Stille Strecken in Kärnten: Lavanttalbahn, Jauntalbahn und Görtschitztalbahn
Von der Lavanttalbahn sind die Abschnitte nach Lavamünd und Unterdrauburg verschwunden, die Jauntalbahn wurde 2023 von der Koralmbahn ersetzt. Die Görtschitztalbahn verlor ihren Personenverkehr 1995.


Lage: Lavanttal, Jauntal und Görtschitztal in Kärnten. Status: Abgetragen oder stillgelegt sind unter anderem St. Paul–Lavamünd, Lavamünd–Unterdrauburg und große Teile der Jauntalbahn, auf Teilen der Lavanttalbahn und der Görtschitztalbahn fährt noch Güterverkehr. Heute: Auf der Görtschitztalbahn zwischen Wieting und Mösel verläuft ein Radweg.
Dieser Beitrag erzählt von drei Strecken in Kärnten, die ganz oder teilweise stillgelegt oder abgetragen sind.
Von der Lavanttalbahn sind der Abschnitt von St. Paul nach Lavamünd und die Fortsetzung bis Unterdrauburg verschwunden.
Die Jauntalbahn von Bleiburg nach St. Paul wurde 2023 durch die Koralmbahn ersetzt.
Auf der Görtschitztalbahn endete 1995 der Personenverkehr.
Auf Teilen der Lavanttalbahn und der Görtschitztalbahn fährt weiter Güterverkehr, sie werden hier nur mit ihren stillgelegten Abschnitten beschrieben.
Der Bahnhof Wolfsberg hat einen eigenen Beitrag: Der Bahnhof Wolfsberg.
Lavanttalbahn: von Zeltweg bis Cilli
Die Lavanttalbahn ist eine teilweise abgebaute Eisenbahnstrecke in Österreich und Slowenien.
Historisch gesehen ist sie die gesamte Strecke Zeltweg–Wolfsberg–Unterdrauburg–Windischgraz–Wöllan–Cilli.
Das erste Projekt für eine Lavanttalbahn stammt aus dem Jahr 1868.
1863 war die Südbahn-Nebenstrecke Marburg–Unterdrauburg–Bleiburg–Klagenfurt eröffnet worden.
1876 wurde per Staatsgesetz beschlossen, eine normalspurige Nebenbahn nach Unterdrauburg zu bauen.
Am 1. Juli 1878 begann die Südbahngesellschaft mit dem Bau.
Der erste Zug befuhr am 4. Oktober 1879 die 38,09 Kilometer lange Strecke Unterdrauburg–Wolfsberg.
Am 1. Jänner 1899 übernahmen die k.k. österreichischen Staatsbahnen die Lavanttalbahn.
Die Strecke Zeltweg–Wolfsberg über den Obdacher Sattel wurde nach rund eineinhalb Jahren Bauzeit am 10. Jänner 1900 eröffnet.

So sah es vorher aus: die Strecke nach Cilli
Die Lokalbahn zwischen Cilli und Wöllan diente der Erschließung der Kohlegruben von Wöllan.
Die Konzession wurde am 21. November 1889 ausgestellt, die 37,5 Kilometer lange Strecke wurde am 27. Dezember 1891 eröffnet.
Die 36,3 Kilometer lange Gebirgsstrecke Wöllan–Unterdrauburg ging am 20. Dezember 1899 in Betrieb.
Durch den Friedensvertrag von St. Germain fiel der Bahnknoten Unterdrauburg 1919 an den SHS-Staat, das spätere Jugoslawien.
Der Vertrag legte den Korridorverkehr Lavamünd–Unterdrauburg–Bleiburg ohne Grenzformalitäten fest.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Korridorverkehr erst 1952 wieder.
Er war auch der Grund für den Bau der Jauntalbahn.
Das Ende der Lavanttalbahn südlich von St. Paul
Nach der Eröffnung der Jauntalbahn wurde die Strecke Lavamünd–Unterdrauburg ab dem 30. Mai 1965 stillgelegt und großteils abgetragen.
1970 stellte die jugoslawische Bahn den Betrieb auf der Teilstrecke Ottischnigberg–Wöllan ein und trug die Gleise ab.
Der Abschnitt Ottischnigberg–Oberdollitsch wird heute vom Radwanderweg Štrekna genutzt.
Auf der Strecke St. Paul–Lavamünd wurde 1997 der Personenverkehr eingestellt.
Ab 2004 führte die private Lavamünder Bahn den Güterverkehr und im Sommer bis 2007 einen touristischen Nostalgieverkehr.
2012 wurde der Teil, der zwischen Ettendorf und Lavamünd bereits unbefahrbar war, von den ÖBB zum Verkauf angeboten.
Er ging an ein deutsches Abtragungsunternehmen und wurde im März 2016 abgetragen.

So sieht es jetzt aus: Spuren bei Dravograd und Mislinja
Von der Strecke zwischen Lavamünd und Dravograd sind Reste noch gut begehbar.




Jauntalbahn: von Bleiburg nach St. Paul
Die Jauntalbahn war eine etwa 20 Kilometer lange eingleisige Verbindung von Bleiburg an der alten Kärntner Bahn nach St. Paul an der Lavanttalbahn.
Sie war die erste österreichische Neubaustrecke nach dem Zweiten Weltkrieg.
Der Grund war, dass die ursprüngliche Verbindung nach 1919 über Dravograd in Jugoslawien verlief.
Schon im Mai 1920 hatte die Staatsregierung Renner ein Gesetz zum Bau einer Kärntner Ostbahn von Völkermarkt über Griffen angekündigt, gebaut wurde sie nicht.
Der Baubeginn der Jauntalbahn erfolgte 1959, im Herbst 1959 wurde mit dem Bau der Jauntalbrücke und des Langenbergtunnels begonnen.
Im November 1961 begann der Bau des Johannesbergtunnels.
Am 10. Oktober 1964 wurde die Strecke in Betrieb genommen.
Bundespräsident Adolf Schärf eröffnete sie.
Die 19,070 Kilometer lange Strecke zweigte im Bahnhof St. Paul im Lavanttal von der Lavanttalbahn ab.
Der Johannesbergtunnel ist 480 Meter lang, der Langenbergtunnel 1.443 Meter.
Der einzige Bahnhof der Strecke war Eis-Ruden.
Das Ende der Jauntalbahn 2023
Der Bahnhof Eis-Ruden wurde in der Nacht vom 20. auf den 21. Mai 2020 aufgelassen, weil die Trasse der Koralmbahn die Gleisanlagen berührte.
Am 11. Dezember 2022 wurde der Personenverkehr zwischen Bleiburg, St. Paul im Lavanttal, Wolfsberg und Bad St. Leonhard eingestellt.
Der letzte Dieseltriebwagen verließ den Bahnhof Bleiburg am 2. April 2023.
Am 10. Dezember 2023 wurde der Kärntner Abschnitt der Koralmbahn mit dem neuen Bahnhof St. Paul im Lavanttal eröffnet.
Der südliche Abschnitt der Jauntalbahn ist als Teil der Bleiburger Schleife elektrifiziert und an die Koralmbahn angeschlossen.
Der restliche Teil der Strecke wurde stillgelegt.

Görtschitztalbahn: von Launsdorf nach Hüttenberg
Die Görtschitztalbahn ist eine nicht elektrifizierte normalspurige Bahnstrecke im Bezirk St. Veit an der Glan.
Sie beginnt im Bahnhof Launsdorf-Hochosterwitz der Rudolfsbahn und führte durch Klein St. Paul bis Mösel.
Die Kronprinz Rudolf-Bahn baute sie 1869.
1869 erwarb die Hüttenberger Gewerkschaft die Konzession zur Verlängerung nach Hüttenberg, um Eisenerz vom Hüttenberger Erzberg abzutransportieren.
Ab 1871 wurde auch Personenverkehr eingerichtet.
Als Ende der 1970er Jahre die Voestalpine ihre Werke in Hüttenberg einstellte, nahm die Bedeutung der Bahn ab.
Die Personenbeförderung wurde 1995 endgültig eingestellt.
Die ursprünglich 30 Kilometer lange Strecke wird nur noch auf dem Abschnitt Wietersdorf–Brückl–Launsdorf im Güterverkehr bedient, zum Beispiel für die Wietersdorfer & Peggauer Zementwerke.
Ab Wietersdorf wurde die Gleisanlage zurückgebaut, von Wieting bis Mösel wurden die Gleisanlagen als Radweg adaptiert.
2023 gab es eine Initiative zur Wiedereinführung des Personenverkehrs als Zubringer zur Koralmbahn.





Die Geschichte in Daten
1868: Das erste Projekt für eine Lavanttalbahn entsteht.
1869: Die Kronprinz Rudolf-Bahn baut die Görtschitztalbahn, im September erwirbt die Hüttenberger Gewerkschaft die Konzession für die Verlängerung nach Hüttenberg.
1871: Auf der Görtschitztalbahn beginnt der Personenverkehr.
1879: Am 4. Oktober fährt der erste Zug von Unterdrauburg nach Wolfsberg.
1891: Am 27. Dezember wird die Strecke Cilli–Wöllan eröffnet.
1899: Am 20. Dezember geht die Strecke Wöllan–Unterdrauburg in Betrieb.
1900: Am 10. Jänner wird die Strecke Zeltweg–Wolfsberg eröffnet.
1919: Unterdrauburg fällt durch den Friedensvertrag von St. Germain an den SHS-Staat.
1964: Am 10. Oktober geht die Jauntalbahn in Betrieb.
1965: Ab dem 30. Mai wird die Strecke Lavamünd–Unterdrauburg stillgelegt.
1970: Der Betrieb zwischen Ottischnigberg und Wöllan wird eingestellt.
1995: Der Personenverkehr der Görtschitztalbahn wird eingestellt.
1997: Der Personenverkehr St. Paul–Lavamünd wird eingestellt.
2016: Im März wird die Lavamünder Bahn abgetragen.
2020: In der Nacht vom 20. auf den 21. Mai wird der Bahnhof Eis-Ruden aufgelassen.
2023: Am 10. Dezember wird der Kärntner Abschnitt der Koralmbahn eröffnet, der restliche Teil der Jauntalbahn wird stillgelegt.
Häufige Fragen
Wann fuhr der erste Zug im Lavanttal?
Was geschah mit der Strecke Lavamünd–Unterdrauburg?
Wann wurde die Lavamünder Bahn abgetragen?
Warum wurde die Jauntalbahn gebaut?
Wann wurde die Jauntalbahn ersetzt?
Fährt auf der Görtschitztalbahn noch ein Zug?
Von allen drei Strecken sind nur Teile stillgelegt, die übrigen Abschnitte dienen weiter dem Güterverkehr oder der Koralmbahn.
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