Japan-Experte verbringt sechs Monate auf Bahnsteigen

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Japan-Experte verbringt sechs Monate auf Bahnsteigen

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 3 Minuten (20 Sekunden)

Japan Pünktlichkeit Satire: Waschbär steht auf einem sehr sauberen Bahnsteig vor einem weißen Schnellzug

Der Chefredakteur wartet auf den Experten. Der wartet in Fulda. Foto: wpa (Symbolbild)

Tokio (wpa) – Die japanische Eisenbahngesellschaft hat einen Fachmann nach Deutschland entsandt. Spezialist für Taktknoten.

Sein Auftrag: das Verspätungsmanagement begleiten. Angelegt auf zwölf Monate.

Vorgesehen waren Besuche an 90 Betriebsstellen. In sechs Monaten hat er 41 erreicht.

Die Differenz ist Reisezeit. Im Projektplan mit zwölf Prozent angesetzt.

Tatsächlich sind es 44.

„Ich habe die Situation gründlich studiert“, sagt er. Studiert hat er sie überwiegend im Sitzen.

Sein Zwischenbericht enthält eine Verspätungstabelle. Darin 61 eigene Fahrten.

Pünktlich waren neun. In Japan gilt ein Zug ab einer Minute als verspätet.

In Deutschland ab sechs. Nach japanischer Definition wären alle 61 Fahrten verspätet gewesen.

Auch das steht in der Tabelle. Sie wurde dem Ministerium übergeben.

Sie wurde zur Kenntnis genommen.

Sein Fachgebiet ist die Anschlusssicherung an Knotenbahnhöfen. Fulda ist ein solcher Knoten.

Dort treffen sich stündlich mehrere Linien. Der Übergang ist mit zwei Minuten bemessen.

Zwei Minuten reichen bei einem Gleiswechsel nicht. Der kommt an jedem dritten Tag vor.

Sein Vorschlag: die Übergangszeit auf sechs Minuten erhöhen. Das würde die Reisezeit verlängern.

Eine längere Reisezeit verkauft sich schlechter. Deshalb bleibt sie bei zwei.

Diesen Zusammenhang hat er in seinem Bericht beschrieben. In vier Sätzen.

In Japan wird die Reisezeit ebenfalls beworben. Nur wird sie eingehalten.

Eingehalten, weil die Infrastruktur dafür ausgelegt ist. Ausgelegt beim Bau.

Gebaut wurde in Japan seit 1964. In Deutschland wurde in derselben Zeit zurückgebaut.

Beide Entscheidungen waren politisch. Beide sind dokumentiert.

Als wichtigste Erkenntnis nennt sein Bericht, dass Verspätung hier nicht als Störung behandelt wird, sondern als Zustand.

Der Satz steht auf Seite 4. Im Fazit steht er nicht.

Der Experte reist im Dezember zurück. Sein Rückflug geht ab Frankfurt.

Die Anreise zum Flughafen ist mit drei Stunden Puffer geplant. Geplant hat sie er selbst.

Er sagt, er habe viel gelernt. Er sagt auch, er habe die meiste Zeit auf Bahnsteigen verbracht.

Die meiste davon in Fulda.

Dort kennt ihn inzwischen das Personal.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ 41 von 90 vorgesehenen Betriebsstellen in sechs Monaten besucht – Reisezeitanteil geplant zwölf Prozent, tatsächlich 44 +++

+++ Zwischenbericht Seite 4: Verspätung wird nicht als Störung behandelt, sondern als Zustand +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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