Ein Zug fällt aus, das heißt jetzt nur Unregelmäßigkeit

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Ein Zug fällt aus, das heißt jetzt nur Unregelmäßigkeit

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 3 Minuten (nach neuer Zählung)

Ausfallquote Satire: Waschbär steht vor einer Anzeigetafel auf einem leeren Bahnsteig

Der Chefredakteur zählt die Ausfälle. Es sind weniger geworden. Foto: wpa (Symbolbild)

Berlin (wpa) – Der Konzern hat neu definiert, was ein Zugausfall ist. Ein einzelner ausgefallener Zug ist ab jetzt eine Unregelmäßigkeit.

Als Ausfall zählt erst, wenn zwei Züge derselben Linie hintereinander nicht fahren. Erst dann wird gezählt.

Die Ausfallquote fiel so von 6,2 auf 3,1 Prozent. Gefahren wurde wie im Vorjahr.

„Wir bilden die Wirkung auf die Reisekette ab“, sagt Qualitätsvorständin Anke Kennziffer. Abgebildet wird der zweite Ausfall.

Der Gedanke klingt logisch. Wer einen Zug verpasst, nimmt den nächsten.

Nimmt er den nächsten und der fällt auch aus, dann zählt es. Vorher ist es nur eine Unregelmäßigkeit.

Unregelmäßig ist bei der Bahn vieles. Regelmäßig ist nur, dass es nicht zählt.

So halbiert sich die Quote per Definition. Kein Zug fuhr mehr, nur die Zählweise fuhr besser.

Der Vorstand feiert die verbesserte Zuverlässigkeit. Verbessert wurde das Wort, nicht der Betrieb.

Herr Lauer stand am Gleis, sein Zug fiel aus. Für ihn ein Ausfall, für die Statistik eine Unregelmäßigkeit.

Er nahm den nächsten, eine Stunde später. Der fuhr, also zählte gar nichts.

Eine Stunde Verspätung, offiziell null Ausfall. So rechnet sich Zuverlässigkeit.

Fielen beide aus, wäre es ein Ausfall gewesen. Einer allein ist nur eine Laune des Betriebs.

Der Minister lobt die gestiegene Pünktlichkeit der Bahn. Gestiegen ist sie um eine Definition.

Gemessen wird nicht der Zug, sondern das Wort. Das Wort ist billiger als ein Fahrplan.

Reiht sich ein Ausfall an den anderen, hilft die Reisekette nicht. Aber einer allein verschwindet, sauber.

Für nächstes Jahr sind drei Ausfälle in Folge im Gespräch. Erst dann soll gezählt werden, noch schöner.

So sinkt die Quote weiter, ganz ohne Zug. Definiert wird sie gesund, gefahren wird sie krank.

6,2 wurden 3,1, per Federstrich. Der Federstrich fährt pünktlicher als jeder Zug.

Ein ausgefallener Zug heißt jetzt Unregelmäßigkeit, gezählt wird erst der zweite. So sank die Ausfallquote von 6,2 auf 3,1, kein Zug fuhr deshalb.

+++ Ausfallquote von 6,2 auf 3,1 Prozent gesunken, gefahren wurde gleich viel +++

+++ Ausfallquote von 6,2 auf 3,1 Prozent gesunken, gefahren wurde gleich viel +++

+++ 61 Prozent aller Ausfälle sind Einzelausfälle und verschwinden aus der Statistik +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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