Die stillen Strecken um Mittenwalde: Motzenersee-Bahn und Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Strecken um Mittenwalde: Motzenersee-Bahn und Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn

Zwei Bahnen führten von Berlin und Königs Wusterhausen nach Mittenwalde und weiter an den Motzener See. Heute fährt auf der einen die Draisine, auf der anderen im Süden Berlins noch Fracht.

VORHER · 1988

Der Bahnhof Teltowkanal der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn in Berlin, 1988.

Der Bahnhof Teltowkanal der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn in Berlin, 1988. Foto: Roehrensee, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 1997

Der Bahnhof Teltowkanal der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn, 1997.

Der Bahnhof Teltowkanal der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn, 1997. Foto: Roehrensee, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1894
Königs Wusterhausen–Töpchin eröffnet
1900
Rixdorf–Mittenwalde eröffnet
1974
Letzte Reisezüge nach Mittenwalde Ost
2001
Draisinenstrecke eingerichtet

Lage: Südlich von Berlin, in Berlin-Neukölln, Tempelhof und Rudow, in Schönefeld und in Mittenwalde (Landkreis Dahme-Spreewald). Status: Beide Strecken ohne regulären Personenverkehr, die Motzenersee-Bahn ist Draisinenstrecke, auf der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn gibt es in Berlin noch Güterverkehr. Heute: Die Motzenersee-Bahn gehört der Draisinenbahnen Berlin/Brandenburg GmbH & Co. KG.

Südlich von Berlin liefen zwei Kleinbahnen auf Mittenwalde zu.

Die Königs Wusterhausen-Mittenwalde-Töpchiner Kleinbahn kam von Osten und lief weiter an den Motzener See, sie wurde Motzenersee-Bahn genannt.

Die Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn kam aus Berlin und führte über Schönefeld weiter bis Zossen.

Beide trafen sich in Mittenwalde.

Reguläre Personenzüge fahren auf keiner der beiden Strecken mehr.

Auf der Motzenersee-Bahn gibt es eine Draisinenstrecke, auf der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn im Süden Berlins weiter Güterverkehr.

Freie Fotos der Motzenersee-Bahn selbst sind selten, die meisten Bilder zeigen die Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn und den Bahnhof Mittenwalde Ost.

Wie die Motzenersee-Bahn entstand

Die Gegend um die damalige Kreisstadt Königs Wusterhausen war um die Jahrhundertwende für ihre zahlreichen Ziegeleien bekannt.

Das rasante Wachstum Berlins sorgte für Auslastung der Betriebe.

Auf Dauer konnten die Ziegel nicht mehr mit Pferdefuhrwerken abtransportiert werden, deshalb sollte eine private Eisenbahn helfen.

Die Baufirma Becker & Co. erstellte dafür ein Projekt, das am 4. Mai 1893 vom Regierungspräsidenten des Regierungsbezirks Potsdam, Robert Hue de Grais, genehmigt wurde.

Die Bauarbeiten verliefen ohne große Zwischenfälle.

Am 1. November 1894 wurde der erste Abschnitt zwischen Königs Wusterhausen und Mittenwalde eröffnet.

In Mittenwalde lag der Kopfbahnhof Mittenwalde (Mark) östlich des Zentrums in der Baruther Vorstadt.

Am 31. Dezember 1894 ging der zweite Abschnitt von Mittenwalde über Motzen nach Töpchin in Betrieb.

Am 21. September 1895 folgte vom Bahnhof Gallun Süd eine etwa drei Kilometer lange Verlängerung zur Ziegelei Schöneicher Plan.

Ursprünglich sollte dieser Abschnitt bis Zossen an der Dresdener Bahn weitergeführt werden, das wurde zunächst nicht verwirklicht.

Die Konkurrenz aus Rixdorf

Schon sechs Jahre nach der Eröffnung wurde Mittenwalde über die Rixdorf-Mittenwalder Eisenbahn mit Rixdorf, dem heutigen Neukölln, an der Berliner Ringbahn verbunden.

Diese Strecke sparte den Umweg über Königs Wusterhausen, das Frachtaufkommen verlagerte sich zugunsten der neuen Bahn.

1903 verlängerte die Rixdorf-Mittenwalder Eisenbahn ihre Strecke ab Mittenwalde Nord ebenfalls zur Schöneicher Plan, eine Gleisverbindung zwischen beiden Gesellschaften gab es aber nicht.

Eigentlich sollte die Rixdorfer Strecke im Mittenwalder Bahnhof der Kleinbahn enden, was am Widerstand von deren Gesellschaft scheiterte.

1913 gab die Kleinbahn mangels Nachfrage ihren Anschluss zur Schöneicher Plan auf.

Nach dem Ersten Weltkrieg ging der Güterverkehr der Ziegeleien drastisch zurück, weil der Bauboom der Reichshauptstadt endete.

Um weiter fahren zu können, wurden Güter nun in umgekehrter Richtung transportiert: Der Müll Berlins wurde in den leeren Tongruben verscharrt.

1920 ging die Betriebsführung nach Ablauf des Vertrags mit Becker & Co. an die Firma Vering & Waechter, die auch die Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn betrieb.

Die Halte der Motzenersee-Bahn

Die Strecke beginnt im Bahnhof Königs Wusterhausen, wo sie in südlicher Richtung aus der Görlitzer Bahn ausfädelte.

Sie wendet sich zunächst nach Westen und erreicht über Schenkendorf bei Kilometer 3,5 und Krummensee bei Kilometer 4,7 die Kleinstadt Mittenwalde.

Fast die gesamte Strecke liegt, bis auf den Ausgangsbahnhof, auf dem Gebiet der Stadt Mittenwalde.

Die Stammstrecke macht in Mittenwalde Kehrt und verläuft dann in südlicher Richtung am Motzener See vorbei nach Töpchin.

Eine durchgehende Fahrt ohne Kehren in Mittenwalde ist nicht mehr möglich.

Mittenwalde (Mark) Ost liegt bei Kilometer 8,2, dort bestand die Verbindung zur Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn nach Berlin und nach Zossen.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Mittenwalde Ost, 2013.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Mittenwalde Ost, 2013. Foto: Clemensfranz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Südlich von Mittenwalde lagen Gallun Dorf bei Kilometer 10,5 und Gallun Süd bei Kilometer 11,7.

Es folgten die Haltepunkte Märchenwiese bei Kilometer 12,9, Motzen Seebad bei 13,9 und Motzen Mitte bei 15,4, der 1995 als Motzen-Golfplatz bezeichnet wurde.

Weiter ging es über Motzen Mühle bei Kilometer 16,7 und Töpchin Nord bei 17,8, das 1943 als Töpchin Kolonie geführt wurde.

Endpunkt war Töpchin bei Kilometer 19,1.

Alle Halte zwischen Königs Wusterhausen und Töpchin bis auf Mittenwalde Ost und Töpchin gehören zu den ehemaligen Halten.

Der Bahnhof Mittenwalde Ost, 2010.
Der Bahnhof Mittenwalde Ost, 2010. Foto: der_psycho_78, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Motzenersee-Bahn der Ausflügler

In den 1920er Jahren wurde der Ausflugsverkehr von Berlin ins brandenburgische Umland zu einer Haupteinnahmequelle der Privat- und Kleinbahnen.

Der Motzener See, den die Bahn etwa auf halbem Wege von Mittenwalde nach Töpchin berührt, wurde über mehrere Ausflugshaltepunkte nahe den Badestellen erschlossen.

Das brachte der Bahn den Beinamen Motzenersee-Bahn.

Die nördlichste dieser Badestellen hieß Märchenwiese.

In den ersten Jahren war der Halt dort nicht offiziell, der Zug hielt nur auf Nachfrage.

Erst 1931 wurde der gleichnamige Haltepunkt angelegt, damit war Märchenwiese die erste Freikörperkultur-Badestelle mit Gleisanschluss.

Vering & Waechter wollte wegen des steigenden Ausflugsverkehrs die Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn mit der Kleinbahn verbinden.

Um die Umsteigewege zu verkürzen, richtete die Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn 1931 den Haltepunkt Mittenwalde Krankenhaus ein, der näher am Stadtzentrum lag.

Zwei Jahre später wurde er zugunsten einer festen Gleisverbindung zum Bahnhof Mittenwalde (Mark) aufgegeben, der daraufhin zur besseren Unterscheidung Mittenwalde Ost hieß.

Fahrgäste konnten nun direkt im Bahnhof umsteigen, am Wochenende gab es auch durchgehende Züge von Neukölln bis nach Töpchin.

Für den Güterverkehr entstanden eine direkte Gleisverbindung von der Schöneicher Plan nach Mittenwalde Ost und vom Töpchiner Ast zur Strecke nach Königs Wusterhausen, damit die Züge nicht mehr in Mittenwalde kehren mussten.

Nach 1945: Umleitungen, Blockade und das Ende der Reisezüge

Um 1945 bekam die Bahn zusammen mit der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn noch einmal eine besondere Aufgabe.

In den letzten Kriegsmonaten wurde die Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn von Wehrmachtsverbänden nach Zossen verlängert, wie es früher schon angedacht war.

Nach Kriegsende verkehrten die ersten Versorgungsgüterzüge von Zossen über Mittenwalde und Königs Wusterhausen nach Berlin.

In den späten 1940er und frühen 1950er Jahren verlegte die Reichsbahn sogar einige Fernzüge von der Dresdener auf die Görlitzer Bahn, über die Gleise der Kleinbahn.

Die Görlitzer Bahn war von den Reparationsleistungen an die Sowjetunion nicht betroffen, und der Verkehr sollte auf Dauer von Brandenburg nach Ost-Berlin unter Umgehung des Westteils verlegt werden.

Erst mit der Fertigstellung des Berliner Außenrings Mitte der 1950er Jahre war eine dauerhafte Lösung vorhanden.

1949 ging der Betrieb an die Deutsche Reichsbahn über, nachdem die Betreibergesellschaft zuvor aufgelöst worden war.

Der zunehmende Individualverkehr ließ die Fahrgastzahlen in den Folgejahren erheblich schrumpfen.

Die direkten Ausflugszüge über Mittenwalde nach Neukölln wurden 1949 wegen der Berlin-Blockade eingestellt.

Am 30. September 1973 wurde der Südast von Mittenwalde Ost nach Töpchin auf Omnibusbetrieb umgestellt.

Ein Jahr später, am 29. September 1974, folgte der Abschnitt Königs Wusterhausen–Mittenwalde Ost zusammen mit der Fortführung nach Zossen.

Die Strecke lag die nächsten Jahre brach, über eine Wiederaufnahme des Personenverkehrs wurde mehrmals spekuliert.

Mitte der 1990er Jahre gab es kurzzeitig Gelegenheitsverkehr zwischen Berlin Ostbahnhof über Königs Wusterhausen und dem Haltepunkt Motzen Mitte, der dann Motzen Golfplatz hieß.

Anlass waren die vom Golfprofi Bernhard Langer initiierten German Masters, für die ein Zubringershuttle mit zwei Diesellokomotiven der Baureihe 202 und sieben Wagen eingerichtet wurde.

1997 wurden die Spiele nach drei Jahren an einen anderen Standort verlegt, der Shuttle wurde wieder eingestellt.

Der Güterverkehr wurde zum 1. Juni 1997 zwischen Töpchin und Mittenwalde und zum 1. Januar 2001 zwischen Königs Wusterhausen und Mittenwalde eingestellt.

Eine für 1996 geplante Personenverkehrslinie von Königs Wusterhausen nach Mittenwalde Nord wurde nicht mehr weiterverfolgt.

2005 fuhr eine letzte Sonderfahrt mit der Lokomotive 52 8177-7 von Berlin-Schöneweide über Königs Wusterhausen, Mittenwalde Ost und Töpchin, zurück nach Mittenwalde Ost, weiter über Zossen nach Jüterbog und auf demselben Weg zurück nach Berlin.

Der Bahnhof Mittenwalde Ost, heute Erlebnisbahn, 2013.
Der Bahnhof Mittenwalde Ost, heute Erlebnisbahn, 2013. Foto: Löwe 48, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

2001 wurde auf dem Abschnitt Mittenwalde Ost–Töpchin eine Draisinenstrecke eingerichtet.

2006 wurde das Angebot auf die Gesamtstrecke bis Königs Wusterhausen ausgedehnt.

Am Bahnhof Mittenwalde Ost war außerdem eine Unterkunft in ehemaligen Reichsbahnwagen möglich.

2014 wurde das Angebot mit Schienenbussen wegen mehrerer Zerstörungen und mangelnder Nachfrage wieder eingestellt.

Eigentümerin ist die Draisinenbahnen Berlin/Brandenburg GmbH & Co. KG, seit 2001 für den Abschnitt Mittenwalde–Töpchin und seit 2006 für die Gesamtstrecke.

Am 14. September 2020 beschloss der Kreistag des Landkreises Dahme-Spreewald einstimmig, eine Reaktivierung der Strecke Königs Wusterhausen–Mittenwalde–Zossen zu prüfen.

Eine daraufhin beauftragte Potenzialuntersuchung kam zu dem Ergebnis, dass das Fahrgastpotenzial zu gering sei.

Wie die Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn entstand

Der preußische Staat erließ am 28. Juli 1892 das Preußische Kleinbahngesetz, das den Bau und Betrieb von Strecken untergeordneter Bedeutung erleichterte.

Vor allem Ziegeleibesitzer auf dem Schöneicher Plan wollten eine direkt nach Berlin führende Bahn.

Auch der Rixdorfer Grundbesitzer-Verein hatte Interesse an billigerer Anlieferung von Hintermauerungssteinen für den Wohnungsbau.

Am 6. Juni 1899 wurde die Aktiengesellschaft für die Kleinbahn Rixdorf–Mittenwalde gegründet.

Als Partner für Planung, Bau und Betrieb wurde die Firma Vering & Waechter gewonnen, die später auch die Aktienmehrheit vom Landkreis Teltow übernahm.

Am 28. September 1900 nahm die Gesellschaft als Rixdorf-Mittenwalder Eisenbahn ihren Betrieb auf.

Die Strecke verband den Bahnhof Hermannstraße an der Ringbahn in Berlin-Neukölln mit Mittenwalde.

Am 26. Mai 1903 wurde sie bis Schöneicher Plan verlängert.

Als Rixdorf am 27. Januar 1912 in Neukölln umbenannt wurde, übernahm die Gesellschaft die Namensänderung erst am 4. Oktober 1919.

Die Brücke der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn über den Teltowkanal unter der Brücke der Autobahn B 100 in Berlin-Tempelhof, 2006.
Die Brücke der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn über den Teltowkanal unter der Brücke der Autobahn B 100 in Berlin-Tempelhof, 2006. Foto: Lienhard Schulz, CC BY 2.5, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Ausgangspunkt der Kilometerzählung war der Bahnhof Hermannstraße, der bequemes Umsteigen von der S-Bahn erlaubte.

Nach Süden folgten bei der Eröffnung Britz, Buckow, Rudow, Schönefeld, Selchow, Groß Kienitz, Brusendorf und Mittenwalde.

Am 23. Oktober 1907 wurde der Bahnhof Teltowkanal bei Kilometer 2,5 errichtet und der Betriebsbahnhof aus Britz hierher verlegt.

Anfang 1907 war bereits der Abzweig nach Rudow entstanden.

Zur Erschließung des Industriegebiets Tempelhof-Ost mit Fabriken wie Sarotti oder Standard Elektrik Lorenz führte ein Nebengleis parallel zum Teltowkanal bis zum Hafen Tempelhof.

Es ist heute nur noch bis zum Westende der Teilestraße vorhanden und nicht mehr an die Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn angebunden.

Im Mai 1937 wurden die Haltestellen Rudow West und Rudow Süd eingerichtet.

Seit 1936 gab es im Personenverkehr zwei Verbrennungstriebwagen, den T1 mit dem Beinamen „Rasender Rixdorfer“ und den T2, den „Fliegenden Hermann“.

1936 beteiligte sich die Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn mit einem Drittel am Kapital der Kleinbahn von Königs Wusterhausen, mit der sie in Mittenwalde eine Gleisverbindung hatte.

Im selben Jahr wurde eine Gleisverbindung zur Henschelbahn geschaffen, damit bekamen die Henschel Flugzeug-Werke einen Anschluss.

Ein Zug der Berliner Stadtreinigungsbetriebe, gesehen von der Teilestraße in Berlin-Tempelhof, 2006.
Ein Zug der Berliner Stadtreinigungsbetriebe, gesehen von der Teilestraße in Berlin-Tempelhof, 2006. Foto: Lienhard Schulz, CC BY 2.5, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Von Rudow bis Schönefeld

Die Halte im Süden Berlins hießen Britz bei Kilometer 4,2, Buckow bei Kilometer 6,5 und Berlin-Rudow Nord bei Kilometer 8,7.

Berlin-Rudow lag bei Kilometer 9,8, Berlin-Rudow Süd bei Kilometer 10,8.

Danach folgte die Landesgrenze zwischen Berlin und Brandenburg.

Schönefeld (Kr Teltow) Dorf lag bei Kilometer 13,1.

Auf dem Weg nach Süden kreuzte die Strecke den Güteraußenring.

Selchow lag bei Kilometer 16,8, Groß Kienitz bei 19,3 und Brusendorf bei 21,8.

Die ehemalige Bahnstrecke im Vogelschutzgebiet am Wildmeisterdamm in Rudow, 2012.
Die ehemalige Bahnstrecke im Vogelschutzgebiet am Wildmeisterdamm in Rudow, 2012. Foto: Assenmacher, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Neubauten auf dem Gelände des Bahnhofs und der Trasse der ehemaligen Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn, 2008.
Neubauten auf dem Gelände des Bahnhofs und der Trasse der ehemaligen Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn, 2008. Foto: Sludge G, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Von Mittenwalde bis Zossen

Mittenwalde (Mark) Nord lag bei Kilometer 27,0 und Mittenwalde Ost bei Kilometer 28,8.

Schöneicher Plan, wo die Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn ihr Bahnhofsgebäude hatte, liegt bei Kilometer 31,1.

Das Gebäude wurde 1903 von der Berliner Baufirma Vering & Waechter für die Bahn errichtet.

Das Bahnhofsgebäude Schöneicher Plan, 1903 für die Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn errichtet, 2011.
Das Bahnhofsgebäude Schöneicher Plan, 1903 für die Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn errichtet, 2011. Foto: NEbahner, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Weiter ging es über die Haltepunkte Telz bei Kilometer 32,6 und Dabendorf Süd bei 36,6, die nur von 1945 bis 1947 bestanden.

Zossen Zoa lag bei Kilometer 37,4 und Zossen bei 38,6.

Noch zum Ende des Zweiten Weltkriegs begannen Arbeiten für eine Verbindung von Schöneicher Plan Richtung Zossen, die südlich von Dabendorf die Dresdener Bahn erreichte.

Im September 1945 wurde die Strecke eingeweiht, kurz darauf aber als Reparationsleistung an die Sowjetunion wieder abgebaut.

Mit der Teilung Berlins wurde ihre Bedeutung für die Umfahrung West-Berlins erkannt, und 1950 ging sie wieder in Betrieb.

Zossen hat einen eigenen Beitrag über die Militärbahn Zossen–Jüterbog.

Gleise der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn in Richtung Süden, 2011.
Gleise der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn in Richtung Süden, 2011. Foto: Miwa, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Vorher und nachher: Teilung, Mauer und Stilllegung

Die Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn musste auf sowjetischen Befehl die Versorgung des Berliner Südens mit Kohle aus dem Senftenberger und Lausitzer Revier übernehmen.

Sie stellte die einzige, provisorisch wieder errichtete Brückenverbindung über den Teltowkanal im Süden Berlins dar.

Während der Berlin-Blockade 1948/49 erhielt die Flughafenbahn Tempelhof auf Befehl der westlichen Alliierten einen direkten Anschluss zur Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn.

Über den Kleinbahnhof Hermannstraße wurden Kohlenzüge zum Umschlagplatz der Vaubeka an der Teilestraße gefahren.

Durch die Blockade wurde der Verkehr über die Stadtgrenze hinaus dauerhaft unterbrochen.

Der Personenverkehr wurde auf DDR-Gebiet bis Mittenwalde Nord 1951 und bis Mittenwalde Ost 1952 eingestellt, auf Berliner Gebiet am 1. Mai 1955.

Seitdem wird auf dem Berliner Abschnitt ausschließlich Güterverkehr betrieben.

Nach dem Mauerbau 1961 mussten die Züge zum Durchfahren eines 300 Meter langen Gleisabschnitts auf DDR-Gebiet zwischen Buckow und Rudow zwei Grenztore passieren.

1963 ging das Kraftwerk Rudow in Betrieb, dessen Versorgung mit Kohle, Steinmehl, Kalk und Ammoniak für 40 Jahre zum Schwerpunkt des Bahnbetriebs wurde.

Zur Umfahrung der 300 Meter auf DDR-Gebiet wurde eine 1,2 Kilometer lange Umgehungsstrecke gebaut.

Die ursprüngliche Strecke im Bereich Rudow wurde 1982 aufgegeben und abgebaut.

Die Strecke von Mittenwalde über Schöneicher Plan Richtung Zossen erlebte nach dem Krieg ihre Blütezeit als Verbindung für Personen- und Güterverkehr.

Mit der Inbetriebnahme des Berliner Außenrings 1951 war sie nur noch für lokalen Verkehr, als Umleitungsstrecke und für strategische Zwecke wichtig.

Am 25. April 1974 wurde auch dort der Personenverkehr eingestellt.

Zum 1. Januar 2001 endete der Güterverkehr zwischen Schöneicher Plan und Mittenwalde.

Der Rest von Schöneicher Plan nach Dabendorf diente noch bis Ende 2011 für Abfalltransporte zur Deponie Schöneicher Plan.

Gleise der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn am Hochspannungsweg, 2006.
Gleise der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn am Hochspannungsweg, 2006. Foto: Christian Liebscher ( Platte ), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

In den 1990er Jahren wurde auf der Stammstrecke in Berlin mit zwei Millionen Tonnen der höchste Wert erreicht, als Erdaushub vom Bau der Stadtautobahn und des Nord-Süd-Tunnels zu einer Deponie in Großziethen befördert wurde.

Danach ging das Transportaufkommen zurück.

2003 fiel mit der Stilllegung des Kraftwerks Rudow der Kohleverkehr weg.

Im selben Jahr erhielt das Müllwerk der Berliner Stadtreinigung an der Gradestraße einen direkten Anschluss.

Zum 1. Januar 2012 wurde der Mülltransport auf der Schiene von Berlin-Neukölln nach Schöneicher Plan nach 20 Jahren eingestellt.

Der Gleisanschluss zur ehemaligen Deponie Großziethen wurde 2012 und 2013 abgebaut.

Anfang 2021 wurde auch die Baustoffversorgung des Betonwerks in der Saalburgstraße auf Straßentransporte umgestellt.

Zum 31. Dezember 2022 stellte die Geschäftsleitung den eigenen Bahnbetrieb ein, um nur noch als Eisenbahninfrastrukturunternehmen tätig zu sein.

Seit dem 1. Januar 2023 führen andere Eisenbahnunternehmen die Transporte auf den Gleisen durch.

Der Personenbahnhof Hermannstraße wurde berühmt, weil Wilhelm Voigt, der Hauptmann von Köpenick, dort auf der Toilette seine Uniform wieder ablegte.

1892: Am 28. Juli tritt das Preußische Kleinbahngesetz in Kraft.

1893: Am 4. Mai wird das Projekt der Motzenersee-Bahn genehmigt.

1894: Am 1. November geht Königs Wusterhausen–Mittenwalde in Betrieb, am 31. Dezember Mittenwalde–Töpchin.

1895: Am 21. September folgt die Verlängerung zur Ziegelei Schöneicher Plan.

1899: Am 6. Juni wird die Aktiengesellschaft für die Kleinbahn Rixdorf–Mittenwalde gegründet.

1900: Am 28. September nimmt die Rixdorf-Mittenwalder Eisenbahn den Betrieb auf.

1903: Am 26. Mai wird sie bis Schöneicher Plan verlängert.

1907: Am 23. Oktober wird der Bahnhof Teltowkanal errichtet.

1931: Der Haltepunkt Märchenwiese wird angelegt.

1933: Die Gleisverbindung zum Bahnhof Mittenwalde (Mark) ersetzt den Haltepunkt Mittenwalde Krankenhaus.

1945: Die Strecke nach Zossen wird im September eingeweiht und kurz darauf als Reparation wieder abgebaut.

1949: Die Ausflugszüge nach Neukölln werden eingestellt, die Reichsbahn übernimmt die Kleinbahn.

1955: Am 1. Mai endet der Personenverkehr in Berlin.

1963: Das Kraftwerk Rudow geht in Betrieb.

1973: Am 30. September wird der Südast nach Töpchin auf Busbetrieb umgestellt.

1974: Am 29. September endet der Verkehr nach Mittenwalde Ost, am 25. April der Personenverkehr nach Zossen.

1982: Die ursprüngliche Strecke bei Rudow wird aufgegeben und abgebaut.

1997: Am 1. Juni endet der Güterverkehr zwischen Töpchin und Mittenwalde.

2001: Am 1. Januar endet der Güterverkehr zwischen Königs Wusterhausen und Mittenwalde, auf dem Südast entsteht eine Draisinenstrecke.

2014: Das Schienenbus-Angebot wird eingestellt.

2022: Zum 31. Dezember stellt die Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn ihren eigenen Bahnbetrieb ein.

Häufige Fragen

Warum heißt die Bahn Motzenersee-Bahn?
In den 1920er Jahren wurde der Motzener See über mehrere Ausflugshaltepunkte nahe den Badestellen erschlossen, das brachte der Bahn den Beinamen.
Wann fuhren die letzten Reisezüge?
Am 30. September 1973 wurde der Südast nach Töpchin auf Busbetrieb umgestellt, am 29. September 1974 folgte der Abschnitt Königs Wusterhausen–Mittenwalde Ost mit der Fortführung nach Zossen.
Fährt heute noch etwas auf der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn?
Auf dem Berliner Abschnitt wird Güterverkehr gefahren, seit 2023 durch andere Eisenbahnunternehmen. Die Bahn selbst ist seit Ende 2022 nur noch Infrastrukturunternehmen.
Gehört die Motzenersee-Bahn noch zum Bahnnetz?
Eigentümerin ist die Draisinenbahnen Berlin/Brandenburg GmbH & Co. KG. Auf der Strecke wurde eine Draisinenbahn eingerichtet.
Wird die Strecke wieder in Betrieb genommen?
Der Kreistag Dahme-Spreewald beschloss 2020, eine Reaktivierung der Strecke Königs Wusterhausen–Mittenwalde–Zossen zu prüfen. Die Untersuchung ergab ein zu geringes Fahrgastpotenzial.
Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Königs Wusterhausen-Mittenwalde-Töpchiner Kleinbahn · Wikipedia: Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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