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Das Provisorium von 2011 feiert bald Silberhochzeit
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (vorläufig)

Vierundzwanzig Monate waren vorgesehen. Es sind dreiundzwanzig Jahre geworden. Foto: wpa (Symbolbild)
Bonn (wpa) – Eine Übergangsregelung von 2011 wurde zum fünften Mal verlängert. Sie gilt jetzt bis 2034.
Der Übergang dauert länger als das, wovon und wohin er übergehen soll. Ein Tunnel ohne Ausgang, dafür beleuchtet.
Ursprünglich waren 24 Monate vorgesehen. Zwei Jahre zum Anpassen, daraus wurden dreiundzwanzig.
Nach zwei Jahren war nichts angepasst. Also verlängerte man, und dann verlängerte man das Verlängern.
Viermal dasselbe, mit derselben Begründung. Man kopiert die alte Ausrede und ändert nur die Jahreszahl.
„Ein abruptes Auslaufen ist betrieblich nicht darstellbar“, sagt Grundsatzreferent Werner Behelf, und das stimmt sogar.
Es stimmt, weil man sich an die Krücke so gewöhnt hat, dass ohne sie nichts mehr geht. Die Krücke ist inzwischen das Bein.
Vier endgültige Fassungen wurden erarbeitet. Jedes Mal fehlte ein Land, jedes Mal ein anderes.
Sechzehn Länder an einem Tisch, und einer ist immer beim Zahnarzt. So bleibt das Endgültige ewig Entwurf.
Der Vorstand nennt das Konsensorientierung. Orientiert ist der Konsens am kleinsten gemeinsamen Nichts.
Bezahlt wird die Dauerlösung als Provisorium. Provisorien stehen in keinem Haushalt, deshalb liebt man sie.
Ein Provisorium muss man nicht verantworten. Es ist ja nur vorübergehend, seit vierzehn Jahren.
Der Minister verweist auf die laufende Abstimmung. Sie läuft seit 2011 und wird nie ankommen, das ist ihr Job.
Herr Sattler arbeitet in einem System, das auf dieser Regel steht. Er kennt sie auswendig, samt aller fünf Verlängerungen.
Er hat gelernt, dass vorübergehend das haltbarste Wort der Behörde ist. Haltbarer als jede Weiche, jeder Zug, jeder Minister.
Die nächste Verlängerung ist für 2033 geplant. Das Protokoll dazu ist schon geschrieben, nur die Jahreszahl fehlt.
2035 steht das Ergebnis fest: verlängert bis 2039. Man muss die Zukunft nicht kennen, es reicht die Vergangenheit.
Erarbeitet wird die endgültige Fassung weiter. Von Leuten, die in Rente gehen, bevor sie fertig ist.
Ihre Nachfolger erben den Entwurf. Und die Ausrede, Komma für Komma.
Endgültig ist an dieser Regelung nur eins: dass sie nie endgültig wird.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Vier erarbeitete Fassungen, keine beschlossen – jedes Mal fehlte die Zustimmung eines Landes +++
+++ Die fünfte kommt 2031, verlängert wird 2033 +++
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