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Kulturgut gerettet: Behörde stellt 92 Dezibel Kurvenquietschen unter Schutz
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 3 Minuten (Ohren zu)

Hier quietscht es. Seit 1957. Foto: wpa (Symbolbild)
Bremen (wpa) – In einer Gleiskurve in Bremen quietschen die Züge. Das tun sie seit 1957.
Der Grund ist der enge Radius. Er beträgt 190 Meter.
Die Räder gleiten dabei seitlich. Das erzeugt einen hohen Ton.
Er erreicht 92 Dezibel. Das entspricht einer Kreissäge.
Anwohner fordern seit Jahren Abhilfe. Ihre Eingaben füllen mehrere Ordner.
Im Juni kam eine Antwort. Sie fiel unerwartet aus.
Eine Kulturbehörde hat den Klang als Klangkunstwerk eingestuft. Er sei ortsprägend.
Damit steht er unter Schutz. Eine Beseitigung wäre genehmigungspflichtig.
„Das ist eine besondere Auszeichnung“, sagt Kulturreferent Ansgar Tonlage. Er wohnt nicht dort. Bewahrt wird ein Erbe, ertragen wird es von anderen.
Die Anwohner sehen es anders. Ihre Sprecherin nennt es Hohn.
Sie hat Widerspruch eingelegt. Er wird derzeit geprüft.
Technisch wäre eine Lösung einfach. Schienenschmieranlagen senken das Quietschen deutlich.
Eine solche Anlage kostet 34.000 Euro. Sie hält etwa 15 Jahre.
Die Bahn hat sie 2018 beantragt. Der Antrag wurde bewilligt.
Eingebaut wurde sie nicht. Der Auftrag ging an eine Firma, die insolvent wurde.
Eine Nachvergabe war nötig. Sie erfolgte 2021.
Die zweite Firma baute die Anlage ein. Sie funktionierte drei Wochen.
Dann fiel sie aus. Ein Ersatzteil wurde bestellt.
Es kam nicht. Die Anlage steht seitdem still.
Sie ist noch vorhanden. Sie wird regelmäßig gewartet.
Die Wartung kostet 2200 Euro im Jahr. Gewartet wird eine Anlage, die nicht läuft.
Das Ersatzteil ist weiterhin bestellt. Es ist eine Pumpe für 190 Euro.
Der Hersteller sitzt in Italien. Er liefert nur an zugelassene Partner.
Der zugelassene Partner war die insolvente Firma. Ein neuer wurde nicht benannt.
Die Bahn arbeitet daran. Der Vorgang läuft seit 2022.
Anwohner haben angeboten, die Pumpe selbst zu kaufen. Das Angebot wurde abgelehnt.
Fremdteile seien nicht zulässig. Die Anlage verlöre ihre Zulassung.
Eine Pumpe für 190 Euro würde es beenden. Sie kommt nicht, weil der zugelassene Partner pleite ist und niemand einen neuen benennt. Anwohner boten an, sie selbst zu kaufen. Abgelehnt. Stattdessen wurde ihr Lärm zum Kulturgut erklärt.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ 92 Dezibel zum Kunstwerk erklärt – so laut wie eine Kreissäge, seit 1957 +++
+++ Die Abhilfe steht seit 2021 defekt herum und wird jährlich für 2200 Euro gewartet +++
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