Die Haller: Lokalbahn Innsbruck–Hall und die alte Hungerburgbahn
Die Haller fuhr von 1891 bis 1974 zwischen Innsbruck und Hall. Dazu die alte Hungerburgbahn, deren Brücke über den Inn bis heute an die Standseilbahn erinnert.


Lage: Innsbruck, Rum, Thaur und Hall in Tirol. Status: Die Lokalbahn wurde 1974 auf Busse umgestellt, die alte Hungerburgbahn 2005 eingestellt. Heute: Auf einem großen Teil der Lokalbahn-Trasse verläuft ein Radweg, an die alte Hungerburgbahn erinnern Innbrücke und Viadukt.
Innsbruck hatte zwei Bahnen, die heute nicht mehr in ihrer alten Form fahren: die meterspurige Lokalbahn nach Hall und die alte Hungerburgbahn.
Die Lokalbahn Innsbruck–Hall in Tirol, im Volksmund Haller oder Vierer genannt, verband Innsbruck mit Rum, Thaur und Hall.
Sie wurde am 1. Juni 1891 eröffnet und am 8. Juni 1974 auf Autobusse umgestellt.
Die Hungerburgbahn von 1906 fuhr bis zum 8. Dezember 2005 und wurde 2007 durch einen Neubau ersetzt.
Von der Lokalbahn blieben ein Radweg auf großen Teilen der Trasse, eine Remise in Hall und einige Fahrzeuge in Museumshand.
Von der alten Hungerburgbahn erinnern die stählerne Innbrücke und ein Betonviadukt an die frühere Strecke.
Von der Lokalbahn gibt es nur wenige freie Fotos, die Hungerburgbahn ist besser dokumentiert.
Wie die Lokalbahn entstand
Eine Bahn zwischen Innsbruck und Hall wurde zunächst vorgeschlagen, um in Tirol Erfahrungen mit dem Bahnbau zu sammeln.
Dieses frühe Projekt erreichte nie das Planungsstadium.
1887 wurde der Plan wieder aufgenommen: Eine schmalspurige Lokalbahn sollte Innsbruck mit Hall verbinden.
Vier Investoren erhielten 1887 die Bewilligung für technische Vorarbeiten.
Das Konzessionsansuchen folgte im November 1888.
Im September 1889 wurde die Konzession auf 90 Jahre erteilt.
Der Betrieb sollte allein mit Dampflokomotiven bewältigt werden, Pferdekraft war von Anfang an ausgeschlossen.
Die Streckenführung musste mehrfach umgeplant werden.

Die Bahn durfte die Englische Anlage nicht durchqueren und folgte stattdessen dem Rennweg.
Die geplante Strecke zum Südbahnhof wurde nicht gebaut, ausgeführt wurde dafür die Stichstrecke nach Wilten.
Am 30. Oktober 1890 fand die erste amtliche Probefahrt einer Dampflokomotive zwischen Mühlau und Loretto statt.
Am 1. Juni 1891 wurde die Lokalbahn eröffnet, ohne die Betriebsbewilligung abzuwarten.
Die Strecke war 12,143 Kilometer lang, die Züge fuhren im Stundentakt.
Zur Eröffnung standen vier Lokomotiven, neun Personenwagen und zwei gedeckte Güterwagen bereit.
Eine Fahrt im Stadtgebiet von Innsbruck kostete fünf Kreuzer.
So sah es vorher aus: Dampfzüge zwischen Hall und Bergisel
Die Strecke führte vom Unteren Stadtplatz in Hall über Thaur, Rum, Arzl und Mühlau, über den Inn und durch den Saggen nach Innsbruck.
Durch die Maria-Theresien-Straße ging es weiter nach Wilten bis zum Bergiselbahnhof.
Bei Loretto kreuzte die Lokalbahn die Südbahn niveaugleich.
1892 wurde die Haltestelle Thaur zu einer Ausweiche ausgebaut.
Im selben Jahr wurde die Strecke von der Reichsstraße neben die Straße verlegt, ausgenommen der Bahnübergang bei Loretto.
1893 entstand östlich von Loretto die Ausweiche Haller Au.
Am 17. Juni 1893 wurde die Gesellschaft Localbahn Innsbruck – Hall in Tirol gegründet.
Im Volksmund wurde ihre Abkürzung L.B.I.H.i.T. zu „Langsam bin ich halt im Tempo“ umgedeutet.
Am 28. September 1893 fuhr Kaiser Franz Joseph I. mit einem eigens umgebauten Salonwagen zum Landesschießstand.
Bis Ende 1900 besaß die Bahn acht Dampflokomotiven und 29 Personenwagen.
1905 wurde in der nördlichen Maria-Theresien-Straße ein drittes Gleis zum Ausweichen gelegt, um den Parallelverkehr mit der Straßenbahn abzuwickeln.

Elektrisch nach Hall: 1909 bis zum Zweiten Weltkrieg
Im April 1908 schloss die Gesellschaft mit der AEG einen Vertrag über die Elektrifizierung.
Ab August 1909 fuhr der Abschnitt zwischen Bergisel und Landesschießstand elektrisch.
Beim Schießstand mussten die Fahrgäste auf die Dampfzüge umsteigen.
Für den elektrischen Betrieb beschaffte die Bahn acht neue vierachsige Triebwagen.
1909 erhielt die Lokalbahn die Liniennummer 4.
In der Stadt fuhren die Triebwagen mit 500 Volt, auf der Überlandstrecke nach Hall mit 1000 Volt.
Am 6. Jänner 1910 endete der Dampfbetrieb endgültig.
Zugleich wurde die Strecke von einer Lokalbahn zu einer Straßenbahn umkonzessioniert.
Die Dampflokomotiven wurden 1911 ausgemustert und verkauft.
Ab Mitte 1915 wurden auch Frauen zum Dienst auf der Bahn zugelassen.
1926 wurde erstmals erwogen, die Lokalbahn zugunsten einer breiteren Hallerstraße einzustellen.
Am 5. Juli 1927 kaufte die Lokalbahngesellschaft die Innsbrucker Mittelgebirgsbahn.
Am 2. April 1930 wurde der Rechtsverkehr eingeführt.
1932 wurden die Haltestellen Dachpappenfabrik, Haller Au und Loretto aufgelassen, um die Fahrzeit leichter halten zu können.
Am 14. Jänner 1939 wurde Hall in Solbad Hall umbenannt, die Endhaltestelle trug fortan den neuen Namen.
Weil der Rennweg zur Haupteinfallstraße erhoben wurde, mussten die Lokalbahngleise dort abgetragen werden, was Mitte 1939 geschah.
1939 wurde die neue Mühlauer Brücke fertiggestellt, und die Lokalbahn überquerte den Inn nun auf einer eigenen Spur der Straßenbrücke.
Die alte Lokalbahnbrücke wurde verschrottet.
Am 27. Oktober 1941 änderte die Gesellschaft ihren Namen in Innsbrucker Verkehrsbetriebe.
Am 31. Juli 1945 wurde die Eisenbahnkreuzung bei Loretto wieder in Betrieb genommen, damit war die Strecke nach Hall wieder durchgehend befahrbar.
Das Ende der Haller 1974
1973 wurde in Hall der Autobahnzubringer errichtet, auf dessen Kreuzung mit der Hallerstraße sich die Zufahrt zur Remise der Lokalbahn befand.
Beim Neubau der Inntal Autobahn sollte 1976 kein Tunnel durch den Bergisel gebaut werden, die Autobahn hätte durch den Betriebshof geführt.
1974 wurde die Reichenauer Brücke neu gebaut.
Ein Neubau des Verkehrsknotens zwischen Hallerstraße, Reichenauer Brücke und Lokalbahnstrecke war laut Innsbrucker Gemeinderat zu teuer, wenn die Bahn integriert worden wäre.
Der Beschluss lautete, die Lokalbahn am 8. Juni 1974 auf Autobusse umzustellen.
Die letzte Fahrt der Haller wurde zu einem Volksfest, bei dem die überfüllten Garnituren keine Fahrpläne mehr einhalten konnten.
Seit dem 9. Juni 1974 fährt die Autobuslinie 4 als Schienenersatzverkehr.
Mit der Demontage des Bahnkörpers nach Hall wurde einen Tag nach der Einstellung begonnen.
Fünf Triebwagen und die restlichen Beiwagen gingen an private Sammler und Museen.

So sieht es jetzt aus: Spuren der Haller
Auf einem großen Teil der alten Strecke verläuft heute ein Bahntrassenradweg oder die Nebenfahrbahn der Haller Straße.
Die Lokremise in der Nähe des Unteren Stadtplatzes in Hall diente zuerst als Busgarage und dann anderen Zwecken, 2014 stand sie noch.
Am Unteren Stadtplatz blieben Weichenanlagen und Gleise bis Mitte der 1990er Jahre liegen.
Die Weiche für die Abzweigung in die Remise wurde nach Innsbruck gebracht und beim alten Stubaitalbahnhof wieder eingebaut.
Nach der Entfernung der Gleise in der nördlichen Maria-Theresien-Straße Ende 2007 ist die Gleistrasse zwischen Anichstraße und Triumphpforte das letzte durchgehende Stück, das die Lokalbahn befuhr.
1983 gründete sich der Verein der Tiroler MuseumsBahnen, der im alten Stubaitalbahnhof die Geschichte der Lokalbahn dokumentiert.
Von den acht Triebwagen sind vier betriebsfähig.
Zwei davon wurden als Arbeitsfahrzeuge nie abgestellt, zwei gehören den Tiroler MuseumsBahnen.
Triebwagen 4 kam 1986 zu den Tiroler MuseumsBahnen.
In der Bevölkerung sind die Bezeichnungen Haller und Vierer noch verbreitet.


Die alte Hungerburgbahn
Die Hungerburgbahn von 1906 verband die Innenstadt als Standseilbahn mit der Hungerburg am Berghang nördlich des Inns.
Sie verlief steiler und fast geradlinig und begann nur am südlichen Innufer.
Die Strecke war fast genau einen Kilometer kürzer als die der neuen Bahn.
Zwei Fahrgastkabinen begegneten sich in der Mitte der Strecke.


Im Jahr 1922 trugen die Einnahmen der Hungerburgbahn dazu bei, den Betrieb der Lokalbahngesellschaft aufrechtzuerhalten.
1932 wurde in der Talstation der Hungerburgbahn ein Unterwerk errichtet.
1939 wurden die Gleise von der Talstation über den Rennweg und den Marktgraben bis zur Maria-Theresien-Straße abgetragen.


Das Ende der alten Hungerburgbahn
Als letzter Betriebstag der alten Hungerburgbahn wurde kurzfristig und ohne Vorankündigung der 8. Dezember 2005 festgesetzt.
Gegen das Neubauprojekt gab es Bürgerinitiativen und Kritik der städtischen Opposition.
Nach zwei Jahren Bauzeit eröffnete am 1. Dezember 2007 die neue Hungerburgbahn mit Stationen nach Plänen der Architektin Zaha Hadid.
Die neue Bahn verläuft nach der Überquerung des Inns am südlichen Ufer weiter bis zum Kongresshaus.
Nur auf den obersten 100 Metern nutzen die alte und die neue Bahn dieselbe Trasse zur selben Bergstation.
Vorher und nachher: der Viadukt der Hungerburgbahn


So sieht es jetzt aus: Brücke und Viadukt
An die alte Hungerburgbahn erinnern heute die stählerne Innbrücke und weit oben ein Betonviadukt.



Die Geschichte in Daten
1887: Der Plan einer Lokalbahn von Innsbruck nach Hall wird wieder aufgenommen.
1889: Im September wird die Konzession auf 90 Jahre erteilt.
1891: Am 1. Juni wird die Lokalbahn eröffnet.
1893: Am 17. Juni wird die Gesellschaft Localbahn Innsbruck – Hall in Tirol gegründet.
1906: Die alte Hungerburgbahn nimmt den Betrieb auf.
1909: Ab August fährt der Abschnitt Bergisel–Landesschießstand elektrisch, im November erhält die Lokalbahn die Liniennummer 4.
1910: Am 6. Jänner endet der Dampfbetrieb.
1927: Am 5. Juli kauft die Lokalbahngesellschaft die Innsbrucker Mittelgebirgsbahn.
1930: Am 2. April wird der Rechtsverkehr eingeführt.
1939: Mitte Juli werden die Lokalbahngleise am Rennweg abgetragen, im August geht die neue Mühlauer Brücke in Betrieb.
1941: Am 27. Oktober heißt die Gesellschaft fortan Innsbrucker Verkehrsbetriebe.
1974: Am 8. Juni wird die Lokalbahn auf Autobusse umgestellt.
1983: Der Verein der Tiroler MuseumsBahnen gründet sich.
2005: Am 8. Dezember ist der letzte Betriebstag der alten Hungerburgbahn.
2007: Am 1. Dezember eröffnet die neue Hungerburgbahn.
Häufige Fragen
Wann fuhr die Lokalbahn nach Hall?
Wie lang war die Strecke?
Warum wurde die Lokalbahn eingestellt?
Wie wurde die Lokalbahn genannt?
Was ist von der Lokalbahn erhalten?
Fährt die alte Hungerburgbahn noch?
Von der Lokalbahn blieb der Name Haller, von der alten Hungerburgbahn die Brücke über den Inn.
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