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Warten zählt für die Rente, 24 Euro, mit 9.000 Belegen
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 3 Minuten (bis 67)

Der Chefredakteur wartet seit 40 Jahren. Der Zug kommt gleich. Foto: wpa (Symbolbild)
Berlin (wpa) – Wartezeiten am Bahnsteig zählen künftig für die Rente. 24 Euro im Monat, wenn man alles belegen kann.
Anerkannt wird die Zeit zwischen planmäßiger und tatsächlicher Abfahrt. Sie gilt als Ausfallzeit.
Über ein Arbeitsleben sind das im Schnitt 208 Tage. Rund 0,6 Entgeltpunkte.
Ein Entgeltpunkt sind derzeit rund 40 Euro Monatsrente. Für 0,6 Punkte etwa 24.
„Wir würdigen eine reale Belastung“, sagt Staatssekretär Ottmar Kilometerpauschale. Gewürdigt wird sie mit 24 Euro.
24 Euro für ein Leben am Bahnsteig. Ein warmer Händedruck, monatlich, im Alter.
Anerkannt wird die Zeit nur, wenn man sie belegt. Belegen heißt: jede Verspätung, einzeln, mit Nachweis.
Über 40 Jahre sind das rund 9.000 Belege. 9.000 Zettel für 24 Euro Rente.
Wer keinen Beleg hat, hat auch nicht gewartet, laut Formular. Gewartet hat er trotzdem, nur ohne Papier.
Der Vorstand der Rente nennt das eine anerkennende Geste. Anerkannt wird, wer archiviert.
Herr Tietz pendelt seit 38 Jahren. Er hat viel gewartet, aber selten einen Beleg gezogen.
Jetzt soll er 9.000 Verspätungen nachweisen. Rückwirkend, aus dem Gedächtnis, mit Fahrplänen von damals.
Die Fahrpläne von damals gibt es nicht mehr. Also gibt es die Belege nicht, also nicht die 24 Euro.
Er fragte, wie man das belegen solle. Man verwies auf die Mitwirkungspflicht, seine.
So wird die Würdigung zur Zumutung. Man verspricht 24 Euro und verlangt ein Archiv dafür.
Der Minister lobt die sozialpolitische Innovation. Innovativ ist, eine Belastung zu würdigen und die Würdigung zu erschweren.
Für nächstes Jahr sind höhere Anforderungen im Gespräch. Mehr Belege, gleiche 24 Euro.
So bleibt am Ende meist die Belastung ohne die Rente. Gewartet hat man umsonst, doppelt.
208 Tage seines Lebens verbrachte Herr Tietz am Gleis. Vergütet werden davon 24 Euro, wenn er es beweist.
Ihr Warten zählt jetzt für die Rente, 24 Euro im Monat. Sie müssen nur 9.000 Verspätungen einzeln belegen, viel Erfolg.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Verspätungsbelege gibt es erst ab 60 Minuten, die meisten Verspätungen liegen darunter +++
+++ 208 Tage Wartezeit über ein Arbeitsleben, anerkannt wurden elf Monate +++
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