Gredlbahn und Spalter Bockl: stille Halte in Mittelfranken

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Gredlbahn und Spalter Bockl: stille Halte in Mittelfranken

Die Gredl fuhr einst von Roth nach Greding, heute ist nur noch das Stück bis Hilpoltstein in Betrieb. Das Spalter Bockl verlor 1969 seine Reisezüge und ist heute ein Radweg.

VORHER · 2015

Der Bahnhof Heideck-Seiboldsmühle.

Der Bahnhof Heideck-Seiboldsmühle. Foto: Rensi, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
NACHHER · 2020

Der Bahnhof Seiboldsmühle.

Der Bahnhof Seiboldsmühle. Foto: DALIBRI, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1872
Spalter Bockl eröffnet
1887
Gredl nimmt den Betrieb auf
1972
Thalmässing–Greding eingestellt
1999
Gredl-Südast endgültig leer

Lage: Mittelfranken, Gredl von Roth über Hilpoltstein nach Greding, Spalter Bockl von Georgensgmünd nach Spalt. Status: Der Nordast der Gredl ist in Betrieb, der Südast ab Hilpoltstein und das Spalter Bockl sind stillgelegt. Heute: Radwege auf beiden Trassen.

Zwei Nebenbahnen im Raum Roth sind in diesem Beitrag zusammengefasst.

Die Gredl, die Bahnstrecke Roth–Greding, war einst 39 Kilometer lang.

Ihr Nordast von Roth bis Hilpoltstein ist in Betrieb und gehört nicht zu diesem Beitrag, stillgelegt ist nur der Südast ab Hilpoltstein.

Das Spalter Bockl von Georgensgmünd nach Spalt war 6,92 Kilometer lang und ist seit Jahren ein Radweg.

Freie Fotos aus der Betriebszeit liegen nicht vor, die Bilder zeigen erhaltene Gebäude und die Radwege auf den Trassen.

Die Gredl: Entstehung

Schon 1864 war eine Bahnverbindung zwischen Ingolstadt und Nürnberg über Kipfenberg und Greding im Gespräch.

Gebaut wurde stattdessen die Verbindung über Treuchtlingen.

1876 setzten sich viele Gemeinden für eine Bahn von Kelheim über Beilngries und Thalmässing nach Georgensgmünd ein, auch dieses Projekt kam nicht zustande.

Die später gebaute Lokalbahn Roth–Greding erschloss ein bis dahin bahnloses Gebiet zwischen mehreren Hauptstrecken.

Zu dieser Zeit wurde ungefähr die Hälfte der jährlich 8.500 Tonnen Fracht, die im Bahnhof Roth anfiel, aus der Region um Hilpoltstein und Greding mit Pferdefuhrwerken herangeschafft.

Das Gesetz über Bahnen lokaler Bedeutung vom 21. April 1884 sah den Bau dieser und zwölf weiterer Lokalbahnen vor.

Die Baukosten wurden mit 1,915 Millionen Goldmark veranschlagt.

Den Grund und Boden musste der Staat kostenfrei erhalten.

Die Strecke zählte mit einem kleinsten Bogenhalbmesser von 180 Metern zu den am engsten trassierten Nebenbahnen Bayerns.

So sah es vorher aus: sechzehn Stationen in 39 Kilometern

Anfang September 1886 begannen die Erdarbeiten an den ersten drei Losen mit bis zu 305 Arbeitern.

Am 11. August 1887 erreichte erstmals ein Zug Thalmässing, am 15. September 1887 ein Materialzug die Endstation Greding.

Der fahrplanmäßige Betrieb begann am 25. Oktober 1887 mit zwei Zugpaaren täglich, die offizielle Eröffnung folgte am 1. Juni 1888.

Zwischen Roth und Greding lagen in Abständen von 1,5 bis 3,5 Kilometern 16 Stationen.

Neun davon dienten Personen und Gütern, sieben Haltepunkte nur den Reisenden.

Die Fahrt über die ganze Strecke dauerte 135 bis 150 Minuten.

Eine Hin- und Rückfahrt zwischen Greding und Hilpoltstein kostete zwei Mark, etwa einen Tageslohn.

Aus der Strecke entstand der Zungenbrecher mit dem Satz über die Gretel, die mit der Gredl nach Greding fuhr.

Die Zahl der Personenfahrten stieg bis 1899 auf bis zu 111.189.

Im Jahr 1993 wurden die Gleisanlagen im Bahnhof Hilpoltstein erneuert.
Im Jahr 1993 wurden die Gleisanlagen im Bahnhof Hilpoltstein erneuert. Foto: Jörg Schäfer, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Hofstetten

Der Haltepunkt Hofstetten lag bei Kilometer 4,41 und wurde bis zum 28. Mai 1988 bedient.

Am Ortsrand entstand um 1937 oder 1938 für die ursprünglich geplante Variante des Main-Donau-Kanals eine Betriebsstelle mit Weiche, Ladegleis, Stellwerk und Ladekran.

Das Baumaterial wurde auf eine etwa ein Kilometer lange Feldbahn von 600 Millimetern Spurweite umgeladen.

Dafür fuhren sechs bis acht Züge pro Tag, die Strecke erbrachte damals ihre größte Leistung.

Die Kanalarbeiten wurden wegen des Kriegsbeginns eingestellt.

Hilpoltstein: Ende des Nordasts

Hilpoltstein bei Kilometer 10,973 ist heute der Endpunkt der Gredl.

Der Haltepunkt ist in Betrieb, hier beginnt der stillgelegte Südast.

Die frühere Gredl-Bahnbrücke im Stadtpark von Hilpoltstein.
Die frühere Gredl-Bahnbrücke im Stadtpark von Hilpoltstein. Foto: bigbug21, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Beginn des Radwegs auf der früheren Gredl-Trasse in Hilpoltstein.
Beginn des Radwegs auf der früheren Gredl-Trasse in Hilpoltstein. Foto: bigbug21, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Heideck

Der Bahnhof Heideck lag bei Kilometer 17,33 in Seiboldsmühle, rund 2,5 Kilometer nordöstlich der Altstadt.

Heideck und Eysölden waren die einwohnerstärksten Orte an der Strecke, wurden aber wegen der Linienführung nur ortsfern berührt.

Die Fahrgäste hatten lange Fußwege zu den Bahnhöfen.

1960 erhielt Heideck wie Eckersmühlen, Hilpoltstein und Thalmässing ein mechanisches Stellwerk.

1984 wurde das Bahnhofsgebäude zum Verkauf angeboten.

Bis 1974 hatte Heideck Personenverkehr, bis 2. Juni 1991 den Güterverkehr.

Der Bahnhof Seiboldsmühle.
Der Bahnhof Seiboldsmühle. Foto: DALIBRI, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Zell und Eysölden

Der Haltepunkt Zell lag bei Kilometer 20,09.

Eysölden bei Kilometer 21,90 war ein Bahnhof, dessen Wagenladungsverkehr zum 2. Juni 1991 eingestellt wurde.

Weitere Einzelheiten zu beiden Halten sind nicht belegt.

Alfershausen

Der Bahnhof Alfershausen lag bei Kilometer 24,21 vor der Thalach.

Es gab hier einen Gleisanschluss für einen Raiffeisenmarkt, der bis 1986 bedient wurde.

Am 23. April 1945 wurden am Bahnhof zwei deutsche Panzer von US-Truppen zerstört.

Thalmässing

Thalmässing bei Kilometer 27,41 war ein dreigleisiger Bahnhof.

Ende April 1887 wurde beim Bahnbau südlich von Thalmässing ein Gräberfeld aus der Merowingerzeit angeschnitten, zwanzig Gräber wurden geöffnet.

Der Güterverkehr nach Thalmässing mit etwa 250 Wagen im Jahr wurde im Oktober 1997 eingestellt.

Der letzte Dampfzug zwischen Heideck und Thalmässing fuhr im September 1998.

Der Gredl-Radweg führt dort entlang der alten Trasse an Bahnexponaten und Infotafeln vorbei.

Bahnsteig des ehemaligen Bahnhofs Thalmässing.
Bahnsteig des ehemaligen Bahnhofs Thalmässing. Foto: Siegmar S., CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Göllersreuth, Höbing, Günzenhofen und Hausen

Göllersreuth lag als Haltepunkt bei Kilometer 30,39.

Höbing bei Kilometer 33,59 war Bahnhof mit eigenem Personal.

In den 1930er-Jahren kam in Höbing regelmäßig Material für den Bau der Reichsautobahn an, das auf Rollwagen zu mehreren Brückenbaustellen gebracht wurde.

Nahe dem Bahnhof entstand eine Mischanlage mit Gleisanschluss, in der Betondecken für die Autobahn hergestellt wurden.

Günzenhofen bei Kilometer 35,18 ging am 1. Juni 1894 als Halteplatz in Betrieb.

Hausen bei Kilometer 36,41 wurde 1892 in Hausen bei Greding umbenannt.

1935 entstand bei Hausen eine Autobahnbrücke über die Strecke, dafür wurde die Streckenführung zwischen Gunzendorf und Greding angepasst.

Greding

Der Endbahnhof Greding bei Kilometer 39,22 besaß drei Gleise, ein Betriebsgebäude, ein Nebengebäude, eine Lokomotivremise für zwei Lokomotiven, ein Ökonomiegebäude und eine Ladehalle.

Die Betriebsleitung der Strecke war in Greding eingerichtet.

Schon im Bau war die Lage des Bahnhofs so gewählt worden, dass eine Weiterführung nach Kinding oder Kipfenberg möglich gewesen wäre, die in den frühen 1910er-Jahren diskutiert wurde.

Mit der Autobahn in unmittelbarer Nähe hatte sich die Stadt verkehrsgeografisch längst anders orientiert.

Ende des Gredl-Radwegs am nördlichen Ortsrand von Greding.
Ende des Gredl-Radwegs am nördlichen Ortsrand von Greding. Foto: Bigbug21, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang und Ende der Gredl

Mitte der 1950er-Jahre verkehrten täglich sechs Zugpaare, vor allem für Berufspendler nach Nürnberg.

Mit Genehmigung vom 28. Februar 1972 wurde zum 28. Mai 1972 der Gesamtverkehr zwischen Thalmässing und Greding auf 12 Kilometern eingestellt und durch eine Buslinie ersetzt.

Am 29. September 1974 endete der Personenverkehr auf dem 16 Kilometer langen Abschnitt Hilpoltstein–Thalmässing.

Der Güterverkehr lief noch weiter, bis zum 2. Juni 1991 schloss die Bahn die Wagenladungsstellen Alfershausen, Eysölden und Heideck.

Die Deutsche Bahn beantragte am 3. März 1998 die dauernde Einstellung zwischen Hilpoltstein und Thalmässing.

Der Abschnitt zwischen Heideck und Thalmässing wurde am 21. September 1998 stillgelegt.

Zum 30. September 1999 wurde auch der Betrieb zwischen Hilpoltstein und Heideck eingestellt.

Zwischen September 2005 und Juli 2006 entstand ein Radweg von zunächst 16,2 Kilometern zwischen Hilpoltstein und Thalmässing.

Das Spalter Bockl: Entstehung

Das Bockl zweigte in Georgensgmünd von der Hauptbahn Treuchtlingen–Nürnberg ab und führte nach Spalt.

Überliefert ist, dass die Spalter Hopfenbauern eine frühere Streckenführung der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn über Spalt aus Sorge um die Qualität ihres Hopfens verhindert haben sollen.

Als die Eisenbahn später anerkannt war, musste Spalt nach dem Vizinalbahngesetz die Baukosten von 80.000 Gulden selbst aufbringen.

Die 14 Brücken und Durchlässe wurden aus Steinen gebaut, die beim Abriss der Stadtmauer anfielen.

Die Strecke bestand zu fast drei Vierteln aus Geraden und war mit 398.308 Mark Baukosten 6,92 Kilometer lang.

Am 16. Oktober 1872 wurde sie als zweite Vizinalbahn der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen eröffnet.

Hügelmühle, Großweingarten und Wasserzell

Die Haltepunkte Wasserzell und Hügelmühle wurden erst 1892 und 1897 eingerichtet und bis 1922 und 1924 bedient.

Als Ersatz entstand 1924 der Haltepunkt Großweingarten, der bis 1969 bestand.

Hügelmühle lag bei Kilometer 3,6, Großweingarten bei 4,28 und Wasserzell bei 5,3.

Spalt

Betriebsmittelpunkt des Bockls war der Bahnhof Spalt bei Kilometer 6,92.

Die Lokomotiven übernachteten in einer zweiständigen Lokomotivstation an der Ausfahrt Richtung Georgensgmünd.

Ab 1905 prägten die Glaskästen der Baureihe PtL 2/2 die Strecke, bis 1963 die 98 307 ausgemustert wurde.

Der Bahnhof wurde restauriert und ist seit 1993 als Kulturbahnhof ein Zentrum des kulturellen Lebens der Stadt.

Bahnhof Spalt.
Bahnhof Spalt. Foto: Manfred E. Fritsche, CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Bahngelände am Bahnhof Spalt.
Bahngelände am Bahnhof Spalt. Foto: Manfred E. Fritsche, CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Brücke bei Spalt.
Brücke bei Spalt. Foto: Manfred E. Fritsche, CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang und Ende des Bockls

Der Bundesverkehrsminister genehmigte mit Erlass vom 25. März 1969 die Einstellung des Betriebs.

Am 28. September 1969 endete der Personenverkehr, obwohl die Strecke 1963 noch komplett saniert worden war.

Güterzüge fuhren noch bis zum 28. Mai 1995.

1914 war eine Verlängerung nach Windsbach geplant, sie wurde nicht verwirklicht.

Die Maschine 98 307 ist im Deutschen Dampflokomotiv-Museum in Neuenmarkt zu besichtigen.

So sieht es jetzt aus

Auf dem Südast der Gredl führt der Gredl-Radweg zwischen Hilpoltstein und Thalmässing nahezu durchgängig über die alte Trasse, zwischen Thalmässing und Greding nimmt er vielfach andere Wege.

Das Spalter Bockl ist zu einem Radwanderweg umgebaut.

Die Geschichte in Daten

1872: Am 16. Oktober wird das Spalter Bockl eröffnet.

1884: Am 21. April tritt das Lokalbahngesetz in Kraft.

1887: Am 25. Oktober beginnt der Fahrplanbetrieb der Gredl.

1888: Am 1. Juni folgt die offizielle Eröffnung.

1924: Der Haltepunkt Großweingarten entsteht.

1969: Am 28. September endet der Personenverkehr am Spalter Bockl.

1972: Am 28. Mai wird der Verkehr zwischen Thalmässing und Greding eingestellt.

1974: Am 29. September endet der Personenverkehr Hilpoltstein–Thalmässing.

1988: Am 28. Mai wird der Haltepunkt Hofstetten aufgegeben.

1991: Am 2. Juni endet der Güterverkehr in Alfershausen, Eysölden und Heideck.

1993: Der Spalter Bahnhof wird Kulturbahnhof.

1995: Am 28. Mai endet der Güterverkehr zum Bockl.

1998: Am 21. September wird der Abschnitt Heideck–Thalmässing stillgelegt.

1999: Zum 30. September endet der Betrieb Hilpoltstein–Heideck.

2006: Im Juli ist der Gredl-Radweg zwischen Hilpoltstein und Thalmässing fertig.

Häufige Fragen

Fährt die Gredl noch?
Ja, aber nur zwischen Roth und Hilpoltstein, der Südast nach Greding ist stillgelegt.
Wann endete der Verkehr nach Greding?
Der Verkehr zwischen Thalmässing und Greding endete am 28. Mai 1972.
Gibt es einen Radweg auf der Gredl-Trasse?
Ja, den Gredl-Radweg zwischen Hilpoltstein, Thalmässing und Greding.
Wann endete der Personenverkehr auf dem Spalter Bockl?
Am 28. September 1969.
Was ist aus dem Bahnhof Spalt geworden?
Er wurde restauriert und ist seit 1993 Kulturbahnhof.

Auf beiden Trassen sind aus Bahnlinien Radwege geworden, die an die Gredl und das Bockl erinnern.

Quellen und Bildrechte

Bahnstrecke Roth–Greding (Wikipedia) · Bahnstrecke Georgensgmünd–Spalt (Wikipedia) · Heideck (Wikipedia) · Thalmässing (Wikipedia) · Greding (Wikipedia) · Alfershausen (Wikipedia)

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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