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Stromnetz top, die Weiche fiel 41-mal aus
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 3 Minuten (zwölf Minuten)

Der Chefredakteur vergleicht zwei Netze. Eines funktioniert. Foto: wpa (Symbolbild)
Halle (wpa) – Das deutsche Stromnetz hatte im Vorjahr eine durchschnittliche Ausfalldauer von zwölf Minuten je Anschluss. International einer der besten Werte.
Im selben Bezirk fiel eine einzelne Weiche 41 Mal aus. Beide Werte aus demselben Jahr.
Insgesamt stand sie 94 Stunden. Der Vergleich wurde intern angestellt.
Veröffentlicht wurde er nicht. Angestellt hat ihn ein Fahrdienstleiter.
Er hat ihn als Verbesserungsvorschlag eingereicht. „Die Systeme sind nicht vergleichbar“, lautet die Antwort.
Das stimmt. Stimmt auch, dass beide Netze in Deutschland betrieben werden.
Beide unterliegen staatlicher Aufsicht. Das Stromnetz reguliert die Bundesnetzagentur.
Sie setzt Qualitätsvorgaben mit finanzieller Wirkung. Wer sie verfehlt, bekommt weniger Netzentgelt.
Das ist eine echte Sanktion. Im Schienennetz gibt es ebenfalls Qualitätsvorgaben.
Dort zahlt der Konzern die Sanktion an seinen Eigentümer. Der Eigentümer ist der Bund.
Der Bund ist Eigentümer des Konzerns. Damit ist die Sanktion eine Umbuchung.
Sie tut niemandem weh. Genau darin liegt der Unterschied zwischen beiden Netzen.
Er liegt nicht in der Technik.
Der Spitzenwert im Stromnetz kommt von der Redundanz. Redundanz heißt zweiter Weg.
Fällt einer aus, übernimmt der andere. Die Weiche daneben hat keinen zweiten Weg.
Fällt sie aus, steht der Verkehr. Eine zweite Weichenverbindung kostet 610.000 Euro.
Vorgesehen ist sie nicht. Geplant wird Redundanz nach Verkehrsbelastung.
Die Belastung dieser Strecke liegt unter dem Schwellenwert. Darunter, seit der Takt ausgedünnt wurde.
Die Weiche stammt von 1974. Ihre Störungen sind überwiegend witterungsbedingt.
Witterungsbedingt heißt Feuchtigkeit im Antrieb. Der Antrieb ist nicht gekapselt.
Gekapselte Antriebe gibt es seit den Neunzigern. Sie kosten rund 14.000 Euro mehr.
Der Austausch war 2019 vorgesehen. Er wurde verschoben.
Auf 2024. Dann auf 2028.
Die Verschiebungen sind dokumentiert. Als Grund jeweils: Mittel.
Die Mittel waren im Haushalt vorhanden. Abgerufen wurden sie nicht.
Nicht abgerufen wurden im Vorjahr 340 Millionen Euro. Sie erscheinen als Minderausgabe.
Herr Rothe ist der Fahrdienstleiter mit dem Vorschlag. Er arbeitet seit 31 Jahren im Bezirk.
Er hat eine Eingangsbestätigung bekommen. Die Antwort kam nach elf Monaten.
Darin stand, die Systeme seien nicht vergleichbar. Er sagt, das habe er nie bestritten.
Bestritten habe er, dass 41 Ausfälle normal seien.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Stromnetz zwölf Minuten Ausfall im Jahr, die Weiche daneben 94 Stunden +++
+++ Redundanz wird nach Verkehrsbelastung geplant – die liegt unter dem Schwellenwert, seit der Takt ausgedünnt wurde +++
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