Drei Bahnen in Oberösterreich: Haager Lies, Rohr–Bad Hall und Steyrtalbahn

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Drei Bahnen in Oberösterreich: Haager Lies, Rohr–Bad Hall und Steyrtalbahn

Die Haager Lies fuhr bis Dezember 2009, die Strecke Rohr–Bad Hall endete 1989 und die Steyrtalbahn blieb nur als Museumsbahn. Auf den Trassen verlaufen heute Radwege.

Der Triebwagen 25 102 der Lokalbahn Lambach–Haag im Bahnhof Haag am Hausruck, 1977.
Der Triebwagen 25 102 der Lokalbahn Lambach–Haag im Bahnhof Haag am Hausruck, 1977. Foto: trams aux fils., CC BY 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1901
Eröffnung der Haager Lies
1989
Ende des Personenverkehrs Rohr–Bad Hall
2009
Ende der Haager Lies
2021
Radweg auf der Haager Lies eröffnet

Lage: Oberösterreich zwischen Lambach, Haag am Hausruck, Rohr im Kremstal, Bad Hall und dem Steyrtal. Status: Haager Lies und Rohr–Bad Hall sind stillgelegt, von der Steyrtalbahn fährt nur noch die Museumsbahn Steyr–Grünburg. Heute: Auf der Haager Lies verläuft ein 22 Kilometer langer Radweg.

Dieser Beitrag erzählt von drei Bahnen in Oberösterreich, die ganz oder teilweise stillgelegt sind.

Die Haager Lies, die Lokalbahn Lambach–Haag am Hausruck, wurde 1901 eröffnet und fuhr bis Dezember 2009.

Die Strecke von Rohr im Kremstal nach Bad Hall wurde 1887 eröffnet, ihr Personenverkehr endete 1989.

Die Steyrtalbahn führte einst von Garsten bis Klaus und fährt heute nur noch zwischen Steyr und Grünburg als Museumsbahn.

Die Fotos zeigen vor allem die Haager Lies und die Steyrtalbahn, von der Strecke Rohr–Bad Hall gibt es keine freien Fotos.

Haager Lies: Lambach–Haag am Hausruck

Die Bahnstrecke Lambach–Haag am Hausruck, auch Haager Lies genannt, ist eine stillgelegte Lokalbahn.

Die normalspurige Stichbahn war 21,875 Kilometer lang und zweigte nahe der Haltestelle Neukirchen bei Lambach von der Westbahn ab.

Sie verlief bis Haag am Hausruck in Oberösterreich, einige Züge fuhren über Lambach hinaus bis Wels.

Im März 1897 hatte der Landtag Oberösterreichs seinen Finanzbeitrag zum Bau der Lokalbahn beschlossen.

Im Oktober 1898 war das Projekt eine von 23 Bahnen niederer Ordnung in der Localbahn-Vorlage des Eisenbahnministers.

Die Konzession wurde am 5. April 1899 erteilt, die Aktiengesellschaft Localbahn Lambach–Haag wurde 1901 gegründet.

Die Strecke wurde am 23. Juli 1901 eröffnet.

Mit der Betriebsführung wurden zunächst die k.k. österreichischen Staatsbahnen beauftragt, die Dampflokomotiven einsetzten.

Eine Verlängerung nach Ried im Innkreis war von Anfang an geplant, wurde aber nie verwirklicht.

So sah es vorher aus: elektrisch durch das Hausruckviertel

Am 1. Jänner 1930 wurde die Aktiengesellschaft liquidiert, die Bundesbahnen wurden Eigentümer der Strecke.

Weil sich die Einnahmen in den 1930er Jahren weiter verschlechterten, wollten die Bundesbahnen die Bahn einstellen.

Die Verkehrsunternehmen Stern & Hafferl übernahmen die Betriebsführung und begannen 1932 mit der Elektrifizierung.

Am 8. April 1933 wurde der erste elektrische Triebwagen in Betrieb genommen.

Die Bahn wurde mit 750 Volt Gleichstrom betrieben, die Westbahn dagegen mit Wechselstrom.

Ab 1948 wurde die Westbahn mit Wechselstrom durchelektrifiziert, die Fahrleitung der Lokalbahn musste zwischen Lambach und Neukirchen abgebaut werden.

Stern & Hafferl baute in der Hauptwerkstätte Vorchdorf einen selbstfahrenden Gleichrichterwagen, der im Abschnitt Bachmanning–Lambach Gleichstrom zuführte.

1952 baute die Werkstatt einen zweiten solchen Wagen.

Ab August 1989 wurden Zweisystemtriebwagen eingesetzt, die keinen Gleichrichterwagen mehr brauchten.

In der letzten Fahrplanperiode bedienten werktags sieben Zugpaare die Strecke Lambach–Haag, dazu zwei Zugpaare ab Wels.

An Samstagen gab es zwei Zugpaare, an Sonntagen eines.

Eingesetzt wurden die beiden Triebwagen der Reihe 4855.

Der Triebwagen 24 102 im Bahnhof Haag am Hausruck, links das Stationsgebäude, das 1991 abgerissen wurde.
Der Triebwagen 24 102 im Bahnhof Haag am Hausruck, links das Stationsgebäude, das 1991 abgerissen wurde. Foto: trams aux fils., CC BY 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Gleichrichterwagen wird in Bachmanning dem Personenzug Haag am Hausruck–Lambach beigestellt, Mai 1988.
Der Gleichrichterwagen wird in Bachmanning dem Personenzug Haag am Hausruck–Lambach beigestellt, Mai 1988. Foto: Stefan K-50678, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Ende der Haager Lies

Im Regionalbahnkonzept der ÖBB vom Juni 2006 wurde die Haager Lies als dauerhaft einzustellen geführt.

2008 reichten die ÖBB Pläne für eine Neutrassierung der Westbahn ein, die keine Anbindung der Haager Lies mehr vorsahen.

Ursprünglich wollten die ÖBB den Betrieb bereits 2006 einstellen, verlängerten den Vertrag aber auf Drängen von Stern & Hafferl bis 2009.

Eine weitere Verlängerung bis 2010 wurde abgelehnt.

Im Dezember 2009 wurde der Personenverkehr auf der gesamten Strecke eingestellt, ein Busverkehr trat an seine Stelle.

Gleiskörper und Masten wurden abgetragen.

Der Bahnhof Haag am Hausruck, 2009.
Der Bahnhof Haag am Hausruck, 2009. Foto: Hufi, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der ehemalige Güterschuppen in Haag am Hausruck, 2009.
Der ehemalige Güterschuppen in Haag am Hausruck, 2009. Foto: Hufi, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Remise in Haag am Hausruck, 2009.
Die Remise in Haag am Hausruck, 2009. Foto: Hufi, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus: der Radweg der Haager Lies

Auf der Trasse der Haager Lies wurde ein 22 Kilometer langer Radweg errichtet.

Er wurde am 18. September 2021 eröffnet.

Remisen gab es in Bachmanning und in Haag am Hausruck.

Die ehemalige Haltestelle Meggenbach an der Haager Lies, 2009.
Die ehemalige Haltestelle Meggenbach an der Haager Lies, 2009. Foto: Linie29, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Vorher und nachher: Haag am Hausruck

Früher endete in Haag am Hausruck die Lokalbahn, die beiden eigens für die Haager Lies beschafften Plantriebwagen ET 25.101 und 102 wurden 1932 gebaut.

Das Stationsgebäude, das 1977 noch stand, wurde 1991 abgerissen.

Heute sind die Gleise und Masten abgetragen, auf der Trasse verläuft der Radweg.

Rohr–Bad Hall

Die Bahnstrecke Rohr–Bad Hall war eine eingleisige, nicht elektrifizierte Stichbahn in Oberösterreich mit 1.435 Millimetern Spurweite.

Sie führte von Rohr im Kremstal an der Strecke Linz–Selzthal nach Bad Hall.

Die Konzession für die Localbahn Rohr–Bad Hall erhielt die Kremsthalbahn-Gesellschaft am 25. Oktober 1886.

Die Trassierung im Tal des Sulzbachs war einfach, es mussten nur drei kleine Bachbrücken errichtet werden.

Die Strecke wurde am 15. Mai 1887 eröffnet.

1905 entstand im Endbahnhof Bad Hall ein neues Empfangsgebäude im Jugendstil, das 1914 erweitert wurde und unter Denkmalschutz steht.

Hauptsächlich nutzten Kurgäste die Bahn.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs verkehrten elf Zugpaare.

Danach wurde das Verkehrsangebot stark ausgedünnt und teilweise durch Busse ersetzt.

Die Dampflokomotiven der Reihe 93 wurden durch Diesellokomotiven der Reihe 2045 ersetzt.

Der Personenverkehr wurde 1989 eingestellt, der Güterverkehr 1992.

Im Jahr 2004 suchte das Verkehrsministerium Interessenten für eine Betriebsübernahme, eine Übergabe kam nicht zustande.

Die Strecke wurde abgebaut, zum Teil verläuft heute ein Radweg auf der Trasse.

Steyrtalbahn: von Garsten bis Klaus

Die Steyrtalbahn ist eine Schmalspurbahn in Bosnischer Spurweite von 760 Millimetern.

Sie führte ursprünglich von Garsten über Grünburg und Molln nach Klaus, mit einem Seitenflügel von Pergern über Sierning nach Bad Hall.

Sie war die erste Schmalspurbahn in Bosnischer Spurweite auf dem Gebiet des heutigen Österreichs.

1888 wurde die Konzession ausgestellt und die Steyrtalbahn AG gegründet.

Im August 1889 wurde die Strecke Garsten–Grünburg feierlich eröffnet, im November 1890 folgte die Verlängerung nach Agonitz.

Der Flügel Pergern–Bad Hall wurde im Dezember 1891 eröffnet, dort bestand Anschluss an die normalspurige Strecke nach Rohr.

Am 26. Oktober 1909 wurde die Verlängerung nach Klaus eröffnet, damit hatte das Netz seine größte Ausdehnung von 55 Kilometern erreicht.

Zwei Lokomotiven der Reihe U rangieren Personenwagen im Bahnhof Garsten, Juni 1977.
Zwei Lokomotiven der Reihe U rangieren Personenwagen im Bahnhof Garsten, Juni 1977. Foto: trams aux fils., CC BY 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ein Zug mit der Lokomotive 699.103 überquert die Steyr auf der Brücke bei der Haltestelle Waldneukirchen, 1977.
Ein Zug mit der Lokomotive 699.103 überquert die Steyr auf der Brücke bei der Haltestelle Waldneukirchen, 1977. Foto: trams aux fils., CC BY 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Ende der Steyrtalbahn und die Museumsbahn

Nach dem Ersten Weltkrieg wanderten vor allem auf der Flügelstrecke nach Bad Hall viele Fahrgäste zum Autobus ab.

Die Betriebsführung wurde 1931 von den Bundesbahnen übernommen.

Am 1. August 1933 wurde die Teilstrecke Sierning–Bad Hall stillgelegt und Anfang der 1940er Jahre abgetragen.

Am 1. Jänner 1967 wurde der Betrieb auf dem Reststück der Flügelstrecke Pergern–Sierning eingestellt.

Am 26. Mai 1968 wurde der Personenverkehr zwischen Klaus und Molln eingestellt und durch Busse ersetzt.

1980 wurde der Abschnitt Grünburg–Klaus stillgelegt.

1982 wurde auch die Reststrecke Garsten–Grünburg eingestellt.

Die Lokomotive 298.56 mit dem Personenzug 3669 zwischen Haunoldmühle und Leonstein, 2. Juli 1977.
Die Lokomotive 298.56 mit dem Personenzug 3669 zwischen Haunoldmühle und Leonstein, 2. Juli 1977. Foto: Joachim Seyferth, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Österreichische Gesellschaft für Eisenbahngeschichte übernahm die Strecke von Steyr Lokalbahn nach Grünburg und betreibt sie seit 1985 als Museumsbahn mit Dampfzügen.

Die übrigen Gleisanlagen wurden abgetragen.

Auf der Trasse Grünburg–Klaus wurde ein Radweg angelegt, der Teil des Steyrtalradwegs ist.

An die Zweigstrecke Pergern–Bad Hall erinnern vor allem die Widerlager der Steyrbrücke.

Der ehemalige Bahnhof Molln der Steyrtalbahn, dahinter verläuft der Steyrtalradweg auf der alten Bahntrasse, 2011.
Der ehemalige Bahnhof Molln der Steyrtalbahn, dahinter verläuft der Steyrtalradweg auf der alten Bahntrasse, 2011. Foto: Christoph Waghubinger ( Lewenstein ), CC BY-SA 3.0 at, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Steyrtalradweg in Leonstein, 2019.
Der Steyrtalradweg in Leonstein, 2019. Foto: Christoph Waghubinger ( Lewenstein ), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Geschichte in Daten

1887: Am 15. Mai wird die Bahnstrecke Rohr–Bad Hall eröffnet.

1889: Im August wird die Steyrtalbahn zwischen Garsten und Grünburg eröffnet.

1891: Im Dezember wird der Flügel Pergern–Bad Hall der Steyrtalbahn eröffnet.

1899: Am 5. April wird die Konzession für Lambach–Haag erteilt.

1901: Am 23. Juli wird die Haager Lies eröffnet.

1909: Am 26. Oktober wird die Steyrtalbahn bis Klaus verlängert.

1930: Am 1. Jänner wird die Aktiengesellschaft der Haager Lies liquidiert.

1933: Am 8. April fährt der erste elektrische Triebwagen auf der Haager Lies, am 1. August wird Sierning–Bad Hall stillgelegt.

1967: Am 1. Jänner wird der Betrieb Pergern–Sierning eingestellt.

1968: Am 26. Mai endet der Personenverkehr zwischen Klaus und Molln.

1980: Der Abschnitt Grünburg–Klaus der Steyrtalbahn wird stillgelegt.

1982: Die Reststrecke Garsten–Grünburg wird eingestellt.

1985: Die Museumsbahn Steyr Lokalbahn–Grünburg nimmt den Betrieb auf.

1989: Der Personenverkehr Rohr–Bad Hall wird eingestellt, ab August fahren Zweisystemtriebwagen auf der Haager Lies.

1992: Der Güterverkehr Rohr–Bad Hall wird eingestellt.

2009: Im Dezember wird der Verkehr auf der Haager Lies eingestellt.

2021: Am 18. September wird der Radweg auf der Haager Lies eröffnet.

Häufige Fragen

Wie lang war die Haager Lies?
Die normalspurige Stichbahn war 21,875 Kilometer lang.
Wann endete der Verkehr auf der Haager Lies?
Im Dezember 2009 wurde der Personenverkehr auf der gesamten Strecke eingestellt, ein Busverkehr trat an seine Stelle.
Was ist aus der Trasse der Haager Lies geworden?
Auf der Trasse wurde ein 22 Kilometer langer Radweg errichtet, der am 18. September 2021 eröffnet wurde.
Wann endete der Verkehr auf der Strecke Rohr–Bad Hall?
Der Personenverkehr wurde 1989 eingestellt, der Güterverkehr 1992.
Fährt die Steyrtalbahn noch?
Nur zwischen Steyr Lokalbahn und Grünburg als Museumsbahn, die seit 1985 von der Österreichischen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte betrieben wird.
Was ist von der Zweigstrecke Pergern–Bad Hall erhalten?
Vor allem die Widerlager der Steyrbrücke erinnern an die Zweigstrecke.

Von der Haager Lies und der Steyrtalbahn führen heute Radwege über die alten Trassen.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Lambach–Haag am Hausruck · Wikipedia: Bahnstrecke Rohr–Bad Hall · Wikipedia: Steyrtalbahn · Wikimedia Commons: Dateibeschreibungen der verwendeten Fotos

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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