Rufbus statt Linie, aber bitte einen Tag vorher anrufen

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Rufbus statt Linie, aber bitte einen Tag vorher anrufen

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Vorlauf 18 Stunden)

Rufbus Bestellschluss Satire: Waschbär sitzt am Fuß eines einzelnen Haltestellenmastes an einer leeren Landstraße

Flexibel ist das Angebot. Planen muss man am Vortag. Foto: wpa (Symbolbild)

Schwerin (wpa) – Eine Buslinie im ländlichen Raum wurde durch einen Rufbus ersetzt, gültig seit dem Fahrplanwechsel. Aus fahren, wann man will, wurde anrufen, einen Tag vorher.

Der Rufbus fährt bedarfsgesteuert und ist damit angeblich flexibler als ein starrer Fahrplan. Flexibel ist er vor allem für den, der ihn nicht fahren lassen muss.

Bestellt wird telefonisch oder per App, beides funktioniert zuverlässig. Die Technik klappt tadellos, nur der Mensch passt nicht mehr rein.

Bestellschluss ist werktags 16 Uhr für den Folgetag, die Vorlaufzeit beträgt damit bis zu 18 Stunden. Spontan ist, wer 18 Stunden vorher weiß, wann er losmuss.

Die abgelöste Linie hatte einen festen Fahrplan, seit Jahren denselben. Man wusste, wann der Bus kommt, und das war offenbar zu einfach.

Wer ihn kannte, brauchte keine Vorlaufzeit, er brauchte eine Uhr. Jetzt braucht er ein Telefon, eine App und die Gabe der Vorhersehung.

Der Anteil spontaner Fahrten lag vorher bei 61 Prozent, er ist nicht übertragbar. Fast zwei Drittel der Fahrten waren genau das, was der Rufbus unmöglich macht.

Wer spontan fahren will, kann den Rufbus nicht nutzen, er kann am Vortag planen. Das Leben findet nicht am Vortag statt, aber der Fahrplan schon.

Das ist möglich, es ist nur etwas völlig anderes als Flexibilität. Man hat die Freiheit gestrichen und das Wartezimmer flexibel genannt.

Die Fahrgastzahlen sind seit der Umstellung um 44 Prozent gesunken. Fast die Hälfte ist weg, und das nennt man dann bedarfsgerecht.

Die Kosten je Fahrgast sind gestiegen, die Kosten je Kilometer gesunken. Es wird teurer für den Menschen und billiger auf dem Papier, ausgewiesen wird das Papier.

Ausgewiesen wird der Kilometerwert, er ist die vertragliche Kenngröße. Man misst genau die Zahl, die gut aussieht, und schweigt über die andere.

Nahverkehrsreferent Torsten Vorlaufzeit nennt das Angebot „passgenau“. Passgenau für den, der am Vortag um 16 Uhr sein ganzes Morgen schon kennt.

Passgenau ist es für den, der am Vortag weiß, wann er will. Für alle anderen ist es schlicht kein Angebot.

Der Rufbus fährt auf Bestellung, das ist bedarfsgerecht und spart Leerfahrten. Gespart wird die Fahrt, die keiner mehr bestellen kann, praktisch.

Bestellt wird werktags bis 16 Uhr für den Folgetag. Wer um 16:01 Uhr merkt, dass er morgen zum Arzt muss, hat Pech.

Werktags bis 16 Uhr ist genau die Zeit, in der die meisten Nutzer arbeiten. Man legt den Bestellschluss dorthin, wo die Fahrgäste am Band stehen.

Nutzer sind überwiegend Menschen ohne Auto, Ältere, Jugendliche, Schichtarbeiter. Also genau die, die sich das starre Vortagsraster am wenigsten leisten können.

Schichtarbeiter wissen um 16 Uhr, ob sie am Folgetag fahren, ihre Schicht steht im Plan. Die Hinfahrt kriegt man gerade noch bestellt.

Die Rückfahrt steht nicht im Plan, sie hängt von der Übergabe ab. Wann die Schicht endet, entscheidet der Betrieb, nicht der Bestellschluss.

Für sie ist eine zweite Bestellung nötig, ebenfalls bis 16 Uhr am Vortag. Man muss das Ende seines Arbeitstages einen Tag vorher erraten.

Wer nicht bestellt hat, geht, die Strecke beträgt 6,1 Kilometer. Sechs Kilometer nach der Spätschicht, weil man das Schichtende nicht rechtzeitig geahnt hat.

Für Sonntag ist keine Bestellung möglich, der letzte Bestellschluss liegt am Freitag und gilt für Samstag.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ Bestellschluss werktags 16 Uhr – die Rückfahrt braucht eine zweite Bestellung am Vortag +++

+++ Für Sonntag ist keine Bestellung möglich +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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