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Ein weißer Strich am Bahnsteig kostet 2,40 Euro für null Meter
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (ab Meter 84 anders)

Ein Bahnsteig, zwei Tarife. Die Grenze ist älter als der Bahnsteig. Foto: wpa (Symbolbild)
Kassel (wpa) – Durch einen Bahnsteig verläuft eine Verbundgrenze, markiert bei Meter 84. Ein weißer Strich quer über den Bahnsteig entscheidet, ob dein Ticket gilt.
Die Markierung ist ein weißer Strich, er quert den Bahnsteig auf ganzer Breite. Mitten im Wartebereich zieht eine Behörde ihre Landesgrenze.
Nördlich des Strichs gilt der eine Tarif, südlich der andere. Zwei Schritte, und dein Fahrschein ist Altpapier.
Der Grenzverlauf folgt einer Verwaltungsgrenze, die älter ist als der Bahnsteig. Man hat den Bahnsteig auf eine Grenze gebaut und den Fahrgast damit alleingelassen.
Fahrkarten gelten bis Gleismitte, so die übereinstimmende Auslegung beider Verbünde. Beide sind sich einig, dass die Grenze mitten durchs Gleis geht, wo niemand steht.
Wer am falschen Ende einsteigt, hat kein gültiges Ticket, das kommt vor. Ein Schritt zu weit auf dem eigenen Bahnsteig, und man ist Schwarzfahrer.
Die Beanstandungen liegen bei rund 40 im Monat, meist kulant behandelt. Vierzig Menschen im Monat, erwischt von einem Strich, den sie nicht sehen konnten.
Kulanz ist keine Regelung, sie ist eine Entscheidung im Einzelfall. Ob du als Betrüger giltst, hängt an der Laune des Kontrolleurs.
Ein Übergangstarif ist in Prüfung, die Prüfung läuft seit 2017. Seit acht Jahren prüft man, wie man einen Strich überwindet.
Sie betrifft die Aufteilung der Einnahmen, und die Aufteilung ist der schwierige Teil. Nicht der Fahrgast ist das Problem, sondern die Frage, wer die 2,40 Euro einstreicht.
Es geht um rund 90.000 Euro im Jahr, die Prüfung hat bisher mehr gekostet. Man verbrennt mehr Geld am Streit, als der Streit je einbringt.
Verbundreferentin Beate Tarifgrenze nennt eine Lösung „wünschenswert“. Wünschenswert seit neun Jahren, und weiter wünscht man nur.
Wünschenswert ist sie seit neun Jahren. So lange darf der Strich Menschen zu Schwarzfahrern machen.
Der Strich wird jährlich nachgezogen, die Kosten trägt der Bahnhofsbetreiber. Für frische Farbe ist Geld da, für einen gemeinsamen Tarif nicht.
Die Grenze folgt der Kreisgrenze, die hier dem Bahnkörper folgt. Eine Verwaltungslinie schlängelt sich durch den Alltag der Pendler.
Der Bahnkörper ist der Bahnsteig, die Grenze verläuft in Gleismitte. Die Grenze steht dort, wo kein Mensch je stehen kann, mitten auf den Schienen.
Historisch gewachsen und unbestritten. Gewachsen ist hier vor allem die Sturheit zweier Verbünde.
Unbestritten ist auch, dass niemand in Gleismitte steht. Die Regel gilt für einen Ort, an dem sich nur der Zug aufhält.
Man steht auf einer Seite, welche, entscheidet die Bahnsteigkante. Deine Zahlungspflicht hängt daran, an welcher Kante der Zug zufällig hält.
Die Kante liegt im westlichen Verbund, der Zug hält am östlichen Gleis. Du stehst im Westen, fährst nach Osten und zahlst für den Grenzübertritt von null Metern.
Wer einsteigt, wechselt den Verbund, dafür gilt ein Übergangstarif. Ein Schritt in den Zug ist ein Grenzübertritt mit Gebühr.
Der kostet 2,40 Euro. Für null Kilometer.
Auf dem Bahnsteig steht ein Automat. Er gehört keinem der beiden Verbünde an.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Übergangstarif 2,40 Euro für null Kilometer +++
+++ Die Bahnsteigkante liegt im westlichen Verbund, der Zug hält am östlichen Gleis +++
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