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Bahnhof baut das Klavier ab, damit keiner zu lange bleibt
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (ohne Begleitung)

Das letzte Stück vor dem Abbau. Foto: wpa (Symbolbild)
Leipzig (wpa) – Das Klavier in der Bahnhofshalle Leipzig wird abgebaut. Es stand dort seit 2016.
Als Grund nennt der Konzern die Verweildauer. Sie war zu hoch.
„Ein Bahnhof ist ein Durchgangsort“, sagt Stationsleiter Kurt Hallenwart. „Kein Wohnzimmer.“
Gemessen wurde die Aufenthaltszeit im Frühjahr. Sie lag bei 22 Minuten.
Ohne Klavier liegt sie bei 9. Die Differenz gilt als Verlust.
Berechnet wird das über die Flächennutzung. Jede Minute Aufenthalt kostet Raum.
Vorausgegangen war eine Beschwerde. Sie betraf die Lautstärke.
Sie kam von einem Mieter im Bahnhofsgebäude. Der Mieter ist eine Filiale.
Die Filiale zahlt 84 Euro je Quadratmeter. Das Klavier zahlte nichts.
In der Abwägung wurde beides berücksichtigt. Die Abwägung umfasst eine Seite.
Die Reisenden sahen das anders. Eine Unterschriftenliste kam auf 4.000 Namen.
Die Liste wurde entgegengenommen. Eine Antwort steht aus.
Musikschulen aus der Region boten die Übernahme an. Das Angebot wurde abgelehnt.
Begründet wurde das mit dem Eigentum. Das Klavier gehört einer Stiftung.
Die Stiftung wollte es dort lassen. Der Vertrag lief im Juli aus.
Eine Verlängerung war vorgesehen. Sie scheiterte an einer Unterschrift.
Zuständig war ein Mitarbeiter im Ruhestand. Ein Nachfolger wurde nicht benannt.
Gestimmt wurde das Klavier ehrenamtlich. Zweimal im Jahr, von einem Klavierbauer aus Gohlis.
Der Platz soll künftig anders genutzt werden. Geplant ist eine freie Fläche.
Freie Flächen gelten als flexibel. Sie lassen sich später vermieten.
Solche Klaviere stehen an 40 weiteren Bahnhöfen. Aufgestellt ab 2015.
Damals galt das als Beitrag zur Aufenthaltsqualität. Den Begriff hat man inzwischen gestrichen.
In Hannover wurde ein Klavier schon durch einen Automaten ersetzt. Die Verweildauer sank dort auf sechs Minuten.
Ein Kulturverein hat Widerspruch eingelegt. Bearbeitet wird er nächstes Jahr.
Der Pianist der letzten Jahre spielte fast täglich. Er kam mit dem Zug und war meist pünktlich.
Er tritt jetzt woanders auf. Der Bahnhof liegt nicht an seiner Strecke.
Der Stifter hat das Klavier zurückbekommen. Es steht bei ihm im Flur.
Am alten Standort steht jetzt ein Aufsteller. Er bewirbt die Filiale.
Für die Reisenden bleibt der Ton erhalten. Er kommt jetzt aus dem Lautsprecher.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Klavier nach einer Lautstärkebeschwerde eines Gewerbemieters abgebaut +++
+++ Der Mieter zahlt 84 Euro je Quadratmeter, das Klavier zahlte nichts +++
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