verschiebebahnhofs östlich des Haltepunkts.

1906: Inbetriebnahme des Bahnbetriebswerks mit der neuen Bahnsteiganlage.

Um 1930: Rechteckschuppen, Werkstätten und weiteres Verwaltungsgebäude.

September 1982: Letzter planmäßiger Dampfzug mit der Lok 52 1360.

1984: Umrüstung für elektrische Lokomotiven, Elektrifizierung der Görlitzer Bahn.

1991: Gründung der Dampflokfreunde Berlin.

29. Mai 1994: Die letzten drei Heizloks der Baureihe 52.80 werden abgestellt.

1998: Mit dem Verschiebebahnhof schließt das Betriebswerk.

2004: Beginn des jährlichen Eisenbahnfests.

30. September 2006: Fest zum 100. Geburtstag des Betriebswerks.

2018: Einstufung als Technikdenkmal von nationaler Bedeutung.

2020 bis 2025: Förderprojekt für Erhalt und Umbau der Anlage.

Ist das Bahnbetriebswerk Schöneweide ein Lost Place?
Nur zum Teil. Als Betriebswerk der Bahn wurde es 1998 stillgelegt. Der Ringlokschuppen ist Museumsteil des Vereins Dampflokfreunde Berlin, zwei denkmalgeschützte Gebäude gelten als ungenutzt.
Wann wurde das Betriebswerk gebaut und geschlossen?
Es ging 1906 in Betrieb. Mit der Schließung des Verschiebebahnhofs 1998 kam das Ende für das Betriebswerk.
Wer nutzt das Gelände heute?
Der Verein Dampflokfreunde Berlin, der Eigentümer und Projektträger ist, und als zweiter Nutzer seit 2006 der Verein Traditionszug Berlin.
Wie viele Stände hatte der Ringlokschuppen?
Ursprünglich zwölf. Die Reichsbahn erweiterte ihn auf 20 Stände.
Welche Dampflok der Dampflokfreunde fährt Sonderfahrten?
Die Reichsbahn-Dampflokomotive 52 8177-9, die unter dem Namen Berlin macht Dampf auf Sonderfahrten im Nordosten Deutschlands unterwegs ist.
Wann endete der Dampfbetrieb im Betriebswerk?
Den letzten planmäßigen Dampfzug fuhr im September 1982 die Lok 52 1360, die letzten drei Heizloks der Baureihe 52.80 wurden am 29. Mai 1994 abgestellt.
Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnbetriebswerk Berlin-Schöneweide · Senatsverwaltung Berlin: DampflokWerk Berlin · BauNetz Wissen: Wasserturm des Bahnbetriebswerks Berlin-Schöneweide · Wikimedia Commons: Category Wasserturm (Bahnbetriebswerk Berlin-Schöneweide)

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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