Bahn-Slam · Standpunkt
„Sehr geehrte Fahrgäste, Ihr Zugbegleiter kommt gleich durch. In immer mehr Zügen aber kommt: niemand.“
Sollte in jedem Zug ein Zugbegleiter mitfahren?
→ Mensch im Zug oder Lokführer allein? Immer mehr Regionalzüge fahren ohne Begleiter.
Lesezeit: 7 Minuten · Personal & Service
Worum es geht
In vielen Regionalzügen sitzt längst kein Zugbegleiter mehr – nur noch der Lokführer vorn. In Sachsen etwa sollen künftig bis zu 80 Prozent der Züge ohne Begleiter fahren. Die Bahn spart so Personal, das ohnehin knapp ist. Gewerkschaften warnen: Ohne Begleiter fehlen Sicherheit, Service und Hilfe für ältere oder mobilitätseingeschränkte Fahrgäste – und der Lokführer trägt allein die Verantwortung für Hunderte Menschen.
Früher gehörte er selbstverständlich dazu: der Schaffner, der durch den Zug ging, Tickets prüfte und Auskunft gab.
Heute ist er in vielen Regionalzügen verschwunden. Vorn fährt der Lokführer, hinten sitzen die Fahrgäste allein.
Für die Bahn ist das eine Sparmaßnahme, für die Gewerkschaften ein Sicherheitsrisiko.
Sollte in jedem Zug ein Mensch mitfahren, der sich kümmert?

Der stille Rückzug
In vielen Netzen ist der Zugbegleiter längst die Ausnahme. In Sachsen etwa sollen künftig bis zu 80 Prozent der Züge ohne Begleiter fahren, bei der S-Bahn Dresden soll die Quote bis 2030 von 100 auf 20 Prozent sinken.
Der Grund ist einfach: Personal kostet Geld, und Personal ist knapp.
Ein Zug ohne Begleiter fährt trotzdem – der Lokführer reicht, damit es losgeht.
Was dann fehlt
Die Gewerkschaft GDL rechnet vor, was ein fehlender Begleiter bedeutet: Der Lokführer ist dann allein verantwortlich für bis zu 170 Fahrgäste pro Doppelstockwagen, dazu Fahrräder und Rollstühle.
Niemand prüft Tickets, niemand schlichtet Streit, niemand hilft beim Einstieg mit dem Rollstuhl.
Und bei einer Störung kann der Fahrer nicht zugleich vorne fahren und hinten helfen.
Die Argumente
Dafür
+ Sicherheit: Ein Begleiter ist Ansprechpartner, schlichtet Streit und deeskaliert, bevor etwas passiert.
+ Service: Auskunft, Tickets, Hilfe beim Umsteigen – ein Mensch im Zug ist mehr wert als jeder Automat.
+ Hilfe für alle: Ältere, Familien und Rollstuhlfahrer sind auf jemanden angewiesen, der beim Ein- und Aussteigen hilft.
+ Einnahmen: Wer kontrolliert, holt Fahrgeld herein – der Begleiter finanziert sich teils selbst.
Dagegen
− Teuer: Personal ist der größte Kostenblock. Wer überall Begleiter vorschreibt, muss das bezahlen.
− Personalmangel: Es fehlen ohnehin Leute. Lieber ein Zug ohne Begleiter als gar kein Zug.
− Technik hilft mit: Kameras, Notrufsäulen und Apps ersetzen einen Teil der Aufgaben.
− Dünne Strecken: Auf leeren Nebenstrecken sitzt der Begleiter oft im fast leeren Zug – schwer zu rechtfertigen.
Wer hilft, wenn kein Begleiter da ist?
In begleiterlosen Zügen gibt es meist Notruf- und Info-Säulen, über die man den Lokführer oder eine Leitstelle erreicht. Im Notfall hilft die Bundespolizei. Wer Unterstützung beim Ein- und Aussteigen braucht, meldet sie am besten vorab beim Mobilitätsservice der Bahn an – dann wartet Hilfe am Bahnsteig.
Und nun?
Der Zugbegleiter ist mehr als ein Ticketkontrolleur – er ist Sicherheit und Service auf zwei Beinen.
Ihn überall zu streichen, spart Geld, nimmt dem Zug aber ein Stück Menschlichkeit und Verlässlichkeit.
Ein ehrlicher Mittelweg wäre, Begleiter dort einzusetzen, wo viele Menschen fahren und es abends unruhig wird – und auf ganz leeren Strecken mit Technik und Notruf auszukommen. Ganz ohne Menschen wird die Bahn kälter, als sie sein müsste.
Weiterfahrt
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