Die Vellachtalbahn: von Kühnsdorf nach Eisenkappel, 1971 vollständig eingestellt
Die Vellachtalbahn war eine Schmalspurbahn in Kärnten, die 1902 eröffnet wurde und vor allem dem Güterverkehr diente. Der Personenverkehr endete 1965, 1971 wurde der gesamte Betrieb eingestellt.

Lage: Kärnten, von Völkermarkt-Kühnsdorf nach Eisenkappel im Vellachtal. Status: Stillgelegt und abgetragen, ein Museumsbahn-Projekt scheiterte. Heute: Auf der Bahntrasse verläuft teilweise ein Radweg.
Die Vellachtalbahn, im Volksmund Vike genannt, war eine Schmalspurbahn mit 760 Millimetern Spurweite in Kärnten.
Sie führte von Völkermarkt-Kühnsdorf nach Eisenkappel und wurde zuletzt von den ÖBB betrieben.
Die Strecke wurde 1902 eröffnet und diente vor allem dem Güterverkehr.
Der Personenverkehr wurde 1965 eingestellt, auf dem Teilstück bis Rechberg lief der Güterverkehr bis 1971 weiter.
Eine Erhaltung als Museumsbahn scheiterte an den Kosten.
Freie Fotos der Strecke aus der Betriebszeit liegen nicht vor, die Bilder zeigen den Bahnhof Kühnsdorf im Jahr 2026 und ein Wertpapier der Bahngesellschaft von 1901.
Vorgeschichte: Zellstoff und Holz im Vellachtal
Nach der Fertigstellung der Kärntner Bahn wollte man gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch Täler abseits der Hauptlinien an das Schienennetz anschließen.
Die Kleineisenindustrie der Region war im 19. Jahrhundert im Niedergang, der letzte produzierende Hammer in Rechberg musste 1884 schließen.
Neue Arbeitsplätze erhoffte man sich vom Holzreichtum der Gegend.
Der Lokalpolitiker und Landbesitzer Johann Douglas von Thurn-Valsassina überzeugte Eduard Engländer, im ungenutzten Hammer eine Fabrik zu bauen.
Die 1890 gegründete Zellstofffabrik produzierte ab 1891.
1892 wurde die Produktion mit einer Papierfabrik erweitert, als die Zellstoffpreise sanken.
Alle Waren wurden zunächst mit Pferdefuhrwerken zum Bahnhof Kühnsdorf an der Kärntner Bahn gebracht.
Mit den Transportmöglichkeiten waren von Thurn-Valsassina und Engländer unzufrieden und gründeten 1893 in Miklauzhof mit weiteren kommunalen Vertretern ein Bahnbaukomitee.
1894 wurde eine Vorkonzession für eine schmalspurige Bahn von Kühnsdorf ins Vellachtal erteilt.
Ein Jahr später folgte eine weitere Vorkonzession für eine Bahn von Kühnsdorf nach Brückl, die aus wirtschaftlichen Überlegungen später nicht weiterverfolgt wurde.
Das Komitee einigte sich schnell auf die Linie Kühnsdorf–Eisenkappel, auch weil 1896 ein Hochwasser im Vellachtal erhebliche Schäden verursachte.
Widerstand kam von einigen Gemeinden an der Strecke und von örtlichen Kutschern.
Das Vorhaben verzögerte sich auch, weil ein Bau als Normalspurbahn nach Krainburg geprüft wurde und der Graf von Thurn-Valsassina keine finanziellen Mittel bereitstellen wollte.
Bau und Eröffnung 1902
Am 17. Februar 1900 wurde die endgültige Konzession für eine schmalspurige Lokalbahn von Kühnsdorf nach Eisenkappel erteilt.
1901 wurde die Aktiengesellschaft Kühnsdorf-Eisenkappel gegründet, der Fertigstellungstermin wurde auf den 1. November 1902 gelegt.
Die Bauausführung übernahm die Firma Stern & Hafferl.
Im Herbst 1901 begannen die Bauarbeiten, innerhalb eines Jahres waren sie abgeschlossen.
Eine Abnahmefahrt fand am 26. September 1902 statt.
Die 17,7 Kilometer lange Bahn wurde am 5. Oktober 1902 eröffnet, auf eine Eröffnungsfeier wurde verzichtet.

So sah es vorher aus: Güterzüge für Zellstoffwerk und Sägewerk
Mit der Betriebsführung wurden zunächst die k.k. österreichischen Staatsbahnen beauftragt, ab dem 20. Mai 1903 die k.k. privilegierte Südbahn-Gesellschaft.
Die Bahn wurde zunächst mit zwei Lokomotiven der Reihe T betrieben, die später bei den ÖBB als Reihe 198 geführt wurden.
Der Personenverkehr blieb eher bescheiden, denn der Bahnhof Völkermarkt-Kühnsdorf an der Südbahn lag etwa sechs Kilometer außerhalb der Stadt.
Der Güterverkehr entwickelte sich dagegen vor allem wegen des Zellstoffwerks in Rechberg und eines Sägewerks in Eisenkappel positiv.
Das Zellstoffwerk brannte 1906 ab, der Wiederaufbau dauerte bis 1908.
1916 wurde das Werk zweimal durch Hochwasser schwer beschädigt, auch die Bahn erlitt Schäden, vor allem durch Unterspülungen.
Wegen des gestiegenen Verkehrs waren beide Lokomotiven überlastet, bereits im Frühjahr 1914 versuchte man, eine stärkere Lok zu kaufen.
Im Ersten Weltkrieg kam es mehrfach zu Lokmangel und tagelangen Zugausfällen.
Am Ende des Ersten Weltkriegs beanspruchte der Staat der Slowenen, Kroaten und Serben Kärnten, es kam zu bewaffneten Auseinandersetzungen.
Das Zellstoffwerk wurde von Jugoslawien besetzt und musste die Produktion einstellen, mehrfach fand kein Zugverkehr statt.
Mit einer Volksabstimmung in Kärnten 1920 fiel das Gebiet endgültig an Österreich zurück.
Am 1. Jänner 1924 ging die Betriebsführung auf die Bundesbahnen Österreich über.
Als Ersatz für den Lokmangel wurde erst jetzt die schwere Güterzuglok Kh.1 beschafft, im selben Jahr wurde der Rollwagenverkehr eingeführt.
Im Oktober 1926 beschädigte ein Hochwasser die Strecke und das Zellstoffwerk stark, kurz zuvor hatte es im Werk erneut einen schweren Brand gegeben.
Die Haltestelle Rechberg wurde beim Wiederaufbau etwa 400 Meter in Richtung Eisenkappel verlegt.
Im Dezember desselben Jahres fuhr die Bahn wieder.
Die Bahngesellschaft wurde am 1. Jänner 1931 liquidiert und ging in den Besitz der Bundesbahnen Österreich über.
Das Zellstoffwerk wurde ab 1939 unter einem neuen Besitzer weiter ausgebaut.
Nach der kurzzeitigen Besetzung der Region durch jugoslawische Truppen kurz nach Kriegsende fand kein Zugverkehr mehr statt.
Der Verkehr wurde erst 1946 und 1947 wieder aufgenommen.
1951 und 1952 kamen als Ersatz für die altersschwache Reihe T vier ehemalige Heeresfeldbahnlokomotiven, die die ÖBB als Reihe 699 einreihten.
Auch Lokomotiven der Reihen 199 und 399 versahen Dienst auf der Vellachtalbahn.
Industriebetriebe erweiterten nach dem Zweiten Weltkrieg mit Mitteln aus dem Marshallplan ihre Produktion.
1952 arbeiteten in der Rechberger Fabrik etwa 1.000 Menschen, die für einen starken Berufsverkehr sorgten.
Vom Sägewerk in Eisenkappel wurden zeitweise über 10.000 Tonnen Holzprodukte pro Jahr versandt.
Das Ende: Straße statt Schiene
Die zunehmende Konkurrenz des Straßenverkehrs führte ab der zweiten Hälfte der 1950er Jahre zu einem stetigen Rückgang im Personenverkehr.
Die Bundesbahndirektion Villach wollte zumindest den Personenverkehr auf der Schmalspurbahn einstellen, investiert wurde nicht mehr.
1965 wurde der Personenverkehr auf der gesamten Strecke eingestellt.
ÖBB-eigene Busse übernahmen ihn, da man Investitionen von 10 Millionen Schilling für eine Modernisierung nicht aufbringen wollte.
1966 wurde der Güterverkehr auf dem Abschnitt Rechberg–Eisenkappel vollständig eingestellt.
Dieser Abschnitt wurde 1968 abgetragen.
Mehrere Proteste seit 1965 gegen die Betriebseinstellungen brachten keine Veränderung, obwohl sich Industrie und Bevölkerung für den Weiterbetrieb einsetzten.
Der Güterverkehr bis Rechberg blieb zunächst in vollem Umfang bestehen.
Besonders die Transporte von Chlorgas für das Zellstoffwerk durften vorerst nicht auf der Straße durchgeführt werden und sicherten den Bestand der Bahn für einige Jahre.
Die Höchstgeschwindigkeit musste wegen Oberbaumängeln stellenweise auf 10 Kilometer pro Stunde herabgesetzt werden.
Letzter Güterkunde war ab 1969 das Zellstoffwerk, nachdem die Ladestelle Miklauzhof geschlossen worden war.
Bis 1971 war der Ausbau der Seeberg-Straße so weit abgeschlossen, dass auch die Transporte für das Zellstoffwerk auf ihr abgewickelt werden konnten.
Am 22. Mai 1971 wurde der Bahnverkehr komplett eingestellt.
Die Vellachtalbahn war damit die erste Schmalspurstrecke der ÖBB, die vollständig eingestellt wurde.

So sieht es jetzt aus: abgetragen, teilweise ein Radweg
Bemühungen des Vereins der Kärntner Eisenbahnfreunde um eine Museumsbahn scheiterten an fehlender Unterstützung durch die Politik und mangelnden Geldmitteln.
Die Strecke wurde noch 1971 abgetragen.
Die Lokomotive 699.103, die die Abbauzüge führte, blieb als einzige im Bestand der ÖBB und wurde als Güterzuglok auf die Steyrtalbahn versetzt, die anderen wurden ausgemustert.
Das Zellstoffwerk überlebte mit geringer Produktionskapazität bis 1989, nachdem es bereits 1979 zum ersten Mal insolvent geworden war.
Auf der Bahntrasse verläuft heute teilweise ein Radweg.
Vorher und nachher: der Anschlussbahnhof Kühnsdorf
Die Vellachtalbahn begann am Bahnhof Völkermarkt-Kühnsdorf an der Kärntner Bahn.
Der Bahnhof lag etwa sechs Kilometer außerhalb der Stadt Völkermarkt.
Schon vor dem Bahnbau wurden die Waren der Zellstofffabrik mit Pferdefuhrwerken zum Bahnhof Kühnsdorf gebracht.
Das Aufnahmsgebäude des Bahnhofs ist seit der Stilllegung 2023 ohne Zugverkehr.
Von der Vellachtalbahn selbst liegen an dieser Stelle keine freien Fotos vor.
Der Name Vike
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Bahn bei den Einheimischen unter dem Namen Vike bekannt.
Der Name rührt wahrscheinlich von einem Lokführer oder Zugbegleiter namens Viktor her.
Eine andere Erklärung liefert die Inschrift V.K.E. für Völkermarkt-Kühnsdorf–Eisenkappel auf den Grenzsteinen entlang der Bahn, die verballhornt worden sein könnte.
1884: Der letzte produzierende Hammer in Rechberg schließt.
1890: Gründung der Zellstofffabrik, Produktion ab 1891.
1893: Bahnbaukomitee in Miklauzhof.
1894: Vorkonzession für eine Schmalspurbahn von Kühnsdorf ins Vellachtal.
17. Februar 1900: Endgültige Konzession für die Lokalbahn Kühnsdorf–Eisenkappel.
1901: Gründung der Aktiengesellschaft Kühnsdorf-Eisenkappel.
26. September 1902: Abnahmefahrt.
5. Oktober 1902: Eröffnung der 17,7 Kilometer langen Bahn.
20. Mai 1903: Die Südbahn-Gesellschaft übernimmt die Betriebsführung.
1906: Das Zellstoffwerk brennt ab.
1. Jänner 1924: Die Bundesbahnen Österreich übernehmen die Betriebsführung.
Oktober 1926: Hochwasser beschädigt Strecke und Zellstoffwerk.
1. Jänner 1931: Die Bahngesellschaft wird liquidiert.
1946 und 1947: Der Verkehr wird nach dem Krieg wieder aufgenommen.
1965: Einstellung des Personenverkehrs.
1966: Einstellung des Güterverkehrs zwischen Rechberg und Eisenkappel.
1968: Der Abschnitt Rechberg–Eisenkappel wird abgetragen.
22. Mai 1971: Der Bahnverkehr wird komplett eingestellt.
1989: Das Zellstoffwerk beendet die Produktion.
2023: Stilllegung des Bahnhofs Völkermarkt-Kühnsdorf.
Wo fuhr die Vellachtalbahn?
Welche Spurweite hatte die Vellachtalbahn?
Wann wurde die Vellachtalbahn eingestellt?
Gibt es eine Museumsbahn auf der Strecke?
Was ist von der Strecke geblieben?
Woher kommt der Name Vike?
Wikipedia: Vellachtalbahn · Wikimedia Commons: Kuehnsdorf Agvoelkermarktkuehnsdorf-1.jpg · Wikimedia Commons: Localbahn Kühnsdorf-Eisenkappel 1901.jpg
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