Ich verstehe nur Bahnhof
„Ein riesiger Plattenspieler für Lokomotiven: langsam dreht sich die schwere Maschine um die eigene Achse, bis sie in die richtige Richtung zeigt.“
Drehscheibe: Wie man eine Lokomotive im Kreis dreht
→ Alles über die runde Bühne, die schwere Loks im Kreis dreht.
Lesezeit: 8 Minuten · Bahn-Lexikon
Kurz gesagt
Eine Drehscheibe ist eine runde, drehbare Plattform mit einem Gleisstück darauf. Auf sie fährt eine Lokomotive auf, dann dreht sich die Bühne, bis das Gleis in die gewünschte Richtung zeigt. So kann man Loks wenden oder auf die vielen Gleise eines Lokschuppens verteilen.
Wer schon einmal ein altes Bahnbetriebswerk besucht hat, ist vielleicht einem riesigen runden Bauwerk begegnet.
In der Mitte liegt eine drehbare Bühne mit einem Gleis, ringsum ordnen sich die Tore eines Lokschuppens.
Dieses eindrucksvolle Bauwerk trägt einen einfachen Namen und heißt Drehscheibe.

Eine Bühne für Lokomotiven
Eine Drehscheibe ist im Kern eine runde, um ihre Mitte drehbare Plattform, auf der ein Gleisstück liegt.
Eine Lokomotive fährt auf dieses Gleis und steht dann mitten auf der beweglichen Bühne.
Nun setzt sich die Scheibe langsam in Bewegung und dreht die schwere Maschine um ihre eigene Achse.
Zeigt das Gleis in die gewünschte Richtung, hält die Scheibe an und die Lok kann wieder herunterfahren.

Warum Loks gedreht werden müssen
Viele ältere Lokomotiven, vor allem Dampfloks, fahren nur in einer Richtung wirklich gut.
Am Ende der Strecke müssen sie deshalb gewendet werden, damit sie wieder mit der richtigen Seite voran fahren.
Eine Drehscheibe erledigt dieses Wenden auf kleinstem Raum, ohne dass ein weites Gleisrund nötig ist.
So dreht sich die Lok gewissermaßen auf der Stelle, bis sie in die neue Fahrtrichtung weist.
Gut zu wissen
Drehscheiben brauchte man vor allem für Dampfloks, die nur in einer Richtung gut fahren. Moderne Loks und Triebwagen lassen sich von beiden Enden steuern und müssen nicht mehr gewendet werden.
Ein Lokschuppen, der sich im Halbkreis um eine Drehscheibe legt, heißt Ringlokschuppen. Solche Anlagen sind heute eindrucksvolle Denkmäler der Bahngeschichte.
Der Weg in den Lokschuppen
Neben dem Wenden erfüllt die Drehscheibe noch eine zweite, ebenso wichtige Aufgabe.
Rund um die Scheibe liegen oft die vielen Tore eines halbrunden Lokschuppens, in dem die Loks untergestellt werden.
Die Drehscheibe dreht die ankommende Lok genau vor das jeweils freie Tor ihres Standplatzes.
So verteilt eine einzige Scheibe die Lokomotiven auf viele nebeneinanderliegende Gleise des Schuppens.
Der Ringlokschuppen
Ein Lokschuppen, der sich im Halbkreis um eine Drehscheibe legt, heißt Ringlokschuppen.
Von der Scheibe aus fächern sich die Gleise strahlenförmig zu den einzelnen Toren des Schuppens auf.
Diese Bauform spart Platz, weil viele Gleise auf engem Raum von einem Punkt aus erreichbar sind.
Alte Ringlokschuppen mit ihrer Drehscheibe gehören heute zu den eindrucksvollsten Zeugen der Bahngeschichte.
Wie die Scheibe angetrieben wird
Frühe Drehscheiben wurden noch von Hand gedreht, was bei schweren Loks großen Kraftaufwand bedeutete.
Später übernahm ein elektrischer Antrieb das Drehen der Bühne, was die Arbeit erheblich erleichterte.
Die Scheibe ruht dabei auf einem kreisrunden Fundament und läuft auf Rollen an ihrem Rand.
So lässt sich selbst eine tonnenschwere Lokomotive mit geringem Aufwand sanft im Kreis bewegen.
Vom Alltag zum Denkmal
In der großen Zeit der Dampflokomotiven war die Drehscheibe ein selbstverständliches Werkzeug jedes Betriebswerks.
Mit dem Ende der Dampfloks verloren viele Scheiben ihre tägliche Aufgabe und wurden abgebaut.
Moderne Loks und Triebwagen lassen sich meist von beiden Enden steuern und müssen nicht mehr gewendet werden.
Erhaltene Drehscheiben findet man deshalb heute vor allem in Museen und bei Vereinen historischer Bahnen.
Ein Erlebnis für Besucher
Bei vielen Museumsbahnen ist die Drehscheibe bis heute in Betrieb und ein beliebter Anziehungspunkt.
Besucher können zusehen, wie eine schwere Dampflok langsam auf der Bühne im Kreis gedreht wird.
Das gemächliche Drehen der tonnenschweren Maschine hat etwas seltsam Feierliches an sich.
So wird die alte Technik für die Gäste wieder lebendig und der Bahnbetrieb von einst greifbar.
Ein Stück lebendige Technikgeschichte
Die Drehscheibe steht wie kaum ein anderes Bauwerk für das Zeitalter der Dampflokomotive.
Sie löste auf verblüffend einfache Weise das Problem, schwere Loks zu wenden und zu verteilen.
Auch wenn moderne Züge sie kaum noch brauchen, bleibt sie ein faszinierendes Stück Technikgeschichte.
Wer eine drehende Scheibe mit ihrer Lok erlebt, versteht das alte Bahnwesen mit einem Blick.
Die Schiebebühne als Verwandte
Neben der runden Drehscheibe gibt es noch eine zweite Anlage, die Loks auf viele Gleise verteilt, die Schiebebühne.
Sie besteht aus einer Plattform, die sich nicht dreht, sondern seitlich auf Schienen hin und her fährt.
Die Lok fährt auf die Bühne, wird ein Stück zur Seite geschoben und rollt dann auf das gewünschte Gleis.
Wo der Platz für eine große runde Scheibe fehlt, ist die schmale Schiebebühne oft die praktischere Lösung.
Häufige Fragen
Was ist eine Drehscheibe?
Wozu dient eine Drehscheibe?
Warum müssen Loks gewendet werden?
Was ist ein Ringlokschuppen?
Wo gibt es heute noch Drehscheiben?
Weiterfahrt
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