Mettener Bockerl und Vilstalbahn nach Aidenbach: zwei stillgelegte Bahnen in Niederbayern

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Mettener Bockerl und Vilstalbahn nach Aidenbach: zwei stillgelegte Bahnen in Niederbayern

Die Lokalbahn Deggendorf–Metten brachte Granit aus den Mettener Steinbrüchen zur Hauptbahn. Die Bahn von Vilshofen nach Aidenbach fuhr durch das untere Vilstal und endete 1987.

Das Bahnhofsgebäude in Aidenbach, Aufnahme von 2001.
Das Bahnhofsgebäude in Aidenbach, Aufnahme von 2001. Foto: Manfred E. Fritsche, CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1891
Deggendorf–Metten eröffnet
1898
Vilshofen–Aidenbach eröffnet
1983
Letzter Reisezug nach Metten
1987
Aidenbacher Bahn stillgelegt

Lage: Deggendorf und Vilshofen an der Donau, Niederbayern. Status: beide Strecken stillgelegt, Metten 1993, Aidenbach 1987. Heute: Radweg nach Metten, etwa die Hälfte der Trasse nach Aidenbach als Fuß- und Radweg.

Dieser Beitrag beschreibt zwei kleine Lokalbahnen in Niederbayern, die Bahnstrecke Deggendorf–Metten und die Bahnstrecke Vilshofen–Aidenbach.

Die Bahn nach Metten wurde von einer eigenen Aktiengesellschaft gebaut und im Volksmund „Mettener Bockerl“ genannt.

Die Bahn nach Aidenbach führte größtenteils im unteren Vilstal entlang und wurde deshalb auch Vilstalbahn genannt.

Freie historische Fotos sind auf Wikimedia Commons kaum vorhanden, deshalb enthält der Beitrag nur wenige Bilder.

Das Mettener Bockerl: Wie die Bahn entstand

Die Lokalbahn Deggendorf–Metten AG wurde gegründet, um dem durch sein Kloster bekannten Ort Metten einen Bahnanschluss zu verschaffen.

Zugleich sollten die Erzeugnisse der Granit-Steinbrüche in der Umgebung mit der Bahn abtransportiert werden.

Granit aus den zahlreichen Steinbrüchen bei Metten und Neuhausen und etwas Holz bildeten die wirtschaftliche Grundlage.

Der Transport mit Pferdefuhrwerken zur Bahn in Deggendorf war sehr beschwerlich, deshalb wünschte man eine direkte Verbindung.

Die Konzession wurde am 7. September 1890 erteilt, im selben Jahr begann der Bau.

Am 17. Oktober 1891 wurde der Betrieb eröffnet.

Die Strecke war 4,22 Kilometer lang, dazu kam in Metten ein 1,1 Kilometer langes Anschlussgleis zu den Steinbrüchen.

Größere Bauwerke waren nur die Bahnhofsgebäude in Metten und eine kleine Brücke.

Es gab weder Signale noch ein Stellwerk.

Der größte Teil der Bauarbeiter stammte aus Italien.

Eine Verlängerung nach Schwarzach war geplant, wurde aber nie verwirklicht.

Karte der Bahnstrecke Deggendorf–Metten, erstellt aus OpenStreetMap-Daten.
Karte der Bahnstrecke Deggendorf–Metten, erstellt aus OpenStreetMap-Daten. Foto: OpenStreetMap contributors, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sah es vorher aus: Zwei kleine Loks für den Granit

Die beiden Dampfloks der Bahn trugen die Namen Deggendorf und Metten.

Es waren Maschinen von Krauss aus dem Baujahr 1891 der Bauart B n2t, die 1965 und 1953 verschrottet wurden.

Ihre Abmessungen waren kleiner als die der kleinsten Staatsbahnlok, der bayerischen D IV.

Wegen dieser winzigen zweiachsigen Loks nannte der Volksmund die Bahn bald „Mettner Bockerl“.

Die Bahn litt dauerhaft unter Geldmangel, ein Antrag auf Verstaatlichung wurde abgelehnt.

1925 drohte wegen Betriebsunsicherheit die zwangsweise Betriebseinstellung.

Am 1. Februar 1928 übernahm die Regentalbahn AG die Bahn und betrieb sie weiter.

Nach 1965 kamen von dort stärkere Lokomotiven, die Osser von Maffei aus dem Jahr 1922, die zuvor auf der Lokalbahn Lam–Kötzting gefahren war, und die Deggendorf von Maffei aus dem Jahr 1927.

Die letzte Lokomotive war die Bayerwald, die der Deggendorf baugleich war.

Bahnhof Metten

Metten war der Endpunkt der Strecke und Ausgangspunkt des Anschlussgleises zu den Steinbrüchen.

Das Bahnhofsgebäude in Metten gehörte zu den größeren Bauwerken der Strecke.

Genannt werden außerdem der Bahnsteig in Metten und das nördliche Ladegleis in Deggendorf am Hauptbahnhof.

Weitere Haltepunkte sind für die Strecke nicht belegt.

Niedergang und Ende in Metten

Ab 1975 wurde nur noch ein Triebwagen aus dem Baujahr 1937 auch für den Güterverkehr eingesetzt.

Am 6. November 1975 fuhr der letzte Dampfzug auf der Strecke.

In den letzten Jahren vor dem Ende verkehrten nur noch zwei Personenzüge mit Güterbeförderung.

Am 23. September 1983 war der letzte Reisezug unterwegs.

Danach übernahm die Deutsche Bundesbahn die Zustellung der Wagen.

Der Güterverkehr wurde am 1. Juni 1991 eingestellt, am 1. August 1993 wurde die Strecke endgültig stillgelegt.

Auf der Bahntrasse verläuft heute ein Radweg zwischen Deggendorf und Metten.

Erst nach der Stilllegung trat für die Bahn die Bezeichnung „Paterbahn“ hinzu.

Die Vilstalbahn nach Aidenbach: Wie die Bahn entstand

Am 6. Januar 1883 fand in Aidenbach eine Versammlung statt, die über den Bau einer Bahn von Vilshofen über Aidenbach nach Pfarrkirchen beriet.

Am 17. Mai 1885 versammelten sich Vertreter der umliegenden Gemeinden in Aidenbach zur Bildung eines Komitees für den Bau einer Lokalbahn.

Vorgesehen war eine Stichstrecke von Vilshofen nach Aidenbach, den Ansporn gaben Landwirte und Gewerbetreibende.

Die Strecke sollte 12,5 Kilometer lang werden.

Kreis, Distrikt und private Förderer stellten 31.000 Mark zur Verfügung.

Aidenbach bot an, für den Bau des Bahnhofs und der Strecke unter anderem Grund und 100.000 Ziegel kostenlos zu stellen.

Am 16. März 1896 genehmigte die Königliche Staatseisenbahn den Bau.

Am 12. November 1898 war die technische Testfahrt, am 21. November 1898 wurde die Strecke für die Öffentlichkeit freigegeben.

Die Gesamtkosten samt Hochbauten betrugen 744.086 Mark.

Karte der Bahnstrecke Vilshofen–Aidenbach und der Bahnstrecke Vilshofen–Ortenburg, Stand 2010.
Karte der Bahnstrecke Vilshofen–Aidenbach und der Bahnstrecke Vilshofen–Ortenburg, Stand 2010. Foto: Vuxi, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sah es vorher aus: Granit, Rüben und Brauerei

Die Züge brauchten für die 12,5 Kilometer rund 35 Minuten.

Die Kosten der Strecke hatten sich innerhalb von weniger als zehn Jahren abgezahlt.

Pläne, die 1915 fertiggestellte Bahnstrecke Aufhausen–Kröhstorf bis nach Aldersbach weiterzuführen, wurden nicht verwirklicht.

Die Bahn wurde wegen der Granitbrüche des Vils-Engtals gebaut.

Zu den eingesetzten Fahrzeugen gehörten Dampfloks, Dieselloks, Triebwagen der Baureihe 795 und Behelfspersonenwagen.

Der Verkehr umfasste Personen-, Güter- und Übergabezüge sowie Zuckerrübentransporte.

Vilshofen

In Vilshofen begann die Strecke.

Hier schloss die Lokalbahn an das Netz der Staatsbahn an.

Nach dem Ende des Personenverkehrs lagen 1988 noch 620 Meter Gleis bei Vilshofen.

Taferl

Taferl war ein reiner Güterzughalt und wurde täglich mit Güterzügen bedient.

Der Halt diente mit seinen anschließenden umfangreichen Feldbahnanlagen als Umschlagplatz für das anliegende Granitwerk.

Im Bahnhof trafen die unterschiedlichen Spurweiten der Industriebahn und der Lokalbahn aufeinander.

Der Kahlhamer-Bruch wurde nach der Einstellung des Tagebaus geflutet und ist heute der Taferlsee.

Eine ehemalige Eisenbahnbrücke neben der Vils im Naturschutzgebiet Vils-Engtal, Aufnahme von 2010.
Eine ehemalige Eisenbahnbrücke neben der Vils im Naturschutzgebiet Vils-Engtal, Aufnahme von 2010. Foto: High Contrast, CC BY 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Mattenham

Mattenham war ein Bahnhof der Strecke im unteren Vilstal.

Der Ort wurde beim Hochwasser 1954 überflutet.

Aldersbach

Aldersbach hatte einen Bahnhof, an dem Kühlwaggons einer Brauerei verkehrten.

Am Standort des alten Bahnhofs steht heute das Feuerwehrhaus.

Die alte Eisenbahnbrücke über den Aldersbach wurde 1993 abgebrochen.

Aidenbach

Aidenbach war der Endpunkt der Strecke.

Der Ort hatte die Versammlungen zum Bahnbau ausgerichtet und für den Bahnhof Grund und Ziegel gestellt.

Der letzte Bahnhofsvorsteher war Anton Sigl.

Der Fahrplan des Jubiläumszuges zum 85-jährigen Bestehen der Bahnlinie Vilshofen–Aidenbach am 27. Mai 1983.
Der Fahrplan des Jubiläumszuges zum 85-jährigen Bestehen der Bahnlinie Vilshofen–Aidenbach am 27. Mai 1983. Foto: Deutsche Bahn, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Niedergang und Ende in Aidenbach

Der wachsende Individualverkehr führte zu einem starken Rückgang der Reisendenzahlen.

Die Deutsche Bundesbahn reagierte mit einem ausgedünnten Angebot, ab dem Sommerfahrplan 1960 verkehrte nur noch ein werktägliches Zugpaar.

Am 12. Oktober 1961 leitete die Bundesbahndirektion Regensburg das Verfahren zur Stilllegung des Personenverkehrs ein.

Der Personenverkehr wurde zum 30. September 1962 eingestellt.

Der Güterverkehr lief besser, es wurden fast ausschließlich landwirtschaftliche Güter transportiert.

Die Bundesbahn entschloss sich 1985, den teils stark herabgewirtschafteten Oberbau instand zu setzen, und investierte in den ersten knapp zwei Kilometern 700.000 D-Mark.

Die Arbeiten am zweiten Abschnitt unterblieben, als die Zuckerrüben-Verladegemeinschaft ihren Vertrag mit der Bundesbahn kündigte.

Da die Rübentransporte mittlerweile über die Hälfte des jährlichen Aufkommens ausmachten, wurde im Frühjahr 1987 das Stilllegungsverfahren für den Gesamtverkehr eingeleitet.

Am 30. Dezember 1987 fuhr der letzte Übergabezug von Aidenbach nach Vilshofen, am 31. Dezember 1987 wurde die Nebenbahn geschlossen.

Heute ist etwa die Hälfte der ehemaligen Trasse als Fuß- und Radweg umgebaut.

Vorher und nachher: Aldersbach

In Aldersbach gab es einen Bahnhof, an dem Kühlwaggons einer Brauerei verkehrten.

Dort, wo der alte Bahnhof stand, steht heute ein Feuerwehrhaus, und die Eisenbahnbrücke über den Aldersbach ist seit 1993 abgebrochen.

Die Geschichte in Daten

7. September 1890: Die Konzession für die Lokalbahn Deggendorf–Metten wird erteilt.

17. Oktober 1891: Die Lokalbahn Deggendorf–Metten eröffnet den Betrieb.

21. November 1898: Die Strecke Vilshofen–Aidenbach wird für die Öffentlichkeit freigegeben.

1. Februar 1928: Die Regentalbahn AG übernimmt die Bahn nach Metten.

30. September 1962: Der Personenverkehr nach Aidenbach endet.

6. November 1975: Der letzte Dampfzug fährt nach Metten.

23. September 1983: Der letzte Reisezug fährt nach Metten.

30. Dezember 1987: Der letzte Übergabezug fährt von Aidenbach nach Vilshofen.

31. Dezember 1987: Die Strecke Vilshofen–Aidenbach wird geschlossen.

1. Juni 1991: Der Güterverkehr nach Metten endet.

1. August 1993: Die Strecke Deggendorf–Metten wird endgültig stillgelegt.

Häufige Fragen

Wie lang war die Bahn nach Metten?
Die Strecke war 4,22 Kilometer lang, dazu kam ein 1,1 Kilometer langes Anschlussgleis zu den Steinbrüchen.
Warum heißt sie Mettener Bockerl?
Der Name geht auf die kleinen zweiachsigen Dampfloks zurück.
Wann fuhr der letzte Reisezug nach Metten?
Der letzte Reisezug fuhr am 23. September 1983.
Wie lang war die Bahn nach Aidenbach?
Die Strecke von Vilshofen nach Aidenbach war 12,5 Kilometer lang, die Züge brauchten dafür rund 35 Minuten.
Was ist von der Bahn nach Aidenbach geblieben?
Etwa die Hälfte der ehemaligen Trasse ist heute ein Fuß- und Radweg.

Von beiden Bahnen sind die Radwege und einzelne Brücken geblieben.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Deggendorf–Metten · Wikipedia: Bahnstrecke Vilshofen–Aidenbach · Feld- und Waldbahn Riedlhütte: Lokalbahn Deggendorf–Metten · Unser Vilstal: Die Bahnlinie Vilshofen–Aidenbach

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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