Südharz-Eisenbahn: Brunnenbachsmühle, der Umsteigebahnhof im Wald
Bei Brunnenbachsmühle teilte sich die Schmalspurbahn von Walkenried in die Äste nach Braunlage und Tanne. Seit 1967 dient das Empfangsgebäude als Jugendwaldheim des Nationalparks Harz.

Lage: Brunnenbachsmühle, Stadtgebiet Braunlage im Harz. Status: Die Strecke Walkenried–Braunlage wurde 1962 und 1963 stillgelegt und abgebaut. Heute: Das Empfangsgebäude ist ein Jugendwaldheim des Nationalparks Harz.
Die Südharz-Eisenbahn führte als Schmalspurbahn von Walkenried durch das Wiedatal nach Braunlage im Oberharz.
Bei Brunnenbachsmühle zweigte die Strecke nach Tanne ab.
Die Station im Wald diente als Umsteigebahnhof.
1962 endete der Personenverkehr, 1963 der Güterverkehr, danach wurde die Strecke abgebaut.
Heute dient das Empfangsgebäude von Brunnenbachsmühle als Jugendwaldheim des Nationalparks Harz.
Freie Fotos aus der Betriebszeit sind nur als frühe Postkarten belegt.
Wie die Südharz-Eisenbahn entstand
Die betroffenen Gemeinden wünschten sich schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts einen Eisenbahnanschluss im Südharz.
Viele Varianten wurden vorgeschlagen und immer wieder aus Kostengründen verworfen.
Unter anderem war eine Verlängerung der Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn über Zorge nach Walkenried im Gespräch.
1894 gründete sich ein Eisenbahnbaukomitee, das die Konzession für eine Strecke von Walkenried nach Braunlage mit einem Abzweig nach Tanne erhielt.
1896 begannen die Vermessungen, danach wurde die Streckenführung noch einmal überarbeitet.
Die ursprünglich notwendige Zahnradbahn konnte durch eine Verlängerung der Strecke entfallen.
Am 28. April 1897 wurde die AG Südharz-Bahngesellschaft eingetragen, danach begannen die eigentlichen Bauarbeiten unter Louis Degen.
Nach dessen plötzlichem Tod übernahm die Centralverwaltung für Secundairbahnen Herrmann Bachstein die Aktienmehrheit und führte den Bau fort.
Geplant war die Inbetriebnahme für den Sommer 1899, die Arbeiten zogen sich jedoch bis in den Herbst.
Am 15. August 1899 wurde die Strecke von Walkenried nach Braunlage eröffnet, am 24. August die Stichbahn nach Tanne.
Das nur dem Güterverkehr dienende Stück von Braunlage zum Wurmberg folgte am 1. November 1899.
Brunnenbachsmühle: Von der Mühle zum Bahnhof
Der Name geht auf eine alte Mühle am Brunnenbach zurück, die auch als Einkehr für Fremde diente.
Bei einem Dammbruch des oberhalb gelegenen Andreasberger Stauteiches, des heutigen Silberteichs, wurde die Mühle zerstört.
Ihre Ruine wurde nach dem Erwerb durch das Herzogtum Braunschweig im 19. Jahrhundert abgetragen.
An der Stelle der Mühle wurde 1899 der gleichnamige Bahnhof der Südharz-Eisenbahn-Gesellschaft eröffnet.
In Brunnenbachsmühle teilte sich die Bahn in die Äste nach Tanne und nach Braunlage.
Das erste große Empfangsgebäude brannte 1901 ab, noch im selben Jahr entstand der Neubau, der bis heute besteht.
Zum Bahnhof gehörten ein Umsetzgleis, ein Ladegleis mit seitlicher Laderampe, mehrere Schuppen und eine Wasserversorgung für die Lokomotiven.
Die Wasserversorgung wurde aus dem Bach westlich des Bahnhofs gespeist.
Im April 1909 ging unweit des Bahnhofs in Richtung Sorge ein Grauwacke-Steinbruch in Betrieb, der einen Eisenbahnanschluss erhielt.

So sah es vorher aus: Die Strecke durch den Wald
Von Walkenried stieg die Bahn durch das Wiedatal an und erreichte beim Kilometer 16,5 mit 607,5 Metern ihren höchsten Punkt.
An dieser Stelle überquerte sie die Wasserscheide zwischen Elbe und Weser.
Bergab folgte die Trasse dem Tal des Schächerbachs bis zu einer Kehre im Einschnitt vor Brunnenbachsmühle.
Dort trafen die Gleise aus Walkenried auf die der Zweigstrecke nach Tanne.
Hinter dem Bahnhof wurde das Tal des Brunnenbachs auf einem Damm gequert, eine Steinbogenbrücke überbrückte den Wasserlauf.
Danach kreuzte die Strecke mehrmals die Straße von Wieda nach Braunlage und die Bundesstraße von Braunlage nach Hohegeiß.
Die Zweigstrecke nach Tanne verließ den Bahnhof Richtung Süden und lief rund 400 Meter parallel zur Strecke nach Walkenried.
Dann schwenkte sie in das Brunnenbachtal ab und folgte später dem Tal der Warmen Bode nach Sorge.
Bei Streckenkilometer 3,7 überquerte sie auf einer Steinbogenbrücke die Warme Bode, an der später die innerdeutsche Grenze verlief.
In Sorge hatte die Bahn Anschluss an die Harzquerbahn, 1913 wurde dort ein Verbindungsgleis gebaut.
Ab 1928 verkehrte ein Kurswagen von Braunlage bis zum Gipfel des Brockens.
Nach rund 8,5 Kilometern mündete die Zweigstrecke in den Schmalspurteil des Bahnhofs Tanne.


Das Ende der Strecke
Vom Zweiten Weltkrieg blieb die Bahngesellschaft weitgehend verschont, nur bei Sorge wurden einige Eisenbahnbrücken gesprengt.
Die Grenzziehung unterbrach jedoch das Teilstück von Brunnenbachsmühle nach Tanne, an eine Wiederaufnahme des Betriebs war nicht zu denken.
Sorge und Tanne lagen in der sowjetischen Besatzungszone, der übrige Teil der Südharz-Eisenbahn im Westen.
Der Verkehr dorthin wurde deshalb 1945 eingestellt.
Das Reststück von Brunnenbachsmühle über Sorge nach Tanne wurde am 15. April 1946 der Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn-Gesellschaft zur Betriebsführung übergeben.
1949 gingen Eigentum und Betriebsführung an die Deutsche Reichsbahn.
Der Abschnitt von Sorge nach Tanne wurde noch bis 1954 im Güterverkehr betrieben, der Anschluss zur Tanner Hütte bis 1958.
Im Westen konnte die Südharz-Eisenbahn den Betrieb 1945 fortführen, und der Personenverkehr nahm nach dem Krieg noch einmal stark zu.
Der Güterverkehr erreichte die Vorkriegswerte nicht mehr, 1958 wurde er auf dem Stück von Braunlage zum Wurmberg eingestellt.
Mit der zunehmenden Motorisierung stieg Ende der 1950er Jahre der Individualverkehr stark an.
Am 28. September 1962 wurde der Personenverkehr eingestellt.
Der Güterverkehr lief noch bis zum 3. August 1963, danach wurde die Strecke relativ schnell abgebaut.
Die Bahnhofsgaststätte in Brunnenbachsmühle, die Braunlager Kurgäste gern als Ausflugslokal besuchten, blieb noch einige Jahre geöffnet.
Eine in der Braunlager Zeitung häufig beworbene Attraktion der Gaststätte war das Schreien der Hirsche zur Brunftzeit.
So sieht es jetzt aus
Seit 1967 dient die Brunnenbachsmühle unter dem Namen Jugendwaldheim als Bildungsstätte.
2003 übernahm die Nationalparkverwaltung die Regie.
Das Empfangsgebäude von 1901 hat einen angebauten Bettentrakt.
Die große Freifläche der ehemaligen Gleisanlagen wird als Grill- und Fußballplatz genutzt.
Fast die gesamte ehemalige Bahntrasse wurde von 2007 bis 2011 zum Südharz-Eisenbahn-Radwanderweg ausgebaut.
Der Weg ist 24,24 Kilometer lang und verläuft größtenteils auf der alten Trasse.
Am 19. August 2011 wurde nahe dem Jugendwaldheim der Abschluss des zweiten Bauabschnitts gefeiert.
Auf der Trasse nach Walkenried verläuft heute der Radweg, die Verzweigung nach Tanne ist noch zu erkennen.
In Richtung Sorge ist das Planum unbebaut erhalten und teilweise als Wanderweg begehbar.
Die Steinbogenbrücke über die Warme Bode, einst Verlauf der innerdeutschen Grenze, ist samt Gleisrest erhalten.



Die Haltestelle Kaiserweg im Wald an der Straße von Wieda nach Braunlage diente der Holzverladung.
Ein Ladegleis mit einer noch heute erhaltenen Rampe führte dort entlang, heute liegt dort ein Parkplatz.
Seit August 2024 erinnert eine Schutzhütte an die alte Bahnstation Kaiserweg.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Braunlage diente nach der Stilllegung als Unternehmenssitz und wurde im Mai 2014 abgerissen.

Vorher und nachher: das Empfangsgebäude
Die Postkarte vor 1901 und das Foto von 2013 zeigen den Bahnhof Brunnenbachsmühle in zwei Zeiten.
Das heutige Empfangsgebäude entstand 1901 nach dem Brand des ersten.

Die Geschichte in Daten
1894: Ein Eisenbahnbaukomitee gründet sich und erhält die Konzession.
1897: Am 28. April wird die AG Südharz-Bahngesellschaft eingetragen.
1899: Am 15. August wird die Strecke Walkenried–Braunlage eröffnet, am 24. August die Stichbahn nach Tanne, am 1. November das Güterstück zum Wurmberg.
1901: Das erste Empfangsgebäude in Brunnenbachsmühle brennt ab, noch im selben Jahr entsteht der Neubau.
1909: Im April geht der Grauwacke-Steinbruch bei Brunnenbachsmühle in Betrieb.
1913: In Sorge wird ein Verbindungsgleis zur Harzquerbahn gebaut.
1945: Die Grenzziehung unterbricht die Strecke nach Tanne.
1946: Am 15. April übernimmt die Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn-Gesellschaft das Reststück Sorge–Tanne.
1954: Der Güterverkehr zwischen Sorge und Tanne endet.
1958: Der Güterverkehr zwischen Braunlage und dem Wurmberg wird eingestellt.
1962: Am 28. September endet der Personenverkehr.
1963: Am 3. August endet der Güterverkehr, die Strecke wird abgebaut.
1967: Das Bahnhofsgebäude wird zum Jugendwaldheim.
2003: Die Nationalparkverwaltung übernimmt das Jugendwaldheim.
2011: Der Südharz-Eisenbahn-Radwanderweg ist ausgebaut.
Häufige Fragen
Wann endete der Verkehr auf der Südharz-Eisenbahn?
Was ist vom Bahnhof Brunnenbachsmühle erhalten?
Wo verlief die Zweigstrecke nach Tanne?
Warum wurde die Strecke nach Tanne unterbrochen?
Kann man die alte Trasse nutzen?
Aus der Mühle am Brunnenbach wurde 1899 ein Bahnhof, 1967 eine Bildungsstätte.
Wikipedia: Brunnenbachsmühle · Wikipedia: Südharz-Eisenbahn
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