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Die Regierung benennt ihre Probleme jetzt um, statt sie zu lösen
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (künftig: Lesezeitguthaben)

Die neue Bezeichnung wird vorgestellt. Der Inhalt folgt später. Foto: wpa (Symbolbild)
Berlin (wpa) – Seit Juli heißt das Bürgergeld Grundsicherungsgeld. Die Bundesregierung wertet die Umstellung als vollen Erfolg und weitet das Verfahren aus.
Künftig sollen sämtliche ungelösten Probleme umbenannt werden. Ein eigenes Referat übernimmt die Aufgabe.
„Wir haben festgestellt, dass Umbenennen deutlich schneller geht als Reformieren“, sagt eine Sprecherin. „Und es kostet fast nichts.“
Schneller und billiger als eine Reform ist der neue Name. Gelöst wird nichts, umbenannt alles.
Erste Beispiele stehen bereits fest. Der Wohnungsmangel heißt ab Herbst Nähegewinn.
Der Fachkräftemangel wird zur Chancenlücke. Die Inflation firmiert künftig als dynamische Preisentwicklung.
Frau Dobos sucht seit einem Jahr eine Wohnung. Ab Herbst sucht sie einen Nähegewinn.
Gefunden hat sie beides nicht. Der neue Name wohnt sich nicht besser.
Auch die Bahn zeigt Interesse an dem Verfahren. Sie hat damit bekanntlich eigene Erfahrung.
Aus Stuttgart 21 wurde schließlich Stuttgart 27. Seitdem liegt das Projekt im Zeitplan.
Der Zeitplan stimmt, seit man ihn umbenannt hat. Gebaut wird weiter am selben Loch.
Die Opposition kritisiert das Vorgehen scharf. Man löse damit kein einziges Problem.
Kein Problem gelöst, keines verschwunden. Nur die Wörter sind neu.
Das neue Referat hat neun Stellen. Besetzt sind davon sieben.
Die Suche nach Personal gestaltet sich schwierig. Die Stellenausschreibung wurde bereits dreimal umbenannt.
Dreimal umbenannt, keinmal besetzt. Das Referat kennt sein eigenes Problem.
Für die Umbenennungen gibt es klare Regeln. Der neue Begriff muss positiv klingen und darf nichts bedeuten.
Positiv und bedeutungslos ist die Vorgabe. Erfüllt wird sie mühelos.
Eine Regierung, die ihre Probleme umbenennt, statt sie zu lösen, hat von der Bahn das Wichtigste gelernt. Geändert wird der Name, geblieben ist der Mangel.
Aus Bürgergeld wird Grundsicherungsgeld, aus Wohnungsmangel Nähegewinn, aus Stuttgart 21 die 27. Frau Dobos sucht weiter eine Wohnung, und die neue Regel verlangt, dass der Begriff positiv klingt und nichts bedeutet.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Eine Umbenennung kostet im Mittel 41.000 Euro, im vergangenen Jahr elf Leistungen umbenannt +++
+++ Alte Bezeichnungen werden als Übergangsregelung im Antrag mitgeführt +++
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