Die Mecklenburgische Südbahn: Stille Halte zwischen Parchim und Neubrandenburg
Die Südbahn verband ab 1885 Parchim mit Neubrandenburg. Zwischen Parchim und Malchow fahren seit Dezember 2014 Busse, ein Teil der Strecke ist abgebaut, und viele Halte sind verlassen oder Wohnhäuser geworden.

Lage: Mecklenburg-Vorpommern, Landkreise Ludwigslust-Parchim und Mecklenburgische Seenplatte. Status: Regelmäßiger Personenverkehr zwischen Parchim und Malchow seit Dezember 2014 eingestellt, saisonaler Ausflugsverkehr, Abschnitt Möllenhagen-Neubrandenburg abgebaut. Heute: Viele Empfangsgebäude stehen unter Denkmalschutz, einige sind privat genutzt oder abgerissen.
Die Mecklenburgische Südbahn führte von Parchim über Lübz, Karow, Malchow und Waren nach Neubrandenburg und war 117 Kilometer lang.
Zwischen Parchim und Malchow fahren seit Dezember 2014 Busse, zwischen Möllenhagen und Neubrandenburg ist die Strecke abgebaut.
Auf Teilen gibt es heute Ausflugsverkehr, deshalb sind Lübz, Karow, Malchow und Alt Schwerin keine toten Halte, sondern Halte mit Saisonbetrieb.
Dieser Beitrag geht die Halte der Reihe nach durch, von Rom bis Wulkenzin.
Zu den Halten Gallin und Passow sowie zu Plau am See liegt kein belegter Stand vor, sie fehlen hier.
Freie historische Fotos aus der Betriebszeit stehen nicht zur Verfügung, die Bilder zeigen den Zustand der letzten Jahre.
Wer den aktuellen Streit um die Südbahn verfolgen will, findet ihn in einem eigenen Beitrag zur Frage, ob die Südbahn wieder fahren sollte.
Der große Bahnhof der Kreisstadt hat ebenfalls einen eigenen Beitrag zum Bahnhof Parchim.
Wie die Südbahn entstand

Um die Strecke Ludwigslust-Parchim nach Osten bis zur Friedrich-Franz-Eisenbahn in Neubrandenburg zu verlängern, gründete sich 1883 in Parchim die Aktiengesellschaft Mecklenburgische Südbahn-Gesellschaft.
Anteilseigner waren die Städte Parchim, Lübz, Waren, Penzlin und Neubrandenburg sowie zwei Hamburger Unternehmen.
Die Konzession von Mecklenburg-Schwerin erging am 20. Juli 1883, die von Mecklenburg-Strelitz am 2. August 1883.
Der Güterverkehr begann am 20. Januar 1885, eine Woche später folgte am 28. Januar 1885 der Personenverkehr.
Der Verkehr hatte überwiegend lokalen Charakter, bis 1888 wies die Bilanz der Gesellschaft ein negatives Ergebnis aus.
Zum 1. April 1894 erwarb die mecklenburgische Regierung die Südbahn und gliederte sie in die Friedrich-Franz-Eisenbahn ein.
Die Strecke verlief nach der Überschreitung der Elde über Lübz und Karow nördlich der großen Seen nach Waren, nutzte dann fast sieben Kilometer der Lloydbahn bis Kargow und zweigte nach Osten über Penzlin nach Neubrandenburg ab.
Rom
Rom liegt sieben Kilometer östlich von Parchim.
Der Haltepunkt Rom ist inzwischen geschlossen, bis 1994 war er noch ein Bahnhof.
Der letzte fahrplanmäßige Zug hielt hier 1996.
Das Empfangsgebäude steht unter Denkmalschutz.

Zarchlin
In Zarchlin wurde der Bahnhof 1991 in eine Haltestelle umgewandelt.
Drei Jahre später wurden sämtliche Gleisanlagen mit Ausnahme des Streckengleises zurückgebaut, und die Betriebsstelle wurde nochmals zum Haltepunkt herabgestuft.
Seit 1996 wird Zarchlin nicht mehr bedient.
Der Bahnhof liegt etwa anderthalb Kilometer nördlich des Dorfes und gab der Bahnhofsstraße ihren Namen.

Lübz
Der Bahnhof Lübz hatte vor der Erweiterung für das Mineralwollewerk trotz des hohen Verkehrsaufkommens nur ein mechanisches Stellwerk.
Im Zuge der Erweiterung erhielt er ein Gleisbildstellwerk.
Zeitweise stellte die Ostdeutsche Eisenbahn ihre Triebwagen hier ab.
Der reguläre Personenverkehr wurde 2015 eingestellt, seitdem verkehren hier Züge nur noch zu bestimmten Anlässen.
Lübz ist damit ein Halt mit Saisonbetrieb und kein toter Bahnhof.
Das Bahnhofsgebäude ist denkmalgeschützt.


Karow
Karow ist Knotenpunkt dreier Bahnstrecken.
Seit 2015 findet kein regelmäßiger Personenverkehr mehr statt.
Das Empfangsgebäude und weitere Bauten sind denkmalgeschützt.
Der Abschnitt Karow-Malchow war nach 1945 als Reparationsleistung abgebaut worden, am 1. Juni 1968 wurde die Lücke geschlossen.
Im Sommer verkehren Ausflugszüge, die in Karow die Fahrtrichtung wechseln.



Malchow
Bis 2012 veränderte sich der Bahnhof Malchow kaum.
Durch den Anschluss eines Bauhofes herrscht ein gewisses Güteraufkommen.
Zu den Anlagen gehören zwei mechanische Stellwerke, ein nicht mehr benötigter Lokschuppen und ein alter Güterboden.
Schon 1939 gab es eine verkehrstechnische Anbindung an das Munitions- und Sprengstoffwerk Malchow.
Der Bahnhof war bis 2014 Kreuzungspunkt der Reisezüge, seit Ende 2012 dient er nicht mehr zum Ein- und Aussteigen.
Stattdessen ging am 6. Dezember 2012 der neue Haltepunkt Inselstadt Malchow in Betrieb, der näher am Stadtkern liegt.
Das Bahnhofsgebäude und einige weitere Bauten im Bahnhofsbereich sind denkmalgeschützt.
Am 18. Mai 2023 kam der Haltepunkt Malchow Krebssee hinzu, der Ausflugsziele wie den Affenwald und die Sommerrodelbahn erschließt.


Alt Schwerin
In Alt Schwerin gab es zunächst einen Bahnhof, bis die Strecke als Reparationsleistung abgebaut wurde.
Mit dem Wiederaufbau 1968 ging der Halt als Haltepunkt in Betrieb.
In den 1970er Jahren baute man ihn aus militärischen Gründen zum Bahnhof aus.
1990 folgte die Rückstufung zur Haltestelle.
Ein verfallendes Stellwerksgebäude ist noch zu sehen.
Heute wird der Halt im Sommer im Saisonverkehr bedient.

Waren Papenbergstraße
Der Haltepunkt Papenbergstraße in Waren ging 1977 außer Betrieb.
Das alte Wartehäuschen wurde 2004 abgerissen.
Kargow
Der Haltepunkt Kargow wurde 1885 eröffnet, ein Jahr später folgte der Ausbau zum Bahnhof, an dem die Lloydbahn aus Neustrelitz auf die Südbahn traf.
Nach 1945 wurden die Gleisanlagen als Reparationsleistung in die Sowjetunion abgebaut, bald darauf wurde die Südbahn bis Möllenhagen wieder aufgebaut.
Um 1960 ging auch die Strecke von Neustrelitz nach Rostock wieder in Betrieb.
1970 fuhr der letzte Personenzug nach Möllenhagen, der Güterverkehr blieb bestehen.
Seit September 2011 wird der Bahnhof Kargow im Personenverkehr überhaupt nicht mehr bedient.
Mit dem Ausbau der Strecke aus Neustrelitz wurde auch der Fahrdienstleiter abgezogen.
Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude steht leer.
Seit dem 1. Juni 1996 ist die Strecke von Kargow bis Möllenhagen ein Bahnhofsgleis des Bahnhofs Kargow.


Charlottenhof
Charlottenhof war zunächst nur ein Schrankenposten.
1889 entstand ein Anschlussgleis zur Brennerei in Kargow.
1946 wurde ein Bahnsteig errichtet, der Charlottenhof zum Haltepunkt machte.
1963 wurde der Anschluss aufgelassen.
Der Personenverkehr auf dem Abschnitt ist seit 1970 eingestellt, sodass Charlottenhof bis zur Auflassung 1980 nur noch Schrankenposten war.
Das ehemalige Empfangsgebäude wird privat genutzt.
Schwastorf-Dratow
Die Haltestelle Schwastorf-Dratow wurde 1885 mit Ladestelle und Schrankenposten eröffnet.
Den Güterverkehr stellte man 1963 ein.
Ab 1970 blieb nur noch der Schrankenposten, der 1972 aufgelassen wurde.
Seitdem ist der Bahnübergang technisch nicht mehr gesichert.
Das Bahnhofsgebäude wird privat genutzt und steht unter Denkmalschutz.

Klein Plasten
Die Haltestelle Klein Plasten ging 1885 in Betrieb.
Sie hatte einen Bahnsteig, eine Ladestelle, einen Güterboden und einen Schrankenposten.
Von 1924 bis 1945 fand kein Güterverkehr statt, 1947 wurde er wieder aufgenommen.
1970 wurde die Haltestelle aufgelassen.
Der Bahnübergang erhielt eine automatische Halbschranke.
Kraase
Die Haltestelle Kraase hatte bis 1963 eine Ladestelle für den Güterverkehr.
1970 wurde sie aufgelassen.

Möllenhagen
Mit der Eröffnung der Südbahn ging die Haltestelle Möllenhagen in Betrieb, seit 1924 war sie Bahnhof.
1925 entstand ein Anschlussgleis zu einem Schotterwerk.
Bis 1945 fand umfangreicher Güterverkehr statt.
Der Personenverkehr bis Möllenhagen wurde 1947 wieder aufgenommen und 1970 wieder eingestellt.
Eine besetzte Güterabfertigung gab es bis 1995, ein Rangierleiter war bis 1997 im Einsatz.
Regelmäßig bedienen Güterzüge das Betonschwellenwerk, das eine eigene Werkslokomotive und umfangreiche Gleisanlagen besitzt.
Das Bahnhofsgebäude steht unter Denkmalschutz.
Marihn
Der Streckenabschnitt um Marihn wurde nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut.
Im Jahr 1947 wurden die Gleisanlagen zurückgebaut.
Ein Wohnhaus, der Bahndamm und eine Güterrampe sind noch zu erkennen.
Penzlin
Penzlin war Anteilseigner der Südbahn und wurde 1885 an das Netz angeschlossen.
Im Zuge der Reparationen wurde die Strecke 1945 und 1946 abgebaut.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs ist erhalten und steht unter Denkmalschutz.
Direkt am Bahnhof verläuft die heutige Umgehungsstraße.
Der Bahndamm ist fast überall noch zu erkennen.
Penzlin hat keinen Eisenbahnanschluss mehr, die nächstgelegenen Bahnhöfe sind Neubrandenburg und Neustrelitz Hbf.
Mallin
Das ehemalige Empfangsgebäude von Mallin befindet sich heute in privater Hand.

Wulkenzin
Der Bahnhof Wulkenzin lag an der Strecke Parchim-Neubrandenburg.
Das Gebäude des Bahnhofs wurde abgerissen.
Das Ende der Südbahn im Personenverkehr
Der Personenverkehr zwischen Parchim, Waren und Kargow wurde von Dezember 2002 bis Dezember 2014 von der ODEG betrieben.
Am 13. September 2013 verkündete der Verkehrsminister die Einstellung des Schienenverkehrs auf dem größten Teil der Strecke.
Zwischen Malchow und Parchim fahren seit Dezember 2014 Busse.
Die Hanseatische Eisenbahn übernahm den Verkehr zwischen Inselstadt Malchow und Parchim zunächst eigenwirtschaftlich, stellte ihn aber zum 30. April 2015 wieder ein.
Im Sommer 2017 bestellte der Fahrgastverband Pro Bahn an vier Wochenenden einen kleinen Saisonverkehr, rund 600 Fahrgäste nutzten ihn.
Seit 2022 wird der Saisonverkehr ausgeweitet, er beginnt jeden Mai und endet meist im September.
Im August 2025 wurden die Ergebnisse einer Untersuchung zur Reaktivierung des täglichen Personenverkehrs vorgestellt.
So sieht es jetzt aus
Die Strecke von Parchim bis Waren wird von der Regio Infra Nord-Ost betrieben.
Der Abschnitt Möllenhagen-Neubrandenburg ist abgebaut.
Viele Empfangsgebäude stehen unter Denkmalschutz, in Rom, Kargow und Penzlin fehlt aber der Betrieb.
Einige Gebäude sind privat, Mallin und Charlottenhof zum Beispiel, sie sind nicht öffentlich zugänglich.
Wer die Halte besucht, bleibt auf öffentlichen Wegen und betritt weder Gleise noch Privatgrundstücke.
Die Geschichte in Daten
20. Januar 1885: Der Güterverkehr der Südbahn beginnt.
28. Januar 1885: Der Personenverkehr beginnt.
1. April 1894: Die Südbahn geht in die Friedrich-Franz-Eisenbahn auf.
1945: Karow-Malchow und Kargow-Neubrandenburg werden als Reparation abgebaut.
Juni 1947: Der Abschnitt Kargow-Möllenhagen wird wiedereröffnet.
1. Juni 1968: Die Lücke zwischen Karow und Malchow wird geschlossen.
1970: Der Personenverkehr nach Möllenhagen endet.
Dezember 2014: Der Personenverkehr zwischen Malchow und Parchim wird abbestellt.
30. April 2015: Die Hanseatische Eisenbahn stellt den Verkehr ein.
18. Mai 2023: Der Haltepunkt Malchow Krebssee geht in Betrieb.
Häufige Fragen
Fährt auf der Südbahn noch ein Zug?
Welche Halte sind komplett stillgelegt?
Gibt es Reaktivierungspläne?
Wer betreibt die Strecke?
Wurde die Strecke im Krieg zerstört?
Auf der Südbahn liegen stille Halte neben Orten, an denen die Bahn nach Jahren wieder hält.
Welche Seite überwiegt, entscheidet sich an den Entscheidungen über die Reaktivierung.
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