Zwei Stichbahnen ins Fichtelgebirge: Schlömen–Bischofsgrün und Neusorg–Fichtelberg

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Zwei Stichbahnen ins Fichtelgebirge: Schlömen–Bischofsgrün und Neusorg–Fichtelberg

Die Strecke nach Bischofsgrün stieg mit bis zu 33 Promille ins Fichtelgebirge, die Strecke nach Fichtelberg endete am höchstgelegenen Endbahnhof aller dortigen Nebenbahnen. Beide sind stillgelegt.

Der Bahnhof Bischofsgrün, Scan eines Dias von 1987.
Der Bahnhof Bischofsgrün, Scan eines Dias von 1987. Foto: Roehrensee, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1890
Neusorg–Fichtelberg eröffnet
1898
Bischofsgrün erreicht
1974
Personenverkehr nach Bischofsgrün endet
1984
Neusorg–Fichtelberg stillgelegt

Lage: Fichtelgebirge, Landkreis Bayreuth und Landkreis Tirschenreuth. Status: beide Strecken stillgelegt, Gleise abgebaut. Heute: Radwege auf Teilen der Trassen, Bahnhofsgebäude Bischofsgrün erhalten.

Dieser Beitrag beschreibt zwei Nebenbahnen, die ins Fichtelgebirge führten.

Die Bahnstrecke Schlömen–Bischofsgrün war eine der sieben Bahnstrecken, die früher das Fichtelgebirge erschlossen.

Die Bahnstrecke Neusorg–Fichtelberg war die südlichste Stichbahn ins Fichtelgebirge.

Fotos von der Strecke nach Fichtelberg sind auf Wikimedia Commons nicht vorhanden, deshalb zeigen die Bilder nur die Strecke nach Bischofsgrün.

Schlömen–Bischofsgrün: Wie die Bahn entstand

Die Strecke zweigte bei Schlömen, etwa drei Kilometer südlich des Bahnhofs Neuenmarkt-Wirsberg, von der Bahnstrecke Bayreuth–Neuenmarkt-Wirsberg nach Südosten ab.

Dafür wurde am Ortsrand von Schlömen eine Blockstelle mit einem Stellwerk errichtet.

Die Strecke folgte grob dem Verlauf des Weißen Mains.

Sie wurde in drei Abschnitten gebaut.

Am 28. November 1896 erreichte die Eisenbahn das Kurstädtchen und ehemalige Bezirksamt Berneck, im Jahr darauf Goldmühl und am 20. Oktober 1898 schließlich den Bahnhof Bischofsgrün.

Dort wurde ein Lokbahnhof zur Unterhaltung und Wartung der Dampflokomotiven eingerichtet.

Das Stellwerk Schlömen, links die Zweigbahn nach Bischofsgrün, Aufnahme von 2012.
Das Stellwerk Schlömen, links die Zweigbahn nach Bischofsgrün, Aufnahme von 2012. Foto: Roehrensee, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sah es vorher aus: Steile Strecke mit Dampf und Schienenbus

Von Bad Berneck bis Bischofsgrün verlief die Strecke mit starker Steigung parallel zum Fluss.

Die Höhendifferenz zwischen Himmelkron und Bischofsgrün betrug 266 Meter.

Der Anstieg ab Röhrenhof übertraf mit 33 Promille den der Schiefen Ebene bei weitem.

Aus der Dampflokzeit ist der Einsatz der Baureihe GtL 4/4, später 98.8, dokumentiert, die auf der steilen Strecke auch Personenzüge zog.

Die Verdieselung erfolgte mit Schienenbussen des Typs VT 95 im Personenverkehr und mit Lokomotiven der Baureihe V 60 im Güterverkehr.

Kurz vor der Stilllegung kamen auch Triebzüge der Baureihe 614 auf die Strecke.

Güteranschlussgleise gab es zu einem Betrieb in Goldmühl und für Schottertransporte zu einem Hartsteinwerk in Röhrenhof.

Himmelkron

Bei Himmelkron liegt die aufgelassene Bahntrasse beim ehemaligen Bahnhof.

Die Höhendifferenz von Himmelkron bis Bischofsgrün von 266 Metern wurde auf der Strecke überwunden.

Die aufgelassene Bahntrasse in Himmelkron beim ehemaligen Bahnhof, Aufnahme von 2013.
Die aufgelassene Bahntrasse in Himmelkron beim ehemaligen Bahnhof, Aufnahme von 2013. Foto: Roehrensee, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die ehemalige Bahnstrecke nach Bischofsgrün bei Himmelkron, Aufnahme von 2024.
Die ehemalige Bahnstrecke nach Bischofsgrün bei Himmelkron, Aufnahme von 2024. Foto: Dagoheri, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Eine Brücke der ehemaligen Bahnstrecke bei Himmelkron, Aufnahme von 2024.
Eine Brücke der ehemaligen Bahnstrecke bei Himmelkron, Aufnahme von 2024. Foto: Dagoheri, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Bad Berneck

Bad Berneck war 1896 der erste Endpunkt des Streckenbaus.

Der Bahnhof Bad Berneck wurde abgerissen, auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände verläuft heute die neue B 303.

Östlich von Bad Berneck wird die Trasse als Fahrradweg genutzt.

Der Bahnhof Bad Berneck, Scan eines Dias von 1987.
Der Bahnhof Bad Berneck, Scan eines Dias von 1987. Foto: Roehrensee, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Goldmühl und Röhrenhof

Goldmühl wurde 1897 erreicht und hatte ein Güteranschlussgleis zu einem Betrieb.

In Röhrenhof zweigte ein Anschlussgleis zu einem Hartsteinwerk ab, auf dem Schotter transportiert wurde.

Die Teilstrecke Goldmühl–Anschluss Hartsteinwerk Röhrenhof wurde nach 1986 als Anschlussgleis geführt.

Bischofsgrün

Der Endbahnhof Bischofsgrün lag im Gemeindeteil Glasermühle, über einen Kilometer außerhalb und gut 50 Höhenmeter unterhalb des Hauptorts.

Dort befand sich der Lokbahnhof zur Wartung der Dampflokomotiven.

Die Gebäude des Bahnhofs Bischofsgrün sind erhalten.

Der Bahnhof Bischofsgrün, Scan eines Dias von 1987.
Der Bahnhof Bischofsgrün, Scan eines Dias von 1987. Foto: Roehrensee, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Der Güterschuppen am Bahnhof Bischofsgrün, Scan eines Dias von 1987.
Der Güterschuppen am Bahnhof Bischofsgrün, Scan eines Dias von 1987. Foto: Roehrensee, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Niedergang und Ende der Strecke nach Bischofsgrün

Der Personenverkehr auf der gesamten Strecke wurde am 26. Mai 1974 eingestellt.

Am 28. September 1985 fuhr mit einem zwölf Waggons umfassenden Sonderzug der vermutlich längste Personenzug der Streckengeschichte von Goldmühl über Neuenmarkt nach Heidelberg und zurück.

Am 9. März 1986 wurde die Strecke von der V 36 235 der Dampfbahn Fränkische Schweiz mit zwei historischen Reisezugwagen befahren.

Den letzten Güterzug nach Bischofsgrün zog am 30. Mai 1986 ausnahmsweise eine Lok der Baureihe V 100, die 211 294.

Der Güterverkehr zwischen Röhrenhof und Bischofsgrün endete am 31. Mai 1986.

Am 22. Juli 1992 wurde nach einem Dammrutsch zwischen Lanzendorf und Bad Berneck der Güterverkehr östlich von Lanzendorf eingestellt.

Die Wagen auf dem gesperrten Streckenstück waren dort ein halbes Jahr eingeschlossen und wurden am 5. Januar 1993 abgeholt.

Die Stilllegung dieses Abschnitts erfolgte zum 31. Dezember 1993.

Der Abschnitt von Schlömen nach Lanzendorf wurde am 30. Juni 2006 stillgelegt.

Die Bahntrasse wurde komplett demontiert und beim Neubau der A 9 nicht freigehalten.

Die Bahnbrücke bei Schlömen, Aufnahme von 2012.
Die Bahnbrücke bei Schlömen, Aufnahme von 2012. Foto: Roehrensee, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Neusorg–Fichtelberg: Wie die Bahn entstand

Die normalspurige, eingleisige Lokalbahn wurde am 20. Dezember 1890 von der Bayerischen Staatsbahn eröffnet.

Sie verband die Gemeinde Fichtelberg im oberfränkischen Landkreis Bayreuth mit dem Bahnhof Neusorg im oberpfälzischen Landkreis Tirschenreuth an der Hauptbahn Nürnberg–Cheb.

Die Strecke war 14,73 Kilometer lang und führte in nordwestlicher Richtung im Tal der Fichtelnaab aufwärts durch ausgedehnte Wälder.

Sie verließ Neusorg auf 556 Metern Höhe und führte zunächst in den Talgrund des Flusses.

Neusorg, Ebnath und Brand

Über Ebnath, das sogar zwei Stationen besaß, und Brand erreichte die Strecke ihren Endpunkt.

In den Bahnhöfen Ebnath, Brand und Unterlind genügten einfache Bauten in Holzbauweise.

Die Betriebsstellen Brand und Mehlmeisel lagen weit abseits der Siedlungsschwerpunkte.

Von den ehemaligen Bahnhofsgebäuden stehen nur noch die in Neusorg und Fichtelberg.

Unterlind und Mehlmeisel

Unterlind hatte wie Ebnath und Brand ein einfaches Bahnhofsgebäude in Holzbauweise.

Das Gebäude in Unterlind wurde 2015 abgerissen.

Mehlmeisel war eine Betriebsstelle abseits der Siedlungsschwerpunkte.

Fichtelberg

Fichtelberg ist ein Luftkurort, in dem jahrhundertelang auch Bergbau betrieben wurde.

Der Bahnhof lag auf 650,7 Metern Höhe und war der höchstgelegene Endbahnhof aller Nebenbahnen im Fichtelgebirge.

In Fichtelberg wurde ein massives Steingebäude errichtet, das noch steht.

Betrieb und Ende der Strecke nach Fichtelberg

Der Personenverkehr litt darunter, dass die Einwohner der Gemeinden an der oberen Fichtelnaab zu verschiedenen zentralen Orten orientiert waren, die sich mit der Bahn nur auf großen Umwegen erreichen ließen.

An Werktagen fuhren in den ersten Jahrzehnten meist drei Zugpaare, 1939 vier und 1970 sogar acht.

Sonntags steigerte sich die Zugzahl im Laufe der Jahre von drei auf sechs.

Ab 1975 beschränkte sich das Angebot auf einen Zug, der montags bis freitags früh von Fichtelberg nach Kirchenlaibach fuhr und abends von Schirnding zurückkehrte, das Übrige erledigte ein Bahnbus.

Am 30. Mai 1976 wurde der Personenverkehr auf der Schiene eingestellt.

Am 29. September 1984 endete der Güterverkehr zwischen der Anschlussstelle Schiettinger und Fichtelberg.

Ein Anschlussgleis hinter Brand zur ehemaligen Papierfabrik Goetz wurde noch bis zum Jahresende bedient, am 31. Dezember 1984 wurde die Strecke stillgelegt.

So sieht es jetzt aus

Die Strecke nach Bischofsgrün ist weitgehend abgebaut.

Östlich von Bad Berneck wird die Trasse als Fahrradweg genutzt.

Die ehemalige Bahnlinie nach Fichtelberg wurde zu einem Radweg ausgebaut, der ab der Regierungsbezirksgrenze zur Oberpfalz komplett asphaltiert ist.

Vorher und nachher: Bad Berneck

Im Jahr 1896 erreichte die Bahn Bad Berneck als erste Station auf dem Weg nach Bischofsgrün.

Heute ist der Bahnhof abgerissen, und auf dem Gelände verläuft die B 303.

Die Geschichte in Daten

20. Dezember 1890: Die Bahnstrecke Neusorg–Fichtelberg wird eröffnet.

28. November 1896: Die Bahn erreicht Bad Berneck.

1897: Goldmühl wird erreicht.

20. Oktober 1898: Der Bahnhof Bischofsgrün wird erreicht.

26. Mai 1974: Der Personenverkehr nach Bischofsgrün endet.

30. Mai 1976: Der Personenverkehr nach Fichtelberg endet.

29. September 1984: Der Güterverkehr nach Fichtelberg endet.

31. Dezember 1984: Die Strecke Neusorg–Fichtelberg wird stillgelegt.

31. Mai 1986: Der Güterverkehr nach Bischofsgrün endet.

22. Juli 1992: Nach einem Dammrutsch endet der Güterverkehr östlich von Lanzendorf.

31. Dezember 1993: Der Abschnitt östlich von Lanzendorf wird stillgelegt.

30. Juni 2006: Der Abschnitt Schlömen–Lanzendorf wird stillgelegt.

Häufige Fragen

Wie steil war die Strecke nach Bischofsgrün?
Der Anstieg ab Röhrenhof betrug 33 Promille, mehr als bei der Schiefen Ebene.
Wo lag der Bahnhof Bischofsgrün?
Er lag im Gemeindeteil Glasermühle, über einen Kilometer außerhalb und gut 50 Höhenmeter unterhalb des Hauptorts.
Wie lang war die Strecke nach Fichtelberg?
Die Strecke war 14,73 Kilometer lang.
Stehen die Bahnhofsgebäude noch?
In Bischofsgrün sind die Gebäude erhalten, an der Strecke nach Fichtelberg stehen nur noch die Gebäude in Neusorg und Fichtelberg.
Gibt es Radwege?
Die Trasse nach Fichtelberg ist ein Radweg, und östlich von Bad Berneck wird die Trasse nach Bischofsgrün als Fahrradweg genutzt.

Von beiden Strecken bleiben Radwege und einzelne Bahnhofsgebäude.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Schlömen–Bischofsgrün · Wikipedia: Bahnstrecke Neusorg–Fichtelberg · Wikimedia Commons: Bahnstrecke Schlömen–Bischofsgrün

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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