Bahnhof spielt Klassik immer lauter, bis der Wartende geht

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Bahnhof spielt Klassik immer lauter, bis der Wartende geht

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 3 Minuten (mit Begleitung)

Bahnhofsmusik Satire: Waschbär steht unter einem großen Lautsprecher in einer weiten Bahnhofshalle

Ab Minute zwölf wird es deutlich. Foto: wpa (Symbolbild)

Hamburg (wpa) – Am Hamburger Hauptbahnhof läuft seit Montag klassische Musik. Sie wird lauter, je länger man bleibt.

Gemessen wird über Sensoren an den Ausgängen. Die zählen keine Menschen, nur Bewegungen.

„Es geht um Aufenthaltsqualität“, sagt Stationsleiterin Marion Lautstärkeregel. Und um deren Begrenzung.

Begrenzt wird der Aufenthalt durch die Lautstärke. Wer bleibt, wird beschallt, bis er geht.

Die ersten zehn Minuten läuft es leise. Danach steigt der Pegel Schritt für Schritt.

Ab Minute 25 sind es 78 Dezibel. So laut wie ein vorbeifahrender Lastwagen.

Wer 25 Minuten wartet, wartet auf einen verspäteten Zug. Getroffen wird der, dessen Bahn nicht kommt.

Gespielt werden Werke aus dem 18. Jahrhundert. Ausgewählt hat sie eine Agentur.

Die hat das vorher in Einkaufszentren erprobt. Da ging es um Ladendiebe.

Am Bahnhof geht es um Wartende. Behandelt werden sie wie Ladendiebe, mit Mozart.

Frau Drewes wartete auf ihren verspäteten Zug, 30 Minuten. Die Musik trieb sie hinaus, der Zug kam trotzdem nicht.

Sie stand vor der Tür, im Kalten, um dem Lärm zu entgehen. Vertrieben von der Aufenthaltsqualität.

Der Vorstand nennt die Beschallung eine Gestaltungsmaßnahme. Gestaltet wird die Vertreibung, mit Klassik.

Ein Bahnhof, der seine Wartenden hinausspielt, bestraft die Verspätung. Verursacht hat sie der Zug, ertragen der Fahrgast.

Der Minister lobt die kulturelle Aufwertung der Bahnhofshalle. Aufgewertet wird sie bis 78 Dezibel.

Gemessen wird die Verweildauer, nicht die Verspätung. Kurz soll der Aufenthalt sein, lang ist die Wartezeit.

Für Wartende gibt es keinen leisen Bereich. Es gibt den Ausgang, dorthin führt die Lautstärke.

So hebt die Bahn die Aufenthaltsqualität, indem sie den Aufenthalt unerträglich macht. Wer wartet, wird lauter beschallt.

Zehn Minuten leise, ab 25 wie ein Lastwagen, eine Agentur gegen Ladendiebe. Das ist die Bahnhofsmusik.

Am Hamburger Hauptbahnhof wird die Klassik lauter, je länger man bleibt, bis 78 Dezibel, nach einer Methode gegen Ladendiebe. Frau Drewes wartete auf ihren verspäteten Zug und wurde hinausgespielt, gekommen ist er trotzdem nicht.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ Zielwert der Aufenthaltssteuerung: zwanzig Minuten mittlere Verweildauer – die Züge fahren im Stundentakt +++

+++ Wer umsteigt, wartet 43 Minuten +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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