Sollte die Südbahn zwischen Parchim und Malchow dauerhaft wieder fahren?

Standpunkt

„Auf der Südbahn fährt der Zug nur in der Saison, an allen anderen Tagen gilt: Bus statt Bahn.“

Sollte die Südbahn zwischen Parchim und Malchow dauerhaft wieder fahren?

→ Ein Standpunkt zur Mecklenburgischen Südbahn zwischen Parchim und Malchow.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt

Worum es geht

Ja, in der schlanken Variante. Ein Gutachten von 2025 hält den täglichen Zugverkehr für wirtschaftlich, am besten mit einem günstigen Ausbau auf 80 km/h. Ein großer Ausbau für viele Hundert Millionen Euro ist dafür nicht nötig.

Die Mecklenburgische Südbahn führt von Parchim über Lübz und Karow nach Malchow und weiter nach Waren an der Müritz.

Seit Dezember 2014 fahren zwischen Parchim und Malchow im Alltag Busse, Züge rollen dort nur noch in der Saison.

Im August 2025 kam ein Gutachten zu dem Ergebnis, dass sich ein täglicher Zugverkehr lohnen kann.

Die Frage ist, ob das Land diese Chance nutzt.

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Foto: Niteshift, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Eine Bahn aus dem 19. Jahrhundert

Die Südbahn wurde von einer privaten Gesellschaft gebaut, an der unter anderem die Städte Parchim, Lübz, Waren und Neubrandenburg beteiligt waren.

Der Personenverkehr begann am 28. Januar 1885, eine Woche nach dem Güterverkehr.

Die ursprünglich 117 Kilometer lange Strecke verband Parchim mit dem Bahnknoten Neubrandenburg und führte nördlich der großen Seen entlang.

Der Verkehr hatte von Anfang an überwiegend lokalen Charakter.

Im Jahr 1894 kaufte der mecklenburgische Staat die Bahn und gliederte sie in seine Staatsbahn ein.

Kraase Bahnstrecke Parchim–Neubrandenburg 2010 09 03 028
Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Abbau und Lückenschluss

Nach Kriegsende 1945 wurden die Abschnitte Karow–Malchow und Kargow–Neubrandenburg als Reparationsleistung abgebaut.

Im Juni 1968 wurde die Lücke zwischen Karow und Malchow wieder geschlossen.

Der Abschnitt von Möllenhagen nach Neubrandenburg ist dagegen bis heute abgebaut.

Die übrige Strecke von Parchim bis Waren wird heute von dem Infrastrukturunternehmen Regio Infra Nord-Ost betrieben.

Wie die Züge verschwanden

Von Dezember 2002 bis Dezember 2014 fuhr die ODEG auf der Strecke von Parchim über Waren in Richtung Neustrelitz.

Ab Dezember 2012 wurde das Angebot östlich von Lübz wegen Sparmaßnahmen des Landes deutlich ausgedünnt.

Zum Dezember 2014 bestellte das Land die Züge zwischen Malchow und Parchim ab, seitdem fahren dort Busse.

Ein privates Bahnunternehmen versuchte es danach auf eigene Rechnung, gab aber schon am 30. April 2015 wieder auf.

Als Gründe nannte es die fehlende Unterstützung von Land und Landkreisen und die Konkurrenz der parallelen Busse.

Fast stillgelegt und doch gerettet

Am 3. April 2019 kündigte der Eigentümer an, die Strecke zwischen Parchim und Malchow stilllegen zu wollen.

Im November 2019 einigte sich die Landesregierung mit dem Eigentümer darauf, die Strecke zu erhalten und mit Sommerverkehren attraktiver zu machen.

Seit dem 21. Mai 2020 fahren an Wochenenden in der Saison wieder Züge zwischen Malchow und Parchim.

Seit 2022 verkehrt die Linie RB 19 in der Saison alle zwei Stunden, meist durchgebunden bis Hagenow Stadt.

Züge aus Waren werden an diesen Wochenenden über Malchow und Karow bis Plau am See verlängert.

Der Saisonverkehr beginnt jedes Jahr im Mai, endet meist im September und wird auch zu Ostern angeboten.

Fahrgäste mit langem Atem

Schon im Sommer 2017 bestellte der Fahrgastverband Pro Bahn an vier Wochenenden einen kleinen Saisonverkehr.

Anlässe waren das Malchower Volksfest und die Plauer Badewannen-Rallye, rund 600 Fahrgäste nutzten das Angebot.

Mit einem Zuschuss des Landkreises Ludwigslust-Parchim wurde es 2018 auf sechs Wochenenden erweitert.

Im Jahr 2023 kam der neue Haltepunkt Malchow-Krebssee hinzu.

Seitdem fahren zwischen Inselstadt Malchow und Alt Schwerin in den Sommerferien auch montags bis freitags Züge.

Das Gutachten von 2025

Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ließen ab 2023 untersuchen, ob sich ein täglicher Verkehr auf der Südbahn und benachbarten Strecken lohnt.

Die im August 2025 vorgestellten Ergebnisse bewerten beide untersuchten Ausbauvarianten als wirtschaftlich.

Die große Variante sieht bis zu 120 km/h auf der Südbahn und bis zu 160 km/h auf den Strecken von Neustadt über Meyenburg nach Güstrow vor.

Sie würde 650 Millionen Euro kosten und erreicht ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,15.

Die kleine Variante mit 80 km/h auf allen Strecken kostet 228 Millionen Euro und kommt mit 1,46 auf ein besseres Verhältnis.

Dann würde stündlich eine Regionalbahn von Parchim nach Inselstadt Malchow fahren, dazu eine Linie von Waren nach Plau am See.

Akkuzüge und ein Testfeld

In beiden Varianten sind Züge mit Akku vorgesehen.

Sie können ohne durchgehende Oberleitung fahren und kommen trotzdem ohne Dieselmotor aus.

Nach einer Entscheidung für eine Variante wäre eine Umsetzung Mitte der 2030er Jahre möglich.

Auf einem zehn Kilometer langen Abschnitt der Südbahn wird zudem Technik für den künftigen digitalen Bahnfunk erprobt.

Güterzüge und Ausflügler

Neben den Saisonzügen fahren auf Teilen der Strecke auch Güterzüge.

Seit August 2016 bringt DB Cargo Holz nach Malchow.

Selten fahren außerdem Güterzüge zu einem Depot der Bundeswehr bei Waren.

Landschaftlich führt die Strecke nördlich der großen Seen entlang, was sie für Ausflügler reizvoll macht.

Ein Blick in die Zukunft

Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.

Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.

Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.

Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.

Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.

So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.

Der Zug als umweltfreundliche Wahl

Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.

Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.

Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.

Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.

Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.

So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.

Was die Fahrgäste davon haben

Am Ende zählt für den Fahrgast vor allem eines: sicher und pünktlich anzukommen.

Jede kleine Verbesserung im Betrieb macht seine Reise ein wenig angenehmer.

Ein sauberer Zug und eine klare Anzeige nehmen ihm Sorge und Hektik.

Ein freundlicher Halt bleibt oft länger in Erinnerung als die Fahrt selbst.

So entsteht aus vielen Einzelheiten am Ende ein rundes Reiseerlebnis.

Und wer sich gut aufgehoben fühlt, steigt beim nächsten Mal gern wieder ein.

Pro und Contra

Dafür

+  Das Gutachten von 2025 hält den täglichen Verkehr für wirtschaftlich, die kleine Variante sogar mit einem Verhältnis von 1,46.

+  Die Gleise liegen noch und werden in der Saison befahren, die Strecke ist also nicht verloren.

+  Stündliche Züge würden Parchim, Lübz und Malchow besser an Waren und das übrige Netz anbinden.

+  Akkuzüge machen den Betrieb leiser und sauberer, ohne dass eine teure Oberleitung nötig ist.

+  Die schrittweise Ausweitung der Saisonzüge seit 2017 zeigt, dass es Nachfrage gibt.

+  Ein täglicher Verkehr würde verhindern, dass eine weitere ländliche Region ihre Bahn endgültig verliert.

Dagegen

−  Selbst die kleine Variante kostet 228 Millionen Euro, die große sogar 650 Millionen Euro.

−  Der Versuch mit täglichen Zügen auf eigene Rechnung scheiterte 2015 schon nach wenigen Monaten.

−  Parallel fahren bereits Busse, die dieselben Orte verbinden.

−  Viele Orte an der Strecke sind klein, außerhalb der Saison könnten die Züge schwach besetzt sein.

−  Eine Umsetzung wäre nach dem Gutachten erst Mitte der 2030er Jahre möglich.

−  Der Eigentümer wollte die Strecke 2019 schon einmal stilllegen, ihre Zukunft hängt stark vom Geld des Landes ab.

Unterm Strich

Die Südbahn hat eine Beinahe-Stilllegung überstanden und fährt heute wieder, wenn auch nur in der Saison.

Das Gutachten von 2025 liefert gute Gründe, den Verkehr wieder täglich anzubieten.

Sinnvoll ist vor allem die schlanke Variante mit 80 km/h, die weniger kostet und im Verhältnis mehr bringt.

Dann wäre die Südbahn wieder das, was sie über hundert Jahre lang war, eine Bahn für den Alltag.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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