Bahnhofsuhren gehen jetzt zwölf Minuten nach, dann ist alles pünktlich

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Bahnhofsuhren gehen jetzt zwölf Minuten nach, dann ist alles pünktlich

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Ortszeit)

Bahnhofsuhr Satire: Waschbär steht auf dem Bahnsteig unter einer großen runden Bahnhofsuhr

Die neue Zeit am Gleis. Sie ist entspannter als die alte. Foto: wpa (Symbolbild)

Leipzig (wpa) – Die Deutsche Bahn stellt alle Bahnhofsuhren um zwölf Minuten zurück. Der Schritt erfolgt bundesweit.

Damit sollen Fahrgäste ihren Zug seltener verpassen. Rein rechnerisch geht das auf.

„Die Uhr war jahrelang das genaueste Gerät im Bahnhof“, sagt Sprecher Rolf Zeitangleich. Das hat nicht zusammengepasst.

Nicht zusammengepasst hat die genaue Uhr mit dem ungenauen Betrieb. Also wurde die Uhr angepasst, nicht der Betrieb.

Nun laufe die Zeit im gleichen Takt wie der Betrieb. Man spreche von innerer Stimmigkeit.

Stimmig ist es, wenn die Uhr so falsch geht wie der Zug. Verlässlich sind beide, nach hinten.

Erste Reisende berichten von einem ruhigeren Gefühl. Sie kommen an und der Zug ist noch da.

Der Zug ist noch da, weil die Uhr lügt, nicht weil er wartet. Beruhigt wird der Fahrgast, getäuscht auch.

Physiker widersprechen der Methode. Die Bahn verweist auf ihre Erfahrung im Umgang mit Zeit.

Erfahrung mit Zeit hat die Bahn, sie verliert sie täglich. Umgegangen wird mit ihr, wie es passt.

Frau Anders kam zwölf Minuten zu spät und erreichte den Zug. Die Uhr hatte ihr die Verspätung geschenkt.

Sie war pünktlich, weil die Uhr nachging. Geschenkt wurde ihr, was der Betrieb ihr sonst nahm.

Der Vorstand nennt die Umstellung eine Harmonisierung. Harmonisch geht die Uhr jetzt falsch, im Takt des Zuges.

Eine Uhr, die man verstellt, damit der Fahrgast den Zug erreicht, misst nicht die Zeit, sondern die Verspätung. Angezeigt wird das Soll, gelebt das Ist.

Der Minister lobt die entstresste Bahnhofsatmosphäre. Entstresst ist sie, weil niemand mehr die richtige Zeit sieht.

Gemessen wird die Zahl der erreichten Züge, nicht die Genauigkeit der Uhr. Erreicht werden mehr, stimmt keine Uhr.

Betroffen sind rund 5.400 Uhren. Die Umstellung dauert bis Dezember.

So macht die Bahn ihre Züge pünktlich, indem sie die Uhren verstellt. Nachgehend zeigt die Halle die Zeit des Betriebs.

Zwölf Minuten zurück, 5.400 Uhren, ruhigeres Gefühl, widersprechende Physiker. Das ist die Bahnhofsuhr.

Die Bahn stellt alle 5.400 Bahnhofsuhren zwölf Minuten zurück, damit die Fahrgäste ihren Zug seltener verpassen, denn die genaue Uhr habe nicht zum Betrieb gepasst. Frau Anders kam zwölf Minuten zu spät und erreichte den Zug, die Uhr hatte gelogen.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ Uhren gehen zwölf Minuten nach, das entspricht der mittleren Verspätung +++

+++ Für Anschlusszüge gilt eine Ausnahme – deren Uhren gehen vor +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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