Quäke, Wasserleben–Börßum und Langenstein–Minsleben: drei stillgelegte Strecken am Nordharzrand
Am Rand des Nordharzes und im Harzvorland verbanden drei Nebenbahnen Blankenburg, Thale und Quedlinburg, Wasserleben und Börßum sowie Langenstein und Minsleben. Dieser Beitrag geht ihre Halte der Reihe nach durch.


Lage: Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt, Hornburg und Börßum in Niedersachsen. Status: Alle drei Strecken sind stillgelegt. Heute: Gleise und Bahngelände sind keine Wege und dürfen nicht betreten werden.
Drei stillgelegte Nebenbahnen führten am Rand des Nordharzes und im Harzvorland durch Sachsen-Anhalt.
Die Strecke Blankenburg–Thale–Quedlinburg, die Quäke, verband die drei Städte Blankenburg (Harz), Thale und Quedlinburg.
Die Strecke Wasserleben–Börßum führte von der Strecke Halle–Vienenburg nach Niedersachsen.
Die Strecke Langenstein–Minsleben war rund 12 Kilometer lang und führte über Derenburg.
Zu den Bahnhöfen Blankenburg, Thale und Quedlinburg gibt es eigene Beiträge: Der Bahnhof Blankenburg, Der Bahnhof Thale im Harz und Der Bahnhof Quedlinburg.
Die Quäke: wie die Strecke entstand
Die Strecke trägt ihren Namen Quäke nach dem quäkenden akustischen Warnsignal der Züge.
Sie wurde von der Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn errichtet.
Nachdem die ersten Pläne 1901 vorlagen, gab es 1905 Baurecht.
1906 wurde das Aktienkapital der Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn zur Finanzierung erhöht.
Am 30. Juni 1907 wurde der Abschnitt Blankenburg–Thale eröffnet.
Der Streckenschluss nach Quedlinburg folgte im darauffolgenden Jahr, die Eröffnung fand am 5. April 1908 statt.
So sah es vorher aus: der Betrieb der Quäke
1929 fuhren je Richtung sechs Personenzüge zwischen Blankenburg und Thale, von Thale nach Quedlinburg gab es vier Zugpaare.
Einige Züge befuhren die gesamte Strecke und mussten daher in Thale Bodetal die Fahrtrichtung wechseln.
1968 verkehrten auf beiden Streckenteilen täglich jeweils sechs Zugpaare, drei davon durchgehend.
Die Quäke besaß zu anderen Bahnstrecken nur zwei Verbindungen, eine vor dem Bahnhof Quedlinburg zur Staatsbahn und eine im Endbahnhof Blankenburg zu anderen Strecken der Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn.
Von 1963 bis 1965 war die Quäke Umleitungsstrecke für die gesperrte Verbindung Halberstadt–Blankenburg.
Die übermäßige Beanspruchung des Gleisbetts durch Güterzüge und fehlende Instandhaltung führten dazu, dass der Güterverkehr zwischen Thale Nord und Weddersleben am 26. Mai 1968 aufgegeben wurde.
Blankenburg und Helsungen
Die Quäke begann im Kleinbahnhof Blankenburg (Harz) bei Kilometer 0,0.
Ab Blankenburg gab es zunächst einen gemeinsamen Streckenverlauf mit der Halberstädter Strecke.
Am nördlichen Stadtrand zweigte die Strecke in einem Rechtsbogen ab, dort, wo heute die Alte Halberstädter Straße mit der B 6n kreuzt.
Der Haltepunkt Helsungen lag bei Kilometer 4,6.
Timmenrode
Östlich von Timmenrode lag bei Kilometer 7,2 der gleichnamige Haltepunkt.
Hier lag zugleich die höchste Stelle im Streckenverlauf mit 191 Metern über NN.
Die Eisenbahnlinie von Blankenburg nach Quedlinburg führte von 1907 an durch den Ort.
Zwischen Blankenburg und Timmenrode war 2022 das Streckengleis noch auf etwa acht Kilometern Länge vorhanden, jedoch nicht mehr in Blankenburg angebunden.
Thale Nord, Thale Roßtrappe und Thale Bodetal
Im Bereich des heutigen Gewerbegebiets Thale Nord zweigte die Strecke in Richtung Thale Bodetal ab.
Es gab auch eine direkte Möglichkeit der Fahrt in Richtung Quedlinburg über ein Gleisdreieck.
In der Kilometrierung der Zweigstrecke lag Thale Nord bei Kilometer 0,3, Thale Roßtrappe bei Kilometer 1,4 und Thale Bodetal bei Kilometer 2,4.
Thale Roßtrappe war der größte Güterbahnhof der Strecke.
Vom Bahnhof Thale Roßtrappe zweigte ein Anschlussgleis über die Bode ins Eisenhüttenwerk ab, die Bodebrücke dieser Anschlussbahn ist noch vorhanden.
Thale Bodetal lag nur wenige hundert Meter vom Hauptbahnhof entfernt.
Eine direkte Gleisverbindung zwischen beiden Bahnhöfen gab es nicht, allerdings führten von beiden Strecken Anschlussgleise ins Eisenhüttenwerk.
Das Empfangsgebäude von Thale Bodetal ist noch vorhanden und gehört einer örtlich ansässigen Firma.
Ab 2016 wurden auf dem Gelände des Bahnhofs Ferienhäuser errichtet, das ehemalige Empfangsgebäude wurde als Rezeption und Einkaufsladen integriert.


Warnstedt
Der Bahnhof Warnstedt lag bei Kilometer 10,2.
Die Strecke führte südlich an Warnstedt vorbei.
Das ehemalige Empfangsgebäude und die Straße Am Bahnhof zeugen noch heute davon.
Weddersleben und Maaßmühle
Weddersleben hatte einen Bahnhof bei Kilometer 12,5.
Von 1908 bis 1969 hatte der Ort mit der Strecke einen Bahnanschluss nach Quedlinburg, Thale und Blankenburg.
Am nördlichen Ortsrand gibt es noch eine Bahnhofstraße und das restaurierte Empfangsgebäude.
1974 wurde das alte Bahnhofsgebäude stillgelegt, ein Jahr später war das Gleis in Richtung Thale abgebaut.
Die Haltestelle Maaßmühle lag bei Kilometer 14,32.


Dippenword und Quedlinburg
Die Strecke führte an der Bode entlang und wechselte die Flussseite kurz vor dem Haltepunkt Dippenword bei Kilometer 15,6.
Kurze Zeit später verliefen die Gleise der Staatsbahn neben denen der Quäke.
Quedlinburg West lag bei Kilometer 16,7.
Am Gleis 1 West in Quedlinburg bei Kilometer 17,9 endete die Strecke.
Das Ende der Quäke
Der Personenverkehr auf dem Abschnitt Thale–Quedlinburg wurde am 1. Juni 1969 eingestellt, der Abschnitt wurde stillgelegt.
Güterverkehr zwischen Weddersleben und Quedlinburg gab es bis zum 31. Dezember 1973, danach wurde noch ein Anschlussgleis zu einer Ziegelei bei Quedlinburg bedient.
Am 20. März 1973 wurde der Personenverkehr auf dem zweiten Streckenteil Blankenburg–Thale eingestellt.
Der Güterverkehr blieb weiterhin bedeutsam und stieg weiter an, als in Thale in den 1980er Jahren ein Braunkohlekraftwerk errichtet wurde.
Am 29. Januar 1993 erfolgte das endgültige Betriebsende.
Am 10. April 1994 gab es noch einige Sonderfahrten von Blankenburg nach Thale im Pendelbetrieb mit dem Preußenzug, mit dem Ziel, die Strecke als Touristenattraktion zu erhalten.
Diese Versuche konnten jedoch nicht dauerhaft realisiert werden.
Der Streckenteil in Quedlinburg wurde noch bis 1993 durch die Industrie genutzt.
Der Abschnitt Thale–Weddersleben wurde bereits 1975 abgebaut, die Strecke Timmenrode–Thale 1994 kurz nach der Stilllegung.
Auf dem alten Bahndamm sollte ein direkter Zubringer für den Pkw-Verkehr zum Bodetal entstehen, was an der Finanzierung scheiterte.
In den Jahren 2003 bis 2005 verschwanden die letzten Gleisreste im Bereich Quedlinburg.
Wasserleben–Börßum: wie die Strecke entstand
Die Strecke wurde durch die von Herrmann Bachstein begründete Osterwieck-Wasserlebener Eisenbahn-Gesellschaft erbaut.
Sie zweigte in Wasserleben von der Strecke Halle–Vienenburg ab und führte nach Nordwesten bis Börßum, wo sie in die Strecke Braunschweig–Bad Harzburg einmündete.
Die Stammstrecke eröffnete am 19. Mai 1882 die Stadt Osterwieck, sie verband die Stadt mit dem fünf Kilometer entfernten Bahnhof Wasserleben.
Die Bachstein-Verwaltung führte dort von Anfang an den Betrieb.
Am 6. Mai 1905 erwarb die Gesellschaft die am 1. Juni 1895 eröffnete Kleinbahn der Stadt Hornburg, die den Ort an den vier Kilometer entfernten Bahnknoten Börßum angeschlossen hatte.
Das fehlende Zwischenstück im Tal der Ilse von Osterwieck über Hoppenstedt nach Hornburg wurde am 2. November 1908 vollendet.
Damit war eine 21 Kilometer lange Querverbindung fertiggestellt, die vor allem im Güterverkehr sehr lukrativ war.
So sah es vorher aus: die Teilung
Die Stadt Hornburg wurde mit Wirkung vom 1. August 1941 dem Landkreis Wolfenbüttel im Land Braunschweig zugeteilt und fiel daher nach dem Zweiten Weltkrieg an die britische Zone.
Der Kreis Halberstadt gehörte zur sowjetischen Besatzungszone.
Die Bahn wurde in einer Länge von fast 15 Kilometern 1946 unter Sequester der Provinz Sachsen gestellt und 1949 der Deutschen Reichsbahn übergeben.
Die Reichsbahn beendete am 20. November 1961 den Personenverkehr zwischen Bühne-Rimbeck und Hoppenstedt.
Ab dem 22. Mai 1971 gab es keinen Personenverkehr mehr westlich von Osterwieck, ab dem 2. Januar 1984 wurde Osterwieck West wieder bedient.

Wasserleben
Wasserleben ist der Ausgangspunkt der Strecke bei Kilometer 0,0.
Bei Kilometer 2,7 lag die Ladestelle Schauen.


Osterwieck
Der Bahnhof Osterwieck (Harz) lag bei Kilometer 5,2.
Osterwieck West lag bei Kilometer 6,5, Osterwieck Werke bei Kilometer 7,7.
Der Güterverkehr zwischen Osterwieck und Hoppenstedt endete am 30. Mai 1976.
Bis zum 28. September 2002 fand zwischen Heudeber-Danstedt und Osterwieck West Personenverkehr statt.
Zuletzt fuhren pro Tag acht Zugpaare, der Fahrplan war kreuzungsfrei.
Stötterlingen, Hoppenstedt und Bühne-Rimbeck
Stötterlingen lag bei Kilometer 9,3.
Hoppenstedt lag bei Kilometer 10,7.
Von 1908 bis 1971 war Hoppenstedt Haltepunkt für den Personenverkehr, wegen der deutschen Teilung seit 1961 als Endhaltestelle.
Der Bahnhof Bühne-Rimbeck lag bei Kilometer 12,4.
Hinter Bühne-Rimbeck verlief die Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Niedersachsen.
Hornburg und Börßum
Der Bahnhof Hornburg lag bei Kilometer 16,9.
Das sieben Kilometer lange westliche Teilstück betrieb weiterhin die Centralverwaltung für Secundairbahnen H. Bachstein, die es ab 1973 mit einigen Omnibuslinien in ihrem Verkehrsbetrieb Hornburg GmbH zusammenfasste.
Für den Güterverkehr, vor allem zur Zuckerfabrik Hornburg, die 1965 geschlossen wurde, waren zwei Henschel-Dieselloks vorhanden.
Im Personenverkehr wurden zwei MAN-Schienenbusse eingesetzt, die die Centralverwaltung 1955 und 1958 fabrikneu erworben hatte.
Hier endete der Schienenverkehr am 27. Mai 1978.
In Börßum bei Kilometer 21,3 mündete die Strecke in die Strecke Braunschweig–Bad Harzburg.
Zur Strecke Helmstedt–Börßum gibt es einen eigenen Beitrag: Helmstedt–Börßum.
Das Ende der Strecke Wasserleben–Börßum
Der Güterverkehr auf dem übrigen Teil endete am 31. Dezember 1994.
Bis 1991 verkehrten auch Güterzüge mit Personenbeförderung.
Seit dem Ende des Personenverkehrs zwischen Heudeber-Danstedt und Osterwieck West ist die gesamte Strecke stillgelegt.
Langenstein–Minsleben: wie die Strecke entstand
Die Strecke Langenstein–Derenburg wurde am 9. September 1880 durch die Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn eröffnet.
Mit der kurzen Stichbahn sollte die örtliche Zuckerfabrik in Derenburg angeschlossen werden.
Die Verlängerung bis Minsleben wurde am 31. Oktober 1900 eröffnet.
Sie schuf die Anbindung an die dortige Zuckerfabrik und an die Staatsbahnstrecke Heudeber-Danstedt–Bad Harzburg.
Die Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn versprach sich einen großen Verkehrszuwachs auf der Verbindung Blankenburg–Wernigerode ohne den Umweg über Halberstadt.
Das Betriebsergebnis blieb allerdings stark unter den Erwartungen.
So sah es vorher aus: der Betrieb bis 1968
Bereits 1919 wurde der Personenverkehr auf dem Abschnitt Derenburg–Minsleben eingestellt.
Im Güterverkehr wurde nur noch die Strecke bis zur Minslebener Zuckerfabrik bedient, der Anschluss zur Staatsbahn entfiel.
Am 1. Mai 1922 wurde der Güterverkehr zwischen Derenburg und der Minslebener Zuckerfabrik eingestellt.
Der verbliebene Streckenabschnitt kam 1946 zu den Sächsischen Provinzialbahnen und 1949 zur Deutschen Reichsbahn.
Im Sommerfahrplan 1965 verkehrten je nach Wochentag sieben bis zehn Reisezugpaare als Triebwagen mit 18 Minuten Fahrzeit.
In den 1960er Jahren war dafür der Triebwagen VT 135 543 vorhanden, der täglich etwa 127 Kilometer zurückzulegen hatte.
Am 15. November 1968 wurde der Verkehr eingestellt und die Strecke anschließend abgebaut.
Langenstein, Böhnshausen und Derenburg
Langenstein war der Ausgangspunkt der Strecke bei Kilometer 0,0.
Böhnshausen hatte einen Haltepunkt bei Kilometer 2,0.
Derenburg wurde 1880 mit Langenstein an die Eisenbahn angeschlossen.
Der Bahnhof Derenburg lag bei Kilometer 5,5.
Bis zur Einstellung des Personenverkehrs 1968 war Derenburg über die Strecke an das Eisenbahnnetz angeschlossen.
Silstedt und Minsleben
Silstedt hatte einen Bahnhof bei Kilometer 9,7.
Minsleben hatte einen Bahnhof bei Kilometer 10,8.
Minsleben Reichsbahn lag bei Kilometer 12,3 an der Strecke Heudeber-Danstedt–Bad Harzburg.
Der Haltepunkt Minsleben an dieser Strecke wird seit Oktober 2006 nicht mehr bedient.
1880: Am 9. September wird die Strecke Langenstein–Derenburg eröffnet.
19. Mai 1882: Die Stammstrecke Osterwieck–Wasserleben wird eröffnet.
1. Juni 1895: Die Kleinbahn der Stadt Hornburg nach Börßum wird eröffnet.
31. Oktober 1900: Die Verlängerung Derenburg–Minsleben wird eröffnet.
6. Mai 1905: Die Osterwieck-Wasserlebener Eisenbahn erwirbt die Kleinbahn Hornburg.
30. Juni 1907: Der Abschnitt Blankenburg–Thale der Quäke wird eröffnet.
5. April 1908: Die Quäke wird bis Quedlinburg eröffnet.
2. November 1908: Das Zwischenstück Osterwieck–Hornburg wird vollendet.
1919: Der Personenverkehr Derenburg–Minsleben wird eingestellt.
1. Mai 1922: Der Güterverkehr Derenburg–Minsleben endet.
1. August 1941: Hornburg wird dem Landkreis Wolfenbüttel zugeteilt.
20. November 1961: Der Personenverkehr Bühne-Rimbeck–Hoppenstedt endet.
26. Mai 1968: Der Güterverkehr Thale Nord–Weddersleben endet.
15. November 1968: Der Verkehr Langenstein–Minsleben wird eingestellt.
1. Juni 1969: Der Personenverkehr Thale–Quedlinburg endet.
22. Mai 1971: Westlich von Osterwieck endet der Personenverkehr.
20. März 1973: Der Personenverkehr Blankenburg–Thale endet.
31. Dezember 1973: Der Güterverkehr Weddersleben–Quedlinburg endet.
27. Mai 1978: Der Schienenverkehr auf dem westlichen Teilstück bei Hornburg endet.
29. Januar 1993: Die Quäke wird endgültig stillgelegt.
31. Dezember 1994: Der Güterverkehr Wasserleben–Börßum endet.
28. September 2002: Der Personenverkehr Heudeber-Danstedt–Osterwieck West endet.
Woher hat die Quäke ihren Namen?
Wann wurde die Quäke eröffnet?
Wann endete der Betrieb der Quäke?
Wann endete der Personenverkehr auf Wasserleben–Börßum?
Wann wurde der Verkehr Langenstein–Minsleben eingestellt?
Darf man die Gleise betreten?
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