Südharz-Eisenbahn: Brunnenbachsmühle, der Umsteigebahnhof im Wald

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Südharz-Eisenbahn: Brunnenbachsmühle, der Umsteigebahnhof im Wald

Bei Brunnenbachsmühle teilte sich die Schmalspurbahn von Walkenried in die Äste nach Braunlage und Tanne. Seit 1967 dient das Empfangsgebäude als Jugendwaldheim des Nationalparks Harz.

Postkarte von der Betriebseröffnung der Südharz-Eisenbahn 1899 mit dem Bahnhof Braunlage.
Postkarte von der Betriebseröffnung der Südharz-Eisenbahn 1899 mit dem Bahnhof Braunlage. Foto: Verlag Gustav Langner Braunlage, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1899
Eröffnung der Strecke
1901
Neues Empfangsgebäude
1962
Ende des Personenverkehrs
1967
Jugendwaldheim

Lage: Brunnenbachsmühle, Stadtgebiet Braunlage im Harz. Status: Die Strecke Walkenried–Braunlage wurde 1962 und 1963 stillgelegt und abgebaut. Heute: Das Empfangsgebäude ist ein Jugendwaldheim des Nationalparks Harz.

Die Südharz-Eisenbahn führte als Schmalspurbahn von Walkenried durch das Wiedatal nach Braunlage im Oberharz.

Bei Brunnenbachsmühle zweigte die Strecke nach Tanne ab.

Die Station im Wald diente als Umsteigebahnhof.

1962 endete der Personenverkehr, 1963 der Güterverkehr, danach wurde die Strecke abgebaut.

Heute dient das Empfangsgebäude von Brunnenbachsmühle als Jugendwaldheim des Nationalparks Harz.

Freie Fotos aus der Betriebszeit sind nur als frühe Postkarten belegt.

Wie die Südharz-Eisenbahn entstand

Die betroffenen Gemeinden wünschten sich schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts einen Eisenbahnanschluss im Südharz.

Viele Varianten wurden vorgeschlagen und immer wieder aus Kostengründen verworfen.

Unter anderem war eine Verlängerung der Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn über Zorge nach Walkenried im Gespräch.

1894 gründete sich ein Eisenbahnbaukomitee, das die Konzession für eine Strecke von Walkenried nach Braunlage mit einem Abzweig nach Tanne erhielt.

1896 begannen die Vermessungen, danach wurde die Streckenführung noch einmal überarbeitet.

Die ursprünglich notwendige Zahnradbahn konnte durch eine Verlängerung der Strecke entfallen.

Am 28. April 1897 wurde die AG Südharz-Bahngesellschaft eingetragen, danach begannen die eigentlichen Bauarbeiten unter Louis Degen.

Nach dessen plötzlichem Tod übernahm die Centralverwaltung für Secundairbahnen Herrmann Bachstein die Aktienmehrheit und führte den Bau fort.

Geplant war die Inbetriebnahme für den Sommer 1899, die Arbeiten zogen sich jedoch bis in den Herbst.

Am 15. August 1899 wurde die Strecke von Walkenried nach Braunlage eröffnet, am 24. August die Stichbahn nach Tanne.

Das nur dem Güterverkehr dienende Stück von Braunlage zum Wurmberg folgte am 1. November 1899.

Brunnenbachsmühle: Von der Mühle zum Bahnhof

Der Name geht auf eine alte Mühle am Brunnenbach zurück, die auch als Einkehr für Fremde diente.

Bei einem Dammbruch des oberhalb gelegenen Andreasberger Stauteiches, des heutigen Silberteichs, wurde die Mühle zerstört.

Ihre Ruine wurde nach dem Erwerb durch das Herzogtum Braunschweig im 19. Jahrhundert abgetragen.

An der Stelle der Mühle wurde 1899 der gleichnamige Bahnhof der Südharz-Eisenbahn-Gesellschaft eröffnet.

In Brunnenbachsmühle teilte sich die Bahn in die Äste nach Tanne und nach Braunlage.

Das erste große Empfangsgebäude brannte 1901 ab, noch im selben Jahr entstand der Neubau, der bis heute besteht.

Zum Bahnhof gehörten ein Umsetzgleis, ein Ladegleis mit seitlicher Laderampe, mehrere Schuppen und eine Wasserversorgung für die Lokomotiven.

Die Wasserversorgung wurde aus dem Bach westlich des Bahnhofs gespeist.

Im April 1909 ging unweit des Bahnhofs in Richtung Sorge ein Grauwacke-Steinbruch in Betrieb, der einen Eisenbahnanschluss erhielt.

Der Bahnhof Brunnenbachsmühle auf einer Postkarte, die vor dem 12. Oktober 1901 entstand.
Der Bahnhof Brunnenbachsmühle auf einer Postkarte, die vor dem 12. Oktober 1901 entstand. Foto: Unbekannt Karl Hellmund Postkarten engros und Verlag, Wernig, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

So sah es vorher aus: Die Strecke durch den Wald

Von Walkenried stieg die Bahn durch das Wiedatal an und erreichte beim Kilometer 16,5 mit 607,5 Metern ihren höchsten Punkt.

An dieser Stelle überquerte sie die Wasserscheide zwischen Elbe und Weser.

Bergab folgte die Trasse dem Tal des Schächerbachs bis zu einer Kehre im Einschnitt vor Brunnenbachsmühle.

Dort trafen die Gleise aus Walkenried auf die der Zweigstrecke nach Tanne.

Hinter dem Bahnhof wurde das Tal des Brunnenbachs auf einem Damm gequert, eine Steinbogenbrücke überbrückte den Wasserlauf.

Danach kreuzte die Strecke mehrmals die Straße von Wieda nach Braunlage und die Bundesstraße von Braunlage nach Hohegeiß.

Die Zweigstrecke nach Tanne verließ den Bahnhof Richtung Süden und lief rund 400 Meter parallel zur Strecke nach Walkenried.

Dann schwenkte sie in das Brunnenbachtal ab und folgte später dem Tal der Warmen Bode nach Sorge.

Bei Streckenkilometer 3,7 überquerte sie auf einer Steinbogenbrücke die Warme Bode, an der später die innerdeutsche Grenze verlief.

In Sorge hatte die Bahn Anschluss an die Harzquerbahn, 1913 wurde dort ein Verbindungsgleis gebaut.

Ab 1928 verkehrte ein Kurswagen von Braunlage bis zum Gipfel des Brockens.

Nach rund 8,5 Kilometern mündete die Zweigstrecke in den Schmalspurteil des Bahnhofs Tanne.

Die Trasse kurz vor dem Scheitelpunkt zwischen Kaiserweg und Brunnenbachsmühle, Blick Richtung Brunnenbachsmühle, 2013.
Die Trasse kurz vor dem Scheitelpunkt zwischen Kaiserweg und Brunnenbachsmühle, Blick Richtung Brunnenbachsmühle, 2013. Foto: de:Benutzer:ch ivk, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Trasse kurz nach dem Scheitelpunkt aus Richtung Brunnenbachsmühle, Blick Richtung Kaiserweg, 2013.
Die Trasse kurz nach dem Scheitelpunkt aus Richtung Brunnenbachsmühle, Blick Richtung Kaiserweg, 2013. Foto: de:Benutzer:ch ivk, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Ende der Strecke

Vom Zweiten Weltkrieg blieb die Bahngesellschaft weitgehend verschont, nur bei Sorge wurden einige Eisenbahnbrücken gesprengt.

Die Grenzziehung unterbrach jedoch das Teilstück von Brunnenbachsmühle nach Tanne, an eine Wiederaufnahme des Betriebs war nicht zu denken.

Sorge und Tanne lagen in der sowjetischen Besatzungszone, der übrige Teil der Südharz-Eisenbahn im Westen.

Der Verkehr dorthin wurde deshalb 1945 eingestellt.

Das Reststück von Brunnenbachsmühle über Sorge nach Tanne wurde am 15. April 1946 der Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn-Gesellschaft zur Betriebsführung übergeben.

1949 gingen Eigentum und Betriebsführung an die Deutsche Reichsbahn.

Der Abschnitt von Sorge nach Tanne wurde noch bis 1954 im Güterverkehr betrieben, der Anschluss zur Tanner Hütte bis 1958.

Im Westen konnte die Südharz-Eisenbahn den Betrieb 1945 fortführen, und der Personenverkehr nahm nach dem Krieg noch einmal stark zu.

Der Güterverkehr erreichte die Vorkriegswerte nicht mehr, 1958 wurde er auf dem Stück von Braunlage zum Wurmberg eingestellt.

Mit der zunehmenden Motorisierung stieg Ende der 1950er Jahre der Individualverkehr stark an.

Am 28. September 1962 wurde der Personenverkehr eingestellt.

Der Güterverkehr lief noch bis zum 3. August 1963, danach wurde die Strecke relativ schnell abgebaut.

Die Bahnhofsgaststätte in Brunnenbachsmühle, die Braunlager Kurgäste gern als Ausflugslokal besuchten, blieb noch einige Jahre geöffnet.

Eine in der Braunlager Zeitung häufig beworbene Attraktion der Gaststätte war das Schreien der Hirsche zur Brunftzeit.

So sieht es jetzt aus

Seit 1967 dient die Brunnenbachsmühle unter dem Namen Jugendwaldheim als Bildungsstätte.

2003 übernahm die Nationalparkverwaltung die Regie.

Das Empfangsgebäude von 1901 hat einen angebauten Bettentrakt.

Die große Freifläche der ehemaligen Gleisanlagen wird als Grill- und Fußballplatz genutzt.

Fast die gesamte ehemalige Bahntrasse wurde von 2007 bis 2011 zum Südharz-Eisenbahn-Radwanderweg ausgebaut.

Der Weg ist 24,24 Kilometer lang und verläuft größtenteils auf der alten Trasse.

Am 19. August 2011 wurde nahe dem Jugendwaldheim der Abschluss des zweiten Bauabschnitts gefeiert.

Auf der Trasse nach Walkenried verläuft heute der Radweg, die Verzweigung nach Tanne ist noch zu erkennen.

In Richtung Sorge ist das Planum unbebaut erhalten und teilweise als Wanderweg begehbar.

Die Steinbogenbrücke über die Warme Bode, einst Verlauf der innerdeutschen Grenze, ist samt Gleisrest erhalten.

Ehemalige Streckenverzweigung am östlichen Ausgang des Bahnhofs Brunnenbachsmühle, 2013. Links führte die Strecke nach Tanne, rechts nach Walkenried. Auf der Trasse nach Walkenried verläuft heute der Radweg.
Ehemalige Streckenverzweigung am östlichen Ausgang des Bahnhofs Brunnenbachsmühle, 2013. Links führte die Strecke nach Tanne, rechts nach Walkenried. Auf der Trasse nach Walkenried verläuft heute der Radweg. Foto: de:Benutzer:ch ivk, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Felseinschnitt am ehemaligen Bahnhof Stöberhai, 2013, heute Teil des Radwegs.
Felseinschnitt am ehemaligen Bahnhof Stöberhai, 2013, heute Teil des Radwegs. Foto: de:Benutzer:ch ivk, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Trasse zwischen Stöberhai und Kaiserweg mit einem alten, nicht mehr lesbaren Kilometerstein, 2013.
Die Trasse zwischen Stöberhai und Kaiserweg mit einem alten, nicht mehr lesbaren Kilometerstein, 2013. Foto: de:Benutzer:ch ivk, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Haltestelle Kaiserweg im Wald an der Straße von Wieda nach Braunlage diente der Holzverladung.

Ein Ladegleis mit einer noch heute erhaltenen Rampe führte dort entlang, heute liegt dort ein Parkplatz.

Seit August 2024 erinnert eine Schutzhütte an die alte Bahnstation Kaiserweg.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Braunlage diente nach der Stilllegung als Unternehmenssitz und wurde im Mai 2014 abgerissen.

Der 2014 abgerissene Bahnhof der Südharz-Eisenbahn in Braunlage, aufgenommen 2008.
Der 2014 abgerissene Bahnhof der Südharz-Eisenbahn in Braunlage, aufgenommen 2008. Foto: Kassandro, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Vorher und nachher: das Empfangsgebäude

Die Postkarte vor 1901 und das Foto von 2013 zeigen den Bahnhof Brunnenbachsmühle in zwei Zeiten.

Das heutige Empfangsgebäude entstand 1901 nach dem Brand des ersten.

Das 1901 errichtete, ehemalige Empfangsgebäude des Bahnhofs Brunnenbachsmühle, 2013. Rechts steht der angebaute Bettentrakt des Jugendwaldheims.
Das 1901 errichtete, ehemalige Empfangsgebäude des Bahnhofs Brunnenbachsmühle, 2013. Rechts steht der angebaute Bettentrakt des Jugendwaldheims. Foto: de:Benutzer:ch ivk, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Geschichte in Daten

1894: Ein Eisenbahnbaukomitee gründet sich und erhält die Konzession.

1897: Am 28. April wird die AG Südharz-Bahngesellschaft eingetragen.

1899: Am 15. August wird die Strecke Walkenried–Braunlage eröffnet, am 24. August die Stichbahn nach Tanne, am 1. November das Güterstück zum Wurmberg.

1901: Das erste Empfangsgebäude in Brunnenbachsmühle brennt ab, noch im selben Jahr entsteht der Neubau.

1909: Im April geht der Grauwacke-Steinbruch bei Brunnenbachsmühle in Betrieb.

1913: In Sorge wird ein Verbindungsgleis zur Harzquerbahn gebaut.

1945: Die Grenzziehung unterbricht die Strecke nach Tanne.

1946: Am 15. April übernimmt die Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn-Gesellschaft das Reststück Sorge–Tanne.

1954: Der Güterverkehr zwischen Sorge und Tanne endet.

1958: Der Güterverkehr zwischen Braunlage und dem Wurmberg wird eingestellt.

1962: Am 28. September endet der Personenverkehr.

1963: Am 3. August endet der Güterverkehr, die Strecke wird abgebaut.

1967: Das Bahnhofsgebäude wird zum Jugendwaldheim.

2003: Die Nationalparkverwaltung übernimmt das Jugendwaldheim.

2011: Der Südharz-Eisenbahn-Radwanderweg ist ausgebaut.

Häufige Fragen

Wann endete der Verkehr auf der Südharz-Eisenbahn?
Der Personenverkehr zwischen Braunlage und Walkenried endete am 28. September 1962, der Güterverkehr am 3. August 1963.
Was ist vom Bahnhof Brunnenbachsmühle erhalten?
Das 1901 errichtete Empfangsgebäude steht noch und dient samt angebautem Bettentrakt als Jugendwaldheim des Nationalparks Harz.
Wo verlief die Zweigstrecke nach Tanne?
Sie verließ den Bahnhof Richtung Süden, folgte dem Brunnenbachtal und dem Tal der Warmen Bode über Sorge und endete nach gut 8,5 Kilometern in Tanne.
Warum wurde die Strecke nach Tanne unterbrochen?
Sorge und Tanne lagen nach 1945 in der sowjetischen Besatzungszone, die Grenze trennte die Zweigstrecke vom übrigen Netz.
Kann man die alte Trasse nutzen?
Fast die gesamte Trasse wurde von 2007 bis 2011 zum Südharz-Eisenbahn-Radwanderweg ausgebaut, in Wieda sind kleine Teilstücke überbaut und nicht passierbar.

Aus der Mühle am Brunnenbach wurde 1899 ein Bahnhof, 1967 eine Bildungsstätte.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Brunnenbachsmühle · Wikipedia: Südharz-Eisenbahn

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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