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Die Bahn sperrt die Strecke genau in den Sommerferien, mit Absicht
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (gefühlt: sechs Wochen)

Ein Urlauber beginnt die schönste Zeit des Jahres. Der Ersatzbus kommt gleich. Foto: wpa (Symbolbild)
Nürnberg (wpa) – Die S-Bahn zwischen Nürnberg und Roth ist gesperrt. Der Zeitraum wurde sorgfältig gewählt: exakt die Sommerferien.
Bis Mitte September fahren Busse. Die Fahrzeit verdoppelt sich.
Die Bahn sieht darin einen Vorteil für Familien. „Der Urlaub beginnt für viele erst am Ziel“, sagt Bauleiterin Andrea Schotter.
„Bei uns beginnt er schon auf dem Parkplatz vor dem Bahnhof.“ Gemeint war das als Trost.
Auf die Frage nach dem Zeitpunkt reagierte sie überrascht. Man habe bewusst die Zeit mit den wenigsten Berufspendlern gewählt.
Die wenigsten Pendler fahren in den Ferien. Dafür fahren alle anderen.
Dass dann alle anderen unterwegs sind, sei ein bedauerlicher Nebeneffekt. Man könne nicht auf jeden Rücksicht nehmen.
Rücksicht genommen wurde auf den Berufsverkehr. Der Ausflugsverkehr war nicht eingeplant.
Reisende nehmen es gelassen. Viele kennen das Muster aus den Vorjahren.
„Im Winter wird nie gebaut“, sagt Pendlerin Katrin Vollmer. „Da fährt ja auch nichts.“
Gebaut wird, wenn viele fahren wollen. Gefahren wird, wenn keiner baut.
Frau Vollmer wollte mit den Kindern an den See. Stattdessen fährt sie mit dem Ersatzbus, doppelt so lang.
Die Sperrung betrifft 24 Kilometer Strecke. Ersetzt werden sechs Weichen und zwei Signale.
Sechs Weichen in sechs Wochen Ferien. Der Zeitplan ist eng, der Zeitpunkt gewählt.
Gearbeitet wird in zwei Schichten. An Wochenenden ruht die Baustelle.
Am Wochenende wollen die meisten fahren. Da ruht die Baustelle und der Verkehr auch.
Eingesetzt werden 40 Busse. Sie fassen zusammen weniger Menschen als eine S-Bahn.
40 Busse ersetzen einen Zug nicht. Sie verteilen den Mangel nur auf mehr Motoren.
Eine Sperrung, die genau in die Ferien fällt und das mit den wenigen Pendlern begründet, trifft alle, die frei haben. Gebaut wird, wenn gereist wird, das ist kein Zufall, sondern Plan.
Exakt die Sommerferien, doppelte Fahrzeit, 24 Kilometer, sechs Weichen, 40 Busse für eine S-Bahn. Frau Vollmer fährt mit den Kindern im Ersatzbus an den See, denn gebaut wird, wenn die wenigsten Pendler, aber die meisten anderen unterwegs sind.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Geplant wird mit Pendlerzahlen, Reisezahlen gehen nicht ein – der Fernverkehr wird nachrichtlich beteiligt +++
+++ 610.000 Betroffene, Ersatzverkehr mit 94 Plätzen je Fahrt +++
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