Rangierbahnhof: Wie Güterzüge neu sortiert werden

Ich verstehe nur Bahnhof

„Ein künstlicher Hügel, viele Gleise wie ein Fächer und rollende Wagen, die wie von Geisterhand ihren Weg finden – so arbeitet ein Rangierbahnhof.“

Rangierbahnhof: Wie Güterzüge neu sortiert werden

→ Alles über die riesigen Sortieranlagen des Güterverkehrs.

Lesezeit: 8 Minuten · Bahn-Lexikon

Kurz gesagt

Ein Rangierbahnhof ist eine große Anlage, in der die Wagen von Güterzügen neu zu neuen Zügen zusammengestellt werden. Das Herzstück ist oft der Ablaufberg, ein künstlicher Hügel, von dem die einzeln abgekuppelten Wagen ins richtige Gleis rollen.

Während die Reisezüge die meisten Menschen tagtäglich begleiten, geschieht das eigentliche Sortieren der Güterwagen weitgehend im Verborgenen.

Denn ein einzelner Güterwagen legt auf seinem Weg von einem Ort zum anderen oft viele Zwischenschritte zurück, bei denen er einem neuen Zug zugeordnet werden muss.

Genau für dieses aufwendige Sortieren gibt es die riesigen Anlagen, die man Rangierbahnhöfe nennt.

Hamburg Hauptbahnhof 04
Foto: NutzerAusBerlin, CC0, via Wikimedia Commons

Wo Güterzüge neu entstehen

Anders als ein Reisezug fährt ein Güterzug oft nicht als Ganzes von einem Ziel zum anderen, sondern setzt sich unterwegs immer wieder neu zusammen.

Die einzelnen Wagen kommen aus vielen verschiedenen Richtungen und sollen am Ende in ganz unterschiedliche Ziele weiterfahren.

Auf dem Rangierbahnhof werden diese Wagen deshalb aus den ankommenden Zügen herausgelöst und zu völlig neuen Zügen zusammengestellt.

So ist der Rangierbahnhof gewissermaßen der große Umschlagplatz, an dem die Güterzüge des ganzen Landes immer wieder neu entstehen.

Railway station Kreiensen 1963
Foto: Michael Gäbler, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Das Herzstück Ablaufberg

Das eindrucksvollste Bauwerk eines großen Rangierbahnhofs ist der sogenannte Ablaufberg, ein künstlich aufgeschütteter Hügel.

Ein ankommender Güterzug wird langsam über diesen Berg geschoben, während die Wagen einzeln oder in kleinen Gruppen abgekuppelt werden.

Auf der anderen Seite des Berges rollen die abgekuppelten Wagen dann allein durch die eigene Schwerkraft hinab.

Von dort aus finden sie über ein Geflecht aus Weichen ihren Weg in genau jenes Gleis, in dem der neue Zug zusammengestellt wird.

Gut zu wissen

Auf dem Ablaufberg werden die Wagen abgekuppelt und rollen dann allein durch die Schwerkraft ins richtige Gleis. Ein Rechner stellt die Weichen.

Damit die Wagen nicht zu heftig aufeinanderprallen, bremsen besondere Gleisbremsen sie auf die richtige Geschwindigkeit ab.

Wagen, die von selbst rollen

Das Besondere am Ablaufberg ist, dass die Wagen nach dem Abkuppeln ganz ohne Lokomotive weiterrollen.

Allein die Schwerkraft treibt sie den Berg hinab und über die weit verzweigten Gleise in die richtige Richtung.

Ein Rechner steuert dabei die zahlreichen Weichen so, dass jeder Wagen genau in sein vorgesehenes Gleis gelangt.

So entsteht der eindrucksvolle Anblick vieler Wagen, die wie von Geisterhand gelenkt ihren jeweiligen Weg finden.

Das Bremsen der Wagen

Damit die frei rollenden Wagen nicht zu heftig aufeinanderprallen, müssen sie auf ihrem Weg behutsam abgebremst werden.

Dafür gibt es besondere Bremseinrichtungen an den Gleisen, die sogenannten Gleisbremsen, die den Wagen die richtige Geschwindigkeit geben.

Diese Bremsen sorgen dafür, dass jeder Wagen sanft an die bereits stehenden Wagen anrollt und sicher ankuppelt.

Ohne diese feine Steuerung der Geschwindigkeit würde aus dem geordneten Ablauf schnell ein gefährliches Durcheinander.

Ein Fächer aus vielen Gleisen

Hinter dem Ablaufberg breitet sich ein weiter Fächer aus vielen parallelen Gleisen aus, die sogenannte Richtungsgruppe.

In jedem dieser Gleise wird ein neuer Zug für ein bestimmtes Ziel zusammengestellt, Wagen für Wagen.

Ist ein solcher Zug vollständig, wird er von einer Lokomotive übernommen und auf die weite Reise geschickt.

So verwandelt sich der große Fächer aus einzelnen Wagen nach und nach in eine Reihe fertiger Güterzüge.

Riesige Anlagen

Ein großer Rangierbahnhof gehört zu den größten und flächenmäßig ausgedehntesten Anlagen, die die Bahn überhaupt betreibt.

Solche Anlagen erstrecken sich über viele Kilometer Länge und umfassen zahllose Gleise und Weichen.

Tag und Nacht werden hier unzählige Wagen sortiert, damit die Waren pünktlich an ihre Ziele gelangen.

Diese schiere Größe zeigt, welch gewaltiger Aufwand hinter dem scheinbar unsichtbaren Güterverkehr steckt.

Ein Wandel im Güterverkehr

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Güterverkehr stark gewandelt, und mit ihm die Rolle der Rangierbahnhöfe.

Viele Güter reisen heute in ganzen Zügen von einem einzigen Absender zu einem einzigen Empfänger, ohne unterwegs sortiert zu werden.

Für den klassischen Verkehr einzelner Wagen aber bleibt der Rangierbahnhof bis heute unverzichtbar.

So haben sich manche Anlagen verkleinert, während andere weiterhin das Herz des Güterverkehrs bilden.

Ein verborgenes Wunderwerk

Am Ende ist der Rangierbahnhof ein weitgehend verborgenes Wunderwerk der Logistik, das die meisten Menschen nie zu Gesicht bekommen.

Und doch sorgt er dafür, dass die Waren des täglichen Lebens auf verschlungenen Wegen zuverlässig an ihr Ziel gelangen.

Wer einmal das stille Rollen der Wagen über den Ablaufberg beobachtet hat, vergisst diesen Anblick so leicht nicht wieder.

So verbirgt sich hinter dem unscheinbaren Wort Rangierbahnhof eine der faszinierendsten Anlagen der ganzen Eisenbahn.

Häufige Fragen

Was ist ein Rangierbahnhof?
Eine große Anlage, in der die Wagen von Güterzügen neu zu neuen Zügen zusammengestellt werden, oft über einen künstlichen Hügel, den Ablaufberg.
Was ist der Ablaufberg?
Ein künstlich aufgeschütteter Hügel. Über ihn wird der Zug geschoben, die Wagen werden abgekuppelt und rollen dann allein ins richtige Gleis.
Wie finden die Wagen ihr Gleis?
Ein Rechner steuert die vielen Weichen so, dass jeder abgekuppelte Wagen durch die Schwerkraft genau in sein vorgesehenes Gleis rollt.
Warum prallen die Wagen nicht zusammen?
Besondere Gleisbremsen geben jedem Wagen die richtige Geschwindigkeit, sodass er sanft an die stehenden Wagen anrollt und sicher ankuppelt.
Braucht man Rangierbahnhöfe noch?
Für den Verkehr einzelner Wagen ja, unverzichtbar. Viele Güter reisen aber heute in ganzen Zügen direkt, ohne unterwegs sortiert zu werden.

Weiterfahrt

Ortstermin: Rangierbahnhof Maschen – der größte seiner Art

Wie viele Container fasst ein Güterzug? – Ladung auf der Schiene

Zurück zum Finder

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →