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Bahn verkauft ihre Baustellen jetzt als Sehenswürdigkeit
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (Führung 90)

Ein Besucher an Station drei. Die Grube ist von 2013. Foto: wpa (Symbolbild)
Stuttgart (wpa) – Die Deutsche Bahn erschließt ein neues Geschäftsfeld. Sie vermarktet ihre Baustellen als Sehenswürdigkeiten.
Angeboten werden geführte Touren entlang der größten Vorhaben. Die Nachfrage übertrifft die Erwartungen.
„Diese Bauwerke erzählen Geschichten“, sagt Tourleiterin Manuela Absperrung. Meistens lange.
Lange Geschichten, wie die Bauzeiten selbst. Erzählt wird, was nicht fertig wird.
Die Standardtour dauert 90 Minuten. Sie führt an sechs Absperrungen vorbei.
Höhepunkt ist eine Grube aus dem Jahr 2013. Sie gilt als älteste erhaltene ihrer Art.
Eine Grube von 2013, unter Denkmalschutz der Verzögerung. Gezeigt wird, was seit zwölf Jahren offen ist.
Für Kenner gibt es eine erweiterte Route. Sie dauert vier Jahre und endet nirgends.
Vier Jahre Führung ohne Ziel, das ist die Königsdisziplin. Sie hat den Rhythmus des Ausbaus.
Gebucht wird online. Ein Termin ist nicht nötig, die Baustellen sind dauerhaft geöffnet.
Frau Kühl wohnt neben einer der Sehenswürdigkeiten. Ihr Fenster geht auf die Grube von 2013.
Sie zahlt nichts und sieht alles, seit zwölf Jahren. Was für andere eine Tour ist, ist für sie der Alltag.
Der Vorstand nennt das Geschäftsfeld eine Wertschöpfung aus Bestehendem. Bestehend sind die Baustellen, geschöpft wird der Eintritt.
Wer aus seinen Baustellen Sehenswürdigkeiten macht, hat sie aufgegeben. Gezeigt wird, was nicht mehr gebaut wird.
Der Minister lobt die kreative Nutzung der Infrastrukturprojekte. Kreativ wird die Verzögerung zur Attraktion.
Gemessen wird die Zahl der Besucher, nicht der Baufortschritt. Besichtigt wird viel, fertig wird nichts.
Für die Grube von 2013 gibt es keinen Fertigstellungstermin. Es gibt einen Souvenirstand.
So macht die Bahn aus ihren Baustellen Geld, indem sie sie zeigt statt sie zu schließen. Dauerhaft geöffnet, in jeder Hinsicht.
90 Minuten, sechs Absperrungen, eine Grube von 2013, vier Jahre für Kenner. Das ist die Tour.
Die Bahn verkauft ihre Baustellen als Sehenswürdigkeiten, mit einer Grube von 2013 als Höhepunkt und einer Kennerroute, die vier Jahre dauert und nirgends endet. Frau Kühl wohnt daneben und sieht die Attraktion seit zwölf Jahren, gratis.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Vermarktung der Baustellen 610.000 Euro, 41 erteilte Zugangsgenehmigungen im Jahr +++
+++ Anträge von Anwohnern auf Einsicht in den Bauzeitenplan wurden nicht beschieden +++
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