Der Bahnhof Harlingerode: Ein Halt im Wartestand
Der Bahnhof Harlingerode bei Bad Harzburg wurde 1912 eröffnet und 1987 für Reisende geschlossen. Das Empfangsgebäude steht noch, die Züge fahren vorbei, und die Region plant für die kommenden Jahre einen neuen Halt.

Lage: Harlingerode, Stadt Bad Harzburg, Landkreis Goslar, an der Bahnstrecke Bad Harzburg–Oker. Status: seit 31. Mai 1987 ohne Reisezüge, die Strecke ist in Betrieb. Heute: Das Empfangsgebäude ist in Privatbesitz, die Bahnanlagen sind nicht öffentlich zugänglich, ein neuer Halt an anderer Stelle wird geprüft.
Der Bahnhof Harlingerode ist einer dieser Bahnhöfe, an denen der Zug täglich vorbeifährt und nicht mehr hält.
Er war vom 1. Mai 1912 bis zum 31. Mai 1987 für Reisende da und diente bis 1982 auch dem Güterverkehr.
Alte Fotos unter freier Lizenz gibt es von diesem Bahnhof auf Wikimedia Commons nicht, deshalb stammen alle Bilder aus den Jahren seit 2016.
Das Gebäude ist heute Privatbesitz, und wir zeigen es nur von außen.
Wo der Bahnhof liegt
Harlingerode ist ein Ortsteil der Stadt Bad Harzburg im Landkreis Goslar.
Der Bahnhof liegt an der Bahnstrecke Bad Harzburg–Oker.
Das Empfangsgebäude stand an der Nordseite der Gleise und war über die frühere Bahnhofstraße erreichbar, die heute Fleischerweg heißt, sowie über einen Fußweg aus Richtung Viehweide.
Für den Bahnhof mussten beim Bau rund 140.000 Kubikmeter Erde bewegt werden, und steile Böschungen nördlich der Klagesstraße und südlich des Fleischerwegs erinnern daran.
Entstehung: Ein Bahnhof nach dem Wunsch des Sägewerks
Die Strecke von Oker nach Bad Harzburg wurde um 1907 bis 1909 geplant.
Der Holzfabrikant Heinrich Klages setzte durch, dass der Bahnhof nicht an dem zunächst vorgesehenen Ort entstand, der für sein Sägewerk ungünstig lag.
Der Bau der Strecke begann am 15. Juli 1910.
1911 genehmigte man Klages einen Gleisanschluss vom Bahnhof zum südlich gelegenen Sägewerk.
Am 1. Mai 1912 wurden Strecke und Bahnhof eröffnet, der Bahnhof als Station IV. Klasse im Herzogtum Braunschweig.
Zugelassen war der Bahnhof zur Abfertigung von Personen, Gütern, Gepäck, Privattelegrammen, Leichen und lebenden Tieren.
Die Durchgangszüge aus Bad Harzburg, die zeitweise bis nach Nordrhein-Westfalen und in die Niederlande führten, hielten hier nicht.
So sah es vorher aus: Zwei Bahnsteige, sechs Gleise
In seiner Ursprungsform hatte der Bahnhof zwei Bahnsteige und zwei Durchgangsgleise.
Der Hausbahnsteig A lag nördlich vom Gleis 1, der Bahnsteig B zwischen den Gleisen 1 und 2.
Dazu kamen zwei Ladegleise und weitere Gleise südlich der Durchgangsgleise.
Eine Laderampe an der Südseite diente dem Güterumschlag, und an der Nordseite gab es eine Ladestraße.
Der älteste bekannte Gleisplan, um 1926, zeigt sechs Gleise.
Der Bahnhof hatte ein mechanisches Stellwerk der Bauart Jüdel mit dem Kürzel Hgf, das 1912 in Betrieb ging und im Vorbau des Empfangsgebäudes untergebracht war.
Der Güterverkehr wuchs mit den Betrieben in der Umgebung.
Das Sägewerk Klages hatte einen eigenen Gleisanschluss mit mehreren Gleisen.
1938 und 1939 bekam die Eisenerzgrube Hansa am Langenberg einen Anschluss mit Erzverladestelle, etwa 400 Meter westlich des Empfangsgebäudes.
Eine rund 300 Meter lange Kettenbahn brachte das Erz aus dem Bergwerk zur Verladung.
Am 23. August 1960 wurde die Grube stillgelegt, und der Erzanschluss wurde überflüssig.

Niedergang: Schritt für Schritt zum Haltepunkt
In den 1970er Jahren begann der Rückbau.
Gleis 3 wurde schon vor 1975 aufgegeben, und auch der Anschluss des Sägewerks Klages entfiel in diesem Jahrzehnt.
Der letzte planmäßige Dampfzug durchfuhr den Bahnhof am 29. Mai 1976, und im Sommer 1976 gab man den Haltepunkt Schlewecke auf.
1979 wurde das Stellwerk teilweise stillgelegt, 1982 ganz.
Ab Ende 1981 wurde der Bahnhof im Personenverkehr zum Haltepunkt zurückgebaut.
Das Gleis 1 und der Hausbahnsteig wurden aufgegeben, und die Gleise 4 und 5 wurden Teil einer Ausweichanschlussstelle.
Das Empfangsgebäude mit Stellwerk und Vorplatz wurde nach Angaben eines Ortsvereins um 1982 verkauft.
Der letzte Fahrplan galt vom 28. September 1986 bis zum 30. Mai 1987.
Er sah morgens drei Abfahrten in Richtung Bad Harzburg, Altenbeken und Braunschweig vor, dazu drei Fahrten nach Braunschweig am späten Nachmittag und Abend.
Am 31. Mai 1987 wurde der Haltepunkt stillgelegt.
Die Deutsche Bundesbahn richtete dauerhaft einen Schienenersatzverkehr mit Bussen ein, und bis zum 31. März 2019 fuhr auf dieser Strecke die Buslinie 810, danach übernahm HarzBus.
Die Ausweichanschlussstelle blieb noch bis 1998 oder 1999 in Betrieb und diente zuletzt einer Granitfirma.
Spätestens 2001 trennte man sie von der Strecke, und damit endeten die letzten betrieblichen Reste des Bahnhofs.
Das Gleis 1 und der Bahnsteig wurden abgerissen und überbaut, und auf einem Teil der Anlage hat sich ein Autoverwertungsbetrieb angesiedelt.

So sieht es jetzt aus
Das Gleis 2 ist als Durchgangsgleis der Strecke Bad Harzburg–Oker noch in Betrieb, und die Züge fahren ohne Halt durch.
Das Empfangsgebäude befindet sich in Privatbesitz.
Die Fläche des früheren Bahnsteigs gehört nach Angaben des Ortsvereins weiter der Bahn, ist aber ungenutzt und nicht öffentlich zugänglich.
Die Laderampe der Ausweichanschlussstelle steht baulich noch, hat aber keine Aufgabe mehr.
Von den Gleisen 4 und 5 und vom Anschluss der Grube Hansa blieben Reste und ein Bahndamm erhalten.
Auch ein Funkmast der Bahn aus den frühen 1980er Jahren steht noch.




Vorher und nachher: Von sechs Gleisen auf eins
Auf dem Gleisplan von etwa 1926 hielt der Bahnhof zwei Bahnsteige und sechs Gleise bereit.
Heute gibt es hier nur noch das durchgehende Streckengleis, daneben Reste der früheren Anlagen.
Der Bahnhof, der einmal Personen, Gepäck, Güter und sogar Tiere abfertigte, ist an der Stelle verschwunden, an der er stand.
Was bleibt, sind ein Gebäude in privaten Händen und einige Spuren im Gelände.
Ein neuer Halt für Harlingerode?
Seit 2015 gibt es politische Überlegungen, in Harlingerode wieder einen Halt einzurichten.
Eine Potenzialanalyse der DB Netz AG aus dem August 2016 sagte rund 300 Ein- und Ausstiege pro Tag voraus.
Damals war der Halt aber fahrplantechnisch nicht möglich, weil die RB 82 in Bad Harzburg zu wenig Wendezeit hatte.
Im September 2022 wurde die Absicht mit Vorbehalt im Konzept für den Nahverkehr bis 2030 festgehalten.
Im Januar 2024 bestätigte der Regionalverband Braunschweig die Machbarkeit mit Vorbehalt, und bis zum Sommer 2024 untersuchte die Ostfalia Hochschule mögliche Standorte.
Geprüft wurden Standorte am örtlichen Nahversorgungszentrum an der Klagesstraße und an der Bahnüberführung Bruchstraße.
Den alten Standort am Fleischerweg schloss man wegen der Besitzverhältnisse aus.
Auch ein Ortsverein schlägt keinen Wiederaufbau des alten Bahnhofs vor, sondern einen neuen Halt auf dem brachliegenden Gleisanschluss nördlich eines Supermarkts.
Die Station wurde in das Konzept für den Nahverkehr 2040+ des Landes Niedersachsen aufgenommen und soll von der Linie RB 84 Bad Harzburg–Paderborn bedient werden.
Nach Angaben des Landes ist die Wiederherstellung für die 2030er Jahre vorgesehen.
Die Geschichte in Daten
15. Juli 1910: Der Bau der Strecke beginnt.
1. Mai 1912: Eröffnung von Strecke und Bahnhof.
1938/39: Gleisanschluss mit Erzverladestelle für die Grube Hansa.
23. August 1960: Die Grube Hansa wird stillgelegt.
29. Mai 1976: Letzter planmäßiger Dampfzug.
Ende 1981: Rückbau zum Haltepunkt beginnt.
1982: Das Stellwerk wird ganz stillgelegt.
31. Mai 1987: Der Haltepunkt wird stillgelegt.
1998/99: Die letzte Ausweichanschlussstelle wird aufgegeben.
Januar 2024: Der Regionalverband bestätigt die Machbarkeit eines neuen Halts mit Vorbehalt.
Häufige Fragen
Wann wurde der Bahnhof Harlingerode eröffnet?
Wann fuhr der letzte Reisezug?
Fahren noch Züge durch Harlingerode?
Kann man das Empfangsgebäude besichtigen?
Gibt es Pläne für einen neuen Halt?
Welche Rolle spielte die Grube Hansa?
Der Bahnhof Harlingerode ist ein ruhiger Fall, ohne Ruine und ohne Spektakel.
Er zeigt, wie ein Ort seinen Bahnhof verliert und Jahrzehnte später darüber nachdenkt, einen neuen zu bauen.
Wikipedia: Bahnhof Harlingerode · Harlingerode PUR e. V.: Der Werdegang des Bahnhofs Harlingerode · Eisenbahn im Harzvorland: Strecke Bad Harzburg–Goslar · Stellwerke.info: Stellwerk Hgf Harlingerode · Goslarsche Zeitung: Bahnhaltepunkt Harlingerode, aus einer Idee wird ernst
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