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Neigetechnik abgeschaltet, die Fahrt dauert 20 Minuten länger, gemerkt hat es keiner
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 3 Minuten (in der Kurve)

Die Kurve bleibt. Das Tempo nicht. Foto: wpa (Symbolbild)
Hof (wpa) – Die Neigetechnik der Regionalzüge in Oberfranken wird abgeschaltet. Betroffen sind 40 Fahrzeuge.
Die Technik erlaubte höheres Tempo in Kurven. Sie gleicht die Fliehkraft aus.
„Das System ist wartungsintensiv“, sagt Technikvorstand Dietmar Kurvenneigung. Und die Ersatzteile sind alt.
Abgeschaltet wird, was schneller machte. Übrig bleibt die langsamere Kurve.
Ohne Neigetechnik dauert die Fahrt länger. Auf der Strecke Hof–Nürnberg um 20 Minuten.
Im Fahrplan stehen diese Minuten schon. Eingerechnet 2021.
Damals war die Technik schon oft kaputt. Die Planung hat reagiert.
Reagiert wurde, indem man die Verspätung zum Fahrplan machte. Jetzt ist sie pünktlich, die 20 Minuten.
Für Fahrgäste ändert sich also wenig. Der Zug war eh so lange unterwegs.
Herr Zwick fährt Hof–Nürnberg seit Jahren. Er merkt nichts, weil er die 20 Minuten längst gewohnt ist.
Gewöhnung ist die stille Form der Abschaltung. Was lange kaputt war, gilt bald als normal.
Der Vorstand nennt die Stilllegung folgenlos. Folgenlos ist sie, weil die Folge schon eingepreist war.
Eine Technik, deren Ausfall man in den Fahrplan schrieb, kann man beruhigt abschalten. Der Verlust ist verbucht.
Der Minister lobt die realistische Fahrplangestaltung. Realistisch ist der Fahrplan der kaputten Technik.
Gemessen wird die Pünktlichkeit gegen den Fahrplan, nicht gegen die frühere Fahrzeit. Pünktlich sind 20 Minuten mehr.
Die Kurven werden jetzt langsam durchfahren. Dafür ist die Landschaft länger zu sehen, sagt niemand offiziell.
Für eine neue Neigetechnik gibt es keinen Plan. Es gibt einen Fahrplan, der sie nicht mehr braucht.
So legt die Bahn eine Technik still, indem sie deren Ausfall vorher normalisiert. Verspätet ist keiner, langsamer sind alle.
40 Fahrzeuge, 20 Minuten, ein Fahrplan von 2021. Das ist die Abschaltung.
Die Bahn schaltet die Neigetechnik von 40 Regionalzügen ab, und niemand merkt es, weil die 20 Minuten längere Fahrzeit seit 2021 im Fahrplan stehen. Herr Zwick fährt so schnell wie immer, nämlich langsam, nur jetzt pünktlich.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Aufpreis für die Neigetechnik 4,1 Millionen je Zug, die Fahrzeitverlängerung steht seit 2021 im Fahrplan +++
+++ Fahrzeit ohne sie 22 Minuten länger, der Fahrplan wurde nach oben angepasst +++
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