Die Prenzlauer Kreisbahnen: stille Kleinbahnhalte in der Uckermark

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Prenzlauer Kreisbahnen: stille Kleinbahnhalte in der Uckermark

Von Prenzlau aus spannte sich ein Netz von Kleinbahnen über die Uckermark. Heute fährt nur noch ein Museumszug bei Gramzow, der Rest ist stillgelegt oder abgebaut.

Der Bahnhof Gramzow, heute Eisenbahnmuseum, 2011.
Der Bahnhof Gramzow, heute Eisenbahnmuseum, 2011. Foto: Global Fish, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1902
Prenzlauer Kreisbahnen eröffnet
1905
Schönermark–Damme eröffnet
1995
Letzter Personenverkehr
1997
Stilllegung der Reststrecken

Lage: Uckermark im Norden Brandenburgs, rund um Prenzlau. Status: Personenverkehr seit 27. Mai 1995 eingestellt, Reststrecken zum 30. Juni 1997 stillgelegt. Heute: Bei Gramzow fährt eine Museumsbahn auf einem erhaltenen Teilstück, die übrigen Strecken sind meist abgebaut.

Die Prenzlauer Kreisbahnen waren ein Netz von Kleinbahnen mit zuletzt 108,25 Kilometern Länge, das der frühere Landkreis Prenzlau selbst betrieb.

Heute fährt nur noch ein Museumszug bei Gramzow, der Rest ist stillgelegt oder abgebaut.

Dieser Beitrag geht die Halte Schönermark, Gramzow, Damme, Dedelow, Fürstenwerder, Fährkrug und Klockow der Reihe nach durch.

Das Gramzower Teilstück ist keine tote Strecke, sondern eine Museumsbahn mit Fahrtagen.

Freie historische Fotos der Strecken fehlen, die Bilder stammen aus den Jahren 2009 bis 2024.

So entstand das Netz

Am 29. November 1898 eröffnete die Uckermärkische Lokalbahn AG die Strecke Löcknitz–Brüssow, und am 2. Dezember 1902 nahm der Kreis Prenzlau zwei normalspurige Kleinbahnstrecken in Betrieb.

Sie führten vom Kleinbahnhof der Kreisstadt Prenzlau nach Norden über Dedelow nach Strasburg und nach Osten über Damme nach Brüssow.

In Dedelow zweigte eine Zweigbahn nach Fürstenwerder ab.

Die Strecke Löcknitz–Brüssow war kurz vorher, am 27. November 1902, ins Eigentum der Kreisbahn übergegangen.

Am 13. Dezember 1905 kam die Kreisbahn Schönermark–Damme hinzu, die über Gramzow eine Querverbindung zur Strecke Berlin–Stettin herstellte.

Ein Bahnbetrieb auf der Strecke von Prenzlau nach Klockow begann im Güterverkehr am 1. November 1915.

Insgesamt unterstand der Kreisbahn damit ein Netz von fast 125 Kilometern, auf dem 13 Dampfloks und vier Triebwagen fuhren.

So sah es vorher aus

Die wirtschaftliche Lage der Prenzlauer Kreisbahnen war in den meisten Jahren weitaus besser als die anderer Kleinbahnen.

Dazu trug auch der Kraftverkehrsbetrieb bei, der am 15. April 1928 eröffnet wurde und 1939 schon 15 Buslinien unterhielt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der größte Teil des Netzes als Reparationsleistung an die Sowjetunion demontiert, doch die Strecken wurden rasch wieder aufgebaut.

Die Strecke nach Löcknitz fuhr ab 1946 wieder, und am 1. April 1949 kam das ganze Netz zur Deutschen Reichsbahn.

Der Niedergang

Erst in den 1970er Jahren begannen Stilllegungen.

Den Anfang machte am 3. Juli 1972 der Personenverkehr Prenzlau–Klockow.

Am 30. September 1978 wurde die Strecke Dedelow–Fürstenwerder vollständig stillgelegt, am 26. Mai 1979 folgte der Abschnitt Gramzow–Schönermark.

Auf der Stammstrecke Prenzlau–Löcknitz gab es bis zum 11. September 1991 noch Personenverkehr.

Am 31. Dezember 1994 beendete die Deutsche Bahn den restlichen Güterverkehr, und am 27. Mai 1995 endete der Personenverkehr zwischen Prenzlau und Strasburg sowie zwischen Damme und Gramzow.

Die übrigen Strecken wurden zum 30. Juni 1997 stillgelegt.

Schönermark

Schönermark liegt an der Strecke Berlin–Stettin, der Bahnhof wurde 1882 eröffnet.

Von hier aus führte die Kreisbahn in einem eigenen Kreisbahnhof über Gramzow nach Damme.

Die Gleise des Kleinbahnhofs lagen fast rechtwinklig zu denen der Hauptstrecke.

Der Verkehr zwischen Schönermark und Gramzow endete 1979, die Strecke wurde in den Folgejahren abgebaut.

Das Empfangsgebäude der Kreisbahn ist in Privatbesitz und wird als Wohnhaus genutzt.

Der Bahnhof Schönermark an der Hauptstrecke wurde 1996 ganz für den Personenverkehr geschlossen.

Das frühere Bahnhofsgebäude der Kreisbahn Schönermark–Damme in Schönermark.
Das frühere Bahnhofsgebäude der Kreisbahn Schönermark–Damme in Schönermark. Foto: Global Fish, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Golm und Lützlow

Zwischen Schönermark und Damme hatten die Stationen mit Ausnahme von Schönermark und Gramzow nur einfache Wartehallen.

Die Strecke führte über Biesenbrow, Golm, Fredersdorf und Zichow nach Gramzow und weiter über Lützlow und Kleinow nach Damme.

Zwischen Lützlow und Kleinow unterquert sie die Autobahn A 11.

Der ehemalige Bahnhof Golm der Kreisbahn, Mai 2011.
Der ehemalige Bahnhof Golm der Kreisbahn, Mai 2011. Foto: Global Fish, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Station Lützlow an der früheren Angermünder Kreisbahn.
Die Station Lützlow an der früheren Angermünder Kreisbahn. Foto: Global Fish, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Gramzow: Museum und Museumsbahn

In Gramzow hatte sich der Trägerverein schon 1992 gegründet, und am 1. Juni 1996 eröffnete das Brandenburgische Museum für Klein- und Privatbahnen im Bahnhof.

In den Jahren 2008 und 2009 erwarb das Museum schrittweise den Streckenabschnitt zwischen Gramzow und Kleinow, später bis Damme sowie das Stück von Damme nach Eickstedt.

Seit 2009 werden zwischen Damme und Gramzow an ausgewählten Tagen Museumsfahrten angeboten.

Mit Draisinen lässt sich ein etwa drei Kilometer langes Stück der Strecke selbst erkunden.

Das Museum zeigt unter anderem die Dampflok 99 4503 und den Triebwagen VT 137 527 der Prenzlauer Kreisbahn.

Das denkmalgeschützte Silo am Bahnhof Gramzow, 2016.
Das denkmalgeschützte Silo am Bahnhof Gramzow, 2016. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Damme: der Knoten

In Damme mündete die Strecke aus Gramzow in die Strecke Prenzlau–Löcknitz, hier war der Knoten der Kreisbahn.

Von Damme aus gehört dem Museum auch das Teilstück bis Eickstedt.

Der Abschnitt von Schmölln über Brüssow nach Löcknitz gehört der Eisenbahngrundstücksgesellschaft Randowtal, die dort einen touristischen Verkehr plante, was nicht verwirklicht werden konnte.

Der Bahnhof Damme, einstiger Knoten der Prenzlauer Kreisbahn, Mai 2011.
Der Bahnhof Damme, einstiger Knoten der Prenzlauer Kreisbahn, Mai 2011. Foto: Global Fish, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Dedelow

Dedelow war der Abzweigbahnhof der Strecke nach Fürstenwerder, das Empfangsgebäude war ein kleines massives Gebäude.

Die Strecke von Prenzlau nach Strasburg wurde am 2. Dezember 1902 eröffnet, der Personenverkehr endete im Mai 1995.

Seit dem 20. Juni 1997 findet auch kein Güterverkehr mehr statt, die Strecke ist heute vollständig abgebaut.

Das Gelände des früheren Bahnhofs ist heute eine Kleingartenanlage.

Das Gelände des früheren Bahnhofs Dedelow, heute Kleingartenanlage, Mai 2010.
Das Gelände des früheren Bahnhofs Dedelow, heute Kleingartenanlage, Mai 2010. Foto: Global Fish, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Fürstenwerder: zwei Bahnhöfe nebeneinander

Die Kleinbahn von Dedelow nach Fürstenwerder war von 1902 bis 1978 in Betrieb.

Der Ort hatte 1817 seine Stadtrechte aufgegeben und sollte trotzdem Anschluss bekommen, auch wegen einer geplanten Zuckerfabrik.

Der Kleinbahnhof Fürstenwerder besitzt ein zweigeschossiges Empfangsgebäude, das erhalten blieb und auch nach der Streckenschließung als Gaststätte genutzt wurde.

Die Strecke war nur mit drei Zugpaaren am Tag bedient, die von und nach Prenzlau durchgebunden wurden.

Der Bahnhof Fürstenwerder der Prenzlauer Kreisbahn.
Der Bahnhof Fürstenwerder der Prenzlauer Kreisbahn. Foto: Global Fish, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Dazu kam die Staatsbahnstrecke Fährkrug–Fürstenwerder, die am 15. August 1913 eröffnet wurde, mit einem eigenen Bahnhof wenige hundert Meter vom Kleinbahnhof entfernt.

Die beiden Strecken wurden nie verbunden, obwohl es immer wieder Planungen dazu gab.

Die Verlängerung von Fürstenwerder nach Strasburg war über 18,4 Kilometer mit Halten in Ottenhagen und Wolfshagen vorgesehen, kam aber nie zustande.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Strecke als Reparationsleistung an die Sowjetunion abgebaut.

Der Staatsbahnhof Fürstenwerder an der Strecke Fährkrug–Fürstenwerder.
Der Staatsbahnhof Fürstenwerder an der Strecke Fährkrug–Fürstenwerder. Foto: Global Fish, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Wasserturm in Fürstenwerder an der Strecke Fährkrug–Fürstenwerder.
Der Wasserturm in Fürstenwerder an der Strecke Fährkrug–Fürstenwerder. Foto: Global Fish, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Strecke ist komplett abgebaut, die Trasse ist jedoch überall erkennbar.

Auf den meisten Abschnitten verläuft ein Weg, teilweise nutzt ihn die Radroute Spur der Steine.

Nördlich des Bahnhofs Fürstenwerder sind einige Dammreste für die geplante Verlängerung erhalten.

Die meisten Bahnhofsgebäude blieben stehen und werden überwiegend als Wohnhaus genutzt.

Der Bahnhof Fährkrug bei Templin, Abzweig der Strecke nach Fürstenwerder von der nach Prenzlau, 2010.
Der Bahnhof Fährkrug bei Templin, Abzweig der Strecke nach Fürstenwerder von der nach Prenzlau, 2010. Foto: Global Fish, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Klockow

Um 1900 war eine Verlängerung der 1893 eröffneten, nichtöffentlichen Schmalspurbahn Klockow–Pasewalk Kleinbahnhof bis Prenzlau angedacht.

Daraus wurde nichts, 1914 wurde die Normalspurstrecke Prenzlau–Klockow als Kleinbahn konzessioniert.

Die Baukosten von rund 870.000 Mark trugen zur Hälfte der Kreis Prenzlau und zu je einem Viertel die Provinz Brandenburg und Preußen.

Die Strecke ging am 1. November 1915 im Güterverkehr in Betrieb, der Personenverkehr folgte 1916.

In Klockow gab es ein Empfangsgebäude und größere Gleisanlagen, auf den übrigen Stationen nur ein Ladegleis.

1945 wurden die Gleise als Reparationsleistung demontiert, schon im November 1946 war die Strecke mit Altmaterial wieder befahrbar.

Am 1. Juni 1970 wurde sie wegen des schlechten Oberbaus stillgelegt, wegen eines Bauvorhabens in Klockow aber 1971 wieder eröffnet.

Im Sommer 1972 endete auch dieser Verkehr, bis 1975 gab es noch Schienenersatzverkehr.

Prenzlau: Kreisbahnhof und Werkstatt

In Prenzlau lag der Kreisbahnhof westlich des Staatsbahnhofs.

Anfang der 1950er Jahre wurde er geschlossen und die Züge fuhren direkt in den Bahnhof Prenzlau.

Die Betriebswerkstatt der Kreisbahnen steht unter Denkmalschutz.

Die denkmalgeschützte Hauptwerkstatt der Prenzlauer Kreisbahn in der Gartenstraße, 2024.
Die denkmalgeschützte Hauptwerkstatt der Prenzlauer Kreisbahn in der Gartenstraße, 2024. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Erhalten geblieben ist die Eisenbahntrasse zwischen Damme und Gramzow sowie von Damme bis kurz hinter Eickstedt.

Dort fährt die Museumsbahn auf einem Teilstück, die übrigen Strecken sind weitgehend abgebaut.

Das Museum in Gramzow ist an ausgewählten Tagen geöffnet, genaue Zeiten stehen auf der Seite des Museums.

Vorher und nachher in Gramzow

Der Bahnhof Gramzow verlor 1979 seinen Anschluss nach Schönermark und blieb nach 1995 ohne Personenverkehr.

Seit 1996 beherbergt er das Eisenbahnmuseum.

Die Geschichte in Daten

29. November 1898: Die Strecke Löcknitz–Brüssow wird eröffnet.

2. Dezember 1902: Die Prenzlauer Kreisbahnen nehmen ihre ersten Strecken in Betrieb.

13. Dezember 1905: Die Kreisbahn Schönermark–Damme wird eröffnet.

1. November 1915: Die Strecke Prenzlau–Klockow geht im Güterverkehr in Betrieb.

15. April 1928: Die Kreisbahnen eröffnen einen Kraftverkehrsbetrieb.

3. Juli 1972: Der Personenverkehr Prenzlau–Klockow endet.

30. September 1978: Die Strecke Dedelow–Fürstenwerder wird stillgelegt.

26. Mai 1979: Die Strecke Gramzow–Schönermark wird stillgelegt.

27. Mai 1995: Der Personenverkehr der restlichen Strecken endet.

1. Juni 1996: Das Eisenbahnmuseum Gramzow wird eröffnet.

30. Juni 1997: Die übrigen Strecken werden stillgelegt.

Häufige Fragen

Fährt in Gramzow noch ein Zug?
Ja, als Museumszug. Seit 2009 werden zwischen Damme und Gramzow an ausgewählten Tagen Museumsfahrten angeboten, Regelverkehr gibt es nicht.
Wann endete der Personenverkehr der Prenzlauer Kreisbahnen?
Am 27. Mai 1995 auf den letzten Strecken, die übrigen Strecken wurden zum 30. Juni 1997 stillgelegt.
Wie lang war das Netz?
Die Prenzlauer Kreisbahnen hatten 108,25 Kilometer, mit der Kreisbahn Schönermark–Damme fast 125 Kilometer.
Was ist aus der Strecke Dedelow–Fürstenwerder geworden?
Sie war von 1902 bis 1978 in Betrieb und ist heute vollständig abgebaut.
Wann wurde die Strecke Fährkrug–Fürstenwerder gebaut?
Die Preußische Staatsbahn eröffnete sie am 15. August 1913. Die geplante Verlängerung nach Strasburg wurde nie gebaut.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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