Die Bahnstrecke Weidenberg–Warmensteinach: stille Halte im oberen Steinachtal
Am 15. August 1896 eröffnete die Lokalbahn von Bayreuth nach Warmensteinach. Seit dem 1. Januar 1993 fahren auf dem Abschnitt hinter Weidenberg keine Züge mehr, bis Warmensteinach liegt heute zum Teil ein Radweg.


Lage: Oberes Steinachtal im Fichtelgebirge, 22,9 Kilometer von Bayreuth nach Warmensteinach. Status: Bayreuth–Weidenberg ist in Betrieb, Weidenberg–Warmensteinach seit 1993 nicht mehr befahren. Heute: Zwischen Sophienthal und Warmensteinach verläuft ein Bahntrassenradweg.
Die Bahnstrecke Bayreuth–Warmensteinach führt im Tal der Warmen Steinach über Weidenberg nach Warmensteinach im Fichtelgebirge.
Der Abschnitt Bayreuth–Weidenberg ist bis heute in Betrieb und hier nicht Thema.
Zwischen Mengersreuth und Warmensteinach ist die Strecke abgebaut, auf einem Teilstück wird sie als Bahntrassenradweg genutzt.
Von den sieben Nebenbahnen, die früher das Fichtelgebirge erschlossen, ist sie die letzte, die noch teilweise in Betrieb ist.
Behandelt werden die stillgelegten Halte Mengersreuth, Sophienthal, Zainhammer und der Endbahnhof Warmensteinach.
Entstehung: ein Anlauf über dreißig Jahre
Mit dem Bau der Strecke Weiden–Bayreuth sah auch Weidenberg in den frühen 1860er Jahren eine Chance auf einen Bahnanschluss.
Als Argumente führte man die Wasserkräfte des Steinachtals und den Holzreichtum des Fichtelgebirges an, die sich schon seit Jahrhunderten im Eisenerzbergbau und in den Hammerwerken zeigten.
Der Krieg von 1866 und der Deutsch-Französische Krieg von 1870 und 1871 ließen die Diskussion zweimal verstummen.
Am 18. Januar 1888 richtete der Stadtmagistrat von Bayreuth einen Antrag an das Staatsministerium, am 4. Februar jenes Jahres empfahl die Generaldirektion den Bau.
Eine Fortsetzung über Grassemann nach Bischofsgrün und eine über Oberwarmensteinach nach Fichtelberg wurden wegen der hohen Kosten als nicht bauwürdig bezeichnet.
Mit Gesetz vom 26. Mai 1892 wurde der Bau der Lokalbahn endgültig genehmigt.
Die Baukosten für die knapp 23 Kilometer lange Strecke beliefen sich auf 1,2 Millionen Mark.
Am 15. August 1896 wurde die Nebenbahn eröffnet.
Sie war die erste der von Bayreuth ausgehenden Nebenbahnen.
So sah es vorher aus: Wintersportzüge nach Warmensteinach
Anfangs verkehrten täglich drei Zugpaare.
1944 gab es werktags vier Personenzugpaare, sonntags eines weniger, 1963 waren es täglich sechs Zugpaare sowie abends ein Buskurs.
Im regen Wintersportverkehr gab es durchgehende Züge aus Nürnberg und Bamberg.
Sie waren teilweise mit zwei Tenderlokomotiven bespannt und führten für eine Nebenbahn untypisch mehrere vierachsige Eilzugwagen mit.
An Wintersonntagen konnten bis zu vier Sonderzüge in Warmensteinach stehen.
Der erste Wintersportzug fuhr am 9. Februar 1908 von Nürnberg nach Warmensteinach.
Zunächst wurden bayerische Lokalbahnlokomotiven der Baureihe D VII eingesetzt, die ab Warmensteinach 540 Tonnen Zuglast befördern konnten.
In Gegenrichtung waren es bis Weidenberg nur 150 und bis Warmensteinach nur 120 Tonnen, deshalb musste häufig Vorspann geleistet werden.
Später bestimmten Dampflokomotiven der Baureihen 98.11 und 64 das Bild.
Der Traktionswandel begann mit Schienenbussen der Baureihe VT 95, in den letzten Jahren kamen stärkere Schienenbusse der Baureihe VT 98 nach Warmensteinach.

Weidenberg bis Mengersreuth: der Beginn des stillen Abschnitts
Hinter Weidenberg ändert das Tal seinen Charakter erneut.
Nach Mengersreuth wird die Steinach überquert, die ab hier von Norden her vom Südhang des Ochsenkopfs kommt.
Der Haltepunkt Mengersreuth lag bei Streckenkilometer 15,6.
Zwischen Mengersreuth und Mittlernhammer gab es einen 200 Meter langen und 4 Meter hohen Damm, der von Brückenöffnungen unterbrochen war.
Seit dem 1. Januar 1993 wurde der Abschnitt Weidenberg–Warmensteinach aus technischen Gründen nicht mehr im Personen- und Güterverkehr befahren.
Als Stilllegungsgrund wird eine Brücke bei Mengersreuth genannt.
Sophienthal: Bahnagentur mit Tempo 15
Der Haltepunkt Sophienthal bei Kilometer 17,6 war eine Bahnagentur mit einem Holzgebäude, das weitgehend dem der anderen Agenturen glich.
Die Höchstgeschwindigkeit war in Sophienthal auf nur 15 Kilometer pro Stunde festgesetzt, auf der Strecke allgemein auf 30 Kilometer pro Stunde.
Auf der Bahntrasse zwischen Sophienthal und Warmensteinach wurde ein Radweg angelegt.

Zainhammer
Zainhammer bei Kilometer 19,8 war ebenfalls eine Bahnagentur mit einem Holzgebäude.
Die engsten Gleisbögen mit 200 Metern Radius gab es an 38 Stellen, vor allem im oberen Steinachtal.
Die Neigung der Strecke beträgt bis zu 20 Promille.
Neuwerk: ein durchbrochener Bergkopf
Bei Neuwerk wurde kurz vor Warmensteinach ein Bergkopf durchbrochen.
Weiter nördlich überquerte die Strecke die Staatsstraße 2181 niveaugleich.
An mehreren Stellen war beim Bau eine Verlegung der Steinach nötig, auch wird sie mehrmals von der Strecke überschritten.
Warmensteinach: Endbahnhof in der Ortsmitte
Der Endbahnhof Warmensteinach liegt bei Kilometer 22,9 in der Mitte des langgezogenen Ortes.
Wie auf bayerischen Lokalbahnen üblich waren die Lokomotiven und das Personal am Endpunkt der Strecke beheimatet.
Der Höhenunterschied zum Bayreuther Hauptbahnhof beträgt 209 Meter, die Strecke ist 22,9 Kilometer lang, die Luftlinie 14,8 Kilometer.
Das Empfangsgebäude von 1899 ist ein zweigeschossiger Halbwalmdachbau aus Polygonalmauerwerk, das Nebengebäude ein eingeschossiger Satteldachbau.
Zum Bahnhof gehörte ein Lokschuppen.




Niedergang: Wochenenden ohne Züge
Anfang der 1980er Jahre standen montags bis freitags drei Züge nach Bayreuth und zwei nach Warmensteinach im Kursbuch, ergänzt durch einige Busfahrten.
Der Frühzug nach Warmensteinach fuhr offiziell nur als Leerreisezug.
An den Wochenenden ruhte seit Mai 1982 der Zugverkehr ganz.
Ab 1. Januar 1993 verkehrten auf dem Abschnitt Weidenberg–Warmensteinach keine Züge mehr.
Das Ringen um die Reaktivierung
Die Deutsche Regionaleisenbahn besitzt als Eigentümerin des Abschnitts eine bis 2050 gültige Betriebsgenehmigung.
Die Gleise zwischen Weidenberg und Warmensteinach sind weitgehend abgebaut.
Am 16. August 2010 gab der Bayreuther Landrat Hübner das Aus für die Strecke bekannt, da die hohen Investitionskosten nicht bezuschusst würden und wenig Fahrgäste erwartet wurden.
Im Herbst 2016 lehnte der Freistaat Bayern die Reaktivierung ab, weil das erwünschte Fahrgastaufkommen von 1.000 Personen pro Tag nicht erreicht werde.
Warmensteinach strebte danach den Bau eines Radwegs auf der Trasse im oberen Steinachtal an.
So sieht es jetzt aus: Radweg ab Sophienthal
Der Bahntrassenradweg zwischen Sophienthal und Warmensteinach wurde im November 2018 eröffnet und ist seit dem 15. November 2018 befahrbar.
Die Freistellung der Bahnflächen erfolgte in den Jahren 2017 und 2020.
Die Geschichte in Daten
1888: Am 18. Januar richtet der Stadtmagistrat Bayreuth einen Antrag an das Staatsministerium.
1892: Am 26. Mai wird der Bau der Lokalbahn endgültig genehmigt.
1896: Am 15. August wird die Nebenbahn eröffnet.
1908: Am 9. Februar fährt der erste Wintersportzug von Nürnberg nach Warmensteinach.
1963: Es verkehren täglich sechs Zugpaare.
1982: Im Mai ruht der Zugverkehr an den Wochenenden ganz.
1993: Am 1. Januar endet der Verkehr zwischen Weidenberg und Warmensteinach.
2010: Am 16. August gibt der Landrat das Aus für die Strecke bekannt.
2016: Im Herbst lehnt der Freistaat Bayern die Reaktivierung ab.
2018: Am 15. November wird der Radweg zwischen Sophienthal und Warmensteinach befahrbar.
Häufige Fragen
Wann wurde die Strecke eröffnet?
Wann endete der Verkehr bis Warmensteinach?
Ist die Strecke noch teilweise in Betrieb?
Kann man auf der Trasse radeln?
Warum wurde die Reaktivierung abgelehnt?
Wo einst die Wintersportzüge aus Nürnberg hielten, führt heute ein Radweg nach Warmensteinach.
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