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Erreichbarkeit gesichert: Musterungsbescheid geht an eine Haltestelle, an der seit 2019 kein Bus und kein Zug hält
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 3 Minuten (Antwort verpflichtend)

Der Chefredakteur hat Post. Der Bus kommt nicht. Foto: wpa (Symbolbild)
Bonn (wpa) – Alle 18-Jährigen haben in diesem Jahr einen Musterungsbescheid erhalten. Zugestellt wurde er per Post.
Die Zustellquote beträgt 100 Prozent. Der Staat kennt jede Adresse im Land.
An 6.200 dieser Adressen hält kein öffentliches Verkehrsmittel mehr. Erhoben hat das ein Verband.
Erhoben hat es der Staat nicht. Für die Erreichbarkeit ist eine andere Ebene zuständig.
„Die Zustellung war lückenlos“, teilt das zuständige Amt mit. Lückenlos war der Postweg.
Der Rückweg ist nicht Gegenstand des Bescheids. Im Bescheid steht ein Termin und ein Ort.
Der Ort ist ein Kreiswehrersatzamt. Es liegt im Schnitt 41 Kilometer entfernt.
Wer nicht erscheint, gilt als nicht erschienen. Das wird erfasst.
Erfasst wurden bisher 29 Prozent. Die Erscheinensquote liegt bei 71.
Untersucht wurde, woran das liegt. Untersucht wurde es anhand der Postleitzahlen.
Die Quote ist dort am niedrigsten, wo der Nahverkehr am dünnsten ist. Der Zusammenhang gilt als auffällig.
Als Konsequenz wurde eine Erstattung der Anfahrtskosten eingeführt. Sie beträgt 30 Cent je Kilometer.
Beantragt wird sie schriftlich. Das Formular liegt beim Amt aus.
Zum Amt gelangt man mit dem Verkehrsmittel, dessen Fehlen erstattet werden soll. Das ist die Regelung.
Alternativ kann das Formular telefonisch angefordert werden. Die Bearbeitung dauert vier Wochen.
Der Termin liegt in der Regel nach zwei. Insofern ist die Reihenfolge geklärt.
Herr Lenz ist 18 und wohnt im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Sein Bescheid kam am 12. Januar.
Der Briefkasten steht an einer Landstraße. Daneben steht ein Haltestellenschild.
Der Fahrplan im Schaukasten endet mit dem Jahr 2019. Damals wurde die Buslinie abbestellt, der Zughalt schon 2011.
Das Schild steht weiterhin. Es gehört dem Landkreis und ist verzinkt.
Herr Lenz ist zur Musterung mit dem Traktor seines Nachbarn gefahren. Die Fahrt dauerte zwei Stunden.
Er ist erschienen. Erfasst wurde er als erschienen.
Die Anfahrt hat er nicht abgerechnet. Das Formular kam vier Wochen später.
Er sagt, er habe den Traktor sowieso gebraucht. Zum Bahnhof wären es 34 Kilometer gewesen.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Zustellquote bei 100 Prozent, Erscheinensquote bei 71 +++
+++ Anfahrtskosten werden erstattet, der Antrag ist per Post zu stellen +++
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