Der Fürther Ludwigsbahnhof: Endstation der ersten deutschen Eisenbahn

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Der Fürther Ludwigsbahnhof: Endstation der ersten deutschen Eisenbahn

Hier endete 1835 die erste mit Dampf betriebene Eisenbahn Deutschlands. Vom Empfangsgebäude ist nichts mehr da, nur ein Lokschuppen von etwa 1860 steht noch, in schlechtem Zustand.

Der Ludwigsbahnhof in Fürth, 1904.
Der Ludwigsbahnhof in Fürth, 1904. Foto: Unknown author Unknown author, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1835
Eröffnung
1922
Ende der Ludwigseisenbahn
1938
Abriss des Empfangsgebäudes
6,04 km
Länge der Strecke

Lage: Fürther Freiheit in Fürth, am Ende der Strecke von Nürnberg. Status: Der Bahnhof ist verschwunden, die U-Bahn U1 fährt heute fast auf der alten Trasse. Heute: ein Lokschuppen in der Karolinenstraße als Baudenkmal, in schlechtem Zustand.

Der Fürther Ludwigsbahnhof war der Endpunkt der Ludwigseisenbahn von Nürnberg nach Fürth, der ersten mit Lokomotiven betriebenen Eisenbahn Deutschlands.

Das Empfangsgebäude von 1835 ist abgerissen, und die Bahn ist seit 1922 Geschichte.

Als Rest steht ein Lokschuppen von etwa 1860 südwestlich des U-Bahnhofs Stadtgrenze, und dessen Zustand ist schlecht.

Fotos vom Bahnhof gibt es auf Wikimedia Commons nur aus dem Jahr 1904 und als Modell, die übrigen Bilder zeigen den Lokschuppen.

Weitere Hintergründe zur Strecke stehen in den Beiträgen Wie lang war die erste deutsche Eisenbahn? und Stimmt es, dass die erste deutsche Eisenbahn Nürnberg–Fürth fuhr?

Wie die Ludwigseisenbahn entstand

Am 14. Mai 1833 luden Nürnberger Kaufleute zur Gründung einer Gesellschaft für eine Eisenbahn mit Dampfkraft zwischen Nürnberg und Fürth ein.

Am 18. November 1833 erklärten 76 Anteilseigner im oberen Saal des Nürnberger Rathauses die Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft für gegründet.

Die Konzession erhielt die Gesellschaft am 19. Februar 1834.

Das Kapital betrug 132.000 Gulden, der Bau kostete am Ende 170.000 Gulden.

Die Strecke war eingleisig und 6,04 Kilometer lang, mit englischer Spurweite von 1.435 Millimetern.

Sie führte vom Bahnhof am Plärrer in Nürnberg über die heutige Fürther Straße zur Stadtgrenze und folgte in Fürth der Allee, die heute Hornschuchpromenade heißt, bis zum Ludwigsbahnhof auf der Fürther Freiheit.

Das Empfangsgebäude wurde 1835 errichtet und bildete zusammen mit dem Nürnberger Ludwigsbahnhof die ersten Bahnhöfe Deutschlands.

Ein Modell des Bahnhofs der Bayerischen Ludwigsbahn in Fürth von 1835 im Nürnberger Verkehrsmuseum.
Ein Modell des Bahnhofs der Bayerischen Ludwigsbahn in Fürth von 1835 im Nürnberger Verkehrsmuseum. Foto: Total number of my uploaded files : 1116, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sah es vorher aus: Eröffnung und Betrieb

Die Eröffnungsfahrt war am 7. Dezember 1835.

Um 9 Uhr ertönte am Nürnberger Ludwigsbahnhof ein Kanonenschuss, und der Lokführer William Wilson setzte den Zug in Bewegung.

Der Zug brachte etwa 200 geladene Gäste nach Fürth.

Dort empfingen Staats- und Stadtbehörden den Zug.

Die Gesellschaft ging in den Gasthof „Zum Kronprinzen von Preußen“ zum Frühstück und fuhr um 10 Uhr zurück nach Nürnberg.

Ab dem 8. Dezember 1835 fuhr stündlich ein pferdebespannter Zug zwischen Nürnberg und Fürth, die Lokomotive Adler fuhr täglich nur um 13 Uhr und 14 Uhr.

Der Pferdebetrieb wurde erst 1862 aufgegeben.

Die Fahrpreise lagen bei 12 Kreuzern in der ersten, 9 in der zweiten und 6 in der dritten Klasse.

1835 und 1836 beförderte die Bahn 449.399 Fahrgäste, doppelt so viele wie erwartet.

König Ludwig I. besuchte die nach ihm benannte Bahn erst am 16. August 1836.

Vor den Ludwigsbahnhöfen wurden Ehrenpforten errichtet, in Fürth folgten die üblichen Ehrenzeremonien.

Auf Wunsch des Königs fuhr der Zug zurück nach Nürnberg als Schnellfahrt.

Er brauchte mit drei Wagen nur 5:45 Minuten, das entspricht etwa 60 km/h.

Weil Fürth eine andere Ortszeit hatte als Nürnberg, wurde die exakte Abfahrtszeit zum ersten Mal wichtig.

Als man feststellte, dass die Uhr der katholischen Kirche in Fürth falsch ging, ordnete der Magistrat an, sie nach der Eisenbahnuhr zu stellen.

Die erste Fracht auf der Strecke waren zwei Fässchen Bier, die ein Nürnberger Brauer an den Wirt „zur Eisenbahn“ schickte, nach dem 11. Juli 1836 in einem Wagen der dritten Klasse.

Regulären Güterverkehr gab es erst nach August 1839.

Der Lokschuppen

Der Lokschuppen liegt in der Karolinenstraße 90 in Fürth, nahe dem U-Bahnhof Stadtgrenze.

Er stammt von etwa 1860 und diente als Standplatz für Rangierlokomotiven der Staatseisenbahn.

Sie sorgten zunächst für den Austausch von Wagen der Ludwig-Süd-Nord-Bahn und der Ludwigseisenbahn.

Die Ludwigseisenbahn hatte bis 1865 das Privileg der Personenbeförderung zwischen den beiden Städten, deshalb waren direkte Züge nicht möglich.

Güterwagen konnten dagegen über ein Verbindungsgleis direkt zwischen der Staatsbahn und der Ludwigseisenbahn überführt werden, nahe der Fürther Kreuzung.

Diese Kreuzung existierte bis 1876, als etwa auf ihrer Höhe der Bahnhof Nürnberg-Doos gebaut wurde.

Das Alter des Gebäudes wird auf Commons unterschiedlich angegeben, es ist von 1844 oder um 1865 für den rechten Teil die Rede, ein Anbau links stammt um 1911.

Der Lokschuppen steht in der Fürther Denkmalliste.

Der Lokschuppen an der Stadtgrenze Nürnberg/Fürth in der Karolinenstraße 90, 2007.
Der Lokschuppen an der Stadtgrenze Nürnberg/Fürth in der Karolinenstraße 90, 2007. Foto: Dr. Alexander Mayer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Lokschuppen an der Stadtgrenze Nürnberg/Fürth, 2015.
Der Lokschuppen an der Stadtgrenze Nürnberg/Fürth, 2015. Foto: Superikonoskop, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Innenraum des Lokschuppens, 2011.
Der Innenraum des Lokschuppens, 2011. Foto: Superikonoskop, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang und Ende

Die parallel verlaufende Straßenbahn Nürnberg–Fürth wurde 1881 eröffnet und machte der Ludwigseisenbahn Konkurrenz.

1896 wurde sie elektrifiziert.

Das und die Inflation seit 1914 trugen dazu bei, dass der Bahnverkehr am 31. Oktober 1922 eingestellt wurde.

Das Empfangsgebäude auf der Fürther Freiheit wurde 1938 abgerissen.

Danach blieb der Platz bis heute unbebaut.

Beim Bau des U-Bahnhofs Stadtgrenze wurde das letzte Bahnwärterhaus der alten Ludwigsbahn abgerissen, das als ältestes Bahnwärterhaus Deutschlands galt.

Mit dem Abriss am 10. August 1967 fiel das letzte Baudenkmal der Strecke.

So sieht es jetzt aus

Auf der Fürther Freiheit steht heute ein Platz, an der Stelle des Bahnhofs gibt es kein Gebäude mehr.

Seit 1985 verbindet die Linie U1 der U-Bahn Nürnberg Nürnberg und Fürth und verläuft fast vollständig entlang der Trasse der Ludwigsbahn.

Der Lokschuppen ist in einem äußerst schlechten Zustand, nachdem Unterhaltsmaßnahmen jahrzehntelang unterblieben.

Nach einem Brand war er mit offenem Dachstuhl der Witterung ausgesetzt, und im Juli 2018 wurde das Dach provisorisch mit Folie abgedeckt.

Der Lokschuppen in der Ansicht aus Südosten, 2016.
Der Lokschuppen in der Ansicht aus Südosten, 2016. Foto: Flo Sorg, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Ein weiterer Blick auf den Lokschuppen, 2016.
Ein weiterer Blick auf den Lokschuppen, 2016. Foto: Flo Sorg, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Ein Panorama zum Lokschuppen an der Stadtgrenze Nürnberg/Fürth, 2016.
Ein Panorama zum Lokschuppen an der Stadtgrenze Nürnberg/Fürth, 2016. Foto: Flo Sorg, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Damals und heute

Damals endete in Fürth die Bahn, deren Lokführer ein gebürtiger Engländer war und die ihre Fahrgäste in zwölf bis dreizehn Minuten brachte.

Heute fährt auf fast derselben Trasse die U-Bahn.

Die Geschichte in Daten

14. Mai 1833: Einladung zur Gründung der Gesellschaft.

18. November 1833: Die Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft wird gegründet.

19. Februar 1834: Konzession für die Strecke Nürnberg–Fürth.

7. Dezember 1835: Eröffnungsfahrt.

8. Dezember 1835: Beginn des Pferdebetriebs.

16. August 1836: Besuch von König Ludwig I.

um 1860: Bau des Lokschuppens in Fürth.

1862: Ende des Pferdebetriebs.

1865: Das Personenbeförderungsprivileg der Ludwigseisenbahn endet.

1876: Die Fürther Kreuzung wird aufgegeben.

1881: Die Straßenbahn Nürnberg–Fürth wird eröffnet.

31. Oktober 1922: Ende des Bahnverkehrs.

1938: Abriss des Fürther Empfangsgebäudes.

10. August 1967: Abriss des letzten Baudenkmals der Strecke.

1985: Die U-Bahn-Linie U1 verbindet Nürnberg und Fürth.

Juli 2018: Das Dach des Lokschuppens wird provisorisch mit Folie abgedeckt.

Häufige Fragen

Wann wurde der Fürther Ludwigsbahnhof eröffnet?
Das Empfangsgebäude entstand 1835, die Eröffnungsfahrt der Ludwigseisenbahn war am 7. Dezember 1835.
Wann wurde der Bahnhof abgerissen?
Das Empfangsgebäude wurde 1938 abgerissen.
Was ist heute noch erhalten?
Der Lokschuppen in der Karolinenstraße 90, der in der Denkmalliste steht, aber in einem schlechten Zustand ist.
Wann endete der Bahnverkehr?
Am 31. Oktober 1922.
Fährt heute etwas auf der alten Strecke?
Die U-Bahn-Linie U1 verläuft fast vollständig entlang der Trasse der Ludwigsbahn.

Wer heute über die Fürther Freiheit geht, steht dort, wo die erste Dampfeisenbahn Deutschlands endete.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Ludwigseisenbahn · Wikipedia (englisch): Bavarian Ludwig Railway · Wikimedia Commons: Ludwigsbahnhof Fürth

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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