Staßfurt–Blumenberg, Aschersleben–Nienhagen und Etgersleben–Förderstedt: drei stille Nebenbahnen
Im Salzlandkreis und der Magdeburger Börde führten drei Nebenbahnen rund um Egeln und Schneidlingen. Dieser Beitrag geht die Halte der Strecken der Reihe nach durch und sagt, was von ihnen heute noch in Betrieb ist.


Lage: Salzlandkreis und Börde in Sachsen-Anhalt. Status: Staßfurt–Egeln wird von der A.V.G. Ascherslebener Verkehrsgesellschaft als öffentliche Bahn betrieben, Egeln–Blumenberg, Aschersleben–Nienhagen und Etgersleben–Förderstedt sind stillgelegt. Heute: Gleise und Bahngelände sind keine Wege und dürfen nicht betreten werden.
Rund um Egeln und Schneidlingen kreuzten sich drei Nebenbahnen.
Die Strecke Staßfurt–Blumenberg war 32,6 Kilometer lang und verband Staßfurt mit dem Bahnknoten Blumenberg an der Strecke Magdeburg–Thale.
Die Strecke Aschersleben–Nienhagen erschloss die Landschaft im Süden der Magdeburger Börde rund um den Höhenzug Hakel mit ihren Braunkohlengruben.
Die Strecke Etgersleben–Förderstedt zweigte in Etgersleben von der Strecke nach Staßfurt ab.
Auf dem Abschnitt Staßfurt–Egeln fährt weiter Güterverkehr, die übrigen Abschnitte sind stillgelegt.
Die Bahnhöfe Staßfurt und Aschersleben haben eigene Beiträge: Der Bahnhof Staßfurt, Halt in der Wiege des Kalibergbaus und Ortstermin: Der Bahnhof Aschersleben im Harzvorland.
Staßfurt–Blumenberg: wie die Strecke entstand
Schon 1872 wurde der Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft eine Konzession für die Strecke Blumenberg–Staßfurt–Güsten–Sangerhausen erteilt.
Sie wurde zurückgezogen, weil der preußische Staat selbst die Kanonenbahn Güsten–Sangerhausen bauen wollte.
Nach einem neuen Vorstoß der Gesellschaft und einem Staatsvertrag zwischen Preußen und Anhalt erteilte Preußen am 1. November 1878 die Konzession für die Nebenbahn Staßfurt–Egeln–Blumenberg, Anhalt folgte am 10. November.
Am 15. Dezember 1879 fuhren die ersten Züge zwischen Staßfurt und Hecklingen.
Am 15. September 1880 ging der Abschnitt Hecklingen–Egeln in Betrieb, die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft war da bereits seit dem 1. Januar 1880 verstaatlicht.
Am 10. August 1881 folgte der Abschnitt Egeln–Blumenberg.
So sah es vorher aus: Kali, Kohle und Rüben
An der Strecke gab es ein hohes Güteraufkommen durch den Kaliabbau bei Staßfurt und die Braunkohlegruben bei Egeln.
Auch landwirtschaftliche Güter spielten eine Rolle, denn in Hecklingen und Egeln gab es Zuckerfabriken.
Anfang der 1990er Jahre schlossen die Zuckerfabriken in Hecklingen und Egeln, Braunkohleabbau und Kaliverkehr waren schon früher weggefallen.
1944 verkehrten sechs Zugpaare werktags und drei sonntags, 1970 waren es acht Zugpaare, sonntags fünf.
Nach der Wiedervereinigung ging der Personenverkehr stark zurück, zuletzt waren nur noch alleinfahrende Triebwagen unterwegs.
Staßfurt
Der Bahnhof Staßfurt ist der Ausgangspunkt der Strecke bei Kilometer 0,0.
Nach Güsten zweigt hier die Strecke Schönebeck–Güsten ab.
Nach 2007 übernahm die A.V.G. Ascherslebener Verkehrsgesellschaft den Abschnitt Staßfurt–Egeln und betreibt ihn seitdem wieder als öffentliche Bahn.

Hecklingen
Der Bahnhof Hecklingen liegt bei Kilometer 4,9.
In Hecklingen gab es eine Zuckerfabrik, die mit Rüben beliefert wurde.


Groß Börnecke und Schneidlingen
Groß Börnecke (Pr. Börnecke) liegt bei Kilometer 11,2.
Schneidlingen liegt bei Kilometer 13,7.
In Schneidlingen gab es ab 1897 einen Übergang zur privaten Aschersleben-Schneidlingen-Nienhagener Eisenbahn.
Er bestand auch nach deren Verstaatlichung 1949 bis zur Stilllegung des letzten Streckenstücks nach Cochstedt 1996.
Die Strecke Staßfurt–Blumenberg wird bei Schneidlingen nicht regelmäßig befahren und kann nur noch bis Egeln befahren werden.
Egeln
Der Bahnhof Egeln liegt bei Kilometer 18,6.
Auf der Strecke findet seit 2002 kein Personenverkehr mehr statt.
Am Bahnhof Egeln finden täglich Bedienfahrten der Ladestraße statt, wo zwei Firmen Container umschlagen.
Seit 2016 besitzt der Verein Nebenbahn Staßfurt–Egeln einen Triebwagen der Baureihe VT 2E, der nach seiner Ausmusterung bei der AKN erworben wurde.
Am 2. April 2016 kam der Zug erstmals in der neuen Heimat zum Einsatz.

Westeregeln, Etgersleben und Klein Germersleben
Der Haltepunkt Westeregeln wurde 1902 eröffnet und lag bei Kilometer 21,4.
Etgersleben lag bei Kilometer 23,9.
In Etgersleben zweigte von 1891 bis 1993 die Strecke nach Förderstedt ab.
Klein Germersleben lag bei Kilometer 28,1.
Blumenberg an der Strecke Magdeburg–Thale ist mit Kilometer 32,6 der Endpunkt.
Das Ende der Strecke Staßfurt–Blumenberg
Am 29. Mai 1999 wurde der Personenverkehr auf dem Abschnitt Egeln–Blumenberg eingestellt.
Die Strecke zwischen Egeln und Blumenberg wurde am 10. Juli 2001 stillgelegt.
Im September 2002 endete der Reiseverkehr auch zwischen Egeln und Staßfurt.
Die Strecke zwischen Staßfurt und Egeln wurde am 31. Juli 2003 stillgelegt und seitdem als Bahnhofsgleis geführt.
Sie wurde an die Anhaltische Bahn Gesellschaft verpachtet, die entlang der Strecke Güterwagen abstellte.
Im Frühsommer 2007 verschrottete die Anhaltische Bahn Gesellschaft die vorhandenen Signale entlang der Strecke.
Kurz darauf übernahm die A.V.G. Ascherslebener Verkehrsgesellschaft die Strecke und betreibt sie seitdem wieder als öffentliche Bahn.
Die A.V.G. führte unter anderem eine Brückenprüfung und eine komplette Hauptprüfung der Strecke durch und setzte die Achslast von 18 auf 21 Tonnen herauf.
Aschersleben–Nienhagen: wie die Strecke entstand
Die Aschersleben-Schneidlingen-Nienhagener Kleinbahn-AG wurde am 24. September 1895 gegründet.
Am 22. Mai 1928 wurde ihr Name zu Aschersleben-Schneidlingen-Nienhagener Eisenbahn AG geändert.
Zu den Gründern gehörten die Allgemeine Deutsche Kleinbahn-Gesellschaft, die Hildesheimer Bank, die Städte Gröningen, Kroppenstedt und Cochstedt sowie die Betreiber zweier Braunkohlengruben.
Die Gesellschaft kaufte die 9,9 Kilometer lange Grubenbahn Aschersleben–Königsaue, die die Gewerkschaft Graf Douglas am 20. September 1892 eröffnet hatte.
Dazu kam die Grubenbahn Schneidlingen–Grube Archibald mit 0,6 Kilometern.
Außerdem pachtete sie die 1879 erbaute, 4,6 Kilometer lange Anschlussbahn Nienhagen–Gröningen der seit 1864 bestehenden Zuckerfabrik in Gröningen.
Der Betrieb auf der 46 Kilometer langen Strecke Aschersleben West–Schneidlingen Nord–Nienhagen Süd begann am 1. April 1897.
Die Personenzüge wurden in Schneidlingen gebrochen, durchgehende Züge gab es während der Kleinbahnzeit nicht.
So sah es vorher aus: der Betrieb der Kleinbahn
Die Gesellschaft stellte Anschlüsse zur Staatsbahn her, in Aschersleben an die Strecken Halle–Halberstadt und Köthen–Aschersleben, in Schneidlingen an die Nebenbahn Staßfurt–Blumenberg und in Nienhagen an die Hauptbahn Magdeburg–Thale.
Die Abfahrtstelle in Aschersleben wurde am 1. Oktober 1910 an die Hecklinger Straße verlegt, 400 Meter vom Staatsbahnhof entfernt.
Dadurch wurde die Strecke um fast einen Kilometer länger.
Den Betrieb führte ab 21. Oktober 1903 die Allgemeine Deutsche Kleinbahn-Gesellschaft als Hauptaktionärin.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gesellschaft enteignet.
Die Bahn unterstand ab 15. August 1945 der Provinz Sachsen und ab 15. Dezember 1946 den Sächsischen Provinzbahnen.
Am 1. Januar 1950 wurde sie in die Deutsche Reichsbahn eingegliedert.
Aschersleben Hecklinger Straße und Aschersleben Nord
Die Abfahrtstelle Aschersleben Hecklinger Straße lag bei Kilometer minus 0,9.
Aschersleben Nord, bis 1938 Aschersleben West, lag bei Kilometer 0,0.


Wilsleben, Königsaue und Schadeleben
Der Haltepunkt Wilsleben lag bei Kilometer 4,45.
Königsaue hatte einen Bahnhof bei Kilometer 8,42.
Schadeleben hatte eine Dienststelle bei Kilometer 9,97 und den Haltepunkt Schadeleben Ort bei Kilometer 10,45.
Hakelforst und Cochstedt
Der Bahnhof Hakelforst lag bei Kilometer 12,76 in 173 Metern Höhe.
Bei Kilometer 13,6 lag der Scheitelpunkt der Strecke in 187 Metern Höhe.
Cochstedt hatte zwei Bahnhöfe, Cochstedt bei Kilometer 17,0 und Cochstedt Süd bei Kilometer 17,5.
1897 erhielt der Ort mit der Eröffnung der Strecke Anschluss an das Eisenbahnnetz.
Im Personenverkehr wurde die Strecke 1963 stillgelegt.
Schneidlingen, Hakeborn und Kroppenstedt
Schneidlingen hatte an der Kleinbahn zwei Anlagen, den Bahnhof bei Kilometer 22,25 und den Kleinbahnhof bei Kilometer 22,2.
Hakeborn hatte einen Bahnhof bei Kilometer 29,2.
Kroppenstedt hatte einen Bahnhof bei Kilometer 34,7.
Der Haltepunkt Kroppenstedt lag an der 1966 stillgelegten Strecke.

Gut Heynburg, Gröningen und Klostergröningen
Gut Heynburg lag bei Kilometer 38,0.
Gröningen lag bei Kilometer 40,7, hinter Gröningen überquerte die Strecke die Bode.
Klostergröningen lag bei Kilometer 43,5.
Die Anschlussbahn der Zuckerfabrik Gröningen nach Nienhagen war 1879 gebaut worden und wurde ab 1897 Teil der Strecke.
Die Zuckerfabrik blieb zunächst Eigentümerin ihrer Bahnstrecke und verpachtete sie an die Aschersleben-Schneidlingen-Nienhagener Eisenbahn.
Nienhagen
Nienhagen bei Halberstadt war mit Kilometer 46,1 der Endpunkt der Strecke.
Hier bestand der Anschluss an die Hauptbahn Magdeburg–Thale.
Das Ende der Strecke Aschersleben–Nienhagen
Die schrittweise Stilllegung begann mit der Einstellung des Personenverkehrs zwischen Aschersleben und Schneidlingen ab 3. November 1963.
Gleichzeitig endete der Güterverkehr bis Hakelforst.
Von Schneidlingen bis Kroppenstedt endete der Gesamtbetrieb am 23. Mai 1965.
Auf dem verbliebenen Abschnitt bis Nienhagen endete er am 21. Mai 1966.
Der Anschluss bei Hakelforst und die Zuckerfabrik Gröningen wurden noch bis zum 10. Januar 1994 bedient.
Zwischen Cochstedt und Schneidlingen war noch bis zum 1. Januar 1996 Güterverkehr möglich.
Etgersleben–Förderstedt: die Strecke im Tal der Bode
Die Strecke lag größtenteils im Tal der Bode und erschloss die Braunkohlegruben bei Unseburg.
Sie verband Etgersleben an der Strecke Staßfurt–Blumenberg mit Förderstedt an der Strecke Schönebeck–Güsten.
Am 15. November 1891 wurde der Abschnitt zwischen Etgersleben und Unseburg eröffnet, ein Jahr später folgte das Teilstück zwischen Unseburg und Förderstedt.
Am 1. Oktober 1893 wurde der Personenverkehr aufgenommen.
Transportiert wurde vorwiegend Braunkohle aus den Gruben um Unseburg.
Die im Marbeschacht gewonnene Kohle wurde ausschließlich von Güterzügen dieser Strecke abtransportiert und an eine Brikettfabrik geliefert.
Egeln Nord, Wolmirsleben und Unseburg
Egeln Nord, früher Bleckendorf, lag bei Kilometer 2,3.
Wolmirsleben lag bei Kilometer 6,2.
Unseburg lag bei Kilometer 9,5.
Ab Unseburg wurde das Tal der Bode verlassen, und die Strecke erreichte die Grube Marie bei Kilometer 11,7 sowie den Marbeschacht.
Förderstedt
Förderstedt lag bei Kilometer 17,7 an der Strecke Schönebeck–Güsten.
Der Bahnhof besaß einen eigenen Bahnhofsteil separat von den Gleisen der Hauptbahn.
Erst danach mündete das Nebenbahngleis in die Hauptbahn.
Heute ist Förderstedt Haltepunkt der Strecke Schönebeck–Güsten.
Das Ende der Strecke Etgersleben–Förderstedt
Am 5. Februar 1967 wurde der Personenverkehr aufgegeben.
Am 28. Mai 1967 wurde das größte Stück der Strecke östlich von Egeln Nord stillgelegt und später abgebaut.
Es blieb lediglich ein etwa fünf Kilometer langes Teilstück westlich von Förderstedt.
Der Güterverkehr zwischen Etgersleben und Egeln Nord wurde am 22. Mai 1993 eingestellt.
Heute ist die gesamte Strecke stillgelegt, zwischen Egeln Nord und Unseburg ist sie abgebaut.
1872: Der Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft wird eine Konzession für Blumenberg–Staßfurt–Güsten–Sangerhausen erteilt.
1. November 1878: Preußen erteilt die Konzession für die Nebenbahn Staßfurt–Egeln–Blumenberg.
15. Dezember 1879: Erste Züge zwischen Staßfurt und Hecklingen.
15. September 1880: Der Abschnitt Hecklingen–Egeln geht in Betrieb.
10. August 1881: Der Abschnitt Egeln–Blumenberg geht in Betrieb.
15. November 1891: Der Abschnitt Etgersleben–Unseburg wird eröffnet.
20. September 1892: Die Grubenbahn Aschersleben–Königsaue wird eröffnet.
1. Oktober 1893: Auf Etgersleben–Förderstedt beginnt der Personenverkehr.
24. September 1895: Die Aschersleben-Schneidlingen-Nienhagener Kleinbahn-AG wird gegründet.
1. April 1897: Der Betrieb Aschersleben–Nienhagen beginnt.
1. Oktober 1910: Die Abfahrtstelle in Aschersleben wird an die Hecklinger Straße verlegt.
1. Januar 1950: Die Kleinbahn wird in die Deutsche Reichsbahn eingegliedert.
3. November 1963: Der Personenverkehr Aschersleben–Schneidlingen endet.
23. Mai 1965: Der Betrieb Schneidlingen–Kroppenstedt endet.
21. Mai 1966: Der Betrieb bis Nienhagen endet.
5. Februar 1967: Der Personenverkehr Etgersleben–Förderstedt wird aufgegeben.
22. Mai 1993: Der Güterverkehr Etgersleben–Egeln Nord endet.
10. Januar 1994: Der Anschluss bei Hakelforst und die Zuckerfabrik Gröningen werden zuletzt bedient.
1. Januar 1996: Der Güterverkehr zwischen Cochstedt und Schneidlingen endet.
29. Mai 1999: Der Personenverkehr Egeln–Blumenberg endet.
10. Juli 2001: Die Strecke Egeln–Blumenberg wird stillgelegt.
September 2002: Der Reiseverkehr Staßfurt–Egeln endet.
31. Juli 2003: Die Strecke Staßfurt–Egeln wird stillgelegt.
2. April 2016: Der Triebwagen des Vereins Nebenbahn Staßfurt–Egeln kommt erstmals zum Einsatz.
Wann wurde die Strecke Staßfurt–Blumenberg eröffnet?
Fährt auf Staßfurt–Egeln noch etwas?
Wann endete der Personenverkehr auf Egeln–Blumenberg?
Wann wurde die Kleinbahn Aschersleben–Nienhagen eröffnet?
Wann endete der Betrieb bis Nienhagen?
Darf man die Gleise betreten?
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