Die Hesselbergbahn: die Romantische Schiene zwischen Dombühl und Nördlingen
Von 1876 bis 1985 fuhren Personenzüge über Feuchtwangen und Dinkelsbühl, seit 2019 gilt die Strecke formell als stillgelegt. Heute fahren auf Teilen wieder Güterzüge, und für den Abschnitt Dombühl–Wilburgstetten ist eine Reaktivierung vorgesehen.


Lage: von Dombühl über Feuchtwangen und Dinkelsbühl nach Nördlingen. Status: Die Strecke gilt formell als stillgelegt, auf dem Abschnitt Nördlingen–Wilburgstetten fahren aber wieder Güterzüge, und Dombühl und Nördlingen sind aktive Bahnhöfe. Heute: Reaktivierung zwischen Dombühl und Wilburgstetten vorgesehen.
Die Hesselbergbahn ist die Bahnstrecke von Dombühl über Feuchtwangen und Dinkelsbühl nach Nördlingen, benannt nach dem Hesselberg.
Wegen der parallel verlaufenden Romantischen Straße heißt sie auch Romantische Schiene.
Sie ist 54,4 Kilometer lang, eingleisig und nicht elektrifiziert.
Dombühl und Nördlingen sind aktive Bahnhöfe und kein Thema dieses Beitrags.
Auf dem Abschnitt Nördlingen–Wilburgstetten fahren inzwischen wieder Güterzüge, deshalb ist Wilburgstetten kein stillgelegter Halt im engeren Sinn.
Wie die Hesselbergbahn entstand
Schon 1857 baten Feuchtwangen und Herrieden schriftlich den Bayerischen Landtag um einen Bahnanschluss.
Geplant war eine Strecke von Ansbach über Herrieden und Feuchtwangen nach Crailsheim, sie erwies sich aber als zu teuer.
Das Vizinalbahngesetz von 1869 legte Dombühl als Ausgangspunkt der Stichbahn nach Feuchtwangen fest.
Die Gemeinden mussten Grundstückserwerb und Unterbau finanzieren, der Staat baute Oberbau und führte den Betrieb.
Weil man von Anfang an eine Verbindung der Stichbahnen vorsah, wurden die Bahnhöfe weit von den Stadtkernen gebaut.
Die Strecke wurde in drei Abschnitten eröffnet.
Dombühl–Feuchtwangen begann am 15. April 1876, Nördlingen–Dinkelsbühl am 2. Juli 1876 und das Zwischenstück am 1. Juni 1881.
So sah es vorher aus: der Reichsstädtezug
Allein von April bis Dezember 1876 wurden am Zielbahnhof Feuchtwangen über 20.000 Personen befördert, dazu 427 Stück Großvieh und 330 Tonnen Frachtgut.
1881 gab es einen Nachtzug, der gegen 22 Uhr in Feuchtwangen Richtung München abfuhr und sein Ziel erst um 8.45 Uhr erreichte.
In den 1950er Jahren fuhr täglich ein Eilzug aus einer Schienenbus-Garnitur von Rothenburg über Dombühl und Nördlingen bis München, anfangs zuschlagpflichtig.
Er hieß Reichsstädtezug, weil er mehrere ehemalige Reichsstädte verband, und brauchte für die Strecke Dombühl–Nördlingen rund 70 Minuten.
Die übrigen Personenzüge fuhren 1954 etwa zehn- bis zwölfmal am Tag und brauchten rund 90 Minuten.
Die Strecke erreichte Bekanntheit durch ihre Signale, die erst nach dem Ende des Personenverkehrs 1985 abgebaut wurden.
Die Bahnhöfe Fremdingen, Marktoffingen und Wilburgstetten besaßen bayerische Signale in hoher Ausführung.

Vehlberg
Vehlberg war ein Haltepunkt bei Kilometer 50,7, kurz vor Dombühl.
Er liegt in dem Abschnitt, auf dem die Infrastruktur für eine Reaktivierung vorgesehen ist.
Zum Haltepunkt selbst ist nichts weiter belegt.
Feuchtwangen
Feuchtwangen war ein Bahnhof bei Kilometer 43,0, errichtet westlich der Sulzach in einer Entfernung von 750 Metern zum Stadtmittelpunkt.
Das hatte man in Kauf genommen, weil man später die Strecke Richtung Dinkelsbühl weiterführen wollte.
Die Kosten für die Verbindung Dombühl–Feuchtwangen waren für die Stadt mit 247.000 Mark veranschlagt, das waren 21 Prozent der vorgesehenen Gesamtkosten von 1.189.000 Mark.
Die Trasse war im April 1876 fertig, und die Stadt brachte ihren Anteil teils über eine Anleihe von 120.000 Gulden auf.
Aus der Unteren Torstraße wurde die Bahnhofstraße.
Als die Post mit der Bahn fuhr, die Poststation aber im Gasthaus „Storchen“ am Marktplatz blieb, wurde auf dem rund 800 Meter langen Weg die erste Straßenlaterne installiert.
Eine Besonderheit war die Kreuzung der Feldbahn der Ziegelei mit der Strecke.
Die Ziegelei war schon 1388 als städtische Einrichtung gegründet worden und lag zuletzt als Tonwarenfabrik und Dampfsägewerk zwischen Bundesstraße und Bahnstrecke.
Die Feldbahn mit 500 Millimetern Spurweite unterquerte die Bahn nach dem Ziegelweiher, die Betonbrücke im Bahndamm ist noch erhalten, aber durch ein Gitter versperrt.
Anfang der 1970er Jahre wurde der Betrieb eingestellt, später wurden der hohe Kamin gesprengt und die Gebäude abgebrochen.
Düngemitteltransporte zur BayWa in Feuchtwangen fuhren bis Jahresende 2018.

Dinkelsbühl
Dinkelsbühl war der Endbahnhof der ersten Teilstrecke von Nördlingen, bei Kilometer 30,9.
Ursprünglich sollte die Trasse dort verlaufen, wo heute das Brauhaus der Hauf-Bräu steht, doch man entschied sich für einen Einschnitt mit zwei zusätzlichen Brücken.
Beim Bau des Einschnitts wurde der alte Standort des letzten Dinkelsbühler Galgens beseitigt.
Als Endstation hatte Dinkelsbühl eine zweiständige Lokomotivremise mit Wasserhaus und eine Drehscheibe am westlichen Bahnhofsende.
Das Empfangsgebäude war größer als an den kleinen Stationen und hatte Wartesäle für die erste und zweite sowie für die dritte Klasse.
Das Gruppenausfahrsignal „C“ stand unter der Stauferwallbrücke und war als Zwergsignal ausgeführt.
Am 3. September 1988 begann der Museumsbahnbetrieb Nördlingen–Dinkelsbühl.
Am 7. April 2001 eröffnete das Bayerische Eisenbahnmuseum den Betrieb auf diesem Abschnitt nach Sanierungsarbeiten, und seit 2006 fuhren die Züge bis Feuchtwangen.
An den Adventssonntagen konnte man mit einem Schienenbus von Dombühl über Feuchtwangen nach Dinkelsbühl fahren, vor allem für Weihnachtsmarktbesucher.
Im April 2013 wurde das Bahnhofsgebäude abgerissen, an seiner Stelle entstand ein Drogeriemarkt.
Für eine Reaktivierung ist in unmittelbarer Nähe eine Bahnhaltestelle mit drei Zugängen zum Bahnsteig geplant.




Wilburgstetten
Wilburgstetten ist eine Dienststation bei Kilometer 23,0 und wird im Güterverkehr bedient.
Hier wurde ein 1,6 Kilometer langer Neubauabschnitt zum Sägewerk Rettenmeier gebaut, der am 8. Dezember 2006 nach viermonatiger Bauzeit in Betrieb ging.
Die Anlagen in Fremdingen und Wilburgstetten waren gleich gebaut, aber spiegelverkehrt, und die Gebäude folgen demselben Plan.
Das größte Bauwerk des Abschnitts Nördlingen–Dinkelsbühl ist die Wörnitzbrücke in Wilburgstetten.
Der Güterverkehr zwischen Nördlingen und Wilburgstetten endete am 27. Mai 1998, auf dem Abschnitt Wilburgstetten–Dombühl lief er noch bis zum 15. Dezember 2002.
Nach Instandhaltungsarbeiten fahren seit Ende Mai 2020 wieder Güterzüge von Nördlingen bis Wilburgstetten, fast wöchentlich Rundholz- und Hackschnitzelzüge.
Mitte Januar 2021 fuhr mit rund 3000 Tonnen und 674 Metern Länge der bisher schwerste Güterzug zum Sägewerk.




Niedergang und Ende
Die Dampflok 64 348 führte am 24. September 1966 als letzte ihrer Gattung den planmäßigen Dampfzug von Nördlingen nach Dombühl.
Am 1. Juni 1985 wurde die Strecke im planmäßigen Personenverkehr aufgegeben.
1987 transportierten Güterzüge Baumaterial nach Schopfloch für den Bau der Bundesautobahn 7.
Das Bayerische Eisenbahnmuseum hielt den Abschnitt Feuchtwangen–Dombühl betriebsbereit, um ein Stilllegungsverfahren zu verhindern.
2003 und 2004 konnte der Abbau der Verbindungsweiche in Dombühl durch Intervention verhindert werden.
Der letzte planmäßige Museumszug fuhr am 23. Oktober 2016 zwischen Nördlingen und Feuchtwangen.
Der letzte Dampfzug auf der Gesamtstrecke war am 3. Dezember 2018 die 44 546 mit einem Zug von der Anschlussstelle Rettenmeier nach Nördlingen.
Die BayernBahn GmbH stellte den Antrag auf Entbindung von der Betriebspflicht.
Mit Bescheid des Bayerischen Staatsministeriums vom 25. Januar 2019 wurde die Strecke stillgelegt.
So sieht es jetzt aus
Die Mittelfränkische Eisenbahnbetriebsgesellschaft wurde 2019 gegründet und übernahm den Infrastrukturbetrieb.
Sie will die Strecke so ertüchtigen, dass zwischen Dombühl und Wilburgstetten wieder Personenverkehr stattfinden kann.
Die Baukosten für diesen Abschnitt wurden Anfang 2025 auf 49,5 Millionen Euro geschätzt.
Vorbehaltlich einer Förderzusage soll 2026 der Baustart erfolgen, die Inbetriebnahme ist für Ende 2027 vorgesehen.
Damals und heute
Damals war die Strecke vom Reichsstädtezug bis zum Schienenbus ein vielbefahrener Weg zwischen Franken und Schwaben.
Heute ist sie formell stillgelegt, doch im Güterverkehr wieder in Betrieb, und der Personenverkehr soll zumindest zwischen Dombühl und Wilburgstetten wiederkommen.
Die Geschichte in Daten
1857: Feuchtwangen und Herrieden bitten um einen Bahnanschluss.
1869: Das Vizinalbahngesetz legt Dombühl als Ausgangspunkt fest.
15. April 1876: Dombühl–Feuchtwangen wird eröffnet.
2. Juli 1876: Nördlingen–Dinkelsbühl wird eröffnet.
1. Juni 1881: Das Zwischenstück Dinkelsbühl–Feuchtwangen wird eröffnet.
24. September 1966: Letzter planmäßiger Dampfzug von Nördlingen nach Dombühl.
1. Juni 1985: Ende des planmäßigen Personenverkehrs.
3. September 1988: Beginn des Museumsbahnbetriebs Nördlingen–Dinkelsbühl.
27. Mai 1998: Ende des Güterverkehrs Nördlingen–Wilburgstetten.
7. April 2001: Das Bayerische Eisenbahnmuseum eröffnet den Betrieb Nördlingen–Dinkelsbühl.
15. Dezember 2002: Ende des Güterverkehrs Wilburgstetten–Dombühl.
8. Dezember 2006: Der Neubauabschnitt bei Wilburgstetten geht in Betrieb.
April 2013: Das Bahnhofsgebäude Dinkelsbühl wird abgerissen.
23. Oktober 2016: Letzter planmäßiger Museumszug.
3. Dezember 2018: Letzter Dampfzug auf der Gesamtstrecke.
25. Januar 2019: Die Strecke wird stillgelegt.
Ende Mai 2020: Güterzüge fahren wieder bis Wilburgstetten.
Häufige Fragen
Warum heißt die Strecke Hesselbergbahn?
Wann endete der Personenverkehr?
Ist die Strecke stillgelegt?
Gibt es Pläne für neue Züge?
Was ist aus dem Bahnhof Dinkelsbühl geworden?
Wer heute zwischen Dombühl und Nördlingen unterwegs ist, folgt oft noch dem Verlauf einer Bahn, die bald wieder fahren könnte.
Wikipedia: Bahnstrecke Nördlingen–Dombühl · Wikimedia Commons: Bahnstrecke Nördlingen–Dombühl
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