Die stille Karniner Linie auf Usedom: von Rosenhagen bis zum Golm

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stille Karniner Linie auf Usedom: von Rosenhagen bis zum Golm

Die Bahn von Ducherow über die Karniner Brücke nach Swinemünde war die wichtigste Verbindung Usedoms zum Festland. Seit 1945 fehlt sie, und von den Halten blieb wenig.

Der ehemalige Bahnhof Usedom mit dem Naturparkzentrum, 2011.
Der ehemalige Bahnhof Usedom mit dem Naturparkzentrum, 2011. Foto: Chron-Paul, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1876
Bahnanschluss Usedom
1933
Hubbrücke Karnin eingeweiht
1945
Strecke abgebaut
2020
DB beginnt Grundlagenplanung

Lage: Usedom und Festland zwischen Ducherow und Swinemünde. Status: stillgelegt, 1945 abgebaut. Heute: Bahnhof Usedom beherbergt das Naturparkzentrum, die Hubbrücke steht im Peenestrom.

Die Bahnstrecke Ducherow–Swinemünde führte von Ducherow über die Karniner Brücke auf die Insel Usedom.

Sie war die wichtigste Verkehrsanbindung der Insel an das Festland und für die touristische Entwicklung Usedoms bedeutsam.

Im April 1945 sprengte die Wehrmacht die Brücke, nur die Hubbrücke in der Mitte blieb stehen.

Nach dem Krieg wurden die Gleise als Reparation an die Sowjetunion abgebaut, die Strecke wurde nicht wieder aufgebaut.

Dieser Beitrag geht die Halte der stillen Linie durch: Rosenhagen, Usedom, Stolpe, Dargen, Kutzow, Garz und Golm.

Die Karniner Hubbrücke selbst hat einen eigenen Beitrag: Die Karniner Hubbrücke.

Alte freie Fotos der Halte sind auf Wikimedia Commons nicht vorhanden.

Wie die Linie entstand

Die Bahn von Ducherow nach Swinemünde wurde in den Jahren 1875 und 1876 in Betrieb genommen.

Der Brückenbau an der nur 500 Meter breiten Stelle des Peenestroms zwischen Kamp und Karnin war bereits 1873 gewählt worden.

Die erste Brücke war eine zweiarmige Drehbrücke für den eingleisigen Verkehr, die von 1874 bis 1876 erbaut wurde.

Bis 1908 wurde die Brücke manuell angetrieben, danach wurde sie mechanisiert und für zweigleisigen Verkehr freigegeben.

In den 1930er Jahren trat an die Stelle des Mittelteils eine Hubbrücke mit Fahrstuhlantrieb.

Am 15. September 1933 wurde die Hubbrücke Karnin eingeweiht und als größte Hubbrücke Europas gefeiert.

Karte der Bahnstrecke Wolgast–Heringsdorf–Ducherow.
Karte der Bahnstrecke Wolgast–Heringsdorf–Ducherow. Foto: Maximilian Dörrbecker ( Chumwa ), CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Rosenhagen: Kreuzungspunkt auf dem Festland

Rosenhagen liegt auf dem Festland und gehört zur Gemeinde Bugewitz.

Der Ort wurde seit 1876 von der Bahnstrecke Ducherow–Swinemünde gestreift.

Seit 1897 gab es hier einen Kreuzungspunkt mit der Kleinbahnstrecke Anklam–Leopoldshagen, für die es am Ort einen Haltepunkt gab.

Beide Strecken wurden 1945 als Reparation demontiert.

Im heutigen Naturschutzgebiet Rosenhäger Beck geht der Damm der Strecke vom Land in das Lagunengebiet des Anklamer Stadtbruchs über.

Ob die Brückenträger dort Kriegsverlust sind oder erst danach ausgebaut wurden, ist nicht mehr nachvollziehbar.

Im Naturschutzgebiet Rosenhäger Beck geht der Bahndamm der Strecke vom Land in das Lagunengebiet über, 2012.
Im Naturschutzgebiet Rosenhäger Beck geht der Bahndamm der Strecke vom Land in das Lagunengebiet über, 2012. Foto: Falk2, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Karnin: das Tor zur Insel

Bei Karnin erreichte die Bahn die Insel Usedom.

Der Bahnhof Karnin blieb erhalten, sein Empfangsgebäude steht unter Denkmalschutz.

Ein Verein restaurierte das Gebäude ab 1997 und betrieb dort von 1999 bis 2005 eine Ausstellung zur Streckengeschichte.

Das Museum existiert nicht mehr, und das ehemalige Empfangsgebäude samt Gelände wird heute für private Zwecke genutzt.

Ausführlicher ist der Bahnhof im Beitrag über die Hubbrücke beschrieben.

Das ehemalige Empfangsgebäude des Bahnhofs Karnin, 2006.
Das ehemalige Empfangsgebäude des Bahnhofs Karnin, 2006. Foto: Joachim Müllerchen, CC BY 2.5, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Karnin von der Straße, 2019.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Karnin von der Straße, 2019. Foto: Elisauer, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Ende der Schienen in Karnin, 2012.
Das Ende der Schienen in Karnin, 2012. Foto: Schilderjagd, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Trasse der Strecke zwischen Usedom und Karnin, 2012.
Die Trasse der Strecke zwischen Usedom und Karnin, 2012. Foto: Marcinekk2, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Usedom: der Bahnhof wird Naturparkzentrum

Die Stadt Usedom hatte seit 1876 einen Bahnanschluss mit Bahnhof.

Wegen der Sprengung der Karniner Brücke am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Strecke stillgelegt.

Die Gleise wurden als Reparation an die Sowjetunion abgebaut.

Der Bahnhof Usedom beherbergt heute das Naturparkzentrum der Insel Usedom im Klaus-Bahlsen-Haus.

Der nächstgelegene Bahnhof für die Stadt ist heute Anklam an der Strecke Berlin–Stralsund.

Stolpe auf Usedom: der Anschluss nördlich des Dorfes

Stolpe auf Usedom liegt am Ufer des Stettiner Haffs.

1880 erhielt der Ort einen Eisenbahnanschluss mit Haltepunkt, der 1,5 Kilometer nördlich des Dorfes lag.

Bis 1945 besaß der Ort einen Bahnhof an der Strecke Ducherow–Heringsdorf.

Über den heutigen Zustand liegen keine belegten Angaben vor.

Dargen: Bahnhof mit drei Bahnsteigen

Dargen war seit 1876 an die Bahnstrecke angeschlossen.

Hier entstand ein Bahnhof mit drei Bahnsteigen, einer Ladestraße und einem Feldbahnanschluss.

Bis zum Streckenabbau 1945 hatte der Ort einen eigenen Bahnhof.

Erhalten ist kaum etwas, außer einem Stellwerksturm, der privat bewohnt wird.

Auf dem Bahnhofsareal entstand zu DDR-Zeiten ein bekanntes Zweiradmuseum, das nach 1990 erweitert wurde.

Die Station in Dargen, 2012.
Die Station in Dargen, 2012. Foto: Marcinekk2, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das denkmalgeschützte Stellwerk, ein Bahnwärterhaus, in Dargen, 2013.
Das denkmalgeschützte Stellwerk, ein Bahnwärterhaus, in Dargen, 2013. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Kutzow: Haltepunkt am Gutshof

Kutzow ist ein Wohnplatz der Gemeinde Zirchow.

Nach dem Bau der Bahnstrecke in den 1870er Jahren durch das Areal des Gutes befand sich in Kutzow bis 1945 ein Eisenbahnhaltepunkt.

1929 wurde der Gutsbezirk nach Zirchow eingemeindet, damit kam auch der Haltepunkt zur Gemeinde.

Eine Unterführung der Strecke ist noch erhalten.

Die Unterführung der ehemaligen Bahnstrecke bei Kutzow, 2013.
Die Unterführung der ehemaligen Bahnstrecke bei Kutzow, 2013. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Blick in die Unterführung der Strecke bei Kutzow, 2013.
Blick in die Unterführung der Strecke bei Kutzow, 2013. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Garz: Unterführung unter der Bahntrasse

Garz wurde seit 1876 in kurzer Entfernung von der Bahnstrecke berührt.

Die wichtigste Zufahrt nach Garz erfolgt noch heute durch eine Untertunnelung dieser Bahnstrecke.

Nahe Garz sind außerdem die Reste einer Brücke der Strecke erhalten.

Reste einer Brücke der Bahnstrecke bei Garz, 2013.
Reste einer Brücke der Bahnstrecke bei Garz, 2013. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Brückenruine der Bahnstrecke bei Garz, 2013.
Brückenruine der Bahnstrecke bei Garz, 2013. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Golm: Haltepunkt am Ausflugsberg

Der Golm ist eine 69 Meter hohe Erhebung bei Garz.

Er war etwa ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Ausflugsziel für die Einwohner von Swinemünde.

1880 entstand ein Bahnhaltepunkt an der Bahnlinie von Swinemünde nach Berlin.

Das alte Gleisbett der Strecke zwischen Garz und Golm, 2008.
Das alte Gleisbett der Strecke zwischen Garz und Golm, 2008. Foto: Biały111, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Reste eines Bahnviadukts bei Görke nahe der B 110, 2012.
Reste eines Bahnviadukts bei Görke nahe der B 110, 2012. Foto: Marcinekk2, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Ende der Linie

Ende April 1945 zerstörte die Wehrmacht die Brücke, um der Roten Armee den Vormarsch zu erschweren.

Der Hubteil blieb unbeschädigt, weil man deutschen Marineeinheiten im Stettiner Haff den Fluchtweg offenhalten wollte.

Nach dem Krieg wurde das Brückenbauwerk nicht wieder aufgebaut, auch weil die Strecke zuerst ins polnisch gewordene Swinemünde führte.

Die Verbindung über Swinemünde hinaus bis Ahlbeck wurde demontiert.

So sieht es jetzt aus

Der Verlauf der Strecke von Ducherow über Karnin, Usedom und Dargen ist noch zu erkennen.

Die Hubbrücke und das Empfangsgebäude des Bahnhofs Karnin stehen unter Denkmalschutz.

Im Dezember 2020 begann die Deutsche Bahn mit der Ermittlung eines Grundlagenplanes zur Reaktivierung der Bahnstrecke.

Der Wiederaufbau ist seit Jahrzehnten Thema, aber bisher nicht verwirklicht.

Vorher und nachher: der Bahnhof Usedom

Bis 1945 hatte die Stadt Usedom einen Bahnhof an der Strecke nach Swinemünde.

Heute zeigt das Gebäude ein Naturparkzentrum.

Die Gleise sind abgebaut, das Empfangsgebäude steht noch.

Die Geschichte in Daten

1873: Wahl der Brückenstelle bei Karnin.

1876: Bahnanschluss für Usedom, Dargen, Kutzow und Garz.

1880: Haltepunkte in Stolpe und am Golm.

1897: Kreuzung mit der Kleinbahn Anklam–Leopoldshagen bei Rosenhagen.

1908: Zweigleisiger Ausbau, Mechanisierung der Brücke.

15. September 1933: Einweihung der Hubbrücke Karnin.

Ende April 1945: Sprengung der Brücke.

Mai 1988: Der Hubteil wird unter Denkmalschutz gestellt.

Dezember 2020: DB beginnt mit der Ermittlung eines Grundlagenplanes.

Häufige Fragen

Wann wurde die Karniner Brücke zerstört?
Ende April 1945 sprengte die Wehrmacht die Brücke, nur die Hubbrücke in der Mitte blieb stehen.
Fährt auf der Strecke noch ein Zug?
Nein, die Strecke wurde 1945 stillgelegt und die Gleise als Reparation abgebaut.
Was ist aus dem Bahnhof Usedom geworden?
Er beherbergt heute das Naturparkzentrum der Insel Usedom.
Wo war der Bahnhof Dargen?
Er lag an der Strecke Ducherow–Swinemünde, erhalten ist vor allem ein Stellwerksturm.
Gibt es Pläne für einen Wiederaufbau?
Im Dezember 2020 begann die Deutsche Bahn mit der Ermittlung eines Grundlagenplanes zur Reaktivierung.

Die Karniner Linie ist die wohl bekannteste verlorene Bahnverbindung Usedoms, und ihre Halte lassen sich noch an Trasse, Brücken und Gebäuden ablesen.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Hubbrücke Karnin · Wikipedia: Karnin (Usedom) · Wikipedia: Usedom (Stadt) · Wikipedia: Stolpe auf Usedom · Wikipedia: Dargen · Wikipedia: Kutzow · Wikipedia: Zirchow · Wikipedia: Garz (Usedom) · Wikipedia: Golm (Usedom) · Wikipedia: Bugewitz · Wikimedia Commons: Category Ducherow–Heringsdorf railway line

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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