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Einheitliche Bahnsteighöhe kommt 2075, der Rollstuhl wartet
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Bestand ausgenommen)

Die Norm regelt den Neubau. Der Bestand ist der Rest. Foto: wpa (Symbolbild)
Bonn (wpa) – Für Bahnsteige gilt eine neue Norm, Regelhöhe 76 Zentimeter. Sie gilt für alles, was noch nicht existiert, und für fast nichts, was steht.
Der stufenfreie Einstieg ist damit geregelt. Geregelt für den einen von zweihundert Bahnsteigen, der schon passt.
Die Norm gilt für Neubau und grundhafte Erneuerung. Den Bestand meidet sie wie der Teufel das Weihwasser.
Im Bestand gibt es sechs verschiedene Höhen. Die niedrigste liegt bei 38 Zentimetern, ein halber Meter Unterschied zum Zug.
Sechs Höhen, ein Fahrzeug, dazwischen die Lücke. In die Lücke kippt der Rollstuhl, pünktlich und zuverlässig.
„Fachlich ist das unstrittig“, sagt Normvorstand Adelheid Regelhöhe. Unstrittig ist auch, dass sie selbst die Treppe nimmt.
Umgebaut wird ein Prozent der Bahnsteige im Jahr. Bei dem Tempo ist der Bestand 2075 fertig.
Wer heute geboren wird, erlebt die einheitliche Höhe als Rentner. Wenn er Glück hat und so lange lebt.
Der Vorstand nennt das eine ambitionierte Roadmap. Ambitioniert ist daran nur die Jahreszahl.
2075 sitzt keiner mehr am Tisch, der das heute verspricht. Versprechen kostet nichts, wenn man die Rechnung den Enkeln schickt.
Umgebaut wird bei Sanierung. Saniert wird bei Bedarf. Bedarf wird nicht erhoben, das erledigt sich von selbst.
Von selbst erledigt sich vor allem der, der nicht mehr fahren kann. Er bleibt weg, und dann sinkt der Bedarf.
Der Minister lobt die Barrierefreiheit. Er steht dabei auf einem der zwei passenden Bahnsteige, für das Foto.
Herr Pförtner fährt im Rollstuhl. Sein Bahnhof hat 38 Zentimeter, sein Zug will 76.
Dazwischen liegen 38 Zentimeter Luft und die Auskunft, man arbeite dran. Seit Jahren, mit einem Prozent pro Jahr.
Zum Einsteigen braucht er Hilfe, angemeldet, 48 Stunden vorher. Spontan verreisen ist im Konzern ein Privileg der Gesunden.
Kommt die Hilfe nicht, bleibt er stehen. Steht er, sinkt die Fahrgastzahl, und die Statistik atmet auf.
Die neue Norm ersetzt die alte. Der Bestand bleibt derselbe, Zentimeter für Zentimeter.
Gefeiert wird trotzdem. Ein Bahnsteig in Musterhöhe, ein Pressefoto, ein Häkchen.
Barrierefrei ist die Bahn ab 2075. Herrn Pförtner nützt das, falls er 130 wird.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Die Norm gilt für 0,4 Prozent der Anlagen – 41 Neubauten im Jahr gegen 9.400 Bestandsbahnsteige +++
+++ Der Bestand kennt weiterhin drei Höhen: 38, 55 und 76 Zentimeter +++
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