Die stillen Halte der Bahn Nabburg–Schönsee
Von 1904 bis 1976 fuhren Personenzüge von Nabburg durch den Oberpfälzer Wald nach Schönsee. Heute liegt auf der Trasse ein Radweg, und die Halte von Stulln bis Gaisthal sind Geschichte.

Lage: Landkreise Schwandorf, Oberpfalz. Status: Strecke stillgelegt und abgebaut, nur der Rest von Nabburg bis Stulln ist ein Anschlussgleis. Heute: Rad- und Wanderweg, Teil des Bayerisch-Böhmischen Freundschaftswegs.
Die Bahnstrecke Nabburg–Schönsee war eine Nebenbahn, die von Nabburg durch den Oberpfälzer Wald über Oberviechtach nach Schönsee verlief.
Personenzüge fuhren hier von 1904 bis 1976.
Die Strecke ist stillgelegt und zum größten Teil abgebaut, auf der Trasse liegt heute ein Rad- und Wanderweg.
Alte freie Fotos aus dem Bahnbetrieb gibt es nicht, die Bilder zeigen den Zustand der vergangenen Jahre.
Dieser Beitrag geht die Halte von Stulln bis Schönsee der Reihe nach durch.
Wie die Bahn in den Oberpfälzer Wald kam
In den 1890er-Jahren entstanden die ersten Pläne für eine Bahn in dieser Gegend, Ausgangspunkt sollte Nabburg oder Schwarzenfeld an der Strecke Regensburg–Weiden werden.
1898 wurde das Projekt Nabburg oder Schwarzenfeld nach Schönsee genehmigt.
Zwei Jahre später wurde die Konzession für die Strecke von Nabburg nach Oberviechtach ausgefertigt.
Der 29 Kilometer lange Abschnitt kostete rund 1,8 Millionen Mark.
Das benötigte Bauland mussten die Gemeinden an der Strecke aufbringen.
Am 18. August 1904 eröffneten die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen die Strecke bis Oberviechtach.
In Oberviechtach und in Schönsee lebten damals jeweils etwa 1.300 Menschen.
Die Verlängerung nach Schönsee wurde im Sommer 1904 genehmigt, die Bauarbeiten begannen aber erst drei Jahre später.
Sie kostete rund 1,4 Millionen Mark und ging am 1. August 1913 in Betrieb.
Stulln und Brensdorf: der Anfang bei Nabburg
Die Strecke begann im Bahnhof Nabburg auf 368 Metern Höhe und folgte der Hauptstrecke auf der Westseite bis zur Anschlussstelle Stulln.
Die Anschlussstelle Stulln-Nabburg liegt bei Kilometer 2,7, dort zweigt der Anschluss zur Fluorchemie Stulln ab.
Bei Kilometer 3,3 folgte der Haltepunkt Brensdorf.
Danach überquerte die Strecke die Bahnlinie Regensburg–Weiden und die Naab.

Wölsendorf: ein Halt im Flussspatgebiet
Der Bahnhof Wölsendorf lag bei Streckenkilometer 4,7.
Um Wölsendorf und Stulln wurde ab 1900 verstärkt Flussspat abgebaut.
Der Flussspatbergbau um Wölsendorf ging nach der Ausbeutung der Lagerstätten seinem Ende entgegen.
Die Schachtanlagen um Wölsendorf sind heute Geschichte.
Der Bahnhof Wölsendorf ist stillgelegt.
Schwarzhofen: eröffnet am ersten Tag
Der Bahnhof Schwarzhofen lag bei Streckenkilometer 17,65.
Er wurde am 18. August 1904 eröffnet, am selben Tag wie die gesamte Strecke bis Oberviechtach.
Zwischen Wölsendorf und Schwarzhofen lagen die Halte Altfalter, Schwarzach, Willhof und Altendorf.
Auf der Trasse verläuft heute der Bayerisch-Böhmische Freundschaftsweg.


Pertolzhofen: die Bahn verändert den Ort
Der Bahnhof Pertolzhofen lag bei Streckenkilometer 22,0 im Tal der Murach.
Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaute Bahnstrecke brachte dem Ort wirtschaftliche Veränderungen.
Heute liegt Pertolzhofen an der ehemaligen Bahnstrecke, die zum Radweg ausgebaut wurde.
Der Bayerisch-Böhmische Freundschaftsweg ist 90 Kilometer lang und verbindet Nabburg mit Horšovský Týn in Tschechien.

Niedermurach
Der Bahnhof Niedermurach lag bei Streckenkilometer 25,66.
Er liegt an der heute stillgelegten Bahnstrecke und ist ein Ortsteil der Stadt Oberviechtach.

Oberviechtach: Kreisstadt mit Denkmallok
Oberviechtach lag bei Streckenkilometer 28,94.
Von 1904 bis 1976 fuhren Personenzüge von Nabburg nach Oberviechtach, ab 1913 weiter nach Schönsee.
Der reguläre Güterverkehr hielt sich auf einem Teil der Strecke bis zum 15. Oktober 1994, vor allem dank des Bundeswehrstandortes Oberviechtach.
Das Bahnhofsgebäude gehört einem ortsansässigen Unternehmer und ist mustergültig renoviert.
Auf der ehemaligen Trasse davor steht eine Denkmallokomotive.
Es handelt sich um eine Werkslok von Hanomag mit der Bezeichnung 3427 aus dem Jahr 1899.
Die Lok wurde nie auf der Strecke eingesetzt, erinnert aber an den Dampfbetrieb der Anfangsjahre.


Lind: der höchste Punkt der Strecke
Der Bahnhof Lind lag bei Kilometer 32,85 auf 575 Metern Höhe und war der Scheitelpunkt der Strecke.
Hier endete der reguläre Güterverkehr schon am 3. Juni 1984.
An Lind vorbei führt heute ein Radweg auf der ehemaligen Eisenbahnlinie.

Winklarn: ein Halt ohne Überlieferung
Der Bahnhof Winklarn lag bei Streckenkilometer 36,7.
Weitere Angaben zu diesem Halt sind nicht belegt.
Gaisthal: ein nachgebauter Haltepunkt
Der Bahnhof Gaisthal lag bei Streckenkilometer 40,5.
Gaisthal gehört seit dem 1. Januar 1975 zu Schönsee.
2009 wurde der Haltepunkt nachgebaut und dient heute als Servicestation für Radfahrer mit Toilette und Bank.

Schönsee: der Endpunkt auf 646 Metern
Schönsee war der Endpunkt der Strecke bei Kilometer 46,0 auf 646 Metern Höhe.
Vom ehemaligen Bahnhof Schönsee verläuft ein Rad- und Wanderweg auf der früheren Eisenbahnlinie nach Nabburg.
Der nächste Bahnhof liegt 30 Kilometer westlich in Nabburg.
Das Ende der Strecke
In den letzten Jahren wurde der Personenverkehr ausschließlich mit Schienenbussen bedient.
Am 30. Mai 1976 wurde er eingestellt.
Mit Erlass vom 15. September 1994 hob das Bundesverkehrsministerium die Auflagen zur Erhaltung der Infrastruktur zwischen Stulln und Lind auf.
Die DB AG kündigte an, den Betrieb zum 1. Februar 1995 dauerhaft einzustellen.
Gefahren wurde danach nur noch bis zur Anschlussstelle Stulln.
Zum 1. Mai 2006 wurde der Abschnitt von Nabburg nach Stulln in ein nichtöffentliches Anschlussgleis der Fluorchemie Stulln umgewandelt.
Wegen der 2023 angemeldeten Insolvenz der Fluorchemie Stulln wurde der Güterverkehr auf dem Rest der Strecke zum 1. Mai 2025 formal eingestellt.
So sieht es jetzt aus
Erhalten blieb die Brücke über die Naab.
Sie verbindet unterschiedliche Brückenbautechniken und führt nacheinander über die Bahnstrecke Regensburg–Weiden, eine Straße, den Fluss, eine weitere Straße und die Bundesautobahn 93.
Die ehemalige Bahntrasse wurde zum Fahrradweg umgebaut und ist Teil des Bayerisch-Böhmischen Freundschaftsweges.
Vorher und nachher
1904 erreichte der erste Zug Oberviechtach, 2013 steht dort ein renoviertes Bahnhofsgebäude.
1899 baute Hanomag die Lokomotive, die heute am Bahnhof Oberviechtach steht, obwohl sie nie auf der Strecke fuhr.
Die Geschichte in Daten
1898: Das Projekt Nabburg oder Schwarzenfeld nach Schönsee wird genehmigt.
1900: Die Konzession für Nabburg–Oberviechtach wird ausgefertigt.
18. August 1904: Eröffnung der Strecke bis Oberviechtach.
1. August 1913: Eröffnung der Verlängerung bis Schönsee.
30. Mai 1976: Der Personenverkehr wird eingestellt.
3. Juni 1984: Der reguläre Güterverkehr endet in Lind.
15. September 1994: Das Bundesverkehrsministerium hebt die Erhaltungsauflagen auf.
15. Oktober 1994: Ende des Güterverkehrs im übrigen Abschnitt.
1. Februar 1995: Die DB AG kündigt die dauerhafte Betriebseinstellung an.
1. Mai 2006: Der Rest bis Stulln wird zum Anschlussgleis.
1. Mai 2025: Der Güterverkehr auf dem Rest wird formal eingestellt.
Häufige Fragen
Wann fuhr der letzte Personenzug nach Schönsee?
Wo ist die Strecke Nabburg–Schönsee heute zu sehen?
Was steht vor dem Bahnhof Oberviechtach?
Wie hoch lag der höchste Bahnhof?
Was ist von der Strecke noch in Betrieb?
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