Vier stille Bahnen der Schweiz: Sernftal, Altdorf, Meiringen und Thunersee

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Vier stille Bahnen der Schweiz: Sernftal, Altdorf, Meiringen und Thunersee

Die Sernftalbahn, die Strassenbahn Altdorf–Flüelen, die Bahn zur Aareschlucht und die Thunerseebahn fuhren früher durch ihre Täler. Heute übernehmen Busse, in Elm erinnert ein Museum an die Sernftalbahn.

VORHER · 1968

Bahnhof und Remise in Elm der Sernftalbahn.

Bahnhof und Remise in Elm der Sernftalbahn. Foto: Peter Suter, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
NACHHER · 2002

Das Stationsgebäude mit Güterschuppen in Elm, ehemalige Bahnseite.

Das Stationsgebäude mit Güterschuppen in Elm, ehemalige Bahnseite. Foto: Hans-Rudolf Berner, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1905
Eröffnung der Sernftalbahn
1951
Ende der Strassenbahn Altdorf–Flüelen
1956
Ende der Strassenbahn in Meiringen
1969
Ende der Sernftalbahn

Lage: Kantone Glarus, Uri und Bern. Status: Alle vier Bahnen sind stillgelegt und wurden durch Autobusse oder Trolleybusse ersetzt. Heute: In Elm zeigt ein Museum Fahrzeuge der Sernftalbahn, die Bahnhofsgebäude in Engi und Elm sind erhalten.

Dieser Beitrag erzählt von vier Bahnen in der Schweiz, die durch Busse ersetzt wurden.

Die Sernftalbahn führte von Schwanden nach Elm und fuhr von 1905 bis 1969.

Die Strassenbahn Altdorf–Flüelen verkehrte von 1906 bis 1951, die Strassenbahn Meiringen–Aareschlucht von 1912 bis 1956.

Die Strassenbahn Steffisburg–Thun–Interlaken ging 1913 in Betrieb und wurde bis 1958 durch Busse ersetzt.

Von der Sernftalbahn gibt es viele freie Fotos, von der Strassenbahn am Thunersee keine.

Sernftalbahn: elektrisch durch das Sernftal

Die Sernftalbahn war eine elektrische Meterspurbahn im Kanton Glarus.

Sie führte meist auf der Talstrasse von Schwanden 13,8 Kilometer entlang des Flusses Sernf aufwärts bis nach Elm.

Die Triebwagen wurden mit Gleichstrom aus einem eigenen Wasserkraftwerk und einer Dieselmotor-Generatoren-Gruppe angetrieben.

Die Betriebsleitung befand sich in Engi in der Mitte der Strecke.

Der Personenverkehr wurde am 7. August 1905 eröffnet, der Güterverkehr folgte am 4. September 1905.

Der Güterverkehr war besonders für die Textilindustrie und die Steinbrüche im Sernftal von Bedeutung.

Ein Motorwagen BCFe 2/2 der Sernftalbahn, vermutlich in den 1930er Jahren im Sernftal.
Ein Motorwagen BCFe 2/2 der Sernftalbahn, vermutlich in den 1930er Jahren im Sernftal. Foto: Unbekannt, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

So sah es vorher aus: Wagen und Bahnhöfe der Sernftalbahn

1949 wurden drei neue Triebwagen abgeliefert, mit denen der tägliche Betrieb mit zeitgemäßem Rollmaterial abgewickelt werden konnte.

Die Triebwagen von 1949 waren vierachsige Fahrzeuge der Serie 5 bis 7.

Der Triebwagen BFe 4/4 Nr. 5, 1949 gebaut, in Schwanden, 1967.
Der Triebwagen BFe 4/4 Nr. 5, 1949 gebaut, in Schwanden, 1967. Foto: Fotograf: Bärtschi, Hans-Peter Titel: Schwanden, Sernftalbah, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Ende der Sernftalbahn 1969

Nach jahrelangen Diskussionen über die Zukunft der Bahn wurde sie im Zuge des Ausbaus der Talstrasse am 31. Mai 1969 eingestellt.

An ihre Stelle trat eine Autobuslinie.

Der Autobetrieb Sernftal setzte als Nachfolgeunternehmen den Betrieb auf der Straße fort.

Die drei Triebwagen von 1949 wurden an die Aigle–Ollon–Monthey–Champéry-Bahn verkauft und von dort an Stern & Hafferl in Österreich weiterverkauft.

Zwei von ihnen standen bis 2016 auf der Lokalbahn Vöcklamarkt–Attersee im Betrieb.

So sieht es jetzt aus: das Museum in Elm

Die ehemaligen Bahnhofsgebäude in Engi und Elm sind bis heute erhalten geblieben.

Seit April 2009 gibt es das Sernftalbahnmuseum, das der Verein Sernftalbahn betreibt, der seit Oktober 2006 besteht.

Das Museum ist von Engi-Vorderdorf auf das Areal des ehemaligen Endbahnhofs Elm umgezogen.

Dort stehen über die warme Saison im Freien unter anderem die restaurierten Triebwagen BDe 4/4 Nr. 5 und 6.

2021 wurde der Diesel-Rangier-Traktor Tm 2/2 Nr. 26 von der Rhätischen Bahn erworben.

Die Schienenanlage wird in Anlehnung an die ursprüngliche Stationsanlage Elm wiederhergestellt.

Luftaufnahme des ehemaligen Bahnhofs der Sernftalbahn in Elm mit dem Museum, 2022.
Luftaufnahme des ehemaligen Bahnhofs der Sernftalbahn in Elm mit dem Museum, 2022. Foto: Thomas Weinmann, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahnhof Elm der ehemaligen Sernftalbahn, 2026.
Der Bahnhof Elm der ehemaligen Sernftalbahn, 2026. Foto: Christof46, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Vorher und nachher: der Bahnhof Engi

VORHER · 1983

Das Stationsgebäude in Engi mit einem Triebwagen BDe 4/4.

Das Stationsgebäude in Engi mit einem Triebwagen BDe 4/4. Foto: Hans-Rudolf Berner, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2011

Das Stationsgebäude in Engi, Perronseite.

Das Stationsgebäude in Engi, Perronseite. Foto: Hans-Rudolf Berner, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Strassenbahn Altdorf–Flüelen

Die Gotthardbahn-Gesellschaft errichtete den Bahnhof Altdorf 1882 über einen Kilometer vom Ortskern entfernt.

Schon 1895 gab es Pläne des Elektrizitätswerks Altdorf für eine Strassenbahn zur Gotthardbahn.

Als Ausgangspunkt wurde der Bahnhof Flüelen gewählt, weil dort Schnellzüge hielten und es einen direkten Übergang zur Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee gab.

Die Strassenbahn Altdorf–Flüelen wurde am 14. November 1905 gegründet.

Die 3,1 Kilometer lange Strecke wurde am 25. August 1906 eröffnet.

Sie begann am Telldenkmal auf dem Altdorfer Rathausplatz und führte durch die Tellsgasse, die Herrengasse und die Flüelerstrasse zum Bahnhof Flüelen.

Weil die Gotthardbahn eine niveaugleiche Kreuzung ihrer Strecke ablehnte, musste die Ausgangsstation östlich des Bahnübergangs liegen.

Dies bedingte einen kurzen Fußweg zwischen Eisenbahn oder Schiff und Strassenbahn.

Der Triebwagen Ce 2/2 Nr. 4 der Strassenbahn Flüelen–Altdorf, um 1906.
Der Triebwagen Ce 2/2 Nr. 4 der Strassenbahn Flüelen–Altdorf, um 1906. Foto: Unbekannt, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Das dreigleisige Depot lag an der Kreuzung Herrengasse und Flüelerstrasse.

Die einzige Ausweiche der eingleisigen Strecke befand sich am Moosbad.

Die Fahrzeit betrug zwölf Minuten.

Im Sommer fuhren die Triebwagen im 15-Minuten-Takt, im Winter alle 30 Minuten.

Der Bahn standen vier gelb lackierte Triebwagen zur Verfügung.

1947 musste der Betrieb wegen Strommangels zeitweise eingestellt werden.

Wegen verschlissener Anlagen und gesunkener Beförderungszahlen wurde die Bahn 1951 stillgelegt und abgebrochen.

Der Trambetrieb wurde durch Autobusse ersetzt, die Gesellschaft wurde zur Auto AG Uri umgewandelt.

Diese nutzte das Depot der Bahn noch bis 2009 als Autobusbetriebshof.

Die Strecke ist heute Teil der Autobuslinie 1.

Die beiden Beiwagen und der Güterwagen gingen an die Trogenerbahn.

Ein Zug der Strassenbahn Altdorf–Flüelen auf dem Platz links der Kirche in Flüelen, 1947.
Ein Zug der Strassenbahn Altdorf–Flüelen auf dem Platz links der Kirche in Flüelen, 1947. Foto: Werner Friedli, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Strassenbahn Meiringen–Aareschlucht

Die Strassenbahn Meiringen–Aareschlucht war eine 2,77 Kilometer lange meterspurige Überlandstrassenbahn im Haslital im Berner Oberland.

Von 1912 bis 1956 verband sie den Bahnhof Meiringen mit der Talstation der Reichenbachfall-Bahn und dem Eingang in die Aareschlucht.

Sie verkehrte nur im Sommerhalbjahr.

Erste Bestrebungen gab es schon Ende der 1890er Jahre.

Die Eröffnung verzögerte sich wegen Konkurrenzkämpfen um die Konzession, Streitigkeiten über die Streckenführung und Verzögerungen bei der Beschaffung des Baumaterials.

Am 24. August 1912 wurde die Strecke eröffnet, anfangs mit angemieteten Fahrzeugen der Albisgütlibahn.

Im folgenden Sommer konnte der endgültige Betrieb aufgenommen werden.

An beiden Streckenenden befand sich eine Wendeschleife, das Depot lag beim Bahnhof Meiringen.

Eine einfache Fahrt dauerte zwölf Minuten.

Der Motorwagen Ce 2/2 3 der Strassenbahn Meiringen–Reichenbach–Aareschlucht vor dem Hotel Krone in Meiringen, zwischen 1913 und 1929.
Der Motorwagen Ce 2/2 3 der Strassenbahn Meiringen–Reichenbach–Aareschlucht vor dem Hotel Krone in Meiringen, zwischen 1913 und 1929. Foto: commons.limousin, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges fielen die Fahrgäste aus dem Ausland weg, 1915 wurde der Betrieb nicht wieder aufgenommen.

Erst 1920 ging die Bahn wieder in Betrieb.

Ab 1940 war der Betrieb wegen des Zweiten Weltkrieges wieder unterbrochen, ab 1941 fuhr die Bahn mit reduzierter Taktfrequenz.

1946 erhielt die Meiringen-Innertkirchen-Bahn die Konzession für den Personenverkehr.

Am 16. September 1956 wurde der Betrieb eingestellt, noch im selben Jahr wurde die Strecke stillgelegt.

1958 wurde die Strecke abgebrochen und die Fahrzeuge wurden verschrottet.

Das Depot beim Bahnhof Meiringen bestand 2014 noch und wurde von der Gemeinde als Lokal für Anlässe und Ausstellungen vermietet.

Strassenbahn Steffisburg–Thun–Interlaken

Die Strassenbahn Steffisburg–Thun–Interlaken im Kanton Bern umfasste zwei von Thun ausgehende Strecken.

Die eine führte nach Steffisburg, die andere am Nordufer des Thunersees über die Beatenbucht nach Interlaken.

Die Bahn hieß ab 1916 Rechtsufrige Thunerseebahn, ihre Nachfolger sind die heutigen Verkehrsbetriebe STI.

Die Konzession wurde am 19. Dezember 1905 erteilt, im Dezember 1911 konstituierte sich die Gesellschaft.

Die Firma J. E. Brüstlein & Cie. erhielt für den kompletten Bau einen Pauschalbetrag von 3,02 Millionen Franken.

Weil das Geld knapp war, wurde die Strecke so billig wie möglich gebaut, ohne Querschwellen und mit Spurstangen.

Die Schienen nutzten sich dadurch schnell ab.

Die geplanten Verlängerungen nach Wilderswil und Gsteig kamen nie zur Ausführung.

Am 10. Oktober 1913 ging der Abschnitt Steffisburg–Thun–Oberhofen in Betrieb.

Der erste Fahrplan sah täglich 64 Züge nach Steffisburg und 52 Richtung Oberhofen vor.

Zu Weihnachten 1913 war der Abschnitt Oberhofen–Beatenbucht fertig, am 20. Juni 1914 ging der Rest bis Interlaken in Betrieb.

Zur Eröffnung standen 14 Triebwagen zur Verfügung, die Personenwagen waren hellgelb lackiert.

Das Ende der Thunerseebahn

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde der Verkehr zwischen Beatenbucht und Interlaken eingestellt, 1916 wurde er wieder aufgenommen.

Am 13. Juni 1927 ging das neue Stationsgebäude in Thun in Betrieb, das alte wurde in Gunten neu aufgebaut.

Ab 1923 bot die Bahn zwischen Thun und Gunten einen 20-Minuten-Takt an.

Am 18. Dezember 1939 stellte sie den Betrieb zwischen Beatenbucht und Interlaken ein, die Streckenlänge ging um 9.386 Meter auf 16.742 Meter zurück.

Der Autobusbetrieb begann am 15. August 1940.

1942 wurden erstmals über eine Million Fahrgäste befördert, 1945 waren es über 1,5 Millionen.

1948 fiel der Beschluss, die Seestrecke auf Trolleybusbetrieb umzustellen.

1952 wurde der Betrieb zwischen Thun und Beatenbucht schrittweise umgestellt: Beatenbucht bis Merligen am 1. Februar, Merligen bis Gunten am 7. April und Gunten bis Thun am 11. August.

Am 1. Juni 1958 wurde das drei Kilometer lange Reststück nach Steffisburg auf Autobus umgestellt.

Das Stationsgebäude am Bahnhof Thun blieb erhalten und wird von den Verkehrsbetrieben STI genutzt.

Je sechs Trieb- und Beiwagen sollten 1952 an die Innsbrucker Verkehrsbetriebe gehen, die Aufsichtsbehörden untersagten ihren Betrieb wegen der hohen Spannungsunterschiede.

Mehr zur Innsbrucker Bahn steht im Beitrag Lokalbahn Innsbruck–Hall.

Die Geschichte in Daten

1905: Am 7. August wird der Personenverkehr der Sernftalbahn eröffnet, am 14. November wird die Strassenbahn Altdorf–Flüelen gegründet.

1906: Am 25. August wird die Strassenbahn Altdorf–Flüelen eröffnet.

1912: Am 24. August wird die Strassenbahn Meiringen–Aareschlucht eröffnet.

1913: Am 10. Oktober geht der Abschnitt Steffisburg–Thun–Oberhofen in Betrieb.

1914: Am 20. Juni geht der Abschnitt bis Interlaken in Betrieb.

1927: Am 13. Juni geht das neue Stationsgebäude in Thun in Betrieb.

1939: Am 18. Dezember wird der Betrieb zwischen Beatenbucht und Interlaken eingestellt.

1951: Die Strassenbahn Altdorf–Flüelen wird stillgelegt.

1952: Die Seestrecke der Thunerseebahn wird von Februar bis August auf Trolleybus umgestellt.

1956: Am 16. September wird der Betrieb der Strassenbahn Meiringen–Aareschlucht eingestellt.

1958: Am 1. Juni wird das Reststück Thun–Steffisburg auf Autobus umgestellt.

1969: Am 31. Mai wird die Sernftalbahn eingestellt.

2009: Im April entsteht das Sernftalbahnmuseum.

Häufige Fragen

Wie lang war die Sernftalbahn?
Sie war 13,8 Kilometer lang und führte von Schwanden nach Elm.
Wann wurde die Sernftalbahn eingestellt?
Am 31. Mai 1969, sie wurde durch eine Autobuslinie ersetzt.
Was gibt es heute in Elm zur Sernftalbahn?
Seit April 2009 besteht das Sernftalbahnmuseum, das auf das Areal des ehemaligen Endbahnhofs Elm umgezogen ist.
Wie lang war die Strassenbahn Altdorf–Flüelen?
Die Strecke war 3,1 Kilometer lang, die Fahrzeit betrug zwölf Minuten.
Wie lang war die Strassenbahn Meiringen–Aareschlucht?
Sie war 2,77 Kilometer lang und verkehrte nur im Sommerhalbjahr.
Wann endete die Strassenbahn Steffisburg–Thun–Interlaken?
Die Seestrecke wurde 1952 auf Trolleybus umgestellt, das Reststück nach Steffisburg am 1. Juni 1958 auf Autobus.

Alle vier Bahnen wurden durch Busse ersetzt, in Elm erinnert das Sernftalbahnmuseum an die Sernftalbahn.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Sernftalbahn · Wikipedia: Strassenbahn Altdorf–Flüelen · Wikipedia: Strassenbahn Meiringen–Aareschlucht · Wikipedia: Strassenbahn Steffisburg–Thun–Interlaken · Wikimedia Commons: Dateibeschreibungen der verwendeten Fotos

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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