Gredlbahn und Spalter Bockl: stille Halte in Mittelfranken
Die Gredl fuhr einst von Roth nach Greding, heute ist nur noch das Stück bis Hilpoltstein in Betrieb. Das Spalter Bockl verlor 1969 seine Reisezüge und ist heute ein Radweg.


Lage: Mittelfranken, Gredl von Roth über Hilpoltstein nach Greding, Spalter Bockl von Georgensgmünd nach Spalt. Status: Der Nordast der Gredl ist in Betrieb, der Südast ab Hilpoltstein und das Spalter Bockl sind stillgelegt. Heute: Radwege auf beiden Trassen.
Zwei Nebenbahnen im Raum Roth sind in diesem Beitrag zusammengefasst.
Die Gredl, die Bahnstrecke Roth–Greding, war einst 39 Kilometer lang.
Ihr Nordast von Roth bis Hilpoltstein ist in Betrieb und gehört nicht zu diesem Beitrag, stillgelegt ist nur der Südast ab Hilpoltstein.
Das Spalter Bockl von Georgensgmünd nach Spalt war 6,92 Kilometer lang und ist seit Jahren ein Radweg.
Freie Fotos aus der Betriebszeit liegen nicht vor, die Bilder zeigen erhaltene Gebäude und die Radwege auf den Trassen.
Die Gredl: Entstehung
Schon 1864 war eine Bahnverbindung zwischen Ingolstadt und Nürnberg über Kipfenberg und Greding im Gespräch.
Gebaut wurde stattdessen die Verbindung über Treuchtlingen.
1876 setzten sich viele Gemeinden für eine Bahn von Kelheim über Beilngries und Thalmässing nach Georgensgmünd ein, auch dieses Projekt kam nicht zustande.
Die später gebaute Lokalbahn Roth–Greding erschloss ein bis dahin bahnloses Gebiet zwischen mehreren Hauptstrecken.
Zu dieser Zeit wurde ungefähr die Hälfte der jährlich 8.500 Tonnen Fracht, die im Bahnhof Roth anfiel, aus der Region um Hilpoltstein und Greding mit Pferdefuhrwerken herangeschafft.
Das Gesetz über Bahnen lokaler Bedeutung vom 21. April 1884 sah den Bau dieser und zwölf weiterer Lokalbahnen vor.
Die Baukosten wurden mit 1,915 Millionen Goldmark veranschlagt.
Den Grund und Boden musste der Staat kostenfrei erhalten.
Die Strecke zählte mit einem kleinsten Bogenhalbmesser von 180 Metern zu den am engsten trassierten Nebenbahnen Bayerns.
So sah es vorher aus: sechzehn Stationen in 39 Kilometern
Anfang September 1886 begannen die Erdarbeiten an den ersten drei Losen mit bis zu 305 Arbeitern.
Am 11. August 1887 erreichte erstmals ein Zug Thalmässing, am 15. September 1887 ein Materialzug die Endstation Greding.
Der fahrplanmäßige Betrieb begann am 25. Oktober 1887 mit zwei Zugpaaren täglich, die offizielle Eröffnung folgte am 1. Juni 1888.
Zwischen Roth und Greding lagen in Abständen von 1,5 bis 3,5 Kilometern 16 Stationen.
Neun davon dienten Personen und Gütern, sieben Haltepunkte nur den Reisenden.
Die Fahrt über die ganze Strecke dauerte 135 bis 150 Minuten.
Eine Hin- und Rückfahrt zwischen Greding und Hilpoltstein kostete zwei Mark, etwa einen Tageslohn.
Aus der Strecke entstand der Zungenbrecher mit dem Satz über die Gretel, die mit der Gredl nach Greding fuhr.
Die Zahl der Personenfahrten stieg bis 1899 auf bis zu 111.189.

Hofstetten
Der Haltepunkt Hofstetten lag bei Kilometer 4,41 und wurde bis zum 28. Mai 1988 bedient.
Am Ortsrand entstand um 1937 oder 1938 für die ursprünglich geplante Variante des Main-Donau-Kanals eine Betriebsstelle mit Weiche, Ladegleis, Stellwerk und Ladekran.
Das Baumaterial wurde auf eine etwa ein Kilometer lange Feldbahn von 600 Millimetern Spurweite umgeladen.
Dafür fuhren sechs bis acht Züge pro Tag, die Strecke erbrachte damals ihre größte Leistung.
Die Kanalarbeiten wurden wegen des Kriegsbeginns eingestellt.
Hilpoltstein: Ende des Nordasts
Hilpoltstein bei Kilometer 10,973 ist heute der Endpunkt der Gredl.
Der Haltepunkt ist in Betrieb, hier beginnt der stillgelegte Südast.


Heideck
Der Bahnhof Heideck lag bei Kilometer 17,33 in Seiboldsmühle, rund 2,5 Kilometer nordöstlich der Altstadt.
Heideck und Eysölden waren die einwohnerstärksten Orte an der Strecke, wurden aber wegen der Linienführung nur ortsfern berührt.
Die Fahrgäste hatten lange Fußwege zu den Bahnhöfen.
1960 erhielt Heideck wie Eckersmühlen, Hilpoltstein und Thalmässing ein mechanisches Stellwerk.
1984 wurde das Bahnhofsgebäude zum Verkauf angeboten.
Bis 1974 hatte Heideck Personenverkehr, bis 2. Juni 1991 den Güterverkehr.

Zell und Eysölden
Der Haltepunkt Zell lag bei Kilometer 20,09.
Eysölden bei Kilometer 21,90 war ein Bahnhof, dessen Wagenladungsverkehr zum 2. Juni 1991 eingestellt wurde.
Weitere Einzelheiten zu beiden Halten sind nicht belegt.
Alfershausen
Der Bahnhof Alfershausen lag bei Kilometer 24,21 vor der Thalach.
Es gab hier einen Gleisanschluss für einen Raiffeisenmarkt, der bis 1986 bedient wurde.
Am 23. April 1945 wurden am Bahnhof zwei deutsche Panzer von US-Truppen zerstört.
Thalmässing
Thalmässing bei Kilometer 27,41 war ein dreigleisiger Bahnhof.
Ende April 1887 wurde beim Bahnbau südlich von Thalmässing ein Gräberfeld aus der Merowingerzeit angeschnitten, zwanzig Gräber wurden geöffnet.
Der Güterverkehr nach Thalmässing mit etwa 250 Wagen im Jahr wurde im Oktober 1997 eingestellt.
Der letzte Dampfzug zwischen Heideck und Thalmässing fuhr im September 1998.
Der Gredl-Radweg führt dort entlang der alten Trasse an Bahnexponaten und Infotafeln vorbei.

Göllersreuth, Höbing, Günzenhofen und Hausen
Göllersreuth lag als Haltepunkt bei Kilometer 30,39.
Höbing bei Kilometer 33,59 war Bahnhof mit eigenem Personal.
In den 1930er-Jahren kam in Höbing regelmäßig Material für den Bau der Reichsautobahn an, das auf Rollwagen zu mehreren Brückenbaustellen gebracht wurde.
Nahe dem Bahnhof entstand eine Mischanlage mit Gleisanschluss, in der Betondecken für die Autobahn hergestellt wurden.
Günzenhofen bei Kilometer 35,18 ging am 1. Juni 1894 als Halteplatz in Betrieb.
Hausen bei Kilometer 36,41 wurde 1892 in Hausen bei Greding umbenannt.
1935 entstand bei Hausen eine Autobahnbrücke über die Strecke, dafür wurde die Streckenführung zwischen Gunzendorf und Greding angepasst.
Greding
Der Endbahnhof Greding bei Kilometer 39,22 besaß drei Gleise, ein Betriebsgebäude, ein Nebengebäude, eine Lokomotivremise für zwei Lokomotiven, ein Ökonomiegebäude und eine Ladehalle.
Die Betriebsleitung der Strecke war in Greding eingerichtet.
Schon im Bau war die Lage des Bahnhofs so gewählt worden, dass eine Weiterführung nach Kinding oder Kipfenberg möglich gewesen wäre, die in den frühen 1910er-Jahren diskutiert wurde.
Mit der Autobahn in unmittelbarer Nähe hatte sich die Stadt verkehrsgeografisch längst anders orientiert.

Niedergang und Ende der Gredl
Mitte der 1950er-Jahre verkehrten täglich sechs Zugpaare, vor allem für Berufspendler nach Nürnberg.
Mit Genehmigung vom 28. Februar 1972 wurde zum 28. Mai 1972 der Gesamtverkehr zwischen Thalmässing und Greding auf 12 Kilometern eingestellt und durch eine Buslinie ersetzt.
Am 29. September 1974 endete der Personenverkehr auf dem 16 Kilometer langen Abschnitt Hilpoltstein–Thalmässing.
Der Güterverkehr lief noch weiter, bis zum 2. Juni 1991 schloss die Bahn die Wagenladungsstellen Alfershausen, Eysölden und Heideck.
Die Deutsche Bahn beantragte am 3. März 1998 die dauernde Einstellung zwischen Hilpoltstein und Thalmässing.
Der Abschnitt zwischen Heideck und Thalmässing wurde am 21. September 1998 stillgelegt.
Zum 30. September 1999 wurde auch der Betrieb zwischen Hilpoltstein und Heideck eingestellt.
Zwischen September 2005 und Juli 2006 entstand ein Radweg von zunächst 16,2 Kilometern zwischen Hilpoltstein und Thalmässing.
Das Spalter Bockl: Entstehung
Das Bockl zweigte in Georgensgmünd von der Hauptbahn Treuchtlingen–Nürnberg ab und führte nach Spalt.
Überliefert ist, dass die Spalter Hopfenbauern eine frühere Streckenführung der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn über Spalt aus Sorge um die Qualität ihres Hopfens verhindert haben sollen.
Als die Eisenbahn später anerkannt war, musste Spalt nach dem Vizinalbahngesetz die Baukosten von 80.000 Gulden selbst aufbringen.
Die 14 Brücken und Durchlässe wurden aus Steinen gebaut, die beim Abriss der Stadtmauer anfielen.
Die Strecke bestand zu fast drei Vierteln aus Geraden und war mit 398.308 Mark Baukosten 6,92 Kilometer lang.
Am 16. Oktober 1872 wurde sie als zweite Vizinalbahn der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen eröffnet.
Hügelmühle, Großweingarten und Wasserzell
Die Haltepunkte Wasserzell und Hügelmühle wurden erst 1892 und 1897 eingerichtet und bis 1922 und 1924 bedient.
Als Ersatz entstand 1924 der Haltepunkt Großweingarten, der bis 1969 bestand.
Hügelmühle lag bei Kilometer 3,6, Großweingarten bei 4,28 und Wasserzell bei 5,3.
Spalt
Betriebsmittelpunkt des Bockls war der Bahnhof Spalt bei Kilometer 6,92.
Die Lokomotiven übernachteten in einer zweiständigen Lokomotivstation an der Ausfahrt Richtung Georgensgmünd.
Ab 1905 prägten die Glaskästen der Baureihe PtL 2/2 die Strecke, bis 1963 die 98 307 ausgemustert wurde.
Der Bahnhof wurde restauriert und ist seit 1993 als Kulturbahnhof ein Zentrum des kulturellen Lebens der Stadt.



Niedergang und Ende des Bockls
Der Bundesverkehrsminister genehmigte mit Erlass vom 25. März 1969 die Einstellung des Betriebs.
Am 28. September 1969 endete der Personenverkehr, obwohl die Strecke 1963 noch komplett saniert worden war.
Güterzüge fuhren noch bis zum 28. Mai 1995.
1914 war eine Verlängerung nach Windsbach geplant, sie wurde nicht verwirklicht.
Die Maschine 98 307 ist im Deutschen Dampflokomotiv-Museum in Neuenmarkt zu besichtigen.
So sieht es jetzt aus
Auf dem Südast der Gredl führt der Gredl-Radweg zwischen Hilpoltstein und Thalmässing nahezu durchgängig über die alte Trasse, zwischen Thalmässing und Greding nimmt er vielfach andere Wege.
Das Spalter Bockl ist zu einem Radwanderweg umgebaut.
Die Geschichte in Daten
1872: Am 16. Oktober wird das Spalter Bockl eröffnet.
1884: Am 21. April tritt das Lokalbahngesetz in Kraft.
1887: Am 25. Oktober beginnt der Fahrplanbetrieb der Gredl.
1888: Am 1. Juni folgt die offizielle Eröffnung.
1924: Der Haltepunkt Großweingarten entsteht.
1969: Am 28. September endet der Personenverkehr am Spalter Bockl.
1972: Am 28. Mai wird der Verkehr zwischen Thalmässing und Greding eingestellt.
1974: Am 29. September endet der Personenverkehr Hilpoltstein–Thalmässing.
1988: Am 28. Mai wird der Haltepunkt Hofstetten aufgegeben.
1991: Am 2. Juni endet der Güterverkehr in Alfershausen, Eysölden und Heideck.
1993: Der Spalter Bahnhof wird Kulturbahnhof.
1995: Am 28. Mai endet der Güterverkehr zum Bockl.
1998: Am 21. September wird der Abschnitt Heideck–Thalmässing stillgelegt.
1999: Zum 30. September endet der Betrieb Hilpoltstein–Heideck.
2006: Im Juli ist der Gredl-Radweg zwischen Hilpoltstein und Thalmässing fertig.
Häufige Fragen
Fährt die Gredl noch?
Wann endete der Verkehr nach Greding?
Gibt es einen Radweg auf der Gredl-Trasse?
Wann endete der Personenverkehr auf dem Spalter Bockl?
Was ist aus dem Bahnhof Spalt geworden?
Auf beiden Trassen sind aus Bahnlinien Radwege geworden, die an die Gredl und das Bockl erinnern.
Bahnstrecke Roth–Greding (Wikipedia) · Bahnstrecke Georgensgmünd–Spalt (Wikipedia) · Heideck (Wikipedia) · Thalmässing (Wikipedia) · Greding (Wikipedia) · Alfershausen (Wikipedia)
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